Die Stadt im Mittelalter

Die deutsche Stadt zur Zeit der Salier und Staufer und ihre sozialen Strukturen


Hausarbeit, 2011
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die sozialen Strukturen der deutschen Stadt im Hochmittelalter zur Zeit der Salier und Staufer
2.1 Städteklassen nach Bevölkerungszahlen im Spätmittelalter
2.2 Die Entwicklung der Stadt im Hochmittelalter
2.3 Die sozialen Strukturen der Stadt
2.3.1 Die städtische Oberschicht
2.3.2 Die städtische Mittelschicht
2.3.3 Die städtische Unterschicht
2.3.4 Die sozialen Randgruppen

3. Zusammenfassung

4. Literaturangaben

1. Einleitung

Die Stadt im engeren Sinne als demografische Einheit im Hochmittelalter, das heißt im zwischen 10. und 13. Jahrhundert ist nur schwerlich mit der heutigen Definition von Stadt anhand der Einwohnerzahl gleichzusetzen. So wird heutzutage in der Stadtdemografie nach Einwohnerzahlen in verschiedene Formen von Städten differenziert, beginnend mit der Landstadt mit einer Einwohnerzahl von unter 5 000. Darauf folgt die Kleinstadt mit einer entsprechenden Einwohnerzahl von mindestens 5 000 und maximal 20 000 Einwohnern, die Mittelstadt mit 20 000 bis 100 000 Einwohnern und die typische Großstadt mit mehr als 100 000 Einwohnern. Städte mit über 1 000 000 Einwohnern gelten dabei als Welt- oder Millionenstadt.

Für das Hochmittelalter sind allerdings gesicherte Zahlen bezüglich der Einwohnerzahlen der Städte aufgrund der langen Zeit und möglicherweise problematischen Quellenlage gewiss schwer nachvollziehen. Evident erscheint dabei jedoch, dass sich der Definitionsrahmen einer Stadt anhand ihrer Einwohnerzahl sicherlich deutlich nach unten bewegen muss, um den Strukturen einer mittelalterlichen Stadt gerecht werden zu können. Konsequenterweise konnte eine mittelalterliche Großstadt kaum eine Einwohnerzahl von über einer Million haben.

Insgesamt beschäftigt sich diese Hausarbeit mit den sozialen Strukturen der Stadt im hochmittelalterlichen deutschsprachigen Territorium zur Zeit der Salier und Staufer. Begonnen wird mit einer Klassifikation der mittelalterlichen Stadt anhand ihrer Einwohnerzahlen. Darauf folgt eine überblicksartige Darstellung der Entwicklung der Stadt im Hochmittelalter auf deutschsprachigem Territorium, deren Ursachen und Konsequenzen. Darauf basierend folgt nun der eigentliche Hauptteil dieser Arbeit mit der Analyse der Bevölkerungsstrukturen der hochmittelalterlichen Stadt mit dem Schwerpunkt derer sozialer Strukturen. Dazu werden die Einwohner der mittelalterlichen in vier soziale Gruppen differenziert und deren Stellung im städtischen Leben genauer zu analysieren versucht.

Am Ende folgt ein kurzes Fazit, verbunden mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Arbeit.

2. Die sozialen Strukturen der deutschen Stadt im Hochmittelalter zur Zeit der Salier und Staufer

2.1 Städteklassen im Spätmittelalter nach Bevölkerungszahlen

Zu Beginn der Analyse der sozialen Strukturen der mittelalterlichen Stadt wird nun mit einer Klassifikation von Stadttypen anhand ihrer Einwohnerzahlen begonnen, um sich zu Allererst einen Überblick über die zahlenmäßige Verteilung der Einwohner auf verschiedene Stadttypen des Mittealters verschaffen zu können. Der schweizerische Historiker und Archivar Hektor Amman schlägt hierzu folgende Klassifikation deutscher Städte nach Einwohnerzahlen vor, allerdings im Bezug auf das Spätmittelalter, das heißt die Zeit von 1250 bis 1500 vor, was für die in dieser Arbeit betrachtete Zeit der Salier und Staufer nur sekundäre Bedeutung haben könnte. Insgesamt gab es im Spätmittelalter laut Ammann rund 4 000 Städte.[1]

Als kleinste mögliche Stadt mit aus heutiger Sicher dörflichem Charakter nennt Ammann die Zwergstadt mit weniger als 200 Einwohnern. Darauf folgen drei Klassen der Kleinstadt, die kleine Kleinstadt mit 200 bis 500 Einwohnern, die mittlere Kleinstadt mit 500 bis 1 000 Einwohner und die ansehnliche Kleinstadt mit 1 000 bis 2 000 Einwohnern. Allein diese Unterkategorien der Kleinstadt machten zwischen den Jahren 1250 und 1500 laut Ammann circa 94,5 Prozent der Städte des ausgehenden Mittelalters aus. Beispiele für solche Kleinstädte unter 2 000 Einwohner sind Essen, Marburg, Friedberg oder Butzbach.

Weiterhin gab es Mittelstädte mit etwa fünfprozentigem Anteil an der Gesamtzahl der Städte, die sich in kleine Mittelstädte mit 2 000 bis 5 000 Einwohner und größere Mittelstädte mit 5 000 bis 10 000 Einwohnern einteilen lassen. Ammann beziffert die Zahl der Mittelstädte auf ungefähr 200.[2]

Zu den Großstädten des ausgehenden Mittealters gehörten Städte wie Köln mit 40 000 Einwohnern, das damals größte Stadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war. Allerdings beginnt die Klassifikation als Großstadt bereits mit Städten über 10 000 Einwohner wie Frankfurt am Main, von denen es auf deutschem Boden 26 gab und lediglich 0,5 Prozent der Gesamtzahl der Städte ausmachten.[3]

Des Weiteren gab es bereits im ausgehenden Mittelalter auch so bezeichnete Weltstädte mit mehr als 50 000 Einwohnern wie Paris, Gent, Brügge oder Mailand, allerdings nicht direkt auf deutschem Territorium.

Insgesamt betrug der Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung in West- und Mitteleuropa 20 bis 25 Prozent von insgesamt circa 50 bis 60 Millionen Einwohnern. Auf deutschem Territorium lag die Zahl der Stadtbewohner im Jahre 1330/40 bei etwa sieben Millionen.[4]

2.2 Die Entwicklung der Stadt im Hochmittelalter

Am Ende der Antike und dem Beginn des frühen Mittelalters um das fünfte und sechste Jahrhundert herum verloren die einst so wichtigen und prunkvollen Städte der Römer ihre Bedeutung, da den Germanen die möglichen Vorzüge des Lebens in der Stadt noch unbekannt waren und diese bis dahin in überwiegend dörflichen Strukturen gelebt haben. Die noch existierenden Römerstädte wie Köln waren somit im Begriff eines langsamen Verfallsprozesses oder wurden in Verbindungen mit der allmählichen Christianisierung Mitteleuropas, die im Hochmittelalter ihren Höhepunkt erreichte, zu Bischofssitzen und überdauerten das Frühmittelalter.[5]

Zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert begann auf deutschem Boden eine Art „Boom“ im Städtebau. Zum Einen wurden in der Mitte des 12. Jahrhunderts über 200 Städte wie Freiburg im Breisgau 1120 oder Lübeck 1143 gegründet, weiterhin das urbane Siedlungsgebiet weiter gen bisher eher dünn besiedelten Osten ausgedehnt. Ein Beispiel hierfür könnte die Gründung Leipzigs zwischen 1160 und 1170 sein.[6]

Diese Wiederbelebung der städtischen Kultur ab dem 10. Jahrhundert, die ihre Blütezeit im 13. und 14. Jahrhundert erreichte, hatte mannigfaltige Gründe: Einerseits gab es durch das so genannte mittelalterliche Klimaoptimum, bedingt durch relativ lange und warme Sommer, verbunden mit einer langen Vegetationsperiode und kalten, schneereichen Wintern günstige klimatische Bedingungen für den Getreideanbau in den mitteleuropäischen Breiten. Diese äußerst guten Bedingungen für die Landwirtschaft ließen, ebenfalls beflügelt durch effektivere Methoden und eine damit einhergehende steigende Produktion landwirtschaftlicher Güter ein starkes Bevölkerungswachstum zu. Somit konnten folglich auch die deutschen Städte besser mit größeren Mengen an Getreide versorgt werden.[7] All dies fand jedoch im 14. Jahrhundert mit dem Ausbruch der Pest und dem erneuten Kühlerwerden des Klima, das durch mit Wetterextremen verbundenen häufigeren Missernten zu Hungersnöten führte, ein Ende. Dazu kamen Judenpogrome und Arbeitskräftemangel in den Städten.[8]

Durch das eben genannte Bevölkerungswachstum kam es bereits schon ab dem 10. Jahrhundert allmählich zur Verknappung der Anbauflächen im westlichen Teil des deutschen Reiches, was zum Beispiel für den deutschen Kaiser Otto I., der ab 962 regierte, Notwendigkeit und Möglichkeit zugleich bot, seinen Herrschaftseinfluss in den bis dato eher dünn besiedelten Osten des deutschen Sprachraums auszudehnen. Als Legitimation dieser Besiedlungs- und Expansionspolitik fungierte dabei der Anspruch der Herrscher die „Heiden“ Ostmitteleuropas christianisieren zu wollen, wobei dieser Prozess bereits Ende des 10. Jahrhunderts weitgehend abgeschlossen war. Die angestrebte Christianisierung wurde durch die Gründung zahlreicher Missionsbistümer und Klöster als kulturelle und wirtschaftliche Zentren im dünnbesiedelten Osten und der Förderung von klerikalen Orden wie den Zisterziensern erreicht. Die ab dem 11. Jahrhundert in Ostmitteleuropa ansässigen Slawenfürsten sollten ebenfalls von der allmählichen Urbansierung durch deutsche Siedler profitieren. Die Urbanisierung des Ostens sollte mit harten Rodungs- und Siedlungsarbeiten einhergehen, wobei die bewaldeten Flächen Ostmitteleuropas genug Bau- und Brennstoffe und damit gute Prämissen für den Siedlungsbau boten. Gleichzeitig wurde die slawische ansässige Bevölkerung nicht verdrängt, da wie gesagt genug Siedlungsraum in den bis dato eher dünn besiedelten Gebieten zur Verfügung stand.[9]

Wie bereits benannt, machte auch die Urbanisierung im westlichen Teil des deutschsprachigen Gebiets vor allem zur Zeit der Salier und Staufer große Fortschritte. So ist gerade Freiburg im Breisgau wohl eine der bedeutendsten Gründungsstädte der Staufer im Jahre 1120. Neben Freiburg wurden durch die Salier und Staufer vor allem im südlichen und südwestlichen Teil des deutschsprachigen Gebietes zahlreiche Städte gegründet und ausgebaut. Gerade das schwäbische Adelsgeschlecht der Staufer brachte Deutschland den Höhepunkt der ritterlichen Kultur, vor allem da auch die einzelnen Höfe zu dieser Zeit neben der zunehmenden Bedeutung der Städte „den Mittelpunkt einer intensiven und umfassendem Veränderung des poltischen, wirtschaftlichen, und kulturellen Lebens“[10] bildeten.

[...]


[1] Gerd Althoff, Oliver Auge, Matthias Becher, Letha Böhringer, Jens Brauer, Enno Bünz: Oldenbourg Geschichte Lehrbuch Gesamtausgabe: Mittelalter, München, 2009, S. 231.

[2] Ebd.

[3] Gerd Althoff, Oliver Auge, Matthias Becher, Letha Böhringer, Jens Brauer, Enno Bünz: Oldenbourg 2009: S. 231

[4] Ebd. S.230 ff.

[5] Albrecht Sellen: Geschichte 1 kurz und klar, Auer Verlag GmbH, Donauwörth, 4. Auflage, 2008, S.102-105.

[6] Maike Vogt-Lüerssen: http://www.kleio.org/de/geschichte/alltag/kap_VII1.html (Stand: 05.09.11)

[7] Edith Ennen, Die europäische Stadt des Mittelalters, Göttingen, 1987, S.78 ff.

[8] Frank G. Hirschmann, Die Stadt im Mittelalter, München, 2009, S.16.

[9] Albrecht Sellen: Geschichte 1 kurz und klar, Auer Verlag GmbH, Donauwörth, 4. Auflage, 2008, S.102-105.

[10] Erich Maschke, Bürgerliche und adelige Welt in den deutschen Städten der Stauferzeit, in: Jürgen Sydow (Hg.) Südwestdeutsche Städte im Zeitalter der Staufer, Sigmaringen 1980, S.9 f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Stadt im Mittelalter
Untertitel
Die deutsche Stadt zur Zeit der Salier und Staufer und ihre sozialen Strukturen
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Professur für Mittelalterliche Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar „Die Zeit der Salier und Staufer. Eine Phase der Entfaltung und des Wachstums?“
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V184351
ISBN (eBook)
9783656090984
ISBN (Buch)
9783656091219
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadt, Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation, Mittelalter, Hochmittelalter, Demografie, Salier, Staufer, Soziale Strukturen
Arbeit zitieren
Tobias Molsberger (Autor), 2011, Die Stadt im Mittelalter , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184351

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