Das Gesundheitswesen steht vor einem großen Umbruch, die Solidargemeinschaft droht aufgrund ständig steigender Kosten zu zerbrechen. Gleichzeitig gibt es immer neue Forschungsergebnisse, die die Medizin zu neuen Höchstleistungen führen. Ob diese zum Segen der Menschen sind, bleibt dahingestellt. Rationierungen und Rationalisierungen führen Wissenschaftler und Politiker immer wieder in Versuchung über Altersbeschränkungen in der medizinischen Behandlung nachzudenken. Die Debatten über die Genforschung und um die Produktion und die Verwendung menschlicher Stammzellen zeigen, wie wichtig ethische Debatten in der Öffentlichkeit sind. Im Krankenhaus und im Pflegeheim arbeiten zwei Berufsgruppen, die jeweils noch einen eigenen Berufsethos haben: die Ärzteschaft und die Pflege. Ihnen ist die Auseinandersetzung mit ethischen bzw. moralischen Fragen im Laufe ihres Berufsalltages nicht fremd. Bedauerlicherweise sind beide häufig mit ihren Entscheidungen allein gelassen. Eine Möglichkeit dies zu verändern, soll in der vorliegenden Arbeit vorgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der Fall
2. Ethische These / Fragestellung
3. Begriffsbestimmungen
3.1 Ethikkommission
3.2 Klinisches Ethikkomitee
3.3 Ethische Beratschlagung durch Fallbesprechung (Ethische Fallbesprechung)
4. Analyse der Bemerkung des Chefarztes in Bezug auf die ärztliche Standesethik und die Organisation Krankenhaus
5. Ethik in Organisationen des Gesundheitswesen – Entwicklungen und Chancen
5.1 Die Organisationsebene
5.1.1 Das Top-down-Modell
5.1.2 Das Bottom-up-Modell
5.2 Klinische Ethikkomitees und ethische Fallbesprechung
5.3 Das klinisch-ethische Interaktionsmodell
6. Einführung einer ethischen Fallbesprechung in einer Klinik
7. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Sinn und Zweck ethischer Fallbesprechungen in einer hierarchisch strukturierten Kliniklandschaft und analysiert Möglichkeiten sowie Hürden ihrer praktischen Implementierung als Instrument zur Förderung einer würdevollen Patientenversorgung.
- Analyse ärztlicher Kommunikationsmodelle und deren Auswirkungen auf die Patientenautonomie.
- Gegenüberstellung von Top-down- und Bottom-up-Ethikmodellen in Gesundheitseinrichtungen.
- Bedeutung der Interdisziplinarität und Moderation bei ethischen Fallbesprechungen.
- Strategien zur Etablierung ethischer Strukturen unter Berücksichtigung von Organisationsinteressen und Zertifizierungsanforderungen.
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Das Top-down-Modell
Auf der obersten Ebene der Organisation (der Klinik, dem Pflegeheim) werden die notwendigen Richtlinien und Leitbilder entwickelt.
Es wird eine hierarchische Organisation vorausgesetzt, das ethische Profil des Hauses wird auf der Leitungsebene definiert. Zu beachten ist, ob die erarbeiteten Lösungen auch wirklich im Alltag Bestand haben, dass heißt auch umgesetzt werden. Insbesondere die Patientenbehandlung durch die Ärzte wird, wie im Fallbeispiel deutlich wird, noch zumeist autonom durchgeführt, Einmischungen sind unerwünscht.
Die ethische Argumentation wird im Top-down-Modell deduktiv durchgeführt. Allgemeine, abstrakte Normen sind der Ausgangspunkt, schrittweise wird die ethische Argumentation abwärts geführt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die schwierige Lage des Gesundheitswesens durch Kostendruck und medizinischen Fortschritt und führt das Problem der ethischen Isolation von Ärzten und Pflegekräften ein.
1. Der Fall: Ein konkretes Fallbeispiel einer städtischen Klinik illustriert den Widerstand eines Chefarztes gegenüber ethischen Fallbesprechungen in einer stark hierarchisierten Struktur.
2. Ethische These / Fragestellung: Es wird die These aufgestellt, dass Fallbesprechungen ein notwendiges Instrument für eine würdevollere Patientenbehandlung darstellen und nach deren argumentativer Grundlage gefragt.
3. Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel differenziert zwischen den Funktionen der Ethikkommission, des klinischen Ethikkomitees und der flexiblen ethischen Fallbesprechung.
4. Analyse der Bemerkung des Chefarztes in Bezug auf die ärztliche Standesethik und die Organisation Krankenhaus: Die Aussage des Chefarztes wird anhand verschiedener Arzt-Patienten-Beziehungsmodelle analysiert und dem gesellschaftlichen Wert der Patientenautonomie gegenübergestellt.
5. Ethik in Organisationen des Gesundheitswesen – Entwicklungen und Chancen: Es erfolgt eine detaillierte Betrachtung von Organisationsstrukturen, ethischen Modellen (Top-down, Bottom-up) und der Bedeutung von Ethik für Zertifizierungen.
6. Einführung einer ethischen Fallbesprechung in einer Klinik: Das Kapitel erläutert die praktische Umsetzung von Fallbesprechungen basierend auf den vier ethischen Prinzipien und die Notwendigkeit, Akteure zu vernetzen.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass der kommunikative Austausch über ethische Fragen eine realistische und notwendige Alternative zum administrativen Handeln in Zeiten von „managed care“ bietet.
Schlüsselwörter
Ethische Fallbesprechung, Patientenautonomie, Krankenhausethik, Unternehmenskultur, Arzt-Patienten-Beziehung, Paternalismus, Klinisches Ethikkomitee, Interdisziplinarität, Medizinethik, Gesundheitswesen, Organisationsethik, Nimwegener Methode, Pflegeethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit und Implementierung ethischer Fallbesprechungen in Krankenhäusern, um trotz hierarchischer Strukturen eine verantwortungsvolle und patientenorientierte Versorgung sicherzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die Arzt-Patienten-Beziehung, Patientenautonomie, organisatorische Hierarchien im Krankenhaus sowie die Abgrenzung verschiedener ethischer Beratungsinstrumente.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, eine argumentative Grundlage für die Einführung von ethischen Fallbesprechungen zu schaffen und aufzuzeigen, wie diese im Klinikalltag implementiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von ethischen Modellen und Fallbeispielen sowie auf eine Literaturrecherche zu normativen ethischen Prinzipien in Organisationen des Gesundheitswesens.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Analyse des paternalistischen Arztmodells, die Gegenüberstellung von Top-down- und Bottom-up-Ethikmodellen sowie die praktischen Strategien zur Etablierung von Fallbesprechungsgruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind ethische Fallbesprechung, Patientenautonomie, Krankenhausethik, Paternalismus und Organisationsethik.
Inwiefern beeinflusst die Klinik-Hierarchie die Einführung ethischer Fallbesprechungen?
Die ausgeprägte Hierarchie, in der Chefärzte oft autonom entscheiden, erschwert die Einführung neuer, partizipativer Strukturen, weshalb die Autorin empfiehlt, über bestehende informelle Gruppen wie eine Hospiz-AG zu intervenieren.
Warum ist die "Nimwegener Methode" für den Stationsgebrauch relevant?
Diese Methode dient als strukturierter Leitfaden, der interdisziplinär alle relevanten medizinischen, pflegerischen und sozialen Faktoren abfragt, um in schwierigen Behandlungssituationen zu einer fundierten ethischen Bewertung zu gelangen.
- Arbeit zitieren
- Christina Mark (Autor:in), 2003, Die ethische Fallbesprechung in Medizin und Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18386