Die vorliegende Seminararbeit widmet sich der Untersuchung der moralphilosophischen Position des Eudämonismus. Im Rahmen der Vorlesung „Was soll ich tun? Einführung in die Ethik“ wurde diese bereits angeschnitten. Nachdem zunächst ein knapper Überblick über Moralphilosophie im Allgemeinen gegeben wird, gilt es die
eudämonistische Position näher zu beleuchten und zu analysieren. Dabei wird der Schwerpunkt auf die ontologisch eudämonistische Ethik des Aristoteles gesetzt. Anschließend soll die Kritik Kants zum Eudämonismus kurz betrachtet werden, bevor diese Arbeit mit einem Fazit abgeschlossen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Moralphilosophie
3. Der Eudämonismus – eine Begriffsklärung
4. Die Nikomachischen Ethik des Aristoteles
4.1. Kurze Einführung in Leben und Werk
4.2. Eudaimonia als Ziel menschlicher Handlungen
4.3. Die Tugenden
4.4. Die Lust
4.5. Die verschiedenen Lebensformen
5. Kritik am Eudämonismus
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die moralphilosophische Position des Eudämonismus, wobei der Schwerpunkt auf der ontologischen Ethik des Aristoteles liegt. Ziel ist es, den Begriff des Glücks (Eudaimonia) als höchstes Gut und Ziel menschlichen Handelns zu analysieren und ihn kritischen Perspektiven, insbesondere der Kantischen Ethik, gegenüberzustellen.
- Grundlagen und Begriffsklärung der Moralphilosophie
- Definition und Herleitung des Eudämonismus
- Die Eudaimonia als zentrales Ziel bei Aristoteles
- Die Rolle von Tugenden, Lust und verschiedenen Lebensformen
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Eudämonismus
Auszug aus dem Buch
4.2. Eudaimonia als Ziel menschlicher Handlungen
Zu Beginn des ersten Buches der NE setzt Aristoteles voraus, dass „Jedes praktische Können und jede wissenschaftliche Untersuchung, ebenso alles Handeln und Wählen […] nach einem Gut [strebt], wie allgemein angenommen wird.“ Daraus schließt er, dass alles, was strebt, nach diesem Gut strebt und erklärt es somit zum Ziel. Jedoch unterscheidet er zwei verschiedene Arten von Zielen. Es gibt solche, die beschreiben die reine Tätigkeit als Ziel, und solche, welche das Werk oder das Ergebnis einer Tätigkeit als Ziel beschreiben. Diverse vom Autor angebrachte Beispiele, wie das Betreiben von Medizin ziele auf die Gesundheit des Menschen ab oder die Schiffbaukunst habe das fertige Schiff zur Intention, sollen dem Leser verdeutlichen, dass es dementsprechend so viele Ziele, wie auch Tätigkeiten gibt. Wenn eine Tätigkeit beide der genannten Zielarten vorweist, ist das Endziel immer besser zu bewerten als das Ziel der Handlung selbst.
Beginnt man eine Aktion, so Aristoteles, und verfolgt sie bis zur Produktfertigstellung, ergeben sich Zwischenergebnisse, die man hierarchisch einordnen kann, denn jeder Zweck oder jedes kleinere Ziel dient als Mittel zum Zweck von einem nächsten Ziel. Diese Tatsache bedingt, dass es ein übergeordnetes Ziel oder ein oberstes Gut geben muss, denn sonst führe dieser Prozess der Zielentwicklung ins Unendliche hinein. So ein Endziel unterliegt folgenden Kriterien, es muss um seiner selbst willen verfolgt und gewählt werden und zweitens kann das höchste Gut nicht vervielfacht werden, indem ein anderes Gut hinzugefügt wird. Kurz um, wonach alles strebt, muss „offenbar das Gute und das Beste sein.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die moralphilosophische Position des Eudämonismus ein und steckt den Rahmen für die Untersuchung der aristotelischen Ethik sowie die Betrachtung der Kantischen Kritik ab.
2. Der Begriff der Moralphilosophie: Das Kapitel erläutert die etymologische Herkunft und die begriffliche Abgrenzung von Ethik und Moralphilosophie als Reflexion über moralische Standards.
3. Der Eudämonismus – eine Begriffsklärung: Hier wird der Eudämonismus als eine Lehre definiert, die das Glück als das höchste Ziel menschlichen Strebens betrachtet, und es von verwandten Ansätzen wie dem Hedonismus oder Utilitarismus abgegrenzt.
4. Die Nikomachischen Ethik des Aristoteles: Dieser Abschnitt bietet einen biografischen Kontext zu Aristoteles und analysiert sein Hauptwerk, die Nikomachische Ethik, hinsichtlich ihrer Struktur und Kerninhalte.
4.1. Kurze Einführung in Leben und Werk: Das Kapitel gibt einen Überblick über die Lebensstationen des Aristoteles und ordnet die Nikomachische Ethik in sein Gesamtwerk ein.
4.2. Eudaimonia als Ziel menschlicher Handlungen: Hier wird die Eudaimonia als das höchste, autarke Gut analysiert, das um seiner selbst willen erstrebt wird.
4.3. Die Tugenden: Das Kapitel differenziert zwischen dianoetischen und ethischen Tugenden und erläutert die Bedeutung des Habitus für moralisch gutes Handeln.
4.4. Die Lust: Hier wird die Rolle der Lust in der aristotelischen Ethik untersucht, wobei zwischen sinnlicher Lust und der Lust an Tätigkeiten unterschieden wird.
4.5. Die verschiedenen Lebensformen: Das Kapitel stellt die unterschiedlichen Arten der Lebensführung vor – vom lustvollen über das politische bis hin zum theoretischen Leben.
5. Kritik am Eudämonismus: Dieser Teil befasst sich mit der Kantischen Kritik, die den Eudämonismus aufgrund seiner heteronomen Motivation ablehnt, sowie mit allgemeinen Vorwürfen der Individualisierung.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Gute als Tätigkeit verstanden werden muss und das Streben nach Tugend den Weg zum persönlichen Glück ebnet.
Schlüsselwörter
Eudämonismus, Aristoteles, Nikomachische Ethik, Glück, Eudaimonia, Moralphilosophie, Ethik, Tugend, Habitus, Handeln, Kant, Hedonismus, Utilitarismus, Lebensform, Vernunft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der Untersuchung der moralphilosophischen Position des Eudämonismus, wobei der Fokus auf dem Verständnis des guten Lebens bei Aristoteles liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Begriffsdefinition von Moralphilosophie, die aristotelische Lehre vom Glück, die Bedeutung von Tugenden, die Rolle der Lust und die verschiedenen menschlichen Lebensformen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Analyse der eudämonistischen Ethik des Aristoteles und die Beantwortung der Frage, inwieweit das Streben nach Tugend zum persönlichen Glück führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte, systematische Analyse philosophischer Primär- und Sekundärquellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Nikomachische Ethik, die Rolle des Glücks als oberstes Ziel, die Einteilung der Tugenden, die Bedeutung der Lust sowie die Kritik Kants am Eudämonismus detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Eudämonismus, Aristoteles, Glück, Eudaimonia, Tugend, Ethik und Moral.
Warum lehnt Immanuel Kant den Eudämonismus ab?
Kant lehnt ihn ab, weil er der Meinung ist, dass eine moralische Handlung nicht durch Neigungen oder das Streben nach Glück bestimmt sein darf, sondern ausschließlich durch die Pflicht und das eigene Vernunftgesetz.
Wie unterscheidet Aristoteles die drei Lebensformen?
Er unterscheidet das lustvolle Leben (das der Sinne), das politische Leben (das auf Ehre und Tugend basiert) und das theoretische Leben (das auf Erkenntnis und Vernunft ausgerichtet ist).
- Arbeit zitieren
- Lena Fietzel (Autor:in), 2011, Der Eudämonismus als moralphilosophische Position, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182386