Die Bankenpleiten in den 1970er Jahren und die immer mehr international tätigen Banken machten es nötig eine internationale Bankenaufsicht zu gründen. Seitdem macht der Baseler Ausschuss zur Bankenaufsicht regelmäßig Vorschläge zur Regulierung von Banken.
Im Zuge der Finanzmarktkrise wurden neue Vorschriften für Banken diskutiert und durch den Ausschuss im Dezember 2010 unter dem Namen Basel III veröffentlicht. Dort werden zum einen verschärfte Eigenkapitalanforderungen gefordert und zum anderen wird eine Begrenzung der Verschuldung vorgeschlagen.
Gerade deutsche Kreditbanken, die sehr international ausgerichtet sind, werden mit den neuen Regeln konfrontiert. Für sie stellt sich die Frage, wie sie die neuen Anforderungen erfüllen sollen. Denn durch die qualitative Aufwertung des Eigenkapitals steht eine beliebte deutsche Finanzierungsform auf der Kippe: die stillen Einlagen.
Die Prinzipal-Agent Theorie bietet die Grundlage für diese Über-legungen. Müssen Banken auf Grund ihres Informationsvorsprungs reguliert werden, oder schafft es der Markt sich selbst zu regulieren? Der Staat hat verschiedene Möglichkeiten regulierend in das Bankensystem einzugreifen.
Es wurde viel über mögliche Auswirkungen von Basel III diskutiert. Während vornehmlich Politiker der Meinung sind, dass die neuen Regeln das Bankensystem stabiler machen, glauben Vertreter der Banken, dass es zu einer Kreditklemme und zu einem Rückgang der Konjunktur kommen wird.
Basel III kann aber nur richtig funktionieren, wenn es ein Standard für alle Staaten wird, ohne Ausnahmen für einzelne.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Nach der Krise ist vor der Regulierung
- 2. Das Bankensystem in Deutschland
- 2.1. Institutioneller Rahmen für deutsche Kreditbanken
- 2.1.1. Die Europäische Zentralbank als höchste Instanz
- 2.1.2. Das Europäische System der Zentralbanken
- 2.1.3. Die Deutsche Bundesbank als Teil des Systems
- 2.2. Das Universalbankensystem in Deutschland
- 2.2.1. Universalbanken als Anbieter aller Bankgeschäfte
- 2.2.1.1. Privatwirtschaftlich organisierte Kreditbanken
- 2.2.1.2. Öffentlich-rechtliche Sparkassen und Landesbanken
- 2.2.1.3. Genossenschaftsbanken
- 2.2.2. Spezialbanken als Sonderstellung im Universalbankensystem
- 2.2.1. Universalbanken als Anbieter aller Bankgeschäfte
- 2.3. Die Organisation der Bankenaufsicht
- 2.3.1. Der Baseler Ausschuss zur Bankenaufsicht
- 2.3.2. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde
- 2.3.3. Die Bundesanstalt für Finanzdienstaufsicht
- 2.1. Institutioneller Rahmen für deutsche Kreditbanken
- 3. Auswirkungen regulatorischer Eingriffe auf deutsche Kreditbanken
- 3.1. Theorie der Regulierung – das Prinzipal-Agent Problem
- 3.1.1. Grundlage der Regulierung des Bankensektors
- 3.1.2. Formen der Regulierung
- 3.1.2.1. Die Selbstregulierung des Marktes
- 3.1.2.2. Möglichkeiten staatlicher Regulierung
- 3.1.3. Zusammenfassung
- 3.2. Neue Anforderungen für Banken
- 3.2.1. Eigenkapitalanforderung
- 3.2.2. Liquiditätsanforderungen
- 3.3. Die Existenz des Schattenbankensystems
- 3.1. Theorie der Regulierung – das Prinzipal-Agent Problem
- 4. Der Weg nach Basel IV
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen der Basel III-Regulierung auf deutsche Kreditbanken. Ziel ist es, die neuen Anforderungen an Eigenkapital und Liquidität zu beleuchten und deren Implikationen für das deutsche Bankensystem zu analysieren.
- Der institutionelle Rahmen des deutschen Bankensystems
- Die Auswirkungen der Basel III-Regulierung auf deutsche Banken
- Die Prinzipal-Agent-Theorie im Kontext der Bankenregulierung
- Analyse der Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen von Basel III
- Der Einfluss von Basel III auf das Schattenbankensystem
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 führt in die Thematik ein und beschreibt den Hintergrund der neuen Regulierung im Kontext der Finanzmarktkrise. Kapitel 2 stellt das deutsche Bankensystem mit seinen verschiedenen Akteuren und dem institutionellen Rahmen vor. Es werden die verschiedenen Banktypen (Universalbanken, Spezialbanken etc.) detailliert erklärt. Kapitel 3 analysiert die Theorie der Regulierung, insbesondere das Prinzipal-Agent-Problem im Bankensektor, und beschreibt die neuen Anforderungen von Basel III an Eigenkapital und Liquidität.
Schlüsselwörter
Basel III, Bankenregulierung, deutsche Kreditbanken, Eigenkapitalanforderung, Liquiditätsanforderung, Prinzipal-Agent-Problem, Schattenbankensystem, Universalbankensystem, Finanzmarktkrise.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die Kernziele von Basel III?
Basel III zielt auf eine Stabilisierung des Finanzsystems durch verschärfte Eigenkapitalanforderungen, die Einführung einer Verschuldungsobergrenze (Leverage Ratio) und neue Liquiditätsvorschriften ab.
Warum sind deutsche Kreditbanken besonders betroffen?
Deutsche Universalbanken sind oft international vernetzt. Die qualitative Aufwertung des Eigenkapitals gefährdet zudem spezifische deutsche Finanzierungsformen wie stille Einlagen.
Was besagt die Prinzipal-Agent-Theorie in der Bankenregulierung?
Sie liefert die Begründung für staatliche Eingriffe: Da Banken einen Informationsvorsprung gegenüber Einlegern haben, kann sich der Markt nicht allein selbst regulieren, was Aufsicht notwendig macht.
Welche Kritik äußern Bankenvertreter an Basel III?
Vertreter befürchten eine Kreditklemme, da Banken durch die höheren Kapitalvorgaben weniger Spielraum für die Kreditvergabe haben könnten, was die Konjunktur bremsen würde.
Welche Rolle spielt das Schattenbankensystem bei Basel III?
Es besteht das Risiko, dass durch die strengere Regulierung traditioneller Banken Geschäfte in den weniger kontrollierten Schattenbankensektor abwandern, was neue Instabilitäten schaffen kann.
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- B.A. René Müller (Author), 2011, Die Auswirkungen von Basel III auf deutsche Kreditbanken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183482