Der Historiker Peter Rassow bis 1945


Examensarbeit, 2005

72 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Überblick über Rassows akademische Karriere

2 Rassows Veröffentlichungen während des Ersten Weltkrieges

3 Rassow als Berater des ehemaligen Reichskanzlers Bethmann Hollweg

4 Hans Delbrück und Peter Rassow
4.1 Hans Delbrücks Einfluss auf Peter Rassow
4.2 Kurzbiographie Hans Delbrücks
4.3 Peter Rassow über Hans Delbrück

5 Schwierigkeiten in Rassows akademischer Laufbahn in der NS Zeit
5.1 Rassows Ernennung zum außerordentlichen Professor in Breslau
5.2 Berufung Rassows an die Universität Köln und seine Tätigkeit dort bis 1945
5.2.1 Erste Erkundigungen über Rassow seitens des Dekanats
5.2.2 Stellungnahme des Dozentenbundes zu den Vorschlägen des Dekans
5.2.3 Übertragung der Kölner Professur an Rassow
5.2.4 Einspruch des Dozentenbundes gegen Rassows Berufung
5.2.5 Rücknahme der Beschwerde
5.2.6 Bewertung der Ereignisse um Rassows Berufung
5.2.7 Rassows Historikerkollegen an der Universität Köln
5.2.8 Rassows Zeit an der Universität Köln bis 1945

6 Veröffentlichungen Rassows in nationalsozialistischer Zeit
6.1 Rassow über die Kriegsschuldfrage des Ersten Weltkrieges
6.2 Rassow über Moltkes Plan für einen Zweifrontenkrieg
6.3 Rezensionen Rassows
6.4 Rassow über die Politik Friedrich Barbarossas
6.5 Die Wirkung der Erhebung Spaniens auf die deutsche Erhebung gegen Napoleon I.
6.6 Bach Aufsatz
6.7 Rassows Vorlesungen
6.7.1 „Bismarck und sein Werk“
6.7.2 „Die Reichsgründung Krieg und Politik 1862 1871“
6.7.3 „Zeitalter der Erhebung 1812 1815“
6.7.4 Weitere Vorlesungen Rassows
6.8 Rassows Reden an der Universität Köln
6.8.1 Rassows Rede über „Epochen neuzeitlicher Kriegführung“
6.8.1.1 Die Rede
6.8.1.2 Persönliches Schreiben Rassows an Gerhard Ritter
6.8.1.3 Ansprache des Rektors Otto Kuhn
6.9.2 Lutherrede
6.9.2.1 Der Vortrag
6.9.2.2 Gerhard Kallens Ausführungen über Luther
6.9.2.3 Rassows Aussagen über Luther 1918
6.9.2.4 Die Bewertung Luthers aus nationalsozialistischer Sicht

7 Rassows Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nach dem Krieg
7.1 Rassows Tätigkeit als Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Köln nach Kriegsende
7.2 Rassows Urteile über den Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit
7.3 Rassows Stellungnahmen zur Epoche des Nationalsozialismus
7.4 Demokratisches Bekenntnis

8 Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus
8.1 Nationalsozialistische Forderungen an die Geschichtswissenschaft
8.2 Urteile über Historiker im Nationalsozialismus
8.2.1 Peter Schöttler
8.2.2 Karen Schönwälder
8.2.3 Eike Wolgast
8.2.4 Ursula Wolf
8.2.5 Karl Ferdinand Werner
8.2.6 Thomas E. Fischer
8.2.7 Hans Ulrich Wehler
8.2.8 Winfried Schulze
8.2.9 Die Historischen Seminare in Göttingen und Bonn in der NS Zeit
8.2.10 Wolfgang Kunkel
8.2.11 Fritz Leist
8.2.12 Rassow im Vergleich zu den geschilderten Ergebnissen

9 Zusammenfassung

10 Quellen und Literaturverzeichnis

Einleitung

Sucht man erste Anhaltspunkte zur Annäherung an den Historiker Peter Rassow, wird einem zunächst auffallen, dass es nicht viel Literatur zu diesem Historiker gibt im Gegensatz zu anderen Vertretern seiner Zunft, die in derselben Zeit gewirkt haben.[1] Meist sind es kurze Abschnitte in biographischen Lexika, die im Hinblick auf Rassows Verhalten in der nationalsozialistischen Ära etwa zu folgenden Ergebnissen kommen: „Rassows offenes Bekenntnis zum Liberalismus und seine Gegnerschaft zum Nationalsozialismus behinderten eine schnelle akademische Karriere“ und die ihn deshalb als „politisch unbelastet“[2] einstufen.

Diese Arbeit versucht einen näheren Blick auf den Historiker Peter Rassow zu werfen. Dabei soll seine Tätigkeit bis 1945 mit dem Schwerpunkt seines Wirkens während der nationalsozialistischen Ära untersucht werden. Aber auch die Zeit vor dem Dritten Reich soll nicht vernachlässigt werden. Denn es ist interessant zu beobachten, unter welchen Voraussetzungen und mit welchem Hintergrund Rassow in die Hitler Diktatur hineingegangen ist. Nach einem kurzen Überblick über seine akademische Karriere soll diese einer intensiveren Betrachtung unterzogen werden.

Generell lässt sich fragen: Wie kann das Profil eines Historikers erkannt werden? Als erstes sind es natürlich die Veröffentlichungen, die einen Einblick geben in die Gedankenwelt eines Historikers. Womit beschäftigen sich seine Arbeiten und Studien? Wie argumentiert der Historiker Rassow? Zu welchen Ergebnissen kommt er? Äußerst wichtig dabei ist auch, sich die Zeit klar zu machen in der ein Text verfasst wurde. Diese Berücksichtigung ist notwendig, um eine Einordnung Rassows vorzunehmen. Haben die politischen Verhältnisse Einfluss auf seine Tätigkeit und bleibt seine Arbeit davon ganz unbenommen oder schimmert der Zeitgeist zwischen den Zeilen hindurch? Zudem scheint mir die Frage äußerst relevant, ob sich im Verlauf seines Lebens und der Geschichte eine Veränderung bei dem Historiker Rassow zeigt.

Ein anderer Teilaspekt, der in dieser Arbeit angesprochen wird, ist die Untersuchung der Frage, wer Rassow in seiner historischen und politischen Ausrichtung, geprägt hat: Wer waren Rassows historische Lehrer und wer seine politischen Vorbilder und wie haben sie ihn geprägt?

Neben seinen historischen Veröffentlichungen ist ein Abschnitt dieser Arbeit auch dem Blick auf den Verlauf der akademischen Karriere Rassows bis 1945 gewidmet. Die Umstände, die zu seiner Ernennung zum außerordentlichen Professor in Breslau und später zum ordentlichen Professor in Köln führten, sollen betrachtet werden. Beide Karrieresprünge fallen in die Zeit des Nationalsozialismus und das bei einem Mann, dem nach 1945 nie nachgesagt worden ist, gemeinsame Sachen mit den Nationalsozialisten gemacht zu haben. Wie gelang es Rassow in einer Zeit, in der das Parteibuch stärker als in anderen Zeiten über Erfolg oder nicht entschied, berufen zu werden? Welches Ergebnis lassen die Akten zu Tage treten, die den Berufungsvorgang Rassows dokumentieren?

Ein weiterer Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist der Umgang, den Rassow nach 1945 mit dem Nationalsozialismus zeigte. In welcher Weise setzte er sich mit dem Nationalsozialismus auseinander – wenn es eine Auseinandersetzung damit seinerseits überhaupt gegeben hat?

Schließlich soll anhand von Forschungsergebnissen zur Gesamtsituation der Geschichtswissenschaft in den Jahren zwischen 1933 und 1945 und der Frage ihrer Rolle während der NS Zeit, eine Einordnung des Historikers Peter Rassow versucht werden. Denn die Forschungsergebnisse bezüglich der Geschichtswissenschaft im Dritten Reich lassen die Vorstellung von einer vom Nationalsozialismus nicht beeinflussten Historikerzunft nicht weiter zu. Muss in gleicher Weise das zu Anfang gezeigte Bild des politisch unbelasteten Historikers Rassows revidiert werden, wie es bei anderen Historikern – ich denke an Schieder oder Erdmann – vorgenommen werden musste oder entspricht diese Vorstellung der Wahrheit?

Neben Rassows öffentlichen Äußerungen kann auch gerade der Blick auf seine private Korrespondenz interessante Erkenntnisse zu Tage treten lassen, die zudem auch ein persönlicheres Bild Rassows liefern und Aufschluss über seine wahre Haltung zu gewissen Dingen geben können, da in solchen privaten Dokumenten die Fesseln des offiziellen Amtes wegfallen.

Schließlich soll am Ende eine Zusammenfassung der erbrachten Ergebnisse erfolgen, um zu einem möglichst kompakten Bild des Historikers Peter Rassow bis 1945 zu gelangen.

So ergeben sich also in dieser Arbeit die folgenden Untersuchungsgegenstände: der Historiker Rassow bis zum Beginn des Dritten Reichs, seine Berufung zum außerordentlichen bzw. ordentlichen Professor in Breslau und Köln, seine historische Tätigkeit in nationalsozialistischer Zeit, seine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nach 1945, die Rolle der Geschichtswissenschaft im Dritten Reich und eine abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse.

Bei all diesen Untersuchungen ist dabei jedoch immer auch Vorsicht angebracht, den moralischen Zeigefinger nicht allzu hoch zu heben und vor allem nicht Wertmaßstäbe und Umstände der heutigen Zeit auf eine vergangene Epoche anzuwenden. Vor einer solchen historischen Vorgehensweise hat auch schon Rassow selbst gewarnt:

„Wir dürfen nicht mehr, wie es früher wohl geschah, eine vergangene Epoche auf die Kraftströme, die sie ausgesandt hat, mit den Maßstäben unserer Zeit messen. Sie tragen ihre Maßstäbe in sich. Diese Erkenntnis nennen wir Objektivität.“[3]

1 Überblick über Rassows akademische Karriere

Peter Rassow wurde am 23. November 1889 in Elberfeld, das zum heutigen Wuppertal gehört, geboren. Sein Vater war Gymnasiallehrer und nahm zunächst eine Stellung in Potsdam, dann in Berlin an. Nach dem Abitur fing Rassow 1908 das Studium der Fächer Geschichte und Evangelische Theologie in den Städten Bonn, Heidelberg und Berlin an. 1912 promovierte er mit einer Dissertation über die Kanzlei Bernhards von Clairvaux bei Michael Tangl.

Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem er verwundet wurde, war er in der Reichskanzlei angestellt und war dem ehemaligen Reichskanzler Bethmann Hollweg bei seinen Memoiren behilflich. Außerdem war er noch als Dozent an der Hochschule für Politik in Berlin tätig. Mitte der 1920er Jahre wurde Rassow Mitarbeiter bei Paul Kehr und unterstützte diesen in Madrid bei der Sammlung von Papsturkunden des frühen Mittelalters.

1927 habilitierte Rassow sich mit der Edition der Urkunden Alfons VII. von Spanien und wurde im selben Jahr Privatdozent an der Universität Breslau. In Breslau wurde er dann auch 1936 zum außerordentlichen Professor ernannt. Bis zu seiner Berufung nach Köln 1941 blieb Rassow, abgesehen von einem Leipziger Vertretungsjahr 1939, in Breslau. Bis zur Schließung der Universität 1944 blieb er in Köln und nahm auch nach der Wiedereröffnung der Universität seinen Lehrstuhl bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1958 wieder ein. Drei Jahre später, im Mai 1961, starb Rassow im Alter von 71 Jahren.

2 Rassows Veröffentlichungen während des Ersten Weltkrieges

[4] Obwohl Rassow selbst als Soldat in den Ersten Weltkrieg ziehen musste, konnte er in dieser Zeit einige Aufsätze veröffentlichen, wobei es sich hauptsächlich um Buchbesprechungen handelte, die in der von seinem Onkel Hans Delbrück herausgegebenen Zeitschrift „Preußisches Jahrbuch“ erschienen.

In diesen Buchbesprechungen ließ er klar seine Einstellung zu aktuellen Geschehnissen erkennen, vor allem zum Krieg:

Er [der Krieg] fordert alle Nationen der Erde auf, ihr Wesen zu enthüllen, ihre Existenzberechtigung nachzuweisen. Jedes der beteiligten Völker bringt nicht nur auf dem Schlachtfeld den Beweis seiner Kraft, sondern sucht aus seiner Geschichte sich ein Bild seines eigenen Wesens zu formen, an dem es sich auferbauen, aus dessen Anblick es sich mit Trotz und Kraftbewusstsein füllen kann.[5]

Rassow sah den Weltkrieg also keineswegs als eine Katastrophe an, sondern als eine Notwendigkeit zur völkischen Identitätsfindung. Dabei schrieb er diese Zeilen gar nicht zu Beginn des Krieges, in der allgemein noch eine kriegsbegeisterte Stimmung herrschte, sondern am Ende, als sich bereits abzeichnete, dass die Lage für das Deutsche Reich immer kritischer wurde.

Rassow verwies dabei auch stets auf die deutsche Rechtmäßigkeit diesen Krieg zu führen. Eine Position, die er, wie noch gezeigt werden wird, auch später noch einnahm. So äußerte er sich z.B. in einer Besprechung über das Buch des schwedischen Parlamentsabgeordneten Rudolf Kjellén „Die politischen Probleme des Weltkrieges“ folgendermaßen:

Es ist uns [den Deutschen] keineswegs genug, mit subjektiven Behauptungen unser Recht in diesem Kriege zu verkünden, unser Recht hat tiefere Wurzeln, wir wollen niemals darauf verzichten, es an objektiven Maßstäben zu erweisen. Daß wir es können, weiß jeder, dem nicht Wille und Wut die Einsicht verdunkelt haben.[6]

Zudem sagt er, dass nicht der Anlass des Krieges letztlich entscheidend sei, sondern entscheidend seien „Wesen und Sinn des Krieges“ und die damit verbundenen Kriegsziele.[7] Abschließend in dieser Rezension meint Rassow, dass ein Kulturvolk das Recht und die Pflicht habe gegen eine zu starke Eingrenzung von außen vorzugehen.[8]

Außerdem findet sich bei Rassow in dieser Zeit eine Verherrlichung des kämpfenden Soldaten und des Vaterlandes:

„Der urmenschliche Kampf zwischen Pflicht und Trieb ist im heutigen Krieger schneller und restloser zugunsten der Pflicht entschieden, weil ihm einmal das Bewusstsein, daß organisiertes Zusammenwirken die Kraft ins Ungeheure steigert, durch die Erfahrung in der Arbeit der Industrie und im sozialen Kampf zum festen Besitz geworden ist, sodann aber, weil das Erfülltsein von dem Gedanken der Verteidigung des Vaterlandes ein unvergleichlich stärkeres Hilfsmittel zur Überwindung von Widerständen in der eigenen Brust bedeutet, als jeder offensive politische Zweck.“[9]

Es muss allerdings erwähnt werden, dass Rassow mit seiner Einstellung zum Krieg bei den Historikern wohl keine Ausnahme darstellte.[10]

3 Rassow als Berater des ehemaligen Reichskanzlers Bethmann Hollweg

Nach dem Ersten Weltkrieg kam Rassow in Kontakt mit dem ehemaligen deutschen Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg (1856 1921), der beabsichtigte, seine Sicht der Dinge über die Ursachen und die Entwicklungen während des Krieges niederzuschreiben. Der Anlass für seine Memoiren war seine Empörung über die Kriegsgegner und die losbrechende Kritik an seiner Person in Deutschland nach dem Krieg[11], sodass es sich letztlich um eine Verteidigungsschrift handelt.

1920 übernahm Rassow die Nachfolge von Heilbron und half Bethmann Hollweg bei der Arbeit seines Buches. Jost Dülffer beschreibt die Tätigkeit Rassows wie folgt: „Rassow arbeitete auf Honorarbasis im Sinne der von Bethmann erstrebten Clearing Stelle. Er kaufte nach Absprache mit ihm zeitgeschichtliche Neuerscheinungen, führte Gespräche mit Zeitzeugen, sammelte Zitate und stellte Zusammenfassungen her [...]. Rassow exzerpierte Dokumente [...] für seinen Arbeitgeber.“[12] Dülffer betont aber, dass Rassow kein Ghostwriter war, sondern Bethmann bei formellen und inhaltlichen Fragen unterstützte.[13] Das Verhältnis zwischen Bethmann und Rassow scheint einen ziemlich persönlichen Charakter gehabt zu haben.

Es könnte durchaus sein, dass der Kontakt zwischen den beiden durch den Historiker und Politiker Hans Delbrück zustande kam, der zu Bethmann ein bekanntschaftliches Verhältnis hatte und zudem der Onkel Rassows war. Delbrück war auch einer derjenigen, der die Politik Bethmanns zumindest teilweise würdigte.[14] Neben dem verwandtschaftlichen Verhältnis war Delbrück aber auch ein menschliches und berufliches Vorbild Rassows, wie aus einer späteren Gedenkschrift Rassows für Delbrück deutlich wird.[15]

Zusätzlich zu seiner Tätigkeit bei Bethmann war Rassow auch noch als Redakteur bei der Deutschen Allgemeinen Zeitung beschäftigt. Allerdings gab er 1921 diese Stellung auf und zwar, wie Rassow später selbst ausführte, weil der Schwerindustrielle Hugo Stinnes die Zeitung übernahm.[16] Die Frage, die sich daraus ergibt ist, warum Rassow nicht weiter bei der Deutschen Allgemeinen Zeitung bleiben wollte, nachdem Stinnes sie übernommen hatte.

Stinnes war während des Ersten Weltkriegs in eine politische Kooperation mit Ludendorff getreten. Unter anderem forderte er die totale Militarisierung Deutschlands. Harm Schröter schreibt über Stinnes: „Von Zeitgenossen wurde er als rein ökonomischer ´Zweckmensch´ [...] ohne moralische Dimension dargestellt.“[17] Seine Bekanntschaft mit Ludendorff dürfte ihn in Rassows Bewertung nicht haben steigen lassen. Denn über Ludendorff äußerte sich Rassow nach dem Zweiten Weltkrieg öffentlich und sprach von einem „politischen Charlatan“, einem „strategischen Kleinmeister“ und einem „Götzenbild des Nationalsozialismus“[18]. Außerdem berichtete er von einer Auseinandersetzung Delbrücks, also Rassows erklärtem Vorbild, mit Ludendorff.

Rassows Abneigung gegen Ludendorff könnte auch mit seiner Zusammenarbeit mit Bethmann erklärt werden, die auf sein politisches Weltbild eine starke Wirkung hatte, wie es scheint. Rassow selbst bestätigte in einem Schreiben aus dem Jahr 1957, dass er sich politisch gesehen auf einer Ebene mit Bethmann befand: „Schon zu Lebzeiten Bethmanns hatte sich nach seiner Entlassung ein kleiner Kreis seiner ehemaligen Mitarbeiter und Freunde gebildet, der regelmäßig zusammenkam, um den Geist und die politische Richtung ihres einstigen Chefs festzuhalten. [...]. Auch ich habe an diesen Zusammenkünften teilgenommen.“[19] Jedenfalls erklärte Rassow, dass Bethmann fast einen Verständigungsfrieden mit den Entente Mächten erreicht hätte, aber dass dies dann durch seinen Sturz, der auf die Initiative Ludendorffs und Hindenburgs zurückgehe, zunichte gemacht worden sei. Deshalb machte Rassow auch Ludendorff und Hindenburg für die „militärische Katastrophe“ verantwortlich.[20]

Klar ist, dass sich eine klare Personenkonstellation in diesen Zusammenhängen abzeichnete: Rassow, von Delbrück geprägt, nahm Partei für Bethmann Hollweg und kam so automatisch in Frontstellung gegenüber Ludendorff und Stinnes. Deshalb scheint es, dass es hierbei nicht in erster Linie um die objektive Bewertung einer bestimmten Zeit ging, sondern schlicht um Sympathie und Antipathie.

4 Hans Delbrück und Peter Rassow

4.1 Hans Delbrücks Einfluss auf Peter Rassow

Wie bereits angedeutet scheint Rassows Onkel, der Historiker und Publizist Hans Delbrück, einen größeren Einfluss auf ihn ausgeübt zu haben. Vielleicht ist dieses Verhältnis mit dem Begriff des Mentors am besten zu beschreiben. Wolfgang Weber, der das Verhältnis der Historiker Lehrer zu ihren Schülern in der Geschichtswissenschaft untersucht hat, beschreibt diese spezielle Beziehung als vergleichbar mit einer Vater Sohn Beziehung.[21]

So sagt auch Erdmann, dass Rassow Delbrücks „wissenschaftlichen und politischen Grundanschauungen [...] weitergeführt“ habe. Erdmann erzählt auch, wie Rassow ihm begeistert von seinem Besuch bei Delbrück nach dem Abitur berichtet habe, bei dem Delbrück ihm Bücher aus seiner Bibliothek geschenkt habe. Außerdem habe es in Leipzig immer sonntägliche Familienabende bei Harnacks und Delbrücks gegeben, wo man sich über kulturell politische Themen ausgetauscht habe. Zudem habe es einen politischen Club gegeben, der von Delbrücks gegründet worden sei, dem auch Rassow angehört haben soll[22] Diese Ausführungen Erdmanns zeigen schon eine starke Verbundenheit beider Persönlichkeiten. Und auch in beiden Lebensläufen gibt es interessante Parallelen:

4.2 Kurzbiographie Hans Delbrücks

[23] Hans Delbrück wurde 1848 geboren. In Greifswald, Heidelberg und Bonn studierte er Geschichte, wobei er sich vor allem kriegswissenschaftlichen Studien widmete. Delbrück setzte sich auch immer wieder dafür ein, dass die Kriegsgeschichte ein anerkannter Teil der Geschichtswissenschaft werden sollte.[24] Interessanterweise wird seinem Neffen Rassow später in Köln eine Professur übertragen mit dem besonderen Schwerpunkt auf der Kriegsgeschichte.

Relativ spät erst wurde Delbrück, wie später auch sein Neffe, zum ordentlichen Professor ernannt. Er war aber nicht nur Wissenschaftler, sondern es zog ihn auch in die Politik. Dort galt er als „Gelehrtenpolitiker“ im Sinne des nationalpolitischen Liberalismus des 19. Jahrhunderts. Er wandte sich gegen die Politik der sogenannten „Alldeutschen“. Im Ersten Weltkrieg war er Verfechter einer maßvollen Kriegszielpolitik, die ihn, wie schon erwähnt, in die Nähe Bethmann Hollwegs brachte.

Nach dem Krieg war Delbrück auf der einen Seite jemand, der sich gegen die Dolchstoßlegende aussprach, auf der anderen Seite aber die alleinige Schuld Deutschlands am Krieg bestritt. Bis zu seinem Tod 1929 war Delbrück kein überzeugter Republikaner, aber er arrangierte sich mit der Republik, sodass er als Vernunftrepublikaner bezeichnet werden kann.

4.3 Peter Rassow über Hans Delbrück

Die Bewunderung, die Rassow für Delbrück empfand, wird besonders in einem Aufsatz deutlich, den Rassow in den späten 40er Jahren über Delbrück schrieb und den er später auch in sein Sammelwerk aufnahm.[25]

In dieser Lobeshymne auf Delbrück bezeichnete er ihn als jemanden, der den „Kampf um die Erhaltung des humanen Nationalgedankens“ führte.[26] Über das Wesen Delbrücks schrieb er: „Echtes, historisch verwurzeltes Nationalbewusstsein, das die Idee vom Kultur Staat erfüllt, in Verbindung mit dem Streben nach Wahrheit, der Aufgabe, die alle Menschen eint, in dieser Verbindung von Politik und Wissenschaft bestand das Wesen von Hans Delbrück.“[27]

Die Verehrung, die Rassow Delbrück entgegenbrachte, ging über eine bloße Sympathie hinaus, was zwei Briefe aus dem Jahr 1960 beweisen, wo sich Rassow in äußerst scharfer und sehr emotionaler Art und Weise gegen eine Verunglimpfung Delbrücks in der Historischen Zeitschrift wehrte und dies als „Flegelei“ bezeichnete. Weiterhin machte er in diesen Schreiben klar, dass er Delbrück für einen „großen Meister“ unter den Historikern zählte.[28]

Mit Theobald von Bethmann Hollweg und Hans Delbrück zeigen sich also zwei Personen, die offensichtlich einen nicht geringen Einfluss auf Rassow ausübten. Es scheint kein Zufall zu sein, dass der Historiker Hans Ulrich Wehler, ein Schüler Rassows, Jahrzehnte später in einem Interview beide Persönlichkeiten nennt, um Rassow politisch einzuordnen: „Er [Rassow] war ein ehemaliger – vernünftiger – Bethmann Hollweg Anhänger und Schwiegersohn von Hans Delbrück, den man als linkskonservativ bezeichnen könnte.“[29] Auch Theodor Schieder schreibt in einem Nachruf Rassows, dass Rassow nach dem Ersten Weltkrieg „in den Kreis um den Reichskanzler Bethmann Hollweg [eintrat], in dem seine starken politischen Interessen nachhaltig geprägt wurden“[30].

5 Schwierigkeiten in Rassows akademischer Laufbahn in der NS Zeit

5.1 Rassows Ernennung zum außerordentlichen Professor in Breslau

Nach seiner Habilitation 1927 kam Rassow als Privatdozent an die Universität nach Breslau. 1936 sollte er schließlich zum außerordentlichen Professor ernannt werden, was aber Schwierigkeiten nach sich zog. Denn damals gab es Stimmen, die sich gegen eine Ernennung Rassows wandten.

Bereits 1933 wurde davon berichtet, dass Breslauer Studenten sein Kolloquium über den Friedensvertrag von Versailles „auf Grund seiner Vergangenheit“ blockiert hätten.[31] Nach Angaben Erdmanns hing diese Blockade seiner Lehrveranstaltung zudem mit einem Zeitungsartikel zusammen, den Rassow geschrieben habe, in dem er im sich Mai 1933 gegen die Vereinnahmung des Begriffes „national“ durch eine Partei, nämlich der NSDAP, gewandt hätte und auch Hitler persönlich kritisiert hätte.[32] Außerdem hatte sich Rassow 1932 an einem Wahlaufruf von Historikern beteiligt, welche die Wiederwahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten unterstützen sollte und sich somit gegen eine Wahl Hitlers zum Reichspräsidenten gestellt hatte.[33]

Aber ähnlich wie später bei seiner Kölner Berufung konnten diese Einwände gegen ihn, die politischer Natur waren, schließlich beiseite geschoben werden. Letztlich ging es darum, ob die politische Einstellung Rassows nicht konträr zum Nationalsozialismus war. Der folgende Schriftverkehr entkräftete die Vorwürfe gegen Rassow. So kam z.B. der Dozentenschaftsleiter der Universität Breslau Rode 1936 zu folgendem Ergebnis über Rassow:

„Als im vorigen Jahr dieser Antrag zur Erörterung [zur Ernennung Rassows zum außerordentlichen Professor] stand, vermochte ich ihm nicht zuzustimmen, da es mir wie einigen anderen politisch wachsamen Mitgliedern der Dozentenschaft fraglich schien, ob man R. als politisch zuverlässig empfehlen konnte. Bis zum Jahr 1933 war R. unzweifelhaft ein Gegner des Nationalsozialismus, wobei gewiss persönliche Bindungen an Kreise eine Rolle spielten, die endgültig ausgeschaltet werden mussten, vor allem aber seine kritische Grundhaltung gegenüber allen – nicht nur den politischen Erscheinungen maßgebend war; denn man konnte ihm auch damals durchaus nicht als positiven Marxisten und noch viel weniger irgendwie als Reaktionär bezeichnen. Als ein Mann von Charakter ließ er die allgemeine Gleichschaltung der Gesinnung an sich vorübergehen und machte aus seiner zunächst abwartenden und besorgten Haltung auch keinen Hehl. Dann aber begann er sich mit den Grundsätzen und Anschauungen des Nationalsozialismus ernsthaft auseinander zu setzen. Dies führte ihn schrittweise zur Erkennung und Anerkennung der geschichtlichen Notwendigkeit nationalsozialistischer Politik nach innen und außen. [...] Ich bin der festen Überzeugung, dass er nunmehr für unsere Sache innerlich gewonnen worden ist [...].“[34]

In eine ähnliche Richtung ging der Rektor der Universität Breslau mit seinen Bemerkungen über Rassow dem Reichs und Preußischen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung gegenüber. In einem Schreiben bezeichnete er Rassow als „ausgesprochen intellektuell veranlagte[n] zur Kritik neigende[n] Kopf“. Rassow habe aber „von seinem Intellekt aus den Zugang zum Nationalsozialismus gefunden“. Allerdings habe zunächst seine kritische Haltung zum Nationalsozialismus auch nach der Machtergreifung angehalten. In positiver Erinnerung ist dem Rektor Rassows Charakter geblieben: „Rassow hat niemals auch nur den geringsten Versuch der Anbiederung gemacht, er hat mit einer Offenheit und Ehrlichkeit die Unsicherheit seiner inneren Haltung zum Ausdruck gebracht, ohne dabei die Grenzen des Taktes jemals zu verlieren.“[35]

Es bestand also die Meinung, Rassow habe sich von einem bekennenden Nicht Nationalsozialisten zu einem zumindest teilweise bekehrten Nationalsozialisten gewandelt. Allerdings wurde diese angebliche Einstellungsänderung nur als gegeben geschildert, ohne konkrete Beweise dafür vorzulegen.

Vielmehr gibt es durch Äußerungen Rassows nach dem Krieg Hinweise darauf, dass er nie die Handlungen der Nationalsozialisten billigte oder akzeptierte. So schrieb Rassow in einem beiliegenden Brief zum Fragebogen der Militärregierung, dass er sich dem politischen System nie angepasst habe. Als Belege gibt er u.a. seinen Austritt aus dem Breslauer Rotary Club an, nachdem dort die jüdischen Mitglieder ausgewiesen wurden. Außerdem verweist er auf seine politischen Freunde, wie Ulrich von Hassell[36] oder Klaus Bonhoeffer, die im Zusammenhang mit den Ereignissen um den 20. Juli 1944 hingerichtet wurden.[37] Ein weiteres Indiz für seine Kontakte ist folgendes: Sein Historikerkollege Gerhard Ritter lud ihn 1942 zu einem Treffen „christlich gesinnter Professoren“ ein. Diese Einladung sollte von Rassow streng diskret behandelt werden[38], was anzeigt, dass die hier besprochenen Themen nicht unbedingt an die Ohren der Nationalsozialisten dringen sollten.

So liegt die Vermutung nahe, dass Rassows wissenschaftlichen Fähigkeiten doch noch ein gewisses Gewicht gegenüber politischen Entscheidungen besaß. Zumindest lassen sich ansonsten keine Gründe feststellen, warum Rassow diese Anstellung angeboten wurde.

5.2 Berufung Rassows an die Universität Köln und seine Tätigkeit dort bis 1945

1941 wurde Rassow an die Kölner Universität berufen. Er sollte dort die Nachfolge des emeritierten Professors Martin Spahn übernehmen. Spahn hatte ein sehr schwieriges Verhältnis zur Kölner Universität, auch schon in Weimarer Zeiten. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen mit anderen Professoren, unter anderem deshalb, weil er nach der Einschätzung einiger seiner Kollegen seinen Lehrstuhl vernachlässigt hätte und seine Zeit mehr in Berlin als in Köln verbracht hätte. Spahn hatte das Institut für Raumpolitik gegründet, welches dann nach seiner Emeritierung an eine andere Fakultät übergeben wurde. Spahn wollte über den Zeitpunkt seiner Emeritierung hinaus an der Universität bleiben, aber sein Antrag wurde abgelehnt. Dies ist insofern interessant, als dass Spahn dem Nationalsozialismus nahe stand und diese Nähe ihm offenbar nichts nutzte.[39]

Vom Profil her wurde ein Nachfolger für Spahn gesucht, der auch Qualitäten mitbringen sollte, die für die spezielle Lage der Universität als Grenzuniversität geeignet waren.[40] Zudem sollte auch Gewicht auf die Kriegswissenschaften gelegt werden. Denn die Kriegsgeschichte stellte in den Augen der Nationalsozialisten einen wichtigen Teilbereich der Geschichtswissenschaft dar, „weil in ihrem Rahmen optimal zu erfassen sei, was ´Führertum in der Geschichte´ und Gefolgschaft bedeute“[41].

Die Berufung Rassows war, wie auch schon in Breslau, keine selbstverständliche Angelegenheit und schließlich auch relativ überraschend und spontan. Zwar hatte sich die Philosophische Fakultät der Universität Köln schon 1939 nach Rassow als Nachfolger für Spahn erkundigt, aber auf der Vorschlagsliste der Universität für das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung erschien sein Name zunächst nicht mehr, bis im August 1940 seine Berufung doch plötzlich bestätigt wurde. Nachfolgend sollen die Ereignisse um Rassows Berufung näher durchleuchtet werden.

5.2.1 Erste Erkundigungen über Rassow seitens des Dekanats

Bereits am 30. März 1939 holte sich der Kölner Dekan der Philosophischen Fakultät Kauffmann, Professor für Kunstgeschichte, Erkundigungen bei Professor Frey in Breslau über Rassow ein. In seinem Antwortschreiben vom 3. April bescheinigte Frey Rassow eine „klare[] selbständige[] Urteilsfähigkeit“[42]. Knapp zwei Monate später, am 23. Mai, wandte sich auch der Rektor der Breslauer Universität Staemmler an den Kölner Rektor Kuhn, der nach eigener Auskunft gar nichts von dem Vorhaben wusste, Rassow einzustellen[43], und empfahl Rassow mit folgender Begründung: „Ich tue das deshalb, weil möglicherweise die Auskunft, die von seiten des Dozentenbundes gegeben wird und gegeben werden muss, nicht ganz so eindeutig positiv ausfällt, wie es wünschenswert wäre.“[44] Diese nicht wünschenswerte Auskunft bezog sich auf die politische Haltung Rassows, über die der Breslauer Rektor folgendes sagt:

„Nach 1933 ist niemals davon etwas bekannt geworden, dass er [Rassow] die Gedanken und Ziele der neuen Regierung sich nicht voll zu eigen gemacht hätte; aber es haftet ihm aus jener Zeit doch noch ein gewisser Ruf des Liberalismus an, von dem er sich seiner ganzen Art nach nur schlecht frei machen kann.“

Insgesamt kam Staemmler zu folgendem Fazit über Rassow:

„Kurz zusammenfassend kann man also sagen: persönlich hoch anständig und einwandfrei, wissenschaftlich gut, politisch durch Vorgeschichte etwas belastet, ohne dass irgendwie positive Vorwürfe gegen ihn erhoben werden können.“

Im Sommer 1939 war es allerdings nicht Rassow, welcher der gewünschte Kandidat der Universität war, sondern vielmehr der Historiker Hermann Wendt aus Tübingen, über den sich Dekan Kauffmann bei dem Berliner Professor Elze erkundigt hatte und Elze gleichzeitig um Alternativvorschläge zu Wendt ersucht hatte.[45] Dieser schlug in seiner Antwort wiederum Rassow als Alternative zu Wendt vor.[46] Kauffmann erkundigte sich auch noch bei anderen Personen, so z.B. beim Göttinger Professor Karl Brandi, der Rassow ein gutes Zeugnis ausstellte und ihn als „ausgereift und gesellschaftlich sehr gewandt“[47] bezeichnete.

5.2.2 Stellungnahme des Dozentenbundes zu den Vorschlägen des Dekans

Anfang 1940 waren es insgesamt vier Historiker, die zur engeren Auswahl als potentielle Nachfolger Spahns gehörten: Otto Becker aus Kiel, Kurt von Raumer aus Königsberg, Hermann Wendt aus Tübingen und Peter Rassow aus Breslau. Diese vier Historiker gab Kauffmann in einem Schreiben an den Kölner Dozentenbundführer Birkenkamp an, damit der Dozentenbund Stellung zu ihnen beziehen konnte.[48] Die Antwort des Dozentenbundes erfolgte am 4. April 1940. Die Beurteilung Rassows fiel dabei knapp und negativ aus: „Dagegen dürfte die Stellungnahme zu dem an dritter Stelle genannten Peter Rassow nicht positiv ausfallen.“[49] Diese dürftige Stellungnahme hing wohl mit der zuvor erfolgten Erkundigung des Kölner Dozentenbundes beim Reichsdozentenbund zusammen, dessen Leiter Schultze folgendes über Rassow mitteilte:

„Rassows wissenschaftliche Leistung ist fachlich zuverlässig, doch ohne große Aspekte und ohne Aussicht, dass Rassow noch einmal wirklich fruchtbare Arbeit für einen nationalsozialistischen geistigen Aufbau erbringen würde. Politisch soll Rassow sich in den letzten Jahren positiver gezeigt haben. Früher jedenfalls galt er als Sozialdemokrat.“[50]

Bereits am 1. April 1940, also noch vor dem Antwortschreiben des Dozentenbundes, war Rassow auf der Vorschlagsliste der Universität an das Reichsministerium für Wissenschaft nicht mehr verzeichnet, sondern nur noch seine drei Mitkandidaten Becker, von Raumer und Wendt.[51]

5.2.3 Übertragung der Kölner Professur an Rassow

Ende Juli 1940 erteilte das Reichsministerium dem Kölner Dekan die Auskunft, dass von Raumer nach Königsberg berufen worden sei und Wendt im Krieg gefallen sei.[52] Demnach blieb eigentlich nur noch Becker als einziger Kandidat übrig, aber im August teilte Kauffmann dem Kölner Professor Gerhard Kallen handschriftlich mit, dass Rassow vom Reichsministerium zum Nachfolger Spahns berufen worden sei.[53] In diesem Schreiben verteidigte Kauffmann, so scheint es, die plötzliche Berufung Rassows und äußerte auch, dass der Kölner Professor für Neuere Geschichte, Johannes Ziekursch, „hochbefriedigt“ sei über dessen Berufung.[54]

Dass die Berufung Rassows schließlich doch überraschend war, zeigt sich auch in der Antwort, die Kallen Kauffmann zusandte, in der er sein Unverständnis über die willkürliche Verfahrensweise des Reichsministeriums zum Ausdruck brachte.[55] Tatsächlich erscheint es etwas eigenartig, dass plötzlich Rassow die Professur übernahm, nachdem er eigentlich aus dem Kandidatenkreis ausgeschieden war. Wahrscheinlich gab es, so vermutet zumindest Golczewski, inoffizielle Absprachen zwischen der Philosophischen Fakultät und dem zuständigen Staatssekretär des Ministeriums Harmjanz.[56]

5.2.4 Einspruch des Dozentenbundes gegen Rassows Berufung

Damit war die Sache aber noch keineswegs abgeschlossen. Denn der Dozentenbund beschwerte sich über die Berufung Rassows beim Reichsministerium. Noch im selben Monat, als bekannt wurde, dass Rassow neuer Professor in Köln werden sollte, setzte der Kölner Dozentenbundführer Birkenkamp ein Schreiben auf, in dem er darauf verwies, dass weder er noch der Staatskommissar Grohé von Rassows Berufung unterrichtet worden wären und hielt deshalb im Namen des Staatskommissars „aus besonderen Gründen und weil das übertragene Lehrgebiet gerade auch für die Rheinlande zukünftig als besonders wichtig angesehen wird, [...] zu der Person des Beauftragten bestimmte Rückfragen für nötig“[57].

Noch einmal wurde der Reichsdozentenbund in München eingeschaltet, der sich um die Rücknahme der Berufung Rassows kümmern sollte und stattdessen eine Berufung von Raumers anstrebte trotz dessen bereits angenommener Stellung in Königsberg.[58]

Der erfolgte Einspruch rief auch noch einmal Dekan Kauffmann auf den Plan, der dem zuständigen Staatssekretär des Ministeriums telefonisch mitteilte, dass er an dem Schreiben des Kuratoriums unbeteiligt sei[59] und seinerseits wieder anfing, Erkundigungen über Rassow einzuholen. So erkundigte sich Kauffmann bei Schadewaldt, dem Dekan der Philosophischen Fakultät Leipzig, wo Rassow vertretungsweise einen Lehrstuhl innehatte, weil Rassow, so Kauffmann, bei der Kölner Dozentenführung in „nicht ganz günstigem Licht“ stehe. Kauffmann machte in dem vertraulichen Brief klar, dass er selbst in Rassow „eine überragende Persönlichkeit“ sehe. Letztlich richtete er die drei folgenden Fragen an Schadewaldt: Wie kam Rassows Wirken bei der Leipziger Fakultät an? Warum blieb Rassow nicht in Leipzig und wie stellte sich die dortige Dozentenführung zu ihm?[60]

Schadewaldt äußerte sich in seiner Antwort durchweg positiv über Rassow. Unter anderem berichtete er von „eine[r] Reihe wissenschaftliche[r] Vorträge [Rassows] vor dem Kreisschulungsamt der Partei, die [...] dort ausgezeichnet aufgenommen“ worden seien.[61]

5.2.5 Rücknahme der Beschwerde

Dass die Beschwerden schließlich doch noch zurückgenommen wurden, hängt wohl hauptsächlich mit einem Gutachten der Gauleitung Schlesien zusammen, die ein aus nationalsozialistischer Sicht positives Licht auf Rassow warf. Darin hieß es, dass Rassow am 11. November 1933 in die SA eingetreten, aber 1935 auf Grund eines Nierenleidens „ehrenvoll“ wieder ausgeschieden sei. Außerdem wurde auf seine Mitgliedschaft in der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) und der NSKOV (Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung) aufmerksam gemacht, sein Besuch in einem nationalpolitischem Schulungslager für Dozenten und die begeisterte Mitgliedschaft seiner drei Söhne in der Hitler Jugend betont. Abschließend vermerkte das Gutachten: „Seine politische Einstellung, die sich seit 1939 in ernsthafter Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus weitgehend geklärt hat, wird durch eine solche persönliche Sicherstellung wahrscheinlich sehr gefestigt werden.“[62]

Am 25. November 1940 zog das Kuratorium der Universität Köln seine Beschwerde bezüglich Rassow endgültig zurück: „Im Anschluss an meine Vorlage vom 24.8.40 berichte ich, dass der Herr Staatskommissar für die Universität Köln nach erfolgter Klärung verschiedener Fragen, insbesondere in weltanschaulicher Beziehung, über den Prof. Dr. P. Rassow die Bedenken über dessen Berufung nach Köln als erledigt ansieht.“[63]

Etwa ein halbes Jahr später wurde Rassow rückwirkend für den 1. Januar 1941 zum ordentlichen Professor ernannt.[64]

5.2.6 Bewertung der Ereignisse um Rassows Berufung

Nach Ansicht Golczewskis zeigen die Ereignisse um die Berufung Rassows, „wie trotz der Dominanz des Politischen auch in den fortgeschrittenen Jahren noch die Würdigung fachlicher Verdienste von der Politik getrennt werden konnten“[65]. Seiner Ansicht nach gelang es „der Universität oder dem Ministerium, die Bedenken des Kuratoriums zu zerstreuen“[66].

Meines Erachtens liegt der Grund für die Rücknahme der Beschwerde gegen die Berufung Rassows aber eher an dem schon erwähnten Gutachten der Gauleitung Schlesien, an dem ja weder die Universität noch das Ministerium beteiligt waren. Wäre dieses Gutachten nicht positiv ausgefallen, hätte wohl auch letztlich keine Chance bestanden, Rassow die Professur zu übertragen. Denn die eigentlich bestimmende Funktion in der Universität hatte, wie Adolf Klein anmerkt, weder der Rektor noch die Dekane inne, sondern eben der Staatskommissar der Kölner Universität.[67] Selbst der Leiter der Dozentenschaft nahm letztlich eine Konkurrenzstellung zum Rektor ein.[68] Inwieweit natürlich das Gutachten der Gauleitung Schlesien wieder durch persönliche Verstrickungen beeinflusst wurde, lässt sich nur vermuten.

Insgesamt weist Klein deshalb darauf hin, dass „das Dritte Reich [...] kein monolithischer Block“ gewesen sei, sondern dass es „innerhalb seiner Machtgefüge [...] Rivalitäten [gab], durch deren geschickte Ausnutzung sich manches erreichen ließ“[69].

Auf jeden Fall wird durch die Akten deutlich, dass vor allem der Kölner Dekan Kauffmann sich sehr um Rassow bemühte, dass für ihn also die Persönlichkeit Rassows und seine wissenschaftliche Arbeit höhere Priorität hatte als sein politischer Hintergrund. Dieser darf dabei nicht zu gering beachtet werden. Denn gerade im Liberalismus, in dessen Richtung Rassow eingeordnet wurde, sahen die Nationalsozialisten ein System, das konträr zum Nationalsozialismus stand.[70] Auch die Tatsache, dass Rassows Vorgänger, Martin Spahn, trotz seines Bekenntnisses zum Nationalsozialismus nicht seine ersehnte Fortbeschäftigung in der Universität durchsetzen konnte, stützt die These, dass die wissenschaftliche Leistung durchaus noch ein Beurteilungskriterium war und nicht nur das Parteibuch über die akademische Karriere entschied.

5.2.7 Rassows Historikerkollegen an der Universität Köln

Welche Historikerkollegen hatte Rassow an der Universität Köln um sich und wie sah deren politischer Hintergrund aus? Neben Rassow hatten noch zwei weitere Historiker einen Lehrstuhl für Geschichte in Köln inne: Gerhard Kallen und Johannes Ziekursch.

Gerhard Kallen (1884 1973) war 1927 von Münster nach Köln berufen worden und wurde damit Nachfolger des 1926 nach Hamburg gewechselten Justus Hashagens.[71] Der katholische Mediävist galt nach dem Krieg als politisch unauffällig und wurde deshalb auch nach einem Jahr der formellen Entnazifizierung wieder eingestellt. Diese Einschätzung der Person Kallens überrascht. Denn bei Kallen finden sich mehrfach eindeutige positive Stellungnahmen zum Nationalsozialismus, wie Ursula Wolf belegt hat.[72]

Der Protestant Johannes Ziekursch (1876 1945) dagegen war politisch engagiert, was sich unter anderem in seiner Mitgliedschaft in der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) zeigte. In seiner liberalen und republikfreundlichen Einstellung[73] lag auch der Grund, warum sowohl Spahn als auch Kallen gegen seine Berufung von Breslau nach Köln waren. Doch schließlich konnte sich der Kölner Oberbürgermeister mit seinem Wunschkandidaten Ziekursch durchsetzen, den er wohl bewusst als Gegengewicht zum rechtsorientierten Spahn haben wollte.[74] Während der NS Zeit kam es, abgesehen von ein paar kleineren Aufsätzen und Rezensionen, kaum noch zu Publikationen von Ziekursch. Nachdem er bei einem Bombenangriff auf Köln seine gesamte Habe verloren hatte, ging er nach Dresden, wo er kurz vor Kriegsende starb. Sein einstiger Zögling Rassow würdigte Ziekursch später als jemanden, der „der Geschichtsauffassung des Nationalsozialismus nicht die geringste Konzession gemacht“[75] habe.

Mit Ziekursch hatte Rassow also jemanden an der Seite, der ihn schon bei seiner Habilitation unterstützt hatte, mit seinem Onkel Hans Delbrück freundschaftlich verbunden war und der vermeintlich ähnliche politische Ansichten hatte, was aufgrund derselben Parteizugehörigkeit nahe liegt. Insofern waren Ziekursch und Rassow dem zum Nationalsozialismus tendierenden Kallen gegenüber im Vorteil. Vielleicht war auch das ein Grund, warum Kallen mit der Berufung Rassows nicht einverstanden war. Ob die gemeinsame Tätigkeit an der Universität Köln Rassow und Ziekursch einen Vorteil brachte, da sie sich gegenseitig unterstützen konnten, lässt sich aus den Akten nicht ersehen, ist aber gut vorstellbar.

5.2.8 Rassows Zeit an der Universität Köln bis 1945

Über die Zeit bis 1945 ist durch die Akten des Universitätsarchiv der Universität zu Köln nicht allzu viel Bemerkenswertes zu erfahren, was die Stellung Rassows zum Nationalsozialismus näher beleuchten würde. Festzustellen ist aber eindeutig, dass Rassow unabhängig von seiner ideologischen Einstellung dem Nationalsozialismus gegenüber unter dem von Hitler entfesselten Krieg persönlich stark zu leiden hatte: Zwei seiner drei Söhne fielen an der Front. Bereits im Juli 1941 fiel sein ältester Sohn Manfred an der Ostfront. Im Januar 1944 starb auch sein zweitältester Sohn.[76] Außerdem wurde Rassows Haus in Köln Lindenthal in der Gyrhofstraße zweimal durch Bombenangriffe getroffen.[77] Sicherlich war dies kein Einzelschicksal in dieser Zeit, aber dennoch wird eine solche persönliche Verwicklung in die Folgen der Politik eines Regimes, dessen Beurteilung beeinflussen. In diesem Zusammenhang ist es interessant zu sehen, dass bei Rassows Mitteilung an die Universität über den Tod seines zweiten Sohnes die sonst bei ihm in offiziellen Schreiben übliche Grußformel „Heil Hitler!“, die er auch in handschriftlichen Schreiben verwendete, fehlt.[78] Vielleicht verschwanden auch bei Rassow durch diesen persönlichen Schlag die letzte illusorische Wahrnehmung des Nationalsozialismus.

In einem Brief, den Rassow an seiner Freiburger Kollegen Gerhard Ritter schrieb, wird zudem deutlich, dass Rassow 1943 gern aus Köln fortgegangen wäre. Er bat Ritter in diesem Brief, dass dieser ihn auf die Freiburger Berufungsliste setzen möge, um, wie er sagt, „mit meinen Büchern wieder zusammenzukommen – und allerdings auch mit meiner Familie, von der ich seit Kriegsbeginn getrennt bin.“[79] Aus diesem Wunsch wurde allerdings nichts.

Nachdem die Universität Köln den Betrieb im Jahr 1944 aufgab, ging Rassow nach Heidelberg, wo er auch seine Familie unterbrachte. An der dortigen Universität übernahm er Ende 1944 eine Lehrtätigkeit.[80]

6 Veröffentlichungen Rassows in nationalsozialistischer Zeit

Ein besonderes Augenmerk soll im Folgenden auf den Schriften Rassows liegen, die er während der Zeit des Nationalsozialismus veröffentlichte. Dabei sollen die Texte daraufhin untersucht werden, ob sie sich eher dem Zeitgeist der Nationalsozialisten annäherten oder ob es kritische Töne gab, die sich zwischen den Zeilen finden lassen.

Es ist klar, dass es dabei keine direkte Kritik an Hitler und seinem Regime gab, geben konnte. Denn diese hätte eine Veröffentlichung von vorne herein verhindert, was auch Rassow selbst in einem Aufsatz nach dem Krieg verdeutlicht:

„Es erscheint mir hier nicht notwendig, noch Beispiele derartiger Fehlurteile [wie die Voltaires über die katholische Kirche] etwa aus dem Bereich des Nationalsozialismus anzuführen – das Buch Rosenbergs ist voll davon – und überall, wo wir deutschen Historiker unter der uns verpflichtenden Forderung der Objektivität dagegen auftraten, wurde uns mit politischen Machtmitteln die Publizität versagt.“[81]

[...]


[1] Ich denke hier vor allem an Historiker wie Theodor Schieder, Werner Conze oder Gerhard Ritter.

[2] Neue deutsche Biographie. Historische Kommission bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.). Bd. 21. Pütter-Rohlfs. Berlin 2003. S. 167.

[3] Vorwort des Herausgebers Peter Rassow. In: Peter Rassow (Hrsg.). Deutsche Geschichte im Überblick. Ein Handbuch. 2. Aufl. Stuttgart 1962. S. V.

[4] Eigentlich gehört in diesen Abschnitt auch eine Studie Rassows zu Martin Luther. Da sich diese allerdings für einen Vergleich mit einem Luther-Vortrag anbot, den Rassow 1943 hielt, wird er erst an entsprechender Stelle verwendet.

[5] Peter Rassow. Luther-Schriften 1917. S. 198-211. In: Preußische Jahrbücher. Bd. 172. Berlin 1918. S. 207.

[6] Peter Rassow. Besprechung des Buches „Die politischen Probleme des Weltkrieges“ von Rudolf Kjellén. S. 293-303. In: Preußische Jahrbücher. Bd. 165. Berlin 1916. S. 294.

[7] Rassow 1916. S. 294.

[8] Rassow 1916. S. 303.

[9] Peter Rassow. Buchbesprechung „Der deutsche Soldat“ von Tim Klein. S. 300 f. In: Preußische Jahrbücher. Bd. 168. Berlin 1917. S. 301.

[10] Thomas E. Fischer schreibt über Historiker während des Ersten Weltkrieg: „Als der Krieg 1914 begann, ließen es auch die Historiker nicht an patriotischer und personeller Unterstützung mangeln. Werner Sombart stellte dem Bild des englischen Krämers den deutschen Heldencharakter entgegen, und Eduard Meyer, der international anerkannte Althistoriker, zerriss öffentlich seine englischen und amerikanischen Doktordiplome.“ (Thomas E. Fischer. Geschichte der Geschichtskultur. Über den öffentlichen Gebrauch von Vergangenheit von den antiken Hochkulturen bis zur Gegenwart. Köln 2000. S. 138.)

[11] Theobald von Bethmann Hollweg. Betrachtungen zum Weltkriege. Erster Teil: Vor dem Kriege. Zweiter Teil: Während des Krieges. Jost Dülffer (Hrsg.). Essen 1989. S. 17.Kurz nach dem Krieg erschienen einige Publikationen, die sich mit den vorhergegangen Ereignissen auseinander setzten. U.a. veröffentlichte Ernst von Ludendorff ein Werk, in dem Bethmann negativ beurteilt wurde. So warf er ihm vor am Ende seiner Amtstätigkeit, er hätte seine Aufgaben nicht wahr genommen: „Ihre Politik [u.a. diejenige Bethmanns] gipfelte in stetem Nachgeben nach innen, [Bethmann] verzichtete darauf, das Volk zu führen.“ Erich Ludendorff. Meine Kriegserinnerungen 1914-1918. Mit zahlreichen Skizzen und Plänen. Berlin 1919. S. 349.

[12] Bethmann Hollweg 1989. S. 17 f.

[13] Bethmann Hollweg 1989. S. 17.

[14] Bethmann Hollweg 1989. S. 13. Delbrück unterstützte Bethmann Hollweg z.B. durch eine Petition für moderatere Kriegsziele. Siehe dazu: Rudolf Vierhaus. Art. Hans Delbrück. In: DBE. Walther Killy (Hrsg.). Bd. 2. Bohacz-Ebhardt. Darmstadt 1995. S. 478.

[15] Peter Rassow. Hans Delbrück als Historiker und Politiker. Vortrag bei einer Gedenkstunde aus Anlass des 100. Geburtstages von Hans Delbrück im Historischen Seminar der Universität Köln am 11. November 1948. S. 428-441. In: Peter Rassow. Die geschichtliche Einheit des Abendlandes. Reden und Aufsätze (= Kölner Historische Abhandlungen. Hrsg. von Theodor Schieffer. Bd. 2). Köln/Graz 1960.

[16] Siehe Lebenslauf Rassows. Universitätsarchiv der Universität zu Köln (im Folgenden UAK genannt) Zugang 317-III/Nr. 1627.

[17] Harm C. Schröter. Art. Hugo Stinnes. 534 f. In: DBE. Walther Killy (Hrsg.). Bd. 9. Schmidt-Theyer. Hrsg. Walther Killy und Rudolf Vierhaus. Darmstadt 1998. S.535.

[18] Rassow. Delbrück. 1960. S. 440 f.

[19] Schreiben Rassows vom 30.10.1957. Nachlass Goetz. Bundesarchiv Koblenz (im Folgenden BA Koblenz genannt) N 1215/39.

[20] Rassow. Delbrück. 1960. S. 440.

[21] Wolfgang Weber. Priester der Klio. Historisch-sozialwissenschaftliche Studien zur Herkunft und Karriere deutscher Historiker und zur Geschichte der Geschichtswissenschaft 1900-1970. 2., durchgesehene und durch ein Vorwort ergänzte Auflage. Frankfurt a.M. u.a. 1987. S. 334.

[22] Karl Dietrich Erdmann. Gedenkrede für Peter Rassow. S. 131-146. In: HZ. Bd. 195. 1962. S. 132.

[23] Diese Kurzbiographie Delbrücks basiert auf einem Artikel von Vierhaus über Delbrück: Vierhaus 1995. S. 478.

[24] Andreas Hillgruber. Art. Hans Delbrück. S. 416-428. In: Deutsche Historiker. Hans-Ulrich Wehler (Hrsg.). Göttingen 1973. S. 416.

[25] Rassow. Delbrück 1960.

[26] Rassow. Delbrück 1960. S. 439.

[27] Rassow. Delbrück 1960. S. 441

[28] Schreiben Rassows vom 23.6.1960 und 8.7.1960 an den Herausgeber der HZ. Nachlass Schieder. BA Koblenz. NL 1188/208.

[29] Interview mit Hans-Ulrich Wehler. S. 240-266. In: Rüdiger Hohls/Konrad H. Jarausch (Hrsg.). Versäumte Fragen. Deutsche Historiker im Schatten des Nationalsozialismus. Stuttgart/München 2000. S. 248.

[30] Nachlass Theodor Schieder. BA Koblenz. NL 1188/362.

[31] Neue Breslauer Zeitung vom 24.5.1933. UAK 317-III/1627.

[32] Erdmann 1962. S. 136.

[33] Karen Schönwälder berichtet davon, dass eine Reihe von Historikern einen Wahlaufruf für Hindenburg propagierten und nennt u.a. auch Rassow (Karen Schönwälder. Historiker und Politik. Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus (= Historische Studien. Bd. 9.) Frankfurt/New York 1992. Anm. 42. S. 286). Über den Hintergrund zu diesem Wahlaufruf schreibt Schönwälder, dass bei den Historikern meist die Sehnsucht nach einem autoritären System, das sie mit Hindenburg in Verbindung brachten, dahinter stand: „Als Offizier bereits in den Kriegen von 1866 und 1870/71 und als Augenzeuge des Reichsgründungsaktes in Versailles stand er [Hindenburg] für das von den Historikern verherrlichte preußisch-deutsche Reich. Mit der Peron des Feldherrn des ersten Weltkrieges und des Siegers von Tannenberg verbanden sich Militarismus, Antibolschewismus, das Ideal des untergegangenen Machtstaates und äußere Revisionsansprüche.“ (Schönwälder 1992. S. 24.) Es ist meiner Ansicht nach allerdings fraglich, ob man Rassow vollständig zu den Historikern hinzuzählen kann, die diese Ziele verfolgten und deshalb Hindenburg so verherrlichten. Wie bereits geschildert, hatte Rassow ja auch Hindenburg verantwortlich gemacht für einen verpassten Frieden vor 1918 und für den Sturz Bethmann Hollwegs. Doch welche Kandidaten waren die Alternativen? Die anderen Kandidaten neben Hindenburg waren Hitler, Thälmann und Duesterberg. Deshalb scheint mir der Grund der Unterstützung Rassows für Hindenburg eher darin zu liegen, dass er in Hindenburg gegenüber Hitler und den anderen Kandidaten das kleinere Übel sah.Der Vollständigkeit halber muss zudem noch erwähnt werden, dass es auch einige Professoren gab, die sich 1932 bei der Reichspräsidentenwahl für eine Wahl Hitlers einsetzten. Siehe dazu: Anselm Faust. Professoren für die NSDAP. Zum politischen Verhalten der Hochschullehrer 1932/33. S. 31-49. In: Erziehung und Schulung im Dritten Reich. Teil 2: Hochschule, Erwachsenenbildung. Manfred Heinemann (Hrsg.) (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Bd. 4,2) Stuttgart 1980. S. 34.

[34] Schreiben des Dozentenschaftsleiter der Universität Breslau Rode vom 4.5.1936. UAK 317-III/1627.

[35] Schreiben des Rektors der Universität Breslau an den Reichs- und Preußischen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 19.5.1936. UAK 317-III/1627.

[36] Ulrich von Hassell erwähnt Rassow in seinen Tagebüchern zweimal. Der erste Eintrag ist vom 4.4.1939 und berichtet von einem Besuch Rassows bei von Hassell. Von Hassell trägt bei Rassow die Bemerkung „voller Sorgen“ hinzu. Die zweite Erwähnung Rassows stammt vom 6.3.1943, wo von Hassel von seinem Besuch in Köln berichtet. Zu diesem Anlass hat er auch Rassow getroffen, über den er folgendes kurz notiert: „Nachmittags zum Tee der kluge Historiker Rassow (sehr klar) [...]. Ulrich von Hassell. Die Hassell-Tagebücher 1938-1944. Aufzeichnungen vom Andern Deutschland. Nach der Handschrift revidierte und erweiterte Ausgabe unter Mitarbeit von Klaus Peter Reiß. Friedrich Freiherr Hiller von Gaertingen (Hrsg.). Berlin 1988. S. 87/352.

[37] Beiliegendes Schreiben zum Fragebogen der Militärregierung. UAK 197/27. Vermutlich stammt dieses Schreiben von Rassow selbst, obwohl es von Rassow in dritter Person redet. Aber es gibt keine Hinweise auf einen anderen Verfasser, sodass Rassow wahrscheinlich bewusst die distanzierte Form des Schreibens gewählt hat. In Rassows Nachlass im Bundesarchiv Koblenz findet sich dieser Lebenslauf auch, wobei es einen interessanten handschriftlichen Zusatz gibt im Zusammenhang mit seinem Austritt aus dem Rotary Club, in dem er behauptet, an der Bildung eines Anti-Nazi-Clubs beteiligt gewesen zu sein (Nachlass Rassow. BA Koblenz NL 228/180).

[38] Brief Ritters an Rassow vom 28.8.1942. Nachlass Rassow. BA Koblenz NL 228/175.

[39] Siehe zu Martin Spahn: Frank Golczewski. Kölner Hochschullehrer im Nationalsozialismus. Köln/Wien 1988. S. 338 ff.

[40] Schreiben des Dekans Kauffmann an das Reichsministerium vom 1.4.1940: „Es würde [...] von dem für Neuere Geschichte (Prof. Ziekursch) am zweckmässigsten als diejenige Stätte abzuheben sein, an der ortseigentümliche, aus der Grenzlage erwachsenden nationalpolitische Aufgaben bevorzugte Pflege finden.“ UAK 197/ 27.

[41] Ursula Wolf. Litteris et Patriae. Das Janusgesicht der Historie. Stuttgart 1996. S. 56.

[42] UAK 197/27.

[43] Siehe Kuhns Antwortschreiben auf die Empfehlung Staemmlers vom 30.5.1939. UAK 197/27.

[44] UAK 197/27.

[45] Schreiben Kauffmanns vom 24.7.1939 an Elze. UAK 197/27.

[46] Antwortschreiben Elzes an Kauffmann vom 28.7.1939. UAK 197/27.

[47] Brief Brandis an Kauffmann vom 26.1.1940. UAK 197/27.

[48] Schreiben Kauffmanns an Birkenkamp vom 7.2.1940. UAK 197/27.

[49] Schreiben Birkenkampfs an Kauffmann vom 4.4.1940. UAK 197/27.

[50] Schreiben des Reichsdozentenführer Schultze an Birkenkamp vom 29.3.1940. UAK 317-III/1627. Schleierhaft kommt mir persönlich vor allem die Tatsache vor, dass Schultze Rassow für einen Sozialdemokraten hielt. Eine solche Einschätzung Rassows habe ich nur an dieser Stelle gefunden, was darauf hindeuten könnte, dass die Informationspolitik der Reichsdozentenschaft nicht die beste war.

[51] Vorschlagsliste der Universität Köln vom 1.4.1940. UAK 197/27.

[52] Schreiben Harmjanz im Auftrag des Reichsministeriums für Wissenschaft an Dekan Kauffmann vom 29.7.1940. UAK 197/27.

[53] Schreiben Kauffmanns an Kallen vom 19.8.1940. UAK 197/27.

[54] Ziekursch und Rassow kannten sich bereits vorher. Ziekursch hatte die Habilitation Rassows betreut und wurde 1927 nach Köln berufen. Zudem war Ziekursch ein politischer Weggefährte Delbrücks (Wolfgang Weber. Biographisches Lexikon zur Geschichtswissenschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Lehrstuhlinhaber von den Anfängen des Faches bis 1970. Frankfurt a.M. u.a. 1984. S. 427 u. 685.) Es lässt sich stark vermuten, dass Rassow in Ziekursch einen starken Befürworter seiner Berufung nach Köln hatte. Schon bei dessen Habilitation sei Ziekursch, wie Hans Schleier berichtet, der entscheidende Wegbereiter gewesen (Hans Schleier. Die bürgerliche deutsche Geschichtsschreibung Weimarer Republik. Berlin 1975. S. 450).

[55] Brief Kallens an Kauffmann vom 21.8.1940. UAK 197/27.

[56] Golczewski 1988. S. 351.

[57] Schreiben Birkenkamps an das Reichsministerium vom 24.8.1940. UAK 44/83.

[58] Schreiben des Reichsdozentenführers an Kölner Dozentenbund vom 6.9.1940. UAK 317-III/1627.

[59] Siehe handschriftlicher Vermerk auf Schreiben des Kuratoriums an Reichminister vom 27.8.1940. UAK 44/83.

[60] Schreiben Kauffmanns an Schadewaldt vom 26.9.1940. UAK 197/27.

[61] Antwort Schadewaldts an Kauffmann vom 2.10.1940. UAK 197/27.

[62] Gutachten der Gauleitung Schlesien vom 5.11.1940. UAK 317-III/1627.

[63] Schreiben des Kuratoriums der Universität Köln an das Reichsministerium vom 25.11.1940. UAK 197/27.

[64] Bekanntgabe des Reichsministeriums an Rassow vom 12.3.1941. UAK 44/83.

[65] Golczewski 1988. S. 351.

[66] Golczewski 1988. S. 352.

[67] Adolf Klein. Köln im Dritten Reich. Stadtgeschichte der Jahre 1933-1945. Köln 1983. S. 120.

[68] Klein 1983. S. 124.

[69] Klein 1983. S. 126.

[70] Siehe dazu auch Ursula Wolf, die Goebbels zitiert: „Das System, das wir niederwarfen, fand im Liberalismus seine treffendste Charakterisierung.“ Wolf 1996. S. 29.

[71] Bernd Heimbüchel. Die neue Universität. Selbstverständnis – Idee und Verwirklichung. In: Kölner Universitätsgeschichte. Senatskommission für die Geschichte der Universität zu Köln (Hrsg.). Bernd Heimbüchel/Klaus Pabst. Das 19. und 20. Jahrhundert. Köln/Wien 1988. S. 500.

[72] Wolf 1996. S. 88 ff. Wolf führt mehrere Zitate Kallens an, wie z.B. folgendes: „Einem in sich geschlossenen einheitlichen Volk erwuchsen nach fast selbstverständlicher Überwindung der überlieferten Eigenbrötelei in Parteien und Einzelstaaten aus seiner Urkraft, seiner völkischen Eigenart wieder wie aus einem frischen Quell ungeahnte Energien. Sie befähigen und berechtigen es innerlich zu einem Aufstieg neuer Größe entgegen.“

[73] Fischer bezeichnet Ziekursch als „ausgesprochene[n] Republikbefürworter“. (Fischer 2000. S. 139.)

[74] Karl-Georg Faber. Johannes Ziekursch. 109-123. In: Deutsche Historiker. Bd. III. Hrsg. Hans-Ulrich Wehler. Göttingen 1972. S. 110.

[75] Zitiert in: Golczewski 1988. S. 362.

[76] Siehe Rassows Mitteilungen an die Universität Köln. UAK 571/156.

[77] Siehe Mitteilung Rassows an Universität Köln vom 11.4.1942. UAK 44/83. Rassows Haus, das im Kölner Stadtteil Lindenthal stand, wurde am 28. Mai infolge eines Angriffes getroffen, der vor allem die Südstadt traf. Wenige Tage später, am 31. Mai 1942 war Köln das Ziel des ersten „Tausend-Bomber-Angriffes“. Siehe dazu: Klein 1983. S. 252 ff.

[78] Rassows Mitteilung an Universität vom 17.1.1944. UAK 571/156.

[79] Brief Rassows an Ritter vom 2.7.1943. Nachlass Gerhard Ritter. BA Koblenz. N 1166/489.

[80] Schreiben Rassows an den Kölner Dekan Kauffmann vom 2.12.1944. UAK 44/83.

[81] Peter Rassow. Der Historiker und seine Gegenwart. München 1947. S. 13. Rassow hatte zuvor erläutert, dass der Historiker sich davor hüten müsse, die Wirkungen der Geschichte in die Gegenwart hinein nach subjektiven Kriterien zu bewerten, sondern dass er Objektivität an den Tag legen müsse.

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Der Historiker Peter Rassow bis 1945
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Institut)
Autor
Jahr
2005
Seiten
72
Katalognummer
V184435
ISBN (eBook)
9783656092414
ISBN (Buch)
9783656092544
Dateigröße
683 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
historiker, peter, rassow
Arbeit zitieren
Peter Lindhorst (Autor), 2005, Der Historiker Peter Rassow bis 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184435

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