Unterrichtsstunde: Kapitel 2 - „Gute Zeiten“ zur Unterrichtseinheit „Sie nannten mich ‚Es‘“ von Dave Pelzer


Unterrichtsentwurf, 2011

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Unterrichtseinheit

2. Die Unterrichtsstunde

3. Unmittelbare Unterrichtsvoraussetzungen

4. Sachanalyse

5. Didaktische Analyse

6. Methodische Überlegungen

7. Lernziele

8. Geplanter Unterrichtsverlauf.

9. Anhang.

10. Literaturangaben

11. Internetquellen

Entwurf einer Unterrichtsstunde im Fach Deutsch

Thema der[1] Unterrichtseinheit:

1. Die Unterrichtseinheit

Die Zielgruppe der elften Klasse X setzt sich aus 23 SuS (Schülerinnen und Schülern) zusammen - davon sind zwölf weiblich und elf männlich. Die Schulform nennt sich Einjährige Höhere Berufsfachschule für Wirtschaft und wird auch als Höhere Handelsschule bezeichnet. Sie wird von SuS besucht, die nach ihrem Realschulabschluss keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. In diesem zusätzlichen Jahr können die SuS ihre Noten verbessern und kaufmännisches Basiswissen erwerben. Diese Kenntnisse entsprechen gleichzeitig dem ersten Ausbildungsjahr in einem kaufmännischen Beruf der dualen Ausbildung. Um aufgenommen zu werden, ist der mittlere Abschluss (Realschulabschluss) nachzuweisen. Des Weiteren darf keine abgeschlossene Berufsausbildung vorliegen. Die SuS sind im Schnitt zwischen 16 und 18 Jahren alt.

Das Thema der Unterrichtseinheit ist der Roman „Sie nannten mich ‚Es‘“ von Dave Pelzer. Er gliedert sich in sieben Kapitel und einen Epilog. Nach dieser Reihenfolge richtet sich die Unterrichtseinheit. Der Roman wird kapitelweise gelesen (meist als Hausaufgabe). Ziel der Einheit ist es zum einen, die Lesekompetenz der SuS zu fördern, indem sie den Roman vollständig gelesen und vor allem verstanden haben. Zum anderen sollen die SuS für das Thema der Kindesmisshandlung sensibilisiert werden. Es wird darauf hingearbeitet, dass die SuS sich in die Lage des Protagonisten hineinversetzen können und dadurch Empathiefähigkeit entwickeln.

2. Die Unterrichtsstunde

Diese Stunde ist die vierte der Unterrichtsreihe, welche sich noch relativ am Anfang der Einheit befindet. Thema der Stunde ist das zweite Kapitel „Gute Zeiten“, welches auf der Grundlage eines thematischen Schwerpunktes analysiert werden soll. In den nachfolgenden Stunden werden die anderen Kapitel des Romans gelesen und behandelt. Ziel der Unterrichtsstunde ist es nun, dass die SuS erkennen, wie und warum sich die Lage von Daves Familie so gravierend zum Negativen verändern konnte.

3. Unmittelbare Unterrichtsvoraussetzungen

Die Klasse hält stark zusammen und wird auch gemeinsam eine Klassenfahrt antreten. Ab und zu necken sich bestimmte SuS. Das sind zumeist die, die auch im Unterricht auffallen. Auch wenn leichte Unterrichtsstörungen auftreten, wird der Unterricht davon nicht bestimmt. Es gibt auffallend leistungsstärkere SuS, die sich in den vergangenen Wochen für die Ausbildungszeit ab September 2011 bereits einen Ausbildungsplatz gesichert haben. Völlige Resignation oder Arbeitsverweigerung trat in dieser Klasse noch nicht auf. In dem Klassenraum befinden sich genügend Sitzgelegenheiten für die SuS sowie ein funktionstüchtiger OHP, eine Flipchart und eine Tafel. Die SuS sitzen zum größten Teil in U-Form - an drei Tischen aber auch frontal zur Tafel.

Da die SuS alle einen Realschulabschluss haben, werden die verbindlichen Lehrinhalte des hessischen Lehrplans für die Realschule vorausgesetzt. Man bedenke dabei, dass der Lernstand der SuS dem schwacher Realschüler entspricht. Das heißt, ihre Vornoten liegen im Schnitt bei den Schulnoten drei bis fünf in allen Hauptfächern. Trotz vergleichbarer schulischer Voraussetzungen und Vornoten sind Unterschiede in den Leistungsmöglichkeiten der SuS wahrzunehmen. Die Mehrheit (14 SuS) der SuS hat einen Migrationshintergrund mit überwiegend russisch- oder türkischsprachigen Eltern oder Elternteilen. Den restlichen neun deutschen SuS ohne Migrationshintergrund gelingt es eher, stilistisch überzeugende und wenig fehlerhafte schriftliche Arbeiten abzuliefern. Wenn man jedoch über das Leistungsvermögen der SuS angemessen reflektieren will, spielt ihre Herkunft keine erkennbare Rolle.

Das allgemeine Ziel der beiden Deutschstunden, die in der Regel einmal, bei Bedarf aber zweimal pro Woche stattfinden,[2] liegt darin, die SuS dazu zu befähigen, sich bei Bewerbungen und der Kommunikation im Büro angemessen schriftlich und mündlich zu äußern und im Bereich der allgemeinen Bildung Interesse am Lesen, Verstehen und Abfassen von Texten zu entwickeln. Im Schuljahr 2010/2011 hat die Klasse bereits ein intensives Bewerbungstraining hinter sich. Die SuS erstellten jeder eine Bewerbungsmappe, die sowohl durch die Deutschlehrer benotet wurde als auch von externen Kooperationspartnern gelesen, besprochen und beurteilt wurde. Des Weiteren wurden Rechtschreibung, Zeichensetzung und Stilkunde im Unterricht behandelt ebenso wie Kurzgeschichten. Es wurde ein Zeitungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Anzeiger durchgeführt, bei welchem die SuS das Verfassen von Zeitungsartikeln lernten und ihre Artikel im sogenannten „Zeitungstreff“ der Zeitung veröffentlichten. Momentan wird eine Ganzschrift behandelt („Sie nannten mich ‚Es‘“). Zum Abschluss des Schuljahres wird sich die Klasse mit der Thematik der Geschäftskorrespondenz befassen. Das Leistungsvermögen der SuS wird gemessen an der Beteiligung im Unterricht, an den Hausaufgaben, der Heftführung, der Beteiligung an und Bereitschaft für die Arbeit an Projekten (wie dem Zeitungstreff) und Klausuren.

Die SuS sind mit den Sozialformen der Einzelarbeit (Stillarbeit), Partnerarbeit, Plenumsunterricht (Frontalunterricht, Lehrer-Schüler-Gespräch), Kleingruppen- und Gruppenarbeit vertraut. Die Methode des Placemat, welche in Form von Gruppenarbeit stattfinden soll, ist den SuS noch unbekannt.

Die Unterrichtseinheit begann damit, dass sich die Klasse (unter fachwissenschaftlicher Vorgabe[3] ) gemeinsam am Ende einer Schnupperstunde (Doppelstunde) in der Bestseller-Bibliothek ein Buch ausgesucht hat, das Gegenstand der kommenden Deutschstunden sein sollte. Durch Vorstellung verschiedener Romane (durch die SuS) und eine darauffolgende Abstimmung kamen die SuS zu einem Konsens. Sie entschieden sich für den Roman „Sie nannten mich ‚Es‘“ von Dave Pelzer. Da die Bücher erst bestellt werden mussten, wurde in der ersten Stunde dieser Unterrichtsreihe wiederholt, worum es in dem Roman geht (dies wussten die SuS bereits von der Buchvorstellung). Die Klasse äußerte den Wunsch, ein Lesetagebuch anzufertigen. Nach Abstimmung sprach sich die Mehrheit der Klasse dafür aus. Das Lesetagebuch soll bis zum Ende der Unterrichtseinheit geführt werden. Der erste Eintrag darin war eine kreative Schreibaufgabe. Die SuS sollten einen Traum von Dave verfassen, aus dem er entweder beglückt oder total verstört aufwacht. Nachdem die SuS sich das Buch besorgt hatten, wurde das erste Kapitel zu Hause gelesen und in der darauffolgenden Doppelstunde besprochen. Erste Personenbeschreibungen wurden durch die SuS in Partnerarbeit angefertigt. Daraufhin bekamen sie die Aufgabe, das zweite Kapitel zu Hause zu lesen. Des Weiteren sollten sie beschreiben, wie sich Dave in diesem Abschnitt des Romans fühlt. An diese Hausaufgabe knüpft nun die Vorführstunde an.

Die Lektüre steht allen SuS zur Verfügung, vorausgesetzt, dass jeder sein Buch mitbringt. Alle SuS haben sich das Buch gekauft, bis auf eine Schülerin, die sich das Buch in der Bestseller-Bibliothek ausgeliehen hat. Die vorbereiteten Placemats und dicke Filsstifte werden vom Lehrer (im Folgenden steht dieser Begriff für beide Geschlechter) mitgebracht und zur Verfügung gestellt.

4. Sachanalyse

Der Roman „Sie nannten mich ‚Es‘“ mit dem Untertitel „Der Mut eines Kindes zu überleben“ ist eine Autobiografie von Dave Pelzer und erschien in Deutschland erstmals im Mai 2000 im Verlag „Goldmann“ (die Originalausgabe wurde 1995 veröffentlicht). Das Buch erzählt die Geschichte eines amerikanischen Jungen, der über acht Jahre hinweg gegen seine gewalttätige Mutter ankommen muss und ihr trotzt. Auch wenn er von ihr auf brutalste Weise misshandelt und geschlagen wird, sie ihn sogar hungern lässt, lässt er sich seinen Willen zu überleben nicht nehmen. In dieser Stunde wird ein unmittelbarer Vergleich zwischen dem ersten und zweiten Kapitel hergestellt. Bereits im ersten Kapitel wird deutlich, wie stark Dave von seiner Mutter misshandelt und gedemütigt wird. Das erste Kapitel stellt gleichzeitig das Ende von Daves Leiden dar, er ist mittlerweile zwölf Jahre alt, weil er dank der Schulkrankenschwester, seiner Lehrer und der Polizei aus seiner Familie und vor seiner Mutter gerettet wird. Das kontrastreiche zweite Kapitel „Gute Zeiten“ zeigt nun, wie Daves Mutter war, bevor sie ihren Sohn misshandelt hat. So strebt sie beispielsweise Perfektionismus in allen Lebensbereichen an, dem sie schließlich selbst zum Opfer fällt. Warum sich nun Daves Familiensituation derart massiv wandelte, wie es dazu kommen konnte, dass seine Mutter ihn misshandelte, soll Gegenstand der Unterrichtsstunde sein.

In der didaktischen Fachwissenschaft nimmt die Leseförderung einen besonderen Stellenwert ein, weil ihr eine Schlüsselrolle sowohl für die Bewältigung lebenspraktischer, schulischer und beruflicher Aufgaben und Herausforderungen zukommt, indem das Lesen und Verstehen von Texten das Verständnis und die korrekte Verwendung von Sprache und die Fähigkeit zur zwischenmenschlichen Kommunikation fördern. Zudem bringt das Lesen Lustgewinn und es befähigt zur Einfühlung. Lesekompetenz ist eine Fähigkeit, „geschriebene Texte unterschiedlicher Art in ihren Aussagen, ihren Absichten und ihrer formalen Struktur zu verstehen und sie in einen größeren sinnstiftenden Zusammenhang einzuordnen, sowie in der Lage zu sein, Texte für verschiedene Zwecke sachgerecht zu nutzen.“[4] Um diese Fähigkeiten der SuS zu fördern, entschied ich mich in Absprache mit der Deutschlehrerin der Klasse, eine Ganzschrift auswählen zu lassen, zu lesen und zu behandeln. Zum Konzept der Leseförderung gehört auch, dass die SuS selbst in der Bestseller-Bibliothek stöbern konnten und die ausgewählten und für sie interessanten Bücher vorstellten. Für den Roman „Sie nannten mich ‚Es‘“ wurde sich nicht zwanghaft, sondern aus Interesse entschieden. Das Thema des Romans von Pelzer stieß bei allen SuS auf Resonanz und das Buch war aufgrund der geringen Seitenzahl von 159 Seiten vor allem auch für die nicht ganz so lesehungrigen SuS der Klasse attraktiv. Allerdings wurden auch umfangreiche Romane ausgewählt und vorgestellt, die im Anschluss an die Schnupperstunde als Privatlektüre mitgenommen werden konnten. Von dieser Möglichkeit hat ein Viertel der Klasse Gebrauch gemacht. Das Ziel der Vorstellung der Bücher, den SuS auch ein Angebot zu machen, Bücher mit nach Hause zu nehmen, wurde somit erreicht.

[...]


[1] Die Gliederung des Entwurfs wurde in abgewandelter Form aus dem Buch „Schulpraktikum. Eine Orientierungshilfe zum Lernen und Lehren“ (1998) von Horst Kretschmer und Joachim Stary entnommen. Siehe S. 82.

[2] Die Klassenlehrerin unterrichtet montags und donnerstags die Fächer Englisch (drei Wochenstunden) und Deutsch (zwei Wochenstunden) und hat deshalb die Möglichkeit, Stunden dann zu tauschen, wenn es beispielsweise die Arbeit an Projekten sinnvoll erscheinen lässt.

[3] Vgl. Lesen: Grundlagen, Ideen, Modelle zur Leseförderung. Hrsg. von Stiftung Lesen, Mainz. 2. Auflage. Mainz: Stiftung Lesen 1996. Material I 1. Hier wird unter anderem empfohlen, die SuS in der Schulbibliothek stöbern zu lassen.

[4] Schreblowski, Stephanie: Training von Lesekompetenz. Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie. Hrsg. von Prof. Dr. Detflef H. Rost. Münster: Waxmann Verlag GmbH 2004 (Bd. 41). S. 13.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde: Kapitel 2 - „Gute Zeiten“ zur Unterrichtseinheit „Sie nannten mich ‚Es‘“ von Dave Pelzer
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V182797
ISBN (eBook)
9783656079590
ISBN (Buch)
9783656079835
Dateigröße
918 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsentwurf, Unterrichtsfach Deutsch, Methodische Überlegungen, Lernziele, Didaktische Analyse, Unterrichtsvoraussetzungen, Dave Pelzer, Sie nannten mich Es, Sachanalyse, Unmittelbare Unterrichtsvoraussetzungen
Arbeit zitieren
Antonia Zentgraf (Autor), 2011, Unterrichtsstunde: Kapitel 2 - „Gute Zeiten“ zur Unterrichtseinheit „Sie nannten mich ‚Es‘“ von Dave Pelzer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182797

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