Die Stader Gruppe

700 Jahre in der Bronzezeit


Fachbuch, 2010
112 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Drei Nackte blickten zur Sonne Zeichen der Unruhe im Norden Die Stader Gruppe in der älteren Bronzezeit von etwa 1500 bis 1200 v. Chr.

Zeichen der Unruhe im Norden Die Stader Gruppe in der mittleren Bronzezeit von etwa 1200 bis 1100 v. Chr.

Der »heilige Wagen« aus Stade Die Stader Gruppe in der jüngeren Bronzezeit von etwa 1100 bis 800 v. Chr.

Anmerkungen

Literatur

Bildquellen

Die wissenschaftliche Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert

Der Autor Ernst Probst

Bücher von Ernst Probst

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der dänische Archäologe

Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865) hat 1836 die Urgeschichte

nach dem jeweils am meisten verwendetem Rohstoff in drei Perioden eingeteilt:

Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.

Vorwort

Rund 700 Jahre in der Bronzezeit von etwa 1500 bis 800 v. Chr. passieren in dem Taschenbuch »Die Stader Gruppe« in Wort und Bild Revue. Geschildert werden die Siedlungen, Kleidung, der Schmuck, die Keramik, Werkzeuge, Waffen, Haustiere, Jagdtiere, das Verkehrswesen, der Handel, die Kunstwerke und Reli- gion der damaligen Ackerbauern, Viehzüchter und Bronzegießer.

Verfasser dieses Taschenbuches ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, der sich vor allem durch seine Werke »Deutschland in der Urzeit« (1986), »Deutschland in der Steinzeit« (1991) und »Deutsch- land in der Bronzezeit« (1996) einen Namen gemacht hat.

Das Taschenbuch »Die Stader Gruppe« ist Dr. Rolf Breddin, Professor Dr. Claus Dobiat, Professor Dr. Markus Egg, Professor Dr. Hans-Eckart Joachim, Professor Dr. Albrecht Jockenhövel, Professor Dr. Horst Keiling, Professor Dr. Rüdiger Krause, Dr. Friedrich Laux, Professor Dr. Berthold Schmidt, Dr. Klaus Simon und Dr. Otto Mathias Wilbertz gewidmet, die den Autor mit Rat und Tat bei den Recherchen für sein Buch »Deutschland in der Bronzezeit« unterstützt haben. Es enthält Lebensbilder der wissenschaftlichen Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert aus Königswinter.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ARNE LUCKE,

geboren am 11. Dezember 1944 in Forst, arbeitete 1975 bis 1993

als Ethnoarchäologe in Mexiko, Ecuador, Peru und Marokko. 1983 bis 1984 war er Leiter

des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Heilbronn.

Seit 1986 war er Kreisarchäologe

und Geschäftsführer des Museumsverbundes im Kreis Lüchow-Dannenberg

sowie Lehrbeauftragter

der Universität Hamburg, seit 1990 Leiter

des Archäologischen Zentrums Hitzacker. 1981 prägte er die Namen

Stader und Verdener Gruppe.

Drei Nackte blickten zur Sonne

Die Stader Gruppe in der älteren Bronzezeit

Im Dreieck zwischen Elbe und Weser sowie bis zur Niederung der Este in der Stader Geest war in der älteren Bronzezeit von etwa 1500 bis 1200 v. Chr. die Stader Gruppe heimisch. Ihr Verbreitungsgebiet um- fasste - nach Erkenntnisssen des Hamburger Prähi- storikers Friedrich Laux - die heutigen Kreise Stade, Cuxhaven, Rotenburg/ Wümme und Verden. Den Begriff »Stader Gruppe« hat 1981 der Prähisto- riker Arne Lucke in seiner Hamburger Dissertation erstmals für eine Lokalgruppe der jüngeren Bronzezeit verwendet. Im Gegensatz dazu benutzt Laux die Bezeichnung Stader Gruppe, die er 1987 bei einem Vortrag in Bad Stuer erwähnte und auf die er 1991 in einem Aufsatz zurückgriff, für eine Gruppe, die sich in der älteren, mittleren und jüngeren Bronzezeit be- hauptete.

Die Stader Gruppe wird zum Nordischen Kreis der Bronzezeit gerechnet. Er umfasste in der älteren Bronzezeit Südnorwegen, Süd- und Mittelschweden, Dänemark, Schleswig-Holstein, die Gegend von Stade in Niedersachsen und das Küstengebiet in Mecklen- burg-Vorpommern. Seine südliche Grenze lag im Raum Stade.

Karte auf Seite 15:

Kulturen und Gruppen während der Mittelbronzezeit (etwa 1600 bis 1300/1200 v. Chr.) in Süddeutschland und in derälteren Bronzezeit (etwa 1500 bis 1200 v. Chr.) in Norddeutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

OSCAR MONTELIUS,

geboren am 9. September 1843 in Stockholm, gestorben am 4. November 1921 in Stockholm. Er promovierte 1869,

wurde 1888 Professor und war von 1907 bis 1913 Reichsantiquar in Schweden.

Montelius teilte 1885

die nordische Bronzezeit in sechs Perioden (Periode I bis VI)

und 1897 die Eisenzeit in acht Perioden (Periode I bis VIII) ein.

Au ß erdem prägte er

schon im 19. Jahrhundert

den Begriff Nordischer Kreis der Bronzezeit, von dem der heutige Name

nordische Bronzezeit abgeleitet ist.

Für Skandinavien und Norddeutschland wird die 1885 von dem schwedischen Prähistoriker Oscar Montelius aus Stockholm erarbeitete Gliederung der Bronzezeit verwendet. Er teilte die nordische Bronzezeit nach der typologischen Abfolge von Bron- zeerzeugnissen (Gewandspangen, Rasiermesser, Schwerter, Gürteldosen) in sechs Perioden ein, die er mit r ö mischen Ziffern von I bis VI kennzeichnete. Das auf seinen Erkenntnissen aufbauende Chronologieschema sieht heute so aus:

Periode I (frühe Bronzezeit):

etwa 1800 bis 1500 v. Chr.

Periode II (ältere Bronzezeit): etwa 1500 bis 1200 v. Chr.

Periode III (mittlere Bronzezeit): etwa 1200 bis 1100 v. Chr.

Perioden IV und V (jüngere Bronzezeit): etwa 1100 bis 800 v. Chr.

Periode VI (frühe Eisenzeit): etwa 800 bis 500 v. Chr.

Wie in der Lüneburger Gruppe gab es offenbar auch in der Bevölkerung der Stader Gruppe eine soziale Oberschicht. Darauf deuten die reichen Grabbeigaben in den Steinkistengräbern von Heerstedt (Kreis Cuxhaven) und Essel bei Kutenholz (Kreis Stade) hin. Darin waren vornehme Krieger mit bronzenen Waf- fen und Schmuckstücken bestattet worden. Im Stein- kistengrab von Heerstedt lag zudem eine kostbare verzierte Holzschale. Auch der Klappstuhl von Daen- sen (Kreis Stade) dürfte zum Besitz eines Menschen von Rang gezählt haben.

Von der Kleidung der Stader Leute blieben nur die bronzenen Fibeln erhalten, mit denen die Gewänder zusammengehalten wurden. Nach den Funden zu schließen, erhielten Rundkopffibeln gegenüber den selteneren Flachkopffibeln den Vorzug. Erstere wurden in Heerstedt, Meckelstedt bei Lintig und Dornsode bei Armstorf (alle im Kreis Cuxhaven) sowie in Anderlingen (Kreis Rotenburg/Wümme) und Essel bei Kutenholz (Kreis Stade) entdeckt. Eine Flachkopffibel mit Sanduhrkopf kam in Hagenah bei Heinbockel (Kreis Stade) zum Vorschein.

Auf Bart- und Haarpflege weisen die Funde von doppelschneidigen bronzenen Rasiermessern hin. Sie gelten als Neuerungen jener Zeit. Einen solchen Toilettegegenstand kennt man aus Essel bei Kutenholz. Zum Eigentum bedeutender Persönlichkeiten - viel- leicht Häuptlingen - gehörte mitunter ein Klappstuhl mit Lederauflage sowie bronzenen Beschlag- und Schmuckteilen. Reste solch seltener Sitzmöbel wurden bisher nur in Männergräbern der älteren Bronzezeit in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Dänemark geborgen. Als eine der kostbarsten Entdeckungen dieser Art gilt der Klappstuhl aus einem Grabhügel von Daensen bei Buxtehude1 (Kreis Stade). Es ist der am weitesten südlich gelegene Fund eines derartigen Möbelstückes. Von den hölzernen Teilen des Klapp- stuhls aus Daensen sind nur sieben kleine Ahornholz- stücke erhalten geblieben. Ein Stück Schafleder verrät, aus welchem Material die einstige Sitzfläche bestand. Außerdem wurden zahlreiche bronzene Beschlag- und Schmuckteile geborgen. Dazu gehören vier Bron- zeknäufe mit Klapperblechen, zwei kleinere Bronze- knäufe, vier Bronzebleche mit Goldblechauflage, drei ovale Beschlagteile, zwei rechteckige Beschlagplatten mit Goldblechauflage und einige Bronzefragmente. Die Goldbleche sind mit eingepunzten Punkten und Kreisen verziert.

Der Heidelberger Archäologe Ernst Wahle (1889-1981) hat 1932 darauf hingewiesen, dass die Klappstühle eine Besonderheit der nordischen Bronzezeit darstellen. Nach seiner Auffassung haben diese Sitzmöbel in den thronartigen Klappstühlen und Thronsesseln aus ägyptischen Pharaonengräbern ihr Gegenstück. Am Klappstuhl von Guldhoj bei Vamdrup in Jütland (Dänemark) war das Sitzleder mit Stiften festgeheftet. Dagegen hatte man das Sitzleder des Klappstuhls von Bechelsdorf bei Niendorf (Kreis Nordwestmeck Zeichnung auf Seite 21:

Mit einem Beil bewaffneter Häuptling der Stader Gruppe in derälteren Bronzezeit in Norddeutschland. Er sitzt auf einem Klappstuhl

mit lederner Sitzfläche.

Teile eines solchen Sitzm ö bels

wurden in Daensen bei Buxtehude (Kreis Stade) in Niedersachsen gefunden.

Zeichnung von Friederike Hilscher-Ehlert, K ö nigswinter, für das Buch » Deutschland in der Bronzezeit « (1996) von Ernst Probst

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Originale der Bronzebeschläge (auf dem Boden liegend) und Nachbildung

des Klappstuhls aus Daensen bei Buxtehude (Kreis Stade) in Niedersachsen.

Originale und Kopie im Hamburger Museum für Archäologie, Hamburg-Harburg

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Rekonstruierte Holzschale mit Sternmotiv

aus Heerstedt (Kreis Cuxhaven) in Niedersachsen. H ö he 14 Zentimeter,

Mündungsdurchmesser 25,5 Zentimeter.

Der Fund wurde 1946 bei einem Brand

im Morgensternmuseum, Bremerhaven, zerst ö rt.

lenburg) in Mecklenburg-Vorpommern durch den Hohlschlitz der Längsstäbe geschoben. Der Schaflederrest des Klappstuhls von Daensen verrät, dass Schafe als Haustiere gehalten wurden.

Die schlecht gebrannten und nur selten verzierten Tongefäße der Stader Gruppe gehören zur so genannten »Kümmerkeramik«. Reste von Tongefäßen lagen manchmal als Beigaben für Verstorbene in Gräbern (Meckelstedt, Quelkhorn). In einem Hügelgrab bei Holtum-Geest (Kreis Verden) wurde ein neun Zentimeter langer und 7,5 Zentimeter breiter Tonlöffel gefunden.

Viel prächtiger als die damaligen Tongefäße sah die in einem Steinkistengrab von Heerstedt (Kreis Cuxhaven) entdeckte Holzschale aus, die leider 1946 bei einem Brand zerstört wurde. Das aus dem Wurzelstock eines Laubbaumes geschnitzte Gefäß mit einer Höhe von 14 Zentimetern und einem Mündungsdurchmesser von 25,5 Zentimetern war auf der Außenseite mit einem Sternmotiv verziert. Hierzu verwendete der Künstler viele kurze Bronzestifte ohne Kopf und etwa 250 Zinnblechkugeln, die er in die einen Zentimeter dicke Schalenwand geschlagen hatte.

Als Hauptmotiv auf der Außenseite der Schale diente ein zwölfstrahliger Stern, der durch die Stiftreihen ge- bildet wurde. Die Felder zwischen den Strahlen hat man mit Zinnbuckeln gefüllt. Waagrecht über den Spitzen der Strahlen verlief ein durch zwei Stiftreihen gebildetes Linienband, dem sich eine Zone mit einer Reihe von Zinnbuckeln und zum Abschluss zwei Stiftreihen anschloss. Der Boden der Holzschale hatte einen Durchmesser von 8,5 Zentimetern. Er war mit zwei doppelten Stiftkreisen und dazwischen einem lockeren Kreis aus zwölf Zinnbuckeln verziert. Die Schale besaß einen Henkel, an dem zwei kleine bronzene Ringe hingen.

Die Holzschale von Heerstedt war zusammen mit einem bronzenen Vollgriffschwert, einem Absatzbeil, einem Dolch, einer zweiteiligen Fibel mit verziertem band- förmigen Bügel und einem Fingerring zum Vorschein gekommen. Diese Gegenstände gehörten zum Besitz eines vornehmen Kriegers, den man in gestreckter Körperlage in einem Steinkistengrab beigesetzt hatte. Manche Männerbestattungen in Steinkistengräbern enthielten auch bronzene Messer. Sie gelten nicht als Waffen, sondern als Werkzeuge. Je ein Messer fand man in Essel bei Kutenholz (Kreis Stade) und in Quelkhorn (Kreis Verden).

Zur Waffenausrüstung der Männer gehörte damals - nach Erkenntnissen von Friedrich Laux - stets ein bronzenes Langschwert, das in der Regel mit einem Absatzbeil vom nordischen oder Osthannover-Typ kombiniert wurde. Bronzene Dolche fanden seltener als Schwerter und Beile Verwendung.

Unter Schwertern gab es nordische Vollgriffschwerter, diverse Formen von Griffzungen- oder Griffplatten- schwertern und vereinzelt aus Süddeutschland impor- tierte Vollgriffschwerter mit achtkantigem Griff.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verziertes nordisches Absatzbeil

aus einem Steinkistengrab von Hagenah

bei Heinbockel (Kreis Stade) in Niedersachsen. Es wurde zusammen mit einer Sanduhrfibel und einem Dolch gefunden. Länge 21Zentimeter. Original im

Schwedenspeicher-Museum, Stade

Derartige Waffen wurden vor allem in Steinkistengräbern gefunden.

Ein nordisches Vollgriffschwert hat man im bereits erwähnten Steinkistengrab von Heerstedt entdeckt. An ihm hafteten noch Reste der verzierten Holzscheide. Griffzungenschwerter wurden in Dornsode und Langen (beide Kreis Cuxhaven) sowie in Quelkhorn bei Ottersberg (Kreis Verden) zutage befördert. Ein Griffplattenschwert kam in Essel zum Vorschein und je ein Vollgriffschwert mit achtkantigem Griff in Meckelstedt sowie in Wiepenkathen (beide Kreis Sta- de), wovon das letztere besonders prächtig ist.

Die bronzenen Klingen der Absatzbeile steckten in hölzernen Schäften. Reste des Schaftes befanden sich noch an der Klinge des Absatzbeiles, das im Steinki- stengrab von Anderlingen (Kreis Rotenburg/Wümme) entdeckt wurde.

Absatzbeile hat man in den Steinkistengräbern von Anderlingen, Dornsode, Essel, Hagenah, Heerstedt, Langen, Meckelstedt und Quelkhorn geborgen. Häu- fig war der Schäftungsteil der Beilklingen verziert. Bronzene Dolche lagen außer in den Frauengräbern von Beckdorf und Niendorf auch in Männergräbern. Auf entsprechende Exemplare stieß man in den Stein- kistengräbern von Anderlingen, Hagenah, Heerstedt und Meckelstedt, in denen Krieger bestattet worden waren. Der Dolch von Heerstedt hatte acht Nägel, mit denen einst der nicht mehr existierende Griff befestigt war.

Ein Beispiel für den Wegebau um 1200 v. Chr. wurde in einem Moor bei Groß Heins2 im Kreis Verden entdeckt. Dort überquerte man mit Hilfe einer Reihe größerer Steine das unsichere Gelände. Vermutlich haben die Benutzer dieses Stapfweges auf benachbarten Teilen des Sandbodens gewohnt und Vieh gehalten.

Aus der älterbronzezeitlichen Stader Gruppe oder aus einige Jahrhunderte späterer Zeit könnte das Wagen- rad von Beckdorf3 (Kreis Stade) stammen, das von den Entdeckern zunächst als »Holzdeckel« fehlgedeutet worden ist. Es wurde aus dem Stamm einer fast 70 Zentimeter dicken Erle geschaffen. Derart mächtige Erlenstämme gibt es heute nicht mehr. Das Rad hat einen Durchmesser von 67 Zentimetern. Es ist am Rand fünf Zentimeter und in der Mitte bis zu 10,5 Zentimeter dick. In dem rundlichen Loch von etwa 20 Zentimeter Durchmesser befand sich ursprünglich die röhren- förmige Holznabe.

Die Frauen der Stader Gruppe haben zu Lebzeiten bronzene gedrehte Halsringe, Armschmuck und am Gürtel befestigte Schmuckscheiben getragen. Das Wissen über ihren Schmuck ist bescheiden, weil es in der Stader Gruppe unüblich war, die Frauen mit ihrem gesamten Schmuck zu bestatten, wie es in der Lüne- burger Gruppe gehandhabt wurde. Aus diesem Grund dürfte es sich bei einem großen Teil der Gräber ohne Beigaben um Beisetzungen von Frauen handeln. Lediglich im östlichen Randbereich der Staader Gest sind Frauenbestattungen gefunden worden, die Beigaben enthielten. Sowohl in Beckdorf als auch in Niendorf bei Beckdorf (Kreis Stade) lag jeweils ein bronzener Dolch in einem Frauengrab. Diese Beigabe war für die nordische Bronzezeit typisch, zu der die Stader Geest in der älteren Bronzezeit gehörte. Die Tote von Beckdorf hatte man in einem Baumsarg zur letzten Ruhe gebettet. Um den Hals trug sie einen gedrehten bronzenen Ring. Links und rechts im Haar oder an einer nicht mehr vorhandenen Kopfhaube prangte je ein zierlicher Spiralring. Vor der Brust steckte eine 25 Zentimeter lange bronzene Nadel im Kleid. Am linken Unterarm hing ein bronzener Armring, während das rechte Bein von einem bronzenen Fußring geziert wurde. Links neben dem Kopfende stand außerhalb des Baumsarges ein verziertes Tongefäß mit vier kleinen Henkeln.

Eine Frauenbestattung in der Tracht der Stader Grup- pe liegt vom östlichen Rand der Stader Geest aus Hei- denau4 (Kreis Harburg) vor. Zur Ausstattung jener Verstorbenen gehören ein gerippter Halskragen, zwei gedrehte Halsringe, ein Armring und zwei kleine am Gürtel befestigte Scheiben. Letztere waren offenbar typisch für die Stader und nordelbische Dithmarscher Gruppe. Diese Frau hatte in die Lüneburger Gruppe eingeheiratet, ihren Dolch abgelegt und die Lünebur- ger Radnadel als Zeichen der verheirateten Frau er- halten. Einige kegelförmige Hütchen und Spiralröllchen vervollständigten das Ensemble. Da diese Frau in Stader Schmucktracht im Bereich der Lüneburger Gruppe der

Zeicchnung Seite 31:

Rückkehr der Krieger

aus einem Frühjahrsfeldzugüber See in die Heimat auf einer Zeichnung

des dänischen Künstlers Karl Jensen. Kleidung, Waffen und Schmuck wurden nach Funden und Felsbildern in Schleswig-Holstein

und Dänemark dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

älteren Bronzezeit lebte und starb, wurde sie nach Lüneburger Sitte mit ihrem gesamten Schmuck beigesetzt, was diese Analyse erlaubt.

Zu den Beigaben für den verstorbenen Krieger im Steinkistengrab auf dem Türlürsberg bei Bramstedt (Kreis Cuxhaven) soll auch ein goldener Ring gehört haben, der sich angeblich am Handgriff eines Schwer- tes befand. Vielleicht handelte es sich hierbei um eine leicht biegsame goldene Lockenspirale, die um den Schwertgriff gewickelt worden war. Es ist aber auch möglich, dass das goldene Objekt von einem viel jüngeren Schatzfund mit römischen Münzen stamm- te. Der Türlürsberg soll früher ein Berg von beträcht- licher Höhe gewesen sein, der im Laufe der Zeit im- mer mehr abgetragen wurde.

Die Menschen der Stader Gruppe haben ihre Verstorbenen unverbrannt bestattet. Über dem Grab wurde ein Hügel aufgeschüttet. Im Verbreitungsgebiet der Stader Gruppe sind die Grabhügel meistens in lang gezogenen Reihen angeordnet.

Während einer kurzen Zeitspanne herrschte die Sitte, den Toten in einem mannslangen Steinkistengrab zu beerdigen. Dieser Gräbertyp wurde in zwei verschiedenen Formen zu gleicher Zeit übernommen. Dabei handelte es sich um die Steinkistengräber der Gruppe Anderlingen-Heerstedt und um die Steinkistengräber der Gruppe Goldbeck-Daudieck.

Die Steinkistengräber der Gruppe Anderlingen-Heer- stedt sind nach den Fundorten Anderlingen5 (Kreis Rotenburg/Wümme) und Heerstedt6 (Kreis Cuxhaven) benannt. Charakteristisch für sie ist der rechteckige oder leicht trapezförmige Grundriss von etwa zwei Meter lichter Länge und 0,80 bis einem Meter lichter Breite. Die Längsseiten dieser teilweise in den Boden ein- getieften Steinkistengräber bildete man aus mehreren Granitblöcken und jeweils einem breiten Steinblock an den Schmalseiten. Die meistens 0,80 bis einen Meter hohen Steinkistengräber wurden häufig mit zwei oder drei flachen Steinplatten abgedeckt. Der Boden der Grabkammer war stellenweise gepflastert.

Steinkistengräber der Gruppe Anderlingen-Heerstedt kennt man im ganzen Verbreitungsgebiet der Stader Gruppe. Sie wurden in den Kreisen Rotenburg/Wüm- me (Anderlingen), Cuxhaven (Dornsode7, Heerstedt, Langen8, Meckelstedt9 ), Stade (Essel10 ), Verden (Hohen- averbergen11, Quelkhorn12 ) nachgewiesen. Das Stein- kistengrab von Heerstedt hatte einen trapezförmigen Grundriss.

Die Steinkistengräber der Gruppe Goldbeck-Dau- dieck erhielten ihren Namen nach den Fundstellen Goldbeck bei Beckdorf13 und Daudieck bei Horneburg14 (beide im Kreis Stade). Dieser Typ kam nur im Bereich südlich von Stade vor. Die Längsseiten jener Stein- kistengräber bestehen jeweils aus einer einzigen langen Steinplatte und je einer kleineren Platte oder einem Findling an den Schmalseiten. Als Abdeckung dienten eine oder zwei flache Steinplatten. Auch solche Steinkistengräber sind in den Boden eingetieft.

[...]

Ende der Leseprobe aus 112 Seiten

Details

Titel
Die Stader Gruppe
Untertitel
700 Jahre in der Bronzezeit
Autor
Jahr
2010
Seiten
112
Katalognummer
V182663
ISBN (eBook)
9783656070825
ISBN (Buch)
9783656071143
Dateigröße
13650 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Bronzezeit, Stader Gruppe, Archäologie, Urgeschichte, Ernst Probst, Bronzezeitkulturen
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2010, Die Stader Gruppe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182663

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