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Schiller, Die Räuber - Eine Interpretation

Titel: Schiller, Die Räuber - Eine Interpretation

Wissenschaftlicher Aufsatz , 1985 , 32 Seiten , Note: sehr gut

Autor:in: Erwin Dr. Leibfried (Autor:in)

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
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Zusammenfassung Leseprobe Details


Die Räuber
Erbrecht und Affektstruktur

Die ersten Produkte Goethes und Schillers sind von einer Unreife, ja selbst von einer Rohheit und Barbarei, vor der man erschrecken kann.
Hegel, Ästhetik, ed. Bassenge,Bd. I, S. 39

Räuber und Mörder sind in Zeiten der Noth keine seltene Erscheinung.
B. Becker, Actenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beyden Ufern des Rheins, Erster Theil ... Cöln, 1844, S. 3

Inhalt

(1)
Textgeschichte - Vorrede

(2)
Briefintrige - Franz als unmoralischer Charakter - Der be-nachteiligte, kalte Franz gegen den erstgeborenen, gefühl-vollen Karl - Vater Moor als Repräsentant einer deformie-renden Institution - Ungleiche Verfügung über Güter und d ie dadurch neidbestimmte Affektstruktur von Franz.
(3)
Karls Unfähigkeit zu humanem Handeln - aus Enttäu-schung zum Räuberhauptmann - Spiegelberg als Böse-wicht - Gleichverteilung der Güter als Ziel setzt Kritik der Moral am Staat in Handlung um - Das Scheitern legitimer politischer Aktion des Subjekts im Absolutismus

(4)
Auseinandersetzung Franz - Amalia - Macht der Vernunft als Form der Zerstörung - Bündnis Franz - Herrmann - Das Leid der Betrogenen - zerstörender Einfluß auch in der Familie - Der alte Moor als ‘Stellvertreter Gottes’ und die Realität von Ausbeutung und Unterdrückung.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Textgeschichte - Vorrede

2. Briefintrige - Franz als unmoralischer Charakter - Der benachteiligte, kalte Franz gegen den erstgeborenen, gefühlvollen Karl - Vater Moor als Repräsentant einer deformierenden Institution - Ungleiche Verfügung über Güter und die dadurch neidbestimmte Affektstruktur von Franz.

3. Karls Unfähigkeit zu humanem Handeln - aus Enttäuschung zum Räuberhauptmann - Spiegelberg als Bösewicht - Gleichverteilung der Güter als Ziel setzt Kritik der Moral am Staat in Handlung um - Das Scheitern legitimer politischer Aktion des Subjekts im Absolutismus

4. Auseinandersetzung Franz - Amalia - Macht der Vernunft als Form der Zerstörung - Bündnis Franz - Herrmann - Das Leid der Betrogenen - zerstörender Einfluß auch in der Familie - Der alte Moor als ‘Stellvertreter Gottes’ und die Realität von Ausbeutung und Unterdrückung.

5. Spiegelberg contra Karl - Karls Handlungsmotivation - Die Bühne als Gericht - Ankündigung der Peripetie - Das Scheitern menschlicher Pläne

6. Franz und Amalia - keine mundane Realisierung von Glückseligkeit - Prometheische Rebellion versus Mißlingen menschlicher Handlungen - Melancholie und Glückswechsel durch Roller-Episode - Kosinsky-Szene als Kampf wider moralisches Übel - Karls Selbstverständnis als Räuber - Subjektives besiegt Objektiv-Allgemeines - Der Widerstand der Materie und die Aktualität des Dramas

7. Karl im väterlichen Schloß - Nichterkennen durch Entfremdung - Notwendigkeit der scheiternden Versöhnung - Franz als Nihilist - Franz und Karl: Zwei Widersacher aufklärerischer Ideale - Die menschenverschuldete Katastrophe - Zurücknahme des prometheischen Programms - Aufstandsversuch Spiegelbergs - Brutus-Caesar-Lied Karls oder der gescheiterte Kampf wider die Festen des Absolutismus - pervertierte Aktionen der Söhne gegenüber Vater als Rechtsvertreter

8. Franzens Aufgabe der nihilistischen Position - Der alte Moor als Vertreter des Neuen Testaments - Die Ermordung der Geliebten und die Unmöglichkeit von Glück - Falsche Lösungsversuche und Resignation - evolutionäre Entfaltung zum Humanen als einzige Alternative - Der Schluß: die Apotheose der Moral - Das klassische Programme einer Förderung der Menschheitsentwicklung

9. Einfluß barocker Operntechnik auf den jungen Schiller - Zusammenstoß von aufklärerischem und barockem Denken - Resignation und Optimismus - Rekonstruktion der dramatischen Argumentation - lösungsloser Schluß - die Welt als me on - Kunst als Trompete des Fortschritts und als Requiem menschlicher Planungen

Zielsetzung und Themen der Publikation

Die Arbeit untersucht Schillers Drama „Die Räuber“ im Kontext von Erbrecht und Affektstruktur, um aufzuzeigen, wie das Werk als kritische Abbildung absolutistischer gesellschaftlicher Verhältnisse zu verstehen ist und wie die Protagonisten an diesen Strukturen scheitern.

  • Analyse der Briefintrige und der neidbestimmten Affektstruktur von Franz Moor.
  • Untersuchung der Unfähigkeit zu humanem Handeln und des Scheiterns politischer Aktionen im Absolutismus.
  • Diskussion der Bedeutung von Erbrecht, Eigentumsverteilung und familiärer Deformation.
  • Erörterung des Einflusses barocker Denkformen und Operntechnik auf Schillers dramatische Struktur.

Auszug aus dem Buch

(1) Die Probleme um das Drama sind groß.

Entstehung, Textgeschichte mehr oder weniger ungewiß. Von Schiller selbst gibt es kaum Äußerungen; der Weimarer dachte nicht übermäßig gern an die frühe Produktion. Geschrieben wurde das Stück in den Jahren 1779/80 noch auf der Karlsschule, die Schiller damals seit sieben Jahren besuchte. Will man dem Mitschüler und Jugendfreund Johann Wilhelm Petersen glauben, der später als Bibliothekar in Stuttgart lebte, so ist das Stück nicht das Werk eines Gusses. Schiller arbeitete einzelne Selbstgespräche und Auftritte aus, ehe er das Grundgewebe des Ganzen überdachte, ehe er Anlage, Verwicklung und Entwicklung bestimmt, Schatten und Licht verteilt und die Formen gehörig aneinander gereiht hatte. Was auf diese Weise ausgearbeitet war, ließ er sich teilweise von Bekannten vorlesen, um Eindruck und Wirkung besser beurteilen zu können.

Die Forschung hat deshalb versucht, eine genetische [...] Schichtung der Räuber zu erarbeiten und einzelne frühe bzw. spätere Textschichten zu unterscheiden. Diese Unternehmungen sind nicht sehr ergiebig und nicht sehr fruchtbar. Grenzüberschreitend werden sie zu Unfug. Gut dürfte sein, zu erinnern, was H. Stubenrauch schreibt: daß allzu oft unkritische Legendenbildung den Mangel historischer Zeugnisse wettmachen mußte. Auf weiteste Strecken hin wird eine solche Bemühung immer erfolglos bleiben müssen. Probleme der Entstehung und der Textgeschichte sind nicht unwichtig, für die Germanistik als Wissenschaft unverzichtbar, sie sind aber nicht so zentral, als daß sie die Deutung des Stückes, in diesem Fall, voranbrächten oder behinderten.

Zusammenfassung der Kapitel

(1) Textgeschichte - Vorrede: Erläutert die Entstehungsproblematik des Stücks und bewertet die forschungsgeschichtlichen Bemühungen um eine genetische Schichtung des Textes als eher wenig ergiebig.

(2) Briefintrige - Franz als unmoralischer Charakter...: Analysiert die Intrige von Franz Moor als Ausgangspunkt der Katastrophe und beleuchtet die psychologische Deformation durch gesellschaftliche Erbrechtsstrukturen.

(3) Karls Unfähigkeit zu humanem Handeln...: Untersucht Karls Wandlung zum Räuberhauptmann und das Scheitern seiner Versuche, durch soziale Umverteilung als Räuber politisch gegen absolutistische Missstände zu wirken.

(4) Auseinandersetzung Franz - Amalia...: Beleuchtet die Zerstörungskraft von Macht und Vernunft in der familiären Konstellation sowie die Rolle des alten Moor als patriarchaler Stellvertreter.

(5) Spiegelberg contra Karl...: Vergleicht Spiegelberg und Karl als gegensätzliche Räuberfiguren und thematisiert das Scheitern menschlicher Pläne angesichts der dramatischen Peripetie.

(6) Franz und Amalia...: Reflektiert die Unmöglichkeit der Glückseligkeit und das Scheitern prometheischer Rebellion sowie die Aktualität des Dramas durch den Widerstand der Materie.

(7) Karl im väterlichen Schloß...: Analysiert die Entfremdung und das Scheitern der Versöhnung zwischen den Brüdern sowie die Pervertierung der Rechtsordnung durch die Söhne.

(8) Franzens Aufgabe der nihilistischen Position...: Diskutiert die Resignation der Protagonisten und das Scheitern falscher Lösungsansätze, die in die Apotheose der Moral als Ausweg münden.

(9) Einfluß barocker Operntechnik...: Zeigt auf, wie barocke Denkformen der Resignation und aufklärerisches Denken aufeinanderprallen und das Stück als „Requiem menschlicher Planungen“ charakterisieren.

Schlüsselwörter

Die Räuber, Friedrich Schiller, Erbrecht, Affektstruktur, Absolutismus, Nihilismus, Anarchismus, dramatische Struktur, Aufklärung, Barock, soziale Gerechtigkeit, Vater-Sohn-Konflikt, politische Handlung, Weltgericht, psychologische Motivation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit interpretiert Schillers „Die Räuber“ als ein Werk, das die gesellschaftlichen Widersprüche des späten 18. Jahrhunderts und die Unmöglichkeit politischer Handlungsfreiheit innerhalb absolutistischer Strukturen thematisiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den zentralen Themen gehören das Erbrecht und die damit verbundene soziale Ungerechtigkeit, die Deformation der Charaktere durch ihre Affektstrukturen (insbesondere Neid und Nihilismus) sowie das Scheitern individueller Handlungspläne.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Schillers Drama keine bloße revolutionäre Propaganda ist, sondern eine tiefgehende tragische Diagnose seiner Zeit, in der das Subjekt an der widerstrebenden gesellschaftlichen Realität scheitert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine textanalytische und ideengeschichtliche Methode, die das Drama in den Kontext des Sturm und Drang, der Aufklärungspoetik sowie barocker Denkstrukturen einbettet und kritisch gegen verschiedene Forschungspositionen (wie Lukács oder v. Wiese) abwägt.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil analysiert kapitelweise den Handlungsverlauf und die psychologische Entwicklung der Charaktere Franz und Karl Moor, deren Versagen als Söhne im Konflikt mit der väterlichen und staatlichen Ordnung sowie die tragische Unabwendbarkeit ihrer Situation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Erbrecht, Affektstruktur, Absolutismus, gesellschaftliche Deformation, das Scheitern menschlicher Pläne und das barocke Vanitas-Denken.

Warum ist die „Briefintrige“ für Franz als Charakter entscheidend?

Die Intrige zeigt Franz als „rationalen“ Nihilisten, der versucht, sich die Welt durch Betrug nach seinen Vorstellungen untertan zu machen, wobei seine Handlung durch sein Streben nach der erblichen Macht motiviert ist.

Wie bewertet die Arbeit Karls Rolle als Räuberhauptmann?

Karl wird als Figur dargestellt, die zwar durch moralische Empörung motiviert ist, aber durch seine anarchistische Rebellion und die faktische Unmöglichkeit, die Gesellschaft zu verändern, tragisch scheitert.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Schiller, Die Räuber - Eine Interpretation
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
sehr gut
Autor
Erwin Dr. Leibfried (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1985
Seiten
32
Katalognummer
V184231
ISBN (eBook)
9783656091493
ISBN (Buch)
9783656091325
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schiller Räuber Drama
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Erwin Dr. Leibfried (Autor:in), 1985, Schiller, Die Räuber - Eine Interpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184231
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Leseprobe aus  32  Seiten
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