Wie sollten sich Lehrer gegenüber ihren Schüler(innen) verhalten: Einführung in die Lektüre "Der Schatz auf Pagensand"

Planung einer Unterrichtsstunde in Jahrgang 5 (GYM)


Unterrichtsentwurf, 2011

7 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1. Beschreibung der Lerngruppe

Die Klasse x unterrichte ich seit Beginn des Schuljahres in den Fächern Deutsch und Geschichte. Sie besteht aus fünfzehn Schülerinnen und vierzehn Schülern. Mein Verhältnis zu den Schülerinnen und Schülern1 empfinde ich aufgrund einer freundlichen und meist störungsfreien Arbeitsatmosphäre sowie eines gegenseitigen respektvollen Umgangs miteinander als sehr angenehm. Sie bringen mir als Klassenlehrerin ein großes Vertrauen entgegen.

Die Leistungsbereitschaft- und stärke ist insgesamt als durchschnittlich zu bezeichnen. Zur Leistungsspitze gehören im Fach Deutsch x, die vor allem im Umgang mit Literatur zeigen, dass sie Argumentationsgänge nachvollziehen und zu einem gewissen Maß (altersstufengemäß) interpretieren können. x zeichnet sich dabei in besonderem Maß durch seine Fähigkeit aus, Perspektiven zu übernehmen und diese auf einem hohen sprachlichen Niveau zu artikulieren. Dahingegen haben x oft große Schwierigkeiten ihr eigenes Verständnis von Texten auszudrücken oder sogar die Struktur und Inhalte von Literatur nachzuvollziehen. Die genannten SuS benötigen deshalb Hilfestellungen beim Training analytischer und interpretatorischer Kompetenzen.

Eine besondere Rolle nimmt x in der Lerngruppe ein. Bei ihm wurde bereits im Grundschulalter das Asperger-Syndrom diagnostiziert. Dies zeigt sich vor allem im Umgang mit Mitschülern (Empathievermögen), denen gegenüber er kein Interesse zeigt oder gar eine Abneigung hegt. Aus diesem Grund begleitet ihn eine Einzelfallhelferin in seinem Schulalltag.

Die Lerngruppe ist mit den Sozialformen der Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit sowie mit einzelnen Formen Offenen Unterrichts vertraut. Es bereitet hingegen einem Großteil der SuS noch große Schwierigkeiten, sich auf Äußerungen von Mitschülern zu beziehen.

2. Einordnung der Stunde in den Unterrichtszusammenhang

Bei der Stunde des Besuchs handelt es sich um die Einführungsstunde zur Unterrichtsreihe „Literaturprojekt ‚Der Schatz auf Pagensand’“2, in welcher die SuS der Lektüre erstmals begegnen. Da diese auch erst am Ende der Stunde ausgeteilt wird und kein SuS dieses Buch bereits gelesen hat, kann von keinem speziellen Vorwissen ausgegangen werden. Allerdings besitzen die SuS zum zu behandelnden Gegenstand in der geplanten Unterrichtsstunde Alltagserfahrungen, die sie in ihren vergangenen Schuljahren erworben haben. Die direkte Konfrontation mit Lehrern, Mitschülern, Ehrgeiz und Leistungsdruck basieren dabei jeweils auf ganz eigenen persönlichen Erlebnissen bei jedem SuS.

Im Anschluss an die geplante Stunde erfolgt die Anleitung und Einführung eines Literaturprojekts in Form eines Stationenlernens. Neben der intensiven Beschäftigung mit der Lektüre und den Themenbereichen Schule, Freundschaft, Entscheidungsfindung und Zukunftsplänen steht ein häusliches binnendifferenziertes PC-Training (Word, Excel, Powerpoint und Internetrecherche) im Vordergrund dieses Projekts.

3. Didaktische Überlegungen

Die Stunde des Besuchs folgt der klassischen Einteilung in Einstieg-, Erarbeitungs- und Vertiefungsphase. In der Hinführung zur Thematik der Stunde begegnen die SuS erstmals der Lektüre. Hierzu wurde im Sinne der didaktischen Reduktion ein sehr kurzer Textausschnitt (S. 5-7) gewählt, der zunächst nur den Themenbereich „Schule“ beinhaltet. Die komplette Behandlung des ersten Kapitels würde die SuS vom eigentlichen Stundenziel abbringen und weitere Themenfelder eröffnen, die erst später relevant werden. Sie begegnen hier, wie es typisch für die Kinder- und Jugendliteratur ist, einer ihnen bekannten Situation3: Der Rückgabe einer Klassenarbeit durch eine Lehrkraft. Sie können sich davon ausgehend in die Situation einfühlen bzw. Empathievermögen4 beweisen. Als Überleitung zur folgenden Phase dient die erste kurze schriftliche Auseinandersetzung mit der Ausgangssituation der Lektüre, in der die SuS reflektieren, wie sie die dargestellte Situation erlebt haben.

In der Erarbeitung richten die SuS ihren Blick konkret auf die Rolle der Lehrkraft, Deutschlehrer Schaper, indem sie ihm in Form eines „private[n] Brief[es]“5 mitteilen, wie sie die Rückgabe der Klassenarbeit und das Verhalten Schapers empfunden haben. Es ist zu erwarten, dass die SuS hier eigene Erfahrungen in ihre Überlegungen einbeziehen. So kann ein hohes Maß an Authenzität erreicht werden, welches die Basis für die sich anschließende Phase bildet.

Vertiefend soll der Transfer geleistet werden, Kriterien für eine schülerzugewandte Lehrkraft zu entwickeln. Es ist davon auszugehen, dass sich die SuS von dieser sowohl Eigenschaften wie Freundlichkeit, Empathie als auch Professionalität und Fairness wünschen. Hauptziel neben der intensiven Auseinandersetzung mit der Lektüreeinleitung ist dabei die Bewusstmachung der Umstände einer angenehmen und produktiven Lernumgebung. Bei leistungsschwächeren SuS besteht die Möglichkeit, ihnen als Hilfsimpuls den Hinweis zu geben, dass Eigenschaften meist mittels Adjektiven beschrieben werden.6

Eine weitere Differenzierung muss in dieser Stunde nicht erfolgen, da die individuellen Ausgangssituationen der Lernenden jedem/jeder SuS die Möglichkeiten zum Anteil am Unterrichtsgeschehen in angemessenem Maß bieten.

Als didaktische Reserve ist die Übertragung dieser Überlegungen auf die Eigenschaften eines (Mit-)SuS vorgesehen, der aktiv und produktiv am Schul-/Unterrichtsgeschehen teilnehmen kann. Alternativ kann die konkrete Festlegung der gewünschten Eigenschaften einer Lehrkraft ebenso in einer Hausaufgabe beendet werden.

4. Lehrziele/ Kompetenzförderung

Stundenziel:

Die SuS reflektieren ihre Vorstellung von einer „guten“ Lehrkraft ausgehend von einer Textstelle des Jugendbuchs ‚Der Schatz auf Pagensand’, indem sie selbstständig und wertend entsprechende Eigenschaften formulieren.

Kompetenzförderung nach KC:

Die SuS…

schreiben persönliche Briefe.

formulieren eine Anklage an eine literarische Figur.

stellen Bezüge des Textes zur eigenen Erfahrungswelt her.7

[...]


1 Im Folgenden werden die Schülerinnen und Schüler mit SuS abgekürzt.

2 Siehe Vorgaben im Schuleigenen Curriculum für den Jahrgang 5.

3 Vgl. Kämper-van den Boogart, Michael (Hg.): Deutsch-Didaktik. Leitfaden für die Sekundarstufe I und II. Berlin ³2003, S. 108f.

4 Vgl. Schuster, Karl: Einführung in die Fachdidaktik Deutsch. Hohengehren 2001, S. 95f.

5 Lange, Günter u.a.: Textarten didaktisch – Eine Hilfe für den Literaturunterricht. Hohengehren ³2001, S. 10.

6 Diese didaktischen Überlegungen ermöglichen der Lehrkraft ebenfalls, Niklas individuelle Hilfestellungen zu geben, da es ihm aufgrund seines Syndroms oft schwerfällt, sich in Situationen oder Personen hineinzuversetzen.

7 Vgl. KC für das Gymnasium. Schuljahrgänge 5-10. Deutsch. Hannover 2006, S. 20,22 und 26.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Wie sollten sich Lehrer gegenüber ihren Schüler(innen) verhalten: Einführung in die Lektüre "Der Schatz auf Pagensand"
Untertitel
Planung einer Unterrichtsstunde in Jahrgang 5 (GYM)
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
7
Katalognummer
V181843
ISBN (eBook)
9783656053217
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lehrer, schüler, einführung, lektüre, schatz, pagensand, planung, unterrichtsstunde, jahrgang
Arbeit zitieren
Jessica Jentsch (Autor), 2011, Wie sollten sich Lehrer gegenüber ihren Schüler(innen) verhalten: Einführung in die Lektüre "Der Schatz auf Pagensand", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181843

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