„Odyssee im Weltraum“ erzählt in einer eigenen Bildsprache die Geschichte der Evolution. Zum einen von der, welche bereits geschehen ist, und zum anderen von einer Evolution, die vielleicht noch kommen mag. Der Film beginnt im Zeitalter der Urmenschen, und Kubrick gelingt es, mit Hilfe nur eines Schnittes ins Zeitalter der Raumfahrt überzuleiten. Er beginnt von dem Raumschiff namens Discovery im Jahre 2001 zu berichten, und endet mit der metaphysischen Geburt eines „Sternenkindes“.
Dass [in "Odyssee im Weltraum"] für den Rezipienten am Ende einiges offen bleibt, ist nicht nur der Geschichte an sich und den suggestiven Bildern zu verdanken: die narrative Rolle der Musik ist ebenfalls [als] sehr wichtig [anzusehen].
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die drei wichtigsten Stücke in „Odyssee im Weltraum“
Eine musikalische Analyse der Space-Opera „2001“
Ouvertüre
Hauptteil
Der tragische Schluss
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die narrative und stimmungsbildende Rolle der Musik in Stanley Kubricks Film „2001: Odyssee im Weltraum“. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Kubrick durch den gezielten Einsatz bereits existierender klassischer Werke und spezifischer Klangstrukturen den Rezipienten durch die komplexe filmische Erzählung der Evolution führt und dabei eine spezifische Atmosphäre sowie Spannung erzeugt.
- Die Funktion klassischer Musik als leitmotivisches Element im Film.
- Die Kontrastierung von Stille, Alltagsgeräuschen und musikalischer Untermalung.
- Die symbolische Verknüpfung von Musik mit den Themen Evolution und Technologie.
- Die Analyse der Abschaltsequenz des Computers H. A. L. 9000 und deren musikalischer Begleitung.
Auszug aus dem Buch
Die drei wichtigsten Stücke in „Odyssee im Weltraum“
Johann Baptist Strauss’ „Donauwalzer“ wurde im Jahre 1867 komponiert. Ausgespielt dauert er etwa neun Minuten. Er gilt in Österreich als die heimliche Hymne neben einigen anderen – heute wird „An der schönen blauen Donau“, wie das Lied eigentlich heisst, zumeist als reiner Orchesterwalzer aufgeführt und seit 1890 wird auch gelegentlich der von Franz von Gernerth dazu gedichtete Text zum Lied gesungen.2
György Ligetis „Atmosphéres“ wurde erstmals 1961 bei den Donaueschinger Musiktagen aufgeführt. Ligeti gilt als „Erneuerer der Neuen Musik“: Die Komposition ist für grosse Orchester konzipiert, wobei Ligeti auf Akkorde, Melodien u. a. verzichtete und sich nur auf die pure Ästhetik der Klangfarben konzentrierte. Alle Töne der chromatischen Skala, die sich über fünf Oktaven erstreckt, spielen hier zusammen. Der Komponist selbst bezeichnete dieses Zusammenspiel als ein „Cluster“ (dt. Haufen, Klumpen). Es besteht eine Komposition aus verschiedenen „Clusterformen“, welche auf zwei „Basiscluster“ zurückzuführen sind. Dies sind die aufsteigenden und absteigenden Cluster, die das Volumen des Klangs bestimmen. Der Film offenbarte den modernistischen Komponisten erstmals für ein breites Publikum.
Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ ist ein weiteres Stück, welches Kubrick in seiner „Odyssee im Weltraum“ verwendete und das seither direkt mit diesem Film und seinen Themen assoziiert wird, wobei das Stück drei Mal in dem Film zu hören ist. Die im Jahre 1895 erschienene sinfonische Dichtung ist eine musikalische Umsetzung von Friedrich Nietzsches gleichnamigem philosophisch-lyrischem Werk. Diese Schrift bestand aus vier Teilen, aus denen sich Strauss jeweils zwei Kapitel aussuchte, um sie neu zu ordnen und in „librettistischer“ Manier zu vertonen. Für „Odyssee im Weltraum“ griff Kubrick allerdings nur auf die „Vorrede Zarathustras“ zurück, welche eine chromatische Steigerung im „Natur Motiv“ C-G-C in C-Dur innehat.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Evolution und die narrative Bedeutung der Musik in Kubricks Film ein, da erst nach ca. 20 Minuten Sprache eingesetzt wird.
Die drei wichtigsten Stücke in „Odyssee im Weltraum“: Dieses Kapitel stellt die musikalischen Grundpfeiler des Films vor: den „Donauwalzer“, Ligetis „Atmosphéres“ und Strauss’ „Also sprach Zarathustra“.
Eine musikalische Analyse der Space-Opera „2001“: Eine detaillierte Untersuchung, wie die Musik die verschiedenen Phasen des Films, vom „Dawn of Man“ über die Weltraumreisen bis zur Konfrontation mit dem Monolithen, untermalt und strukturiert.
Ouvertüre: Analyse der einleitenden Sequenz, in der Musik genutzt wird, um trotz eines schwarzen Bildschirms Spannung und Atmosphäre aufzubauen.
Hauptteil: Der Hauptteil erläutert die Rolle der Musik bei der Darstellung des Alltags im Weltraum sowie bei der zunehmenden Spannung durch den Computer H. A. L. 9000.
Der tragische Schluss: Betrachtung der finalen Sequenzen des Films, in denen Musik zur Darstellung des Unendlichen und zur Unterstützung des metaphysischen Wandels eingesetzt wird.
Fazit: Das Fazit resümiert die Entscheidung Kubricks für klassische Musik statt für eine eigens komponierte Filmmusik und deren Effekt auf die nonverbale Erzählweise.
Schlüsselwörter
Stanley Kubrick, 2001: Odyssee im Weltraum, Filmmusik, Evolution, H. A. L. 9000, Monolith, Klassische Musik, Richard Strauss, Johann Baptist Strauss, György Ligeti, Space-Opera, Narrativ, Stimmungserzeugung, Medienkritik, Filmmontage
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der besonderen Bedeutung und narrativen Funktion der Musik in Stanley Kubricks Science-Fiction-Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Verbindung von Bild und Musik, der Einsatz von klassischer Musik als Ersatz für originäre Filmmusik sowie die symbolische Darstellung der menschlichen Evolution.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Musik gezielt eingesetzt wird, um den Zuschauer zu führen, Stimmungen zu erzeugen und die nicht-lineare Erzählstruktur des Films zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine filmwissenschaftliche und musikalische Analyse, bei der spezifische Szenen und deren akustische Untermalung detailliert interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Ouvertüre, des Mittelteils und des tragischen Schlusses, wobei die musikalische Begleitung entscheidender Wendepunkte im Detail besprochen wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Filmmusik, Evolution, narrative Struktur, Kubrick und die Analyse der verwendeten Kompositionen definieren.
Warum verwendet Kubrick kaum selbst komponierte Musik?
Kubrick bevorzugte existierende klassische Werke, da er der Ansicht war, dass diese eine größere künstlerische Tiefe besitzen und sich durch Ausprobieren besser in die Szenen integrieren lassen als neu komponierte Musik.
Welche Bedeutung hat das Lied „Hänschen klein“ bei der Abschaltung von H. A. L.?
Es dient als symbolische Darstellung der Regression des Computers zurück zum Kindesalter, was den Bruch seines Willens und die Überlegenheit des menschlichen Handelns unterstreicht.
Wie trägt die Musik zur Darstellung des Weltraums bei?
Sie nimmt dem Weltraum das Bedrohliche oder macht ihn im Gegenteil durch Kontraste, wie etwa den Einsatz des Donauwalzers bei Routineabläufen, als einen Ort von „Unbekümmertheit“ erfahrbar.
- Arbeit zitieren
- Stephanie Kromer (Autor:in), 2009, Die Rolle der Musik in Stanley Kubrick’s „2001: Odyssee im Weltraum“ , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182338