Russland ist das größte Land der Welt. Heute berichten die Medien mittlerweile fast täglich über Russland: Millionäre und Milliardäre auf Expansionskurs, Erdöl- und Erdgaspipelines, Bauboom in den Städten Moskau und St.Petersburg, Korruption bei den russischen Behörden und natürlich der politische Einfluss Russlands. Russland ist eine der am dynamischsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt und zählt zu den sog. “BRIC-Staaten” (Brasilien, Russland, Indien, China), also den Emerging Markets, die durch überaus hohe Zuwachsraten gekennzeichnet sind. Diese Staaten tragen mit ca. 40 % der Weltbevölkerung bei. Im Jahre 2006 war Russland die elftgrößte Wirtschaft der Welt.
Viele deutsche Unternehmen verschiedener Größen haben sich auf den Weg nach Russland gemacht. Deutsche Handelskammern zählen etwa 4.600 Unternehmen, wobei besonders weit die Beziehungen auf Groß- und Mittelständischer Ebene existieren. Global Player wie BASF, EON, Siemens oder die METRO - Gruppe haben Russlands wirtschaftliche Attraktivität entdeckt. Von Kaliningrad im Westen bis Wladiwostok im Osten investieren diese und andere Unternehmen in Russland in praktisch allen Bereichen, sei es Produktion, auf dem Dienstleistungssektor oder Zulieferungssektor. Beiderseitige Beziehungen beschränken sich dabei in keiner Weise lediglich auf den Handel, vielmehr hat sich seit 1990 ein weitverzweigtes Netz aus bilateralen Abkommen, Institutionen und Projekten entwickelt. „Das heißt, es gibt zahlreiche Möglichkeiten für eine Geschäftsbeziehung", erläutert der russische Generalkonsul Chorokordin.
Diese Seminararbeit erläutert kurz Fragestellungen, die ein Unternehmer für einen Geschäftseinstieg in Russland wissen muss. Um ein rundum Bild zu gewährleisten, umfasst diese Arbeit neben dem russischen Gesellschaftsrecht wirtschaftliche und politische Entwicklung Russlands und verleiht einen Überblick über die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Schließlich werden noch Chancen und Gefahren dargestellt, die der Unternehmer bei seiner Entscheidung berücksichtigen sollte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Landübersicht
3. Politische Entwicklung Russlands
4. Deutsch-Russische Wirtschaftsbeziehungen
5. Juristische Ausgangspunkte für Geschäftsgründung in Russland
5.1 Vertragsgestaltung
5.2 Registrierung
5.3 Rechtsform
5.3.1 GmbH
5.3.2 AG
5.3.3 Unterschiede bei der Satzung zwischen einer GmbH und einer AG
5.3.4 Vorteile und Nachteile der OOO und AO
5.3.5 Repräsentanz und Filiale
5.3.6 Joint Venture
5.4 Immobilieneigentum
5.5 Allgemeine Importbestimmungen
5.6 Arbeitsrecht
6. Schwierigkeiten und Gefahren
7. Chancen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit den ökonomischen und juristischen Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen, die einen Markteintritt in Russland planen. Ziel ist es, einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung, die rechtlichen Gründungsformen sowie die bestehenden Chancen und Risiken zu geben, um Unternehmern eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.
- Wirtschaftliche und politische Standortanalyse von Russland
- Analyse der deutsch-russischen Handelsbeziehungen
- Juristische Grundlagen zur Rechtsformwahl (GmbH vs. AG)
- Risikofaktoren, Korruption und bürokratische Hürden
- Chancen durch Marktwachstum und Investitionsschutz
Auszug aus dem Buch
5.1 Vertragsgestaltung
Beim Abschluss grenzüberschreitender Verträge sind eine Vielzahl rechtlicher Fragen zu berücksichtigen, die überwiegend vom konkreten Vertragsgegenstand und der Vertragsart abhängen. Im allgemeinen sollte am Anfang geklärt werden, welches Recht angewandt werden soll. Da Deutschland und Russland Mitgliedsstaaten der Wiener Kaufrechtskonvention sind, findet im Verhältnis zwischen deutschen und russischen Vertragsparteien bei grenzüberschreitenden Kaufverträgen generell UN - Kaufrecht Anwendung, sofern diese nicht ausdrücklich vertraglich ausgeschlossen wird. Außenwirtschaftsverträge mit russischen juristischen Personen sind hinsichtlich ihrer Form in jedem Fall dem russischen Recht unterlegen. Das bedeutet, dass alle Verträge dieser Art stets der Schriftform bedienen, ansonsten sind sie nach russischem Recht unwirksam. Bei der Vertragsgestaltung ist selbstverständlich zu beachten, wie weit man sich selbst an den Partner binden will. Zu denken ist hierbei etwa an Exportverträge mit russischen Partnern, die ein bestimmtes Abnahmevolumen zusichern oder vom Partner gar zwingend verlangen.
Im russischen Zivilrecht gibt es neben den allgemein bekannten wie Kauf-, Warenlieferungs-, Werk- und Dienstleistungsverträgen unter anderem Handelsvertreterverträge, Kommissionsverträge, Agenturverträge, Franchising oder etwa den Auftrag. Die Grundlagen sind hierzu ähnlich mit dem deutschen oder europäischen Recht. Möglich sind selbstverständlich Vereinbarungen, die Elemente verschiedener Vertragsarten enthalten, sich jedoch keiner konkreten Vertragsart eindeutig zuordnen lassen und mithin einen auch aus dem deutschen Recht bekannten sogenannten „gemischten Vertrag“ darstellen. Man sollte auf jeden Fall achtgeben, denn viele Rechtsfragen sind jeweils am konkreten Vertrag zu behandeln. Dazu gehören unter anderem Zahlungs- und Lieferbedingungen, Haftungs- und Gewährleistungsfragen, Verzugs- und etwaige Vertragsstrafenregelungen, sonstige Sanktionen bei Vertragsverletzungen usw.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der wirtschaftlichen Relevanz Russlands für deutsche Unternehmen und Definition der Zielsetzung der Arbeit.
2. Landübersicht: Zusammenfassende statistische Daten zu den wichtigsten ökonomischen und strukturellen Kennzahlen Russlands.
3. Politische Entwicklung Russlands: Überblick über die historische Transformation von der Plan- zur Marktwirtschaft und das aktuelle Investitionsklima.
4. Deutsch-Russische Wirtschaftsbeziehungen: Analyse des Handelsvolumens und der Entwicklung der bilateralen Partnerschaft zwischen Deutschland und Russland.
5. Juristische Ausgangspunkte für Geschäftsgründung in Russland: Detaillierte Betrachtung der rechtlichen Anforderungen, Rechtsformen und notwendigen Schritte für einen Markteintritt.
6. Schwierigkeiten und Gefahren: Aufzeigung von systemischen Risiken wie Korruption, bürokratischen Hindernissen und Herausforderungen im Rechtssystem.
7. Chancen: Darstellung des Marktpotenzials und der Investitionsvorteile für deutsche Firmen in Russland.
Schlüsselwörter
Russland, Markteintritt, Wirtschaftsrecht, GmbH, AG, Investitionen, Rechtssicherheit, Korruption, Außenhandel, Transformationsprozess, Joint Venture, Geschäftspraxis, Export, Vertragsgestaltung, Rechtsform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen Leitfaden für deutsche Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen mit Russland aufnehmen oder sich dort niederlassen möchten, und beleuchtet dabei rechtliche und ökonomische Aspekte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen, den spezifischen Rechtsformen für ausländische Investoren sowie den Chancen und Risiken des russischen Marktes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Unternehmern einen strukturierten Überblick über die Rahmenbedingungen in Russland zu geben, um den Einstieg in den russischen Markt besser planen und Risiken einschätzen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es handelt sich um eine deskriptive Seminararbeit, die auf Literaturrecherche, der Auswertung statistischer Daten und der Analyse aktueller politisch-rechtlicher Rahmenbedingungen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der wirtschaftlichen Entwicklung, eine Analyse der Handelsbeziehungen, eine juristische Anleitung zur Unternehmensgründung und eine Bewertung der geschäftlichen Risiken und Chancen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Russland, Investitionen, Rechtsformen (GmbH/AG), Korruption, Markteintritt und Außenhandelsbeziehungen.
Welche Rechtsform wird für deutsche Unternehmen in Russland primär diskutiert?
Die Arbeit analysiert ausführlich die Gründung einer GmbH (OOO) sowie einer Aktiengesellschaft (AO) und arbeitet deren Vor- und Nachteile sowie die unterschiedlichen Anforderungen an das Stammkapital und die Satzung heraus.
Warum ist das Thema Korruption in dieser Arbeit so präsent?
Da Korruption laut internationalen Indizes und den Analysen des Autors ein signifikantes Hindernis für ausländische Investoren darstellt, wird sie als kritisches Risiko im Kapitel "Schwierigkeiten und Gefahren" gesondert thematisiert.
- Arbeit zitieren
- Stanislav Bugaev (Autor:in), 2010, Geschäfte mit Russland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183495