Persönlichkeitsentwicklung in der zweiten Lebenshälfte nach C. G. Jung


Hausarbeit, 2006
22 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung
1.1. Motivation zum Thema
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Aspekte der psychologischen Personwissenschaft
2.1. Persönlichkeitsbegriff
2.2. Gegenstand
2.3. Aufgaben

3. Persönlichkeitsveränderung im zunehmenden Alter

4. C. G. Jung
4.1. Werden der Persönlichkeit
4.2. Beschreibung der Typen
4.2.1. Grundgedanken
4.2.2. Extravertierter Typus
4.2.2.1. Rationaler Denk- und Fühltypus
4.2.2.2. Irrationaler Empfindungstypus und intuitive Typus
4.2.3. Introvertierte Typus
4.2.3.1. Rationaler Denk- und Fühltypus
4.2.3.2. Irrationaler Empfindungstypus und intuitive Typus
4.3. Lebenswende
4.3.1. Problematik des Kulturmenschen
4.3.2. Bewusstseinsstufen
4.3.3. Zweite Lebenshälfte

5. Schlussgedanke

1. Einleitung

1.1. Motivation zum Thema

Es gibt viele Erforschungen über die Persönlichkeitsentwicklung, in der Pädagogik, im Bereich der Jugendforschung und Kriminalitätsforschung. Sozusagen untersucht sind weitgehend Entfaltungen in den ersten Lebensjahrzehnten. Nach Freud ist ein Mensch ab der zweiten Lebenshälfte nicht mehr therapiefähig, da seine Strukturen seiner Persönlichkeit schon gefestigt seien. Aber diesen Gedankengang sollte man kritisch hinterfragen. Ein älterer Mensch, auch wenn er zwar schon vielfältige Erfahrungen gesammelt sowie Lebensziele wie Familie, Beruf usw. erreicht hat, bekommt gerade mit dem Erwachsenwerden der eigenen Kinder, Eintritt in die Rente, neue Herausforderungen, die er bewältigen muss. So ist es natürlich erforderlich zu erforschen, inwiefern der Mensch im Alter sich noch weiter entwickelt.

1.2. Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Persönlichkeitsentwicklung in der zweiten Lebenshälfte. Es bietet sich an, zunächst wichtige Aspekte der psychologischen Persönlichkeitsforschung darzulegen. Da will ich als Erstes den Persönlichkeitsbegriff definieren. So will ich als Nächstes den Gegenstand der Persönlichkeitspsychologie enger fassen mit grundlegenden Faktoren. Als weiteren wichtigen Punkt will ich die Aufgaben der Persönlichkeitsforschung beschreiben. Da die Arbeit Persönlichkeitsentwicklung im Alter thematisiert, möchte ich die allgemeinen dazu Feststellungen vorstellen und den Stand der empirischen Forschung erläutern. Im Zusammenhang mit dem Alter will ich auf die Persönlichkeitsentwicklungen der zweiten Lebenshälfte nach C. G. Jung gründlich eingehen. Zunächst ist von mir über seine Sichtweise über das Werden der Persönlichkeit schreiben. Bevor ich auf die Typen verschiedener Persönlichkeit eingehe, will ich seine Grundgedanken, aus denen seine Theorie entstanden ist, kurz zusammenfassen. In den folgenden beiden Abschnitten beschreibe ich den Typus der Extraversion sowie Introversion. Im nächsten Kapitel fasse ich die Beschreibung C.G. Jungs über die Lebenswende zusammen, indem ich zuerst einmal die allgemeine Problematik des Kulturmenschen, dann die Bewusstseinsstufen und als Letztes die zweite Lebenshälfte erörtere.

2. Aspekte der psychologischen Personwissenschaft

Im ersten Abschnitt wird zunächst der Persönlichkeitsbegriff genau definiert werden. Der Gegenstand der Persönlichkeitsforschung wird im darauf folgenden Abschnitt genauer erläutert. Im letzten Abschnitt dieses Kapitels will ich kurz die Aufgaben dieses Forschungsgebietes vorstellen.

2.1. Persönlichkeitsbegriff

Alle Autoren, die sich mit dem Persönlichkeitsbegriff befassen, sind sich einig, dass bei jedem Menschen die Persönlichkeit ein einzigartiges, relativ überdauerndes und stabiles Verhaltenskorrelat ist. Diese Behauptung kann auch genau aufgeteilt werden:

Konkretes Handeln und Erleben setzen Schemata und Dispositionen voraus, auf die sich die Persönlichkeit bezieht. Es bedeutet, dass die Persönlichkeit sich nicht direkt aber indirekt auf das Handeln und Erleben anderer Personen in konkreten Situationen bezieht. Allerdings müssen die Dispositionen über Verhalten in konkrete Situationen erfasst werden und daraus herausgefiltert werden. Auf diese Weise sind Dispositionen individuelles Handelns und Verhaltens als Verhaltenskorrelat oder Verhaltenssubstrat zu betrachten. Dabei ist zu betonen, dass jedes Verhaltenssubstrat jeder Person eine eigene einmalige Struktur besitzt. So kann man jeden Einzelnen mit der besonderen Konfiguration von Dispositionen seines Verhaltens beschreiben. Zwischen der Persönlichkeitspsychologie und der Differentiellen Psychologie werden mit Hilfe dieser einzigartigen Konfiguration von Persönlichkeitsmerkmale unterschieden. Die Persönlichkeitspsychologie befasst sich mit der Gesamtheit aller Dispositionen, wobei die Differentielle Psychologie sich mit der inter- und intraindividuellen Variation von Persönlichkeitsmerkmalen beschäftigt. Dispositionen individuellen Verhaltens müssen über den zeitlichen Verlauf überdauernd und stabil deutlich sein. So ist festzuhalten, dass es sich im Bereich der Persönlichkeitspsychologie nicht um temporäre und sich wechselnde Determinanten des Verhaltens es handelt. Aus dem Bereich der Erkenntnistheorie ist noch zu bemerken, ob bei den Dispositionen individuellen Verhaltens sich um real existente Einheiten handelt. Es können auch aus dem Verhalten abstrahierbare gedankliche Konstruktionen sein, die anders entworfen sein können. In Deutschland wurde die ontologische Betrachtungsweise von Wellek und Lersch vertreten. Die konstruktivistische Betrachtungsweise besitzt Vorteile, von denen ich kurz zwei erwähnen will:

Der Vorteil liegt darin, dass der Konstruktivismus für neue inhaltliche und theoretische Konzeptionen offen ist. Damit berücksichtigt sie das Prinzip der Historizität und Weiterentwicklung wissenschaftlicher Bemühungen. Als weiterer Punkt ist zu erwähnen, dass der Konstruktivismus über den empirischen Weg das individuelle Verhalten zugrundeliegender Dispositionen verfeinert. Die Orientierung dieser Verfeinerung erfolgt an der Tauglichkeit dispositioneller Konstrukte für den Sinn einer effektiven Verhaltensvorhersage. (Vgl. Schneewind, 1992)

2.2. Gegenstand

Zunächst ist hier festzuhalten, dass jeder Mensch sich im Austausch mit der Umwelt befindet. Die Persönlichkeitspsychologie befasst sich mit dem speziellen Bereich dieses Austausches. Es ist besonders der Bereich des Erlebens und Handelns in dieser Person-Umwelt-Relation gemeint. Diese Beziehung zwischen Person und Umwelt besteht aus vier Komponenten: 1. der Umwelt; 2. dem Gehirn als Verarbeitungszentrum sowie Erfahrungsschemata der Person; 3. ihrem Handeln und abschließend 4. den daraus Handlungskonsequenzen.

Ich beginne beginnen mit der Beschreibung der Umwelt: Die Person steht in ständiger Konfrontation mit materiellen und sozialen und diversen mehr Umständen. Die Informationsaufnahme basiert auf diesen Umweltereignissen, die der Mensch im Bereich seiner subjektiven Informationsverarbeitung auswertet. Mit der bewussten Auseinandersetzung zur Umwelt sammelt der Mensch einerseits konkrete Erfahrungen und Erlebnisse, und anderseits werden die vorhandenen Erfahrungsmuster aktualisiert, indem sich die Person mit der Umwelt und sich auseinandersetzt. Jedoch sind die Erfahrungsmuster durch das biologische Substrat determiniert, an welches das Individuum in seinem Leben gebunden ist. So stellt der Mensch ein psychophysisches System dar. Die aktuellen Erfahrungsmuster resultieren aus der miteinander in Wechselwirkung stehenden Entwicklung psychischer und physischer Struktur. Das interne Erfahrungsmodell eines Menschen wird bei einem bestimmten Zeitpunkt als gegebenes Erfahrungsmuster nach außen repräsentiert. Die Inhalte des internen Erfahrungsmodells sind Gegenstand des bewussten Erlebens und unterstehen dem Zugriff des reflexiven Bewusstseins. So bilden sie eine höher gestufte Ebene: ein internes Metamodell der Erfahrung. Diese Ebene ermöglicht dem Menschen eine Selbststeuerung seines Handelns und Erlebens. “Der Gegenstand der Persönlichkeitspsychologie ist nicht nur die in der Umwelt erlebende und handelnde Person, sondern darüber hinaus die im Erleben und Handeln sich ändernde Person in einer sich ändernden Umwelt.” (Schneewind, S. 54, 1992)

2.3. Aufgaben

Die Aufgaben der Persönlichkeitspsychologie lassen sich in vier Teilen Beschreibung, Erklärung, Vorhersage und Veränderung individuellen Erlebens und Handelns zusammenfassen. Die Persönlichkeitsbeschreibung wird in zwei Aspekte untergliedert: a, die Zustandsbeschreibung soll den momentanen Stand der Persönlichkeit an; b, die Persönlichkeitsmerkmale werden aus ihrem Umwelt- und Handlungsbezug herausgefiltert. Die zunächst intensive Suche nach zeitstabilen und situationsinvarianten Strukturen der Persönlichkeit führt zur Vereinfachung des empirischen Forschungsansatzes. Allerdings kann ein zu simpler Ansatz die Anwendungstauglichkeit der Forschungsbefunde negativ beeinflussen. Hingegen befasst sich die Veränderungsbeschreibung mit vorhandener Stabilität und Wandel des individuellen Lebens und Handelns im Zusammenhang eines sich verändernden Umweltkontextes. Wenn Persönlichkeitsmerkmale im Mittelpunkt stehen, wird so auch von Veränderungswerten geschrieben. Sie geben das Ausmaß der infraindividuellen Variation menschlichen Erlebens und Handelns im Zeitverlauf an. Bei der Persönlichkeitserklärung handelt es sich um die erfasste Registrierung individuellen Verhaltens im zeitlichen Querschnitt. Hier bemüht man sich, die Bedingungen zu finden, die die interindividuellen Unterschiede sowie intraindividuelle Veränderungen verursachen. Das interne Erfahrungsmodell wird in drei Teilmodellen klassifiziert: internes Umweltmodell, internes Selbstmodell und internes Beziehungsmodell. Das interne Umweltmodell zeigt die Umstände der Umwelt eines Menschen, die durch eigenständige oder vermittelte Erfahrung im Lauf seines Lebens eine Rolle gespielt haben, also Gegenständlichkeiten der materiellen und sozialen Umwelt, die sich bildhaft oder sprachlich gezeigt, einprägten. Die Person hat sich mit dieser ihrer Umwelt handelnd auseinandergesetzt und diese sich damit angeeignet. Es gibt die persönlich handlungsrelevanten Erfahrungswerte, die in Erwartungen, die ein Mensch in seinem Verhalten zu abgrenzbaren Objekten seiner Umwelt hat, und die Erfahrung in Bewertungen, die selbiger mit den Objekten in spezifischen Handlungskontexten verbindet unterscheidet. Alle Erfahrungen, die sich ein Mensch im Umgang mit sich selbst angeeignet hat, werden im internen Selbstmodell zentralisiert. Die Verbindung zwischen dem internen Selbstmodell und dem internen Umweltmodell wird im internen Beziehungsmodell durchgeführt. Bei der Persönlichkeitsanalyse sind Prognosen über zukünftiges individuelles Verhalten sehr bedeutsam für die Praxis. Diese Verhaltensprognosen ab zweiter Lebenshälften werden mit Hilfe einfacher Veränderungsbeschreibungen durchgeführt. Mit empirischen Analysen wird die zeitliche Verlaufsgestalt von Verhaltensentwicklungen beobachtet. Es werden ab einem bestimmten Zeitpunkt Informationen über eine Person festgehalten. Mit diesem Verfahren gewinnt man Vorhersagespielraum Prognose, um eine sichere für ihr zukünftiges Verhalten zu erzielen. Allerdings hängt diese Vorhersage auch von der Stabilität der Persönlichkeitsmerkmale ab. Es gibt unbedingt eine Regel zu berücksichtigen: Der terminliche Abstand erster Einschätzung, erster Messung als Basis und der Zeitspanne zwischen zukünftiger Maßstabsfindung der Verhaltensweisen darf nicht so fern sein. Je länger dieser Abstand ist, desto ungenauer werden die Zukunftsprognosen. Am Beispiel der Intelligenz ist eine - sofern sich keine Demenz ankündigt - Stabilität von Dauer oft über Jahrzehnte festzustellen. Hingegen werden Werthaltungen, Selbstbeurteilungen sowie ab Lebensmitte Einstellungen von Jahr zu Jahr, oftmals innerhalb weniger Monate, als instabil dargestellt. Die Persönlichkeitsveränderung, die für diese Hausarbeit sehr interessant ist, befasst sich mit dem eingreifend unterstützenden Handeln pro ältere Generation. Das Ziel liegt in der vernünftigen, altersgemäßen Veränderung des menschlichen Verhaltens. (Schneewind,1992)

3. Persönlichkeitsveränderung im zunehmenden Alter

Im Bereich der Persönlichkeitsveränderungen im Alter wurden bisher eher keine Forschungen durchgeführt. Man befasste sich weitgehend nur mit der Erfassung der noch geistigen Leistungsfähigkeit und mit sozialen Interaktionen. Auf Grund von Hinweisen auf Veränderungen im Erleben und Verhalten erweiterte man das Forschungsgebiet. Es gab Feststellungen, dass der alte Mensch nicht gleichgültig wird oder ist, sondern nur anders fühlt als früher. Nach dem damaligen Kenntnisstand wurden Persönlichkeitsveränderungen ausgelöst durch nachlassende Antriebsstärke folglich nahm man Antriebsmangel an. Diese Vermutungen beruhen weitgehend nicht auf empirischer Grundlage, sondern wurden durch die Untersuchungen der Intelligenz formuliert. Die Betonung der Intelligenz ist nicht nur auf Konzentration des Leistungsaspekts der gegenwärtigen Leistungsgesellschaft zurückzuführen sondern auf methodische Gründe. (Vgl. Lehr, 1998)

In der Psychoanalyse berufen sich die Erkenntnisse auf Klinische Forschung und Kriminologische Wissenschaften. Bei letzteren muss man bedenken, dass hier Extremgruppen von Persönlichkeiten untersucht wurden, die nicht auf den Normbereich übertragen werden können. Aus dem Bereich der Psychoanalyse war Sigmund Freud der erste, der die Herausforderungen der entwicklungsbedingten Persönlichkeitsveränderungen erkannte. Allerdings war seine Theorie auf die Libidoentwicklung so stark fixiert. C. G. Jung sieht in der Persönlichkeitsentwicklung einen weiter führenden Prozess, der über Selbstverwirklichung, Selbstidentifikation und Selbstwerdung. Dabei bedeutet die Individuationskrise der Wendepunkt. Allerdings beruhen sich die einzelnen Fallstudien auf gestörter Persönlichkeitsentwicklung. So ist die Übertragbarkeit auf den Normbereich nicht ohne weiteres durchzuführen. Im verstärkten Maße betrifft es vor allem auf die Übertragung der Erkenntnisse auf altersbedingte Persönlichkeitsveränderungen im Alter. (Vgl. Lehr, 1998)

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Details

Titel
Persönlichkeitsentwicklung in der zweiten Lebenshälfte nach C. G. Jung
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V183470
ISBN (eBook)
9783656077831
ISBN (Buch)
9783656078609
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
persönlichkeitsentwicklung, lebenshälfte, jung
Arbeit zitieren
M. A. ; Dipl. (postgrad.) Isolde A. Kretzschmar (Autor), 2006, Persönlichkeitsentwicklung in der zweiten Lebenshälfte nach C. G. Jung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183470

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