Geschäfte mit Russland


Seminararbeit, 2010

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung

2. Landübersicht

3. Politische Entwicklung Russlands

4. Deutsch-Russische Wirtschaftsbeziehungen

5. Juristische Ausgangspunkte für Geschäftsgründung in Russland
5.1 Vertragsgestaltung
5.2 Registrierung
5.3 Rechtsform
5.3.1 GmbH
5.3.2 AG
5.3.3 Unterschiede bei der Satzung zwischen einer GmbH und einer AG
5.3.4 Vorteile und Nachteile der OOO und AO
5.3.5 Repräsentanz und Filiale
5.3.6 JointVenture
5.4 Immobilieneigentum
5.5 Allgemeine Importbestimmungen
5.6 Arbeitsrecht

6. Schwierigkeiten und Gefahren

7. Chancen

8. Anhang
8.1 BIP in den Perioden 2000 - 2010
8.2 Detaillierte Liste der deutschen Exporte nach Russland
8.3 Corruption Perception Index
8.4 Index of Economic Freedom
8.5 Umfrage zum Vertrauen in die Gerichte
8.6 Medwedew's Problemliste

1. Einführung

Russland ist das größte Land der Welt.1 Heute berichten die Medien mittlerweile fast täglich über Russland: Millionäre und Milliardäre auf Expansionskurs, Erdöl- und Erdgaspipelines, Bauboom in den Städten Moskau und St.Petersburg, Korruption bei den russischen Behörden und natürlich der politische Einfluss Russlands. Russland ist eine der am dynamischsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt und zählt zu den sog. "BRIC-Staaten" (Brasilien, Russland, Indien, China), also den Emerging Markets, die durch überaus hohe Zuwachsraten gekennzeichnet sind. Diese Staaten tragen mit ca. 40 % der Weltbevölkerung bei. Im Jahre 2006 war Russland die elftgrößte Wirtschaft der Welt.

Viele deutsche Unternehmen verschiedener Größen haben sich auf den Weg nach Russland gemacht. Deutsche Handelskammern zählen etwa 4.600 Unternehmen, wobei besonders weit die Beziehungen auf Groß- und Mittelständischer Ebene existieren. Global Player wie BASF, EON, Siemens oder die METRO - Gruppe haben Russlands wirtschaftliche Attraktivität entdeckt. Von Kaliningrad im Westen bis Wladiwostok im Osten investieren diese und andere Unternehmen in Russland in praktisch allen Bereichen, sei es Produktion, auf dem Dienstleistungssektor oder Zulieferungssektor. Beiderseitige Beziehungen beschränken sich dabei in keiner Weise lediglich auf den Handel, vielmehr hat sich seit 1990 ein weitverzweigtes Netz aus bilateralen Abkommen, Institutionen und Projekten entwickelt.2 „Das heißt, es gibt zahlreiche Möglichkeiten für eine Geschäftsbeziehung", erläutert der russische Generalkonsul Chorokordin.3

Diese Seminararbeit erläutert kurz Fragestellungen, die ein Unternehmer für einen Geschäftseinstieg in Russland wissen muss. Um ein rundum Bild zu gewährleisten, umfasst diese Arbeit neben dem russischen Gesellschaftsrecht wirtschaftliche und politische Entwicklung Russlands und verleiht einen Überblick über die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Schließlich werden noch Chancen und Gefahren dargestellt, die der Unternehmer bei seiner Entscheidung berücksichtigen sollte.

2. Landübersich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten4 5 6 7 8

3. Politische und wirtschaftliche Entwicklung Russlands

Der am 11. März 1985 zum kommunistischen Generalsekretär gewählte Michael Gorbatschow realisierte schnell, dass der größte Markt der Welt zu einem gefährlichen Wettbewerb mit der sowjetischen Planwirtschaft führt, die schon sowieso konkursreif war. Der darauf folgende politische Umkehrprozess mit den für russische Bürger lang anhaftende Zauberwörter „Glasnost" und „Perestroika" führte langsam die Planwirtschaft zur einer Marktwirtschaft und die Diktatur zur Demokratie. In der darauf folgenden Zeit im Jahre 1991 lösen Machtpolitiker Boris Jelzin zusammen mit den Präsidenten der Ukraine und Weißrussland die gigantische Sowjetunion auf. Fünfzehn unabhängige Staaten resultieren daraus, wobei Russland als mächtigster Staat übrig bleibt (Denz & Eckstein, 2001).

Nach einer darauf folgenden Rezessionsphase verzeichnete die russische Volkswirtschaft erst Ende des 20ten Jahrhunderts erstmal wieder positive Wachstumsraten. Im Zeitraum 1999 - 2001 erhöhte sich das reale Bruttoinlandsprodukt um 5 % (vgl. RECEP, 2002).

Folgende Faktoren waren für dieses Ereignis maßgebend (Duwendag, 2002):

- Drastische Rubel-Abwertung durch die Finanz- und Währungskrise 1998, die jedoch ab 1999 überraschend schnell überwunden wurde
- Starke Anstieg der Weltmarktpreise für Energieträger und Rohstoffe
- Rasche Umsetzung der Reformpolitik unter Präsident Wladimir Putin und Verabschiedung neuer struktureller Reformen

Somit verzeichnete Russland nach Historikerangaben das Jahr 2000 als das Beste in der russischen Geschichte seit 1913. Jedoch ist das russische Rechtssystem nach der „Perestroika" noch relativ jung und sehr roh. Gesetze werden oft überarbeitet und das Land befindet sich im Lern- und Feinjustierungsprozess. 2006 wurden z.B. 300 der 424 Artikel des Arbeitsgesetzbuches modifiziert oder komplett neu erfasst. Auch das Steuerrecht befindet sich im kontinuierlichen Wandlungsprozess9.

Das Investitionsklima im Land ist immer noch getrübt. Im aktuellen Weltbank-Report "Doing Business 2008" liegt Russland nur auf Platz 106 von 178 untersuchten Staaten (2007: Rang 112). Besonders schlechte Noten bekamen die Beschaffung von Lizenzen, der grenzüberschreitende Handel und die Abwicklung von Steuerformalitäten, für die laut Weltbank besonders komplizierte und langwierige Vorschriften gelten. Leichter sei hingegen die Kreditvergabe geworden, heißt es in dem Bericht. Auch im Index der Korruptionswahrnehmung von Transparency International lag Russland 2007 wieder weit hinten (Rang 143 von 179 Ländern) und hat sich gegenüber dem Jahr zuvor sogar noch um 22 Plätze verschlechtert.10

Russlands Wirtschaft ist unter anderem auch durch eine hohe Inflationsrate gekennzeichnet: In der Periode 1998-2006 war die Inflation so in etwa 12 %. 2006 ist sie einmalig auf 9,7 % gesunken, stieg jedoch 2007 auf 11,9 % wieder an. Darauf hat die russische Wirtschaftsministerin noch im Dezember 2007 stärkere Maßnahmen zur Eindämpfung der Inflation verkündet (Löw & Lahm, 2008). Dies ist auch eine Voraussetzung für niedrigere Darlehenszinsen, deren aktuelle Höhe dem russischen Investitionsmarkt große Schwierigkeiten bereiten. Was die Außenhandelsstruktur angeht, so ergibt sich als Folge starker Einseitigkeit eine extrem abhängige Wirtschaftslage von den internationalen Rohstoffmärkten. Die Wettbewerbsvorteile ggü. anderen Rohstoffexporteuren sind wegen steigenden Kosten der Rohstoffförderung nur schwer kontinuierlich haltbar. Außerdem ist zu bedenken, dass die Rohstoffe mit der Zeit erschöpft werden. Man spricht auch hier von einer „dualen Struktur" der russischen Wirtschaft, also dem Schwerpunkt auf den exportorientierten Rohstoffsektor. Diese Kopflastigkeit einer rohstofforientierten Exportstruktur Russlands ist ein klares Globalisierungsdefizit im Vergleich zu den erfolgreichen Transformationsländern Mittel- und Osteuropas, deren Außenhandelsstruktur weitgehend diversifiziert ist (vgl. Abb. 2a und 2b). Folgende Diagramme vermitteln einen graphischen Überblick über Russlands Außenwirtschaft:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Trotz allem ist das Wachstum und die Entwicklung der russischen Wirtschaft rasant. Es gibt Prognosen, dass Russland bereits 2016 Deutschland wirtschaftlich überholen könnte und somit nach den USA, China, Japan und Indien die fünftgrößte Wirtschaftsmacht der Welt sein.11

4. Deutsch-Russische Wirtschaftsbeziehungen:

Die Handelsbeziehungen zwischen Russland und Deutschland fangen bereits in der Mitte des 20ten Jahrhunderts an und nehmen im Verlauf deutlich an Wachstum. Das noch mit der UdSSR im Juni 1989 geschlossene Investitionsschutzabkommen über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Kapitalanlagen ist seit 1991 in Kraft getreten.

Seit Dezember 1996 ist das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) in Anwendung (Löw, Lasch. 2008). Bereits 2001 hat Deutschland insgesamt 6,1 Mrd. US-Dollar in Russland investiert, somit betrug dieser Wert 18 % des Gesamtvolumens aller Auslandsinvestitionen. Die Direktinvestitionen davon betrugen insgesamt $1,4 Mrd., also rund 8,2 %. Somit war Deutschland schon zu diesem Zeitpunkt (2001) Russlands wichtigster Handelspartner Nr.1.

Mit der Europäischen Union hat Russland bereits vor 13 Jahren ein Partnerschaftsabkommen geschlossen, das im Dezember 1997 in Kraft trat. Im Jahre 2002 lieferte die Europäische Union rund 37 % der russischen Importe, was ein Drittel der gesamten Ausfuhren des Landes ausmacht. (Duwendag, 2002). Im Jahre 2006 betrugen europäische Lieferungen bereits 44 %, wobei sich der EU Anteil im Vergleich zu Vorjahr um 7,3 % verringert hat.

Der deutsche Anteil dabei erhöhte sich binnen eines Jahres um fast 5 % bis zum Sommer 2007. Somit bleibt Deutschland Russlands europäischer Hauptlieferland vorerst. Man kann behaupten, dass Deutschlands Exportwirtschaft genau das bietet, was Russland dringend braucht - Investitionsgüter. Somit betragen Maschinen, KFZ und KFZ - Teile, sowie Elektrotechnik etwa die Hälfte der russischen Bezüge.

Die Graphik auf der nächsten Seite zeigt eine Übersicht über deutsche Ausfuhrgüter.

(Für eine ausführliche Liste siehe Anhang)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2008 hat der deutsch-russische Handels- und Warenaustausch nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mit 68,25 Milliarden Euro eine neue Höchstmarke erklommen.

Russland erobert Platz eins im Handel Deutschlands mit Mittel- und Osteuropa.

Die Investitionen Russlands dagegen in Deutschland fallen deutlich geringer aus. Jedoch wie man schön sagt: „Alles Anfang ist schwer" bzw. „Übung macht den Meister" (Duwendag, 2002). Russlands Exporte nach Deutschland sind dagegen überproportional von Erdöl und Erdgas bestimmt, die mit 26,7 Milliarden Euro den Löwenanteil (knapp 75%) ausmachen, gefolgt von Eisen-, Stahl- und Nichteisenerzeugnissen (ca. 4 Mrd. Euro) und Kokerei- und Mineralölerzeugnissen (ca. 2,7 Milliarden Euro).12

Der Aufbau der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehung findet stetig statt. So berichtete 2006 der damalige russische Präsident Putin während des Deutschlandbesuches im November: „Deutschland und Russland sind natürliche Partner". Um diese Partnerschaft kontinuierlich zu untermauern, wurde ein Beschluss zur Gründung der bilateralen deutsch-russischen Auslandshandelskammer (AHK) in der Hauptstadt Moskau gefällt13. Diese Stelle empfiehlt sich auch als erste Anlaufstelle bei Fragen oder weiterführender Information zum Geschäftseinstieg in Russland.

[...]


1 Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article3863450/Opel-Einstieg-soll-Russland-die-Zukunft-sichern.html

2 Quelle: http://www.eurosduvillage.eu/Deutschland-Russland-Eine

3 Quelle: http://www.vifaost.de/texte-materialien/aktuelle-berichte/dw- ostfokus/?do=detail&id=pan@0081402682

4 http://www.hik-russland.de/nachrichten/recht/einfuhr-%10-ausfuhr-bestimmungen-200703062804.html

5 Quelle: http://www.russlandinfos.de/

6 Quelle: http://www.laender-analysen.de/russland/

7 Quelle: http://www.172-europa.s-cool.org/?action=ctr

8

9 Quelle: http://russland.ahk.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Publikationen/Jahresberichte/Jahresbericht_2006 de.pdf

10 Quelle: http://www.hik-russland.de/nachrichten/wirtschaft/wirtschaftstrends-russland-jahreswechsel- 2007%1008-200802013126.html

11 Quelle: http://www.laender-analysen.de/russland/pdf/Russlandanalysen166.pdf

12 Quelle: http://russland.ahk.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Publikationen/KammerPublikationen/2008/100Fra gen_07.pdf

13 Quelle: http://russland.ahk.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Publikationen/Jahresberichte/Jahresbericht_2006_ de.pdf

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Geschäfte mit Russland
Hochschule
Fachhochschule Amberg-Weiden
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V183495
ISBN (eBook)
9783656077800
ISBN (Buch)
9783656078555
Dateigröße
12573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Recht, Russland, Wirtschaft, Business, International, Legal, Entwicklung
Arbeit zitieren
Stanislav Bugaev (Autor), 2010, Geschäfte mit Russland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183495

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