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Der moralische Status menschlicher Embryonen - Eine Beziehungskiste?

Darstellung und kritische Anmerkungen zu Claudia Wiesemanns Ansatz einer "Ethik der Beziehung"

Title: Der moralische Status menschlicher Embryonen - Eine Beziehungskiste?

Bachelor Thesis , 2011 , 62 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Andreas Erhard Graßmann (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll gezielt auf einen Ansatz in der Diskussion um die embryonale Statusfrage eingegangen werden. CLAUDIA WIESEMANN legte mit ihrem 2006 publizierten Werk VON DER VERANTWORTUNG EIN KIND ZU BEKOMMEN. EINE ETHIK DER ELTERNSCHAFT eine Arbeit vor, die „sich mit ethischen Konflikten in der Schwangerschaft und bei der künstlichen Befruchtung [befasst]. Diese heiß diskutierten und höchst umstrittenen Themen, so Wiesemann, reichen in gewisser Weise in das Leben von uns allen herein. Niemand kann sagen, diese Themen würden im luftleeren Raum verortet sein. Es stellt sich die Frage, ob „wir den menschlichen Embryo wie jeden anderen Bürger unseres Gemeinwesens behandeln sollen. Stehen ihm von der Befruchtung an die gleichen Rechte zu wie geborenen Menschen? Ist der Begriff der Menschenwürde unserer Verfassung auf den Embryo anwendbar?“
Wiesemann möchte sich mit ihrem Ansatz von den großen moralphilosophischen Denktraditionen der Aufklärung lösen und verlangt eine „leibliche Wende in der Medizinethik“ .
So beschreibt Wiesemann die Intention ihrer Veröffentlichung mit den Worten:
„In diesem Buch geht es um das ursprünglichste der fundamentalen Lebensverhältnisse, die Elternschaft, sowie insbesondere um die Beziehung zwischen Mutter und Kind und ihre moralische Dimension aus der Perspektive einer Ethik der Beziehung und Verantwortung.“
Diese Ethik der Beziehung und Verantwortung und der damit verbundene Versuch, einen Lösungsansatz für die Statusdebatte in Bezug auf ungeborenes menschliches Leben vorzulegen, soll in dieser Arbeit analysiert und kommentiert werden.
Zu diesem Zweck wird in einem ersten Hauptteil zuerst die Grundfrage definiert, auf die der Wiesemannsche Ansatz eine Lösungsoption zu sein versucht. Die beiden klassischen Argumentationslinien des absoluten und des abgestuften Lebensschutzes sollen kurz erläutert werden, um die Basis für die Überlegungen von Claudia Wiesemann zu schaffen. Im zweiten Hauptteil soll die Argumentationslinie des Diskussionsbeitrags von Wiesemann herausgearbeitet werden. Abschließend möchte ich versuchen, in einem dritten und letzten Hauptteil der Arbeit noch einige kritische Überlegungen zu den Schlussfolgerungen und Forderungen anzustellen. So soll auf Stärken und Schwächen des behandelten Lösungsansatzes aufmerksam gemacht und dabei seine Relevanz für die aktuelle medizinethische Debatte aufgezeigt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Grundfrage: der moralische Status des menschlichen Embryos

1.1. Lösungsansätze

1.2. Nicht gradualistische Position/„absoluter“ Lebensschutz

1.3. Gradualistische Position/“abgestufter“ Lebensschutz

2. Claudia Wiesemanns Beitrag zur Diskussion um den moralischen Status menschlicher Embryonen

2.1. Der moralische Status des Embryos und die Eltern-Kind-Beziehung

2.1.1. Position des absoluten Lebensschutzes

2.1.2. Position des abgestuften Lebensschutzes

2.2. Der leibliche und soziale Kontext des Embryos

2.3. Die Ethik des Fremden

2.4. Der Begriff des menschlichen Individuums

2.5. Die Geburt als leiblicher und sozialer Einschnitt

2.6. Elternschaft

2.6.1. Verantwortung

2.6.2. Das Modell des antizipierten Konsenses

2.7. Aufgegebene und nicht gelebte Beziehungen

2.7.1. In-vitro-Fertilisation

2.7.2. Selektiver Fetozid

2.7.3. Embryonenspende

2.7.4. Schwangerschaftsabbruch

3. Kritische Anmerkungen zu Claudia Wiesemanns Entwurf einer „Ethik der Beziehung“

3.1. Terminologie

3.2. Verborgene Wertungen – fehlende Argumentation

3.3. Konsequenzen des „beziehungsethischen Ansatzes“

3.4. Sein-Sollen-Problem

3.5. Elternschaft, Beziehung und Verantwortung

4. Abschlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert und kritisiert Claudia Wiesemanns Ansatz einer „Ethik der Beziehung und Verantwortung“, um einen alternativen Lösungsansatz für die moralische Statusdebatte um das ungeborene menschliche Leben zu prüfen. Ziel ist es, die Stärken und Schwächen dieses beziehungszentrierten Ansatzes im Vergleich zu klassischen, individualethischen Positionen des absoluten und abgestuften Lebensschutzes aufzuzeigen.

  • Moralischer Status menschlicher Embryonen im Kontext der Elternschaft.
  • Kritik an der „Ethik des Fremden“ und Etablierung einer „Ethik der Beziehung“.
  • Leiblichkeit und soziale Interaktion als Grundlage moralischer Urteilsbildung.
  • Herausforderungen der modernen Fortpflanzungsmedizin und Reproduktionstechniken.
  • Philosophische Analyse von Begriffen wie „Individuum“, „Elternschaft“ und „Verantwortung“.

Auszug aus dem Buch

2.1. Der moralische Status des Embryos und die Eltern-Kind-Beziehung

Im ersten Kapitel ihres Buches geht Wiesemann auf die im ersten Hauptteil dieser Arbeit vorgestellten Hauptargumentationslinien in der Debatte um den moralischen Status des menschlichen Embryos ein. Sie schreibt:

„Aus der Statusdebatte der letzten Jahrzehnte haben wir viel darüber gelernt, wie der Embryo moralisch bewertet werden müsste, wäre er ein eigenständiges Individuum und nach Maßstäben zu behandeln, die für die Bürger ziviler und demokratischer Gesellschaften entwickelt wurden.“

Für Wiesemann ist diese Art der Bewertung unbefriedigend. Sie stellt die Frage: „Kann man über den Embryo sprechen, ohne seine Eltern zu erwähnen?“ Hierbei verweist sie auf das schon zitierte Werk von Damschen und Schönecker und merkt an, dass im dortigen Register mit ca. 400 Stichwörtern „die Worte Mutter, Vater, Eltern oder Kind überhaupt nicht vor[kommen]!“ Sie schreibt, dass, durch den Verzicht auf die verwandtschaftlichen Bezeichnungen, die enge körperliche und soziale Relation des Ungeborenen zu anderen Menschen – insbesondere der Mutter – aus dem Blick gerät. Diese distanzierte Sprache, in der die beiden Hauptpositionen der Embryonendebatte versuchen ihre Standpunkte darzustellen, führt zu einem Gefühl der Entfremdung, das sich in der öffentlichen Meinung auch auf die behandelten Themen überträgt. So schreibt Wiesemann:

„Wenn man jedoch im Tone äußerster Distanz über Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt spricht, die sich normalerweise in sehr intimen menschlichen Beziehungen ereignen und zu den engsten menschlichen Beziehungen führen, die wir kennen, wenn das entstehende Lebewesen also nur noch mit vermeintlich objektiven und neutralen biologischen Begriffen wie »Embryo« oder »Fötus« belegt wird, so entsteht ein Gefühl der Entfremdung, das sich untrennbar mit den verhandelten Themen verbindet.“

Das Finden einer Sprache, die den „Allerweltserfahrungen von Kindsein und Elternsein“ gerecht wird, könnte helfen, dass Menschen ihre persönlichen Erfahrungen – und somit sich selbst – in der ethischen Debatte wiederfinden; dadurch könnte die Statusdebatte vielleicht aus der Sackgasse herausmanövriert werden, in der sie sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt befindet. Für Wiesemann stellt sich so die Frage nach der Plausibilität der Positionen des absoluten und abgestuften Lebensschutzes aus beziehungsethischer Perspektive.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Einleitung verortet die Arbeit in der medizinethischen Debatte und führt in Claudia Wiesemanns Ansatz der „Ethik der Beziehung“ ein, der als Alternative zu klassischen Positionen untersucht wird.

1. Grundfrage: der moralische Status des menschlichen Embryos: Dieses Kapitel definiert die zwei klassischen Argumentationslinien: den absoluten Lebensschutz und den gradualistischen Ansatz, um die Basis für die weitere Analyse zu schaffen.

2. Claudia Wiesemanns Beitrag zur Diskussion um den moralischen Status menschlicher Embryonen: Der Hauptteil arbeitet Wiesemanns Konzept der Eltern-Kind-Beziehung heraus, das den Embryo als Teil eines sozialen und leiblichen Kontexts statt als isoliertes Individuum betrachtet.

3. Kritische Anmerkungen zu Claudia Wiesemanns Entwurf einer „Ethik der Beziehung“: Dieser Abschnitt unterzieht Wiesemanns Theorie einer kritischen Prüfung, beleuchtet terminologische Unschärfen, fehlende argumentative Herleitungen sowie Probleme im Zusammenhang mit dem Sein-Sollen-Fehlschluss.

4. Abschlussbemerkungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und würdigt den Beitrag Wiesemanns als wichtigen Anstoß für eine kontextsensible Debatte, trotz ihrer teils unkonventionellen und argumentativ schwachen Positionen.

Schlüsselwörter

Moralischer Status, Embryo, Ethik der Beziehung, Elternschaft, Verantwortung, Individualethik, Lebensschutz, Fortpflanzungsmedizin, Personenbegriff, leibliche Einheit, Bioethik, Schwangerschaftskonflikte, Individuation, Care-Ethik, Interrelationalität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert und kritisiert den von Claudia Wiesemann vorgeschlagenen Ansatz einer „Ethik der Beziehung und Verantwortung“ im Kontext der Debatte um den moralischen Status von Embryonen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Arbeit behandelt die klassischen Positionen des Lebensschutzes, die Kritik an individualethischen Ansätzen, die Bedeutung von Elternschaft und leiblicher Verbundenheit sowie die Anwendung dieser Überlegungen auf konkrete Konfliktfälle der Reproduktionsmedizin.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel besteht darin, Wiesemanns beziehungsethischen Ansatz theoretisch aufzuarbeiten und zu prüfen, ob dieser tatsächlich eine praktikable und überzeugende Alternative zur herrschenden Statusdebatte darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Arbeit im Bereich der Angewandten Ethik, die durch Literaturanalyse, systematische Darstellung und kritische Argumentationsanalyse gekennzeichnet ist.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der klassischen Positionen, die detaillierte Rekonstruktion von Wiesemanns Argumentation sowie die kritische Reflexion ihrer theoretischen Grundlagen und Schlussfolgerungen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind der moralische Status des Embryos, Eltern-Kind-Beziehung, Verantwortung, leiblicher Kontext, Individualität und die Kritik an einer rein individualrechtlich geprägten „Ethik des Fremden“.

Wie bewertet der Autor Wiesemanns Definition des Embryos?

Der Autor bemängelt, dass Wiesemanns Definition, die erst ab der Nidation vom „Embryo“ spricht, in der Praxis inkonsistent angewendet wird und den Bereich der künstlichen Befruchtung (IVF) terminologisch erschwert.

Welches fundamentale Problem sieht der Autor bei Wiesemanns „Ethik der Beziehung“?

Der Autor konstatiert, dass Wiesemann zu einem Sein-Sollen-Fehlschluss neigt und ihre Forderungen oft nicht ausreichend argumentativ begründet, sondern auf subjektivem Empfinden oder vagen intuitiven Annahmen aufbaut.

Was kritisiert der Autor an Wiesemanns Position zum Schwangerschaftsabbruch?

Der Autor hinterfragt, ob Wiesemanns Ansicht, dass Eltern bis zur Geburt eine nahezu unbeschränkte Entscheidungsgewalt haben sollten, nicht zu einer faktischen rechtlichen Freigabe des Schwangerschaftsabbruchs führt, was der Autor als radikal und problematisch empfindet.

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Details

Title
Der moralische Status menschlicher Embryonen - Eine Beziehungskiste?
Subtitle
Darstellung und kritische Anmerkungen zu Claudia Wiesemanns Ansatz einer "Ethik der Beziehung"
College
University of Salzburg  (FB Philosophie an der kath.-theol. Fakultät)
Grade
1,0
Author
Andreas Erhard Graßmann (Author)
Publication Year
2011
Pages
62
Catalog Number
V183051
ISBN (eBook)
9783656071839
ISBN (Book)
9783656072089
Language
German
Tags
Angewandte Ethik Medizinethik Philosophie Praktische Philosophie Ethik der Beziehung Beziehungsethik Claudia Wiesemann moralischer Status Embryonen Statusfrage Person Personbegriff SKIP-Argumente Moraltheologie Fötus Bioethik PID Habermas Individualethik Elternschaft Verantwortung Schwangerschaft Mutterschaft Moral Ethik Personstatus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Erhard Graßmann (Author), 2011, Der moralische Status menschlicher Embryonen - Eine Beziehungskiste?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183051
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