Die Kontroverse zwischen Gottfried Benn und Klaus Mann


Seminararbeit, 2010
17 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografische und politische Ereignisse mit dem Schwerpunkt auf die Zeit 1929-
2.1 Wer war Gottfried Benn? Wichtige Ereignisse seines Lebens
2.2 Biografische Daten von Klaus Mann
2.3 Die politische Situation in Deutschland 1929-

3. Die Kontroverse zwischen Klaus Mann und Gottfried Benn
3.1 Der Brief von Klaus Mann und Gottfried Benns öffentliche Antwort
3.2 Weiterer Verlauf der Auseinandersetzung und Gottfried Benns politische Entwicklung
3.3 Erörterung und Ergebnisse

Anhang: Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Benn ist ein großer Poet: Einige seiner dunkel suggestiven, tragisch kühnen Verse haben sich mir für immer eingeprägt, ihr Rhythmus bleibt mir im Blut wie das Echo früh gehörter, früh geliebter Zaubersprüche. Auch persönlich stand ich damals auf herzlichem Fuße mit dem äußerlich so korrekten und konventionellen Visionär, der es nicht unter seiner Dichterwürde fand, neben- oder hauptberuflich als Spezialist für Haut- und Geschlechtskrankheiten in einem Berliner Arbeiter­viertel tätig zu sein.“ (Klaus Mann zit. in Decker, 2006, S. 230)

Mit diesen Worten beschreibt der Schriftsteller Klaus Mann, Sohn von Thomas Mann und Neffe von Heinrich Mann, den expressionistischen Lyriker und Arzt Gottfried Benn 1942 in seiner Autobiografie „Der Wendepunkt“ (vgl. Decker, 2006, S. 230). Trotz dieser lobenden Worte gibt es etwa neun Jahre zuvor eine Auseinandersetzung in schriftlicher Form zwischen Gottfried Benn und Klaus Mann aufgrund Benns politischer Position.

Gottfried Benn, ein Einzelgänger, der die Menschheit und alles, was mit ihr zu tun hat, ablehnt, wendet sich 1933 den Nationalsozialisten zu, empfängt mit Überzeu­gung den „Neuen Staat“. Klaus Mann, der zu dieser Zeit im Exil in Frankreich lebt, verehrt Benn – doch dessen politische Position kann er nicht akzeptieren. So formuliert er seine Enttäuschung darüber in einem persönlichen Brief vom 9. Mai 1933 an Benn, den dieser in öffentlicher Form im Berliner Rundfunk beantwortet („Antwort an die literarischen Emigranten“). Der genaue Wortlaut ist den beiden Briefen im Anhang zu entnehmen. Mann reagiert daraufhin 1. Septem­ber 1933 gleichfalls mit einer öffentlichen Stellungnahme in der Exilzeitschrift „Die Sammlung“ und findet harte Worte der Kritik.

Nach der ersten Euphorie erkennt Benn, dass er zu weit gegangen ist und wendet sich schließlich vom Nationalsozialismus ab. Hier stellt sich die Frage, ob und inwiefern der Brief von Klaus Mann zu diesem Wandel beigetragen hat. Diese Frage soll in dieser Arbeit erörtern werden.

Zunächst gehe ich auf Gottfried Benn als Person und auf wichtige Ereignisse sei­nes Lebens ein. Hier orientiere ich mich stark an der Biografie „Der Zeitzeuge – Gottfried Benn 1929-1949“ von Joachim Dyck, da in diesem Buch die für diese Arbeit besonders wichtige Zeitspanne detailliert beschrieben ist Auch Klaus Mann stelle ich kurz vor und nenne einige wichtige biografische Daten. Mir ist es wichtig zu verstehen, in welcher Situation beide sich vor, während und nach dem Kontakt zueinander befinden, um ihre Motive und Positionen besser nachvollzie­hen zu können. Daher liegt der Schwerpunkt der vorgestellten biografischen Ereignisse auf der Zeit von 1929-1933. Für den gleichen Zeitraum zeige ich einige wichtige politische Ereignisse in Deutschland auf, die für den Briefwechsel wesentlich gewesen sein könnten.

Im dritten Teil stelle ich Manns Brief und Benns Antwort sowie den folgenden Verlauf der Auseinandersetzung und die weitere Entwicklung von Benns politi­scher Haltung vor. Auf dieser Grundlage kann erörtert werden, welchen Anteil Manns Kritik an Benns politischer Einsicht haben könnte, oder ob möglicher­weise ganz andere Dinge in Benns Leben zu diesem Wandel beigetragen haben.

2. Biografische und politische Ereignisse mit dem Schwerpunkt auf die Zeit 1929-1933

Es folgt der theoretische Teil dieser Arbeit, in dem ich das Leben sowie die politi­sche Position von Benn und Mann jeweils kurz vorstelle. Dann gehe ich kurz auf die geschichtlichen Ereignisse in Deutschland 1929-1933 ein.

2.1 Wer war Gottfried Benn? Wichtige Ereignisse seines Lebens

Gottfried Benn wird am 2. Mai 1886 im Dorf Mansfeld (Westprignitz) geboren (vgl. Brode, 1978, S. 11). Sein Vater ist Pfarrer der Dorfgemeinde. Ab dem Jahr 1896 besucht Benn ein Gymnasium in Frankfurt/Oder, wo er sieben Jahre später sein Abitur ablegt. Er beginnt ein Theologie- und Philosophie-Studium in Mar­burg, welches er allerdings nach zwei Semestern abbricht, um in Berlin Philologie zu studieren (vgl. ebd., S. 21). Aber auch dieses Studium bricht er nach kurzer Zeit ab, woraufhin er endlich die Zustimmung seines Vaters erhält, Medizin zu studieren, obwohl dieser anfangs gegen dieses Studium ist. Er beginnt das Stu­dium in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche Bil­dungswesen. Benn schreibt über die Schule: „Für jedes Semester, das man stu­dierte, musste man ein Jahr aktiver Militärarzt sein. Im Übrigen war das Leben dort das vollkommen freier Studenten, wir hatten keine Uniform“. Im Alter von 25 Jahren legt er dann das medizinische Staatsexamen ab (Benn zit. in Brode, 1978, S. 28).

Neben seinem Interesse an der Medizin ist Benns große Leidenschaft das Schrei­ben. Immer wieder erscheinen Gedichte von ihm in verschiedenen Zeitschriften, wie z.B. in der expressionistischen Zeitschrift „Die Aktion“ (vgl. ebd., S. 28f.).

Als seine Mutter an Krebs erkrankt, kommt es zu einem schweren Zerwürfnis zwischen Benn und seinem Vater, der nicht erlaubt, dass sein Sohn die Schmerzen der Mutter mit Morphium erträglicher macht. Kurze Zeit später stirbt seine Mut­ter. Später schreibt Benn das Gedicht „Pastorensohn“, in dem er seinen Hass und seine Wut gegenüber dem Vater formuliert (vgl. ebd., S. 29).

Mit 28 Jahren, im Juli 1914, heiratet Benn die Schauspielerin Eva Brandt, mit der er ein Jahr später die Tochter Nele bekommt (vgl. ebd., S. 35f.).

Nach dem Tod seiner Frau an Folge einer Operation (vgl. ebd., S. 52), gibt Benn die gemeinsame Tochter zu Pflegeeltern nach Dänemark. Er hat einige Geliebte, bis er eine Beziehung mit der Schauspielerin Lili Breda eingeht, die sich drei Jahre später aus wirtschaftlichen Gründen das Leben nimmt. (vgl. Dyck, 2006, S. 15).

Schon im Jahr 1929 denkt Benn über die politische Entwicklung in Deutschland, genauer über die gesamte Menschheit tief pessimistisch (vgl. ebd., S. 19). Ärzte haben es in dieser Zeit sehr schwer, leben fast am Existenzminimum und empfin­den das wirtschaftliche Klima der Weimarer Republik als feindlich. Zudem hat Benn zu dieser Zeit so gut wie keine Einnahmen als Schriftsteller (vgl. ebd., S. 21f.).

Durch Arbeiten beim Rundfunk ab Ende 1929 hat er die Möglichkeit, wöchentlich im Radio Gedichte und anderes zu lesen und entsprechend einen regelmäßigen Verdienst zu erhalten. Des Weiteren kann er so als Lyriker präsent bleiben (vgl. ebd., S. 33).

Anlässlich einer Rede von Benn zu Heinrich Manns 60. Geburtstag am 27. März 1931, in der er dessen Werk würdigt, sich aber von seiner politischen Haltung abgrenzt, kommt es zu einer Kontroversen mit der Linken. Benn wird in einem Artikel des bekannten Architekten und Schriftstellers Werner Hegemann im „Tagebuch“ mit scharfen Worten kritisiert: „Vieles bei Benn – verzeihe mir, lie­ber Bruder – wirkt auf mich fast wie expressionistisches Rülpsen der Verzweif­lung.“ (Hegemann zit. in Dyck, 2006, S. 45). Hegemann schreibt, dass Hein­rich Mann selbst auch dieser Meinung ist. In einem persönlichen Brief an Benn nimmt dieser zwar Abstand von Hegemanns Äußerung, doch stellt er das trotz mehrerer Gelegenheiten nicht öffentlich klar. Für Dyck muss Benn „zu der Mei­nung kommen, daß das linke Lager gegen ihn zusammenhielt. Er selbst konnte auf keine Verbündeten setzen.“ Weiter ist Dyck der Meinung, dass „[d]ieses Bewußtsein, sich als Einzelkämpfer behaupten zu müssen, […] bei Benns Ent­scheidung für den ´Neuen Staat´ nicht zu unterschätzen“ ist. (Dyck, 2006, S. 47). Benn entwickelt sich nun mehr und mehr zum „politischen Schriftsteller […], der die Ansichten des kommunistischen Lagers über Kunst und Literatur bekämpfte“ (ebd., S. 48).

Am 29. Januar 1932 wird Benn seine Zuwahl in die Preußische Akademie der Künste mitgeteilt. Dieser freut sich, sieht er sich in seiner künstlerischen Leistung zum ersten Mal richtig gewürdigt (vgl. ebd., S. 58).

Viele Kollegen verlassen Deutschland aufgrund der Verhältnisse. Benn hat zum einen nicht die dafür nötigen finanziellen Mittel. Zum anderen handelt es sich für ihn nicht um eine begründete „Flucht wegen der Gefährdung für Leib und Leben“ (ebd., S. 113), sondern um ein „Sich-Fortstehlen“.

Kurz nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler soll Heinrich Mann aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen werden. Dem kommt er zuvor und reist nach Frankreich. Benn beschreibt die politische Situation in Berlin zu dieser Zeit in einem Brief an einen Freund: „Hier herrscht Angst und Schrecken in der Literatur. Die Verläge senden ihre anrüchigen Bücher nach Wien ins Depot und wissen von Nichts; die Autoren sitzen in Prag und im Ottakringer Bezirk und erwarten das Vorbeigehn der Episode. Was für Kinder! Was für Taube! Die Revolution ist da und die Geschichte spricht. Wer das nicht sieht, ist schwachsin­nig.“ (Benn zit. in Dyck, 2006, S. 84). In der Zeit vom 13. März bis 7. Juni 1933 übernimmt Benn die Leitung der Abteilung in der Akademie, was Klaus Mann ihm später in seinem Brief vorwirft (vgl. ebd., S. 93).

Im April spricht sich Benn in einer Rundfunkrede für den autoritären Staat aus. Im „Berliner Tageblatt“ schreibt er im Mai über seine Kunstvorstellung, die sich stark von der nationalsozialistischen Kunstpolitik unterscheidet, ihr eher wider­spricht. Nach Ansicht der Nationalsozialisten sollte „die Kunst der Staats- und Parteipolitik dienen“, Benn spricht sich klar für eine „Eigengesetzlichkeit“ der Kunst aus (vgl. ebd., S. 100).

Am 11. Mai 1933, einen Tag nach der Bücherverbrennung, zu der sich Benn nicht äußert, erhält er einen Brief von Klaus Mann, welcher ihn veranlasste, seine poli­tische Haltung öffentlich zu begründen (vgl. ebd., S. 104).

2.2 Biografische Daten von Klaus Mann

Klaus Mann wird als ältester Sohn von Thomas Mann am 18. November 1906 in München geboren. Er wächst in einer „großbürgerlichen wohlhabenden und gepflegten Atmosphäre“ im einem „hochkultivierten Elternhaus“ auf (vgl. Peter­sen, 1996, S. 7). Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges verläuft seine erste Schulzeit nur sehr kurz (vgl. ebd., S. 9). Trotz seiner jungen Jahre erlebt Mann den Kriegsverlauf „sehr bewusst und anteilnehmend“ (ebd., S. 10). Im Alter von 10 Jahren besucht er ein Gymnasium mit seiner Schwester Erika, die nur ein Jahr älter ist und der er schon damals sehr nahe steht (vgl. ebd., S. 7).

Bereits mit 16 Jahren schreibt Klaus Mann viel, es war für ihn ein inneres Bedürfnis, alles festzuhalten, was in seiner Umwelt und in ihm selber vor sich geht. So beginnt er mit dem Schreiben von Tagebucheinträgen (vgl. ebd., S. 11f.).

1923 verlässt er ohne Abschluss und nach einigen Schulwechseln endgültig die Schule, er fühlt sich dort, wie er schreibt, „fehl am Ort“ (Mann zit. in Petersen, 1996, S. 12). Er bricht nach Berlin auf, da diese Stadt ihn schon eine ganze Weile fasziniert (vgl. ebd., S. 12f.). Er schreibt Theaterkritiken und auch Theaterstücke, die allerdings wenig Erfolg haben. 1925 veröffentlicht er den Homosexuellenro­man „Der fromme Tanz“, der von konservativen Lesern nicht gut aufgenommen wird. Als homosexueller Schriftsteller, der dieses Thema offen in seinen Werken thematisiert, ist es in dieser Zeit schwer für ihn, sich zu etablieren (vgl. ebd., S. 18). Außerdem wird seine schriftstellerische Leistung ständig in Bezug auf seinen erfolgreichen Vater Thomas Mann beurteilt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Kontroverse zwischen Gottfried Benn und Klaus Mann
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V183102
ISBN (eBook)
9783656072171
ISBN (Buch)
9783656072027
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kontroverse, gottfried, benn, thomas, mann
Arbeit zitieren
Anonym, 2010, Die Kontroverse zwischen Gottfried Benn und Klaus Mann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183102

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