Wer ist für uns eigentlich ,,Gott"? Wie stellen wir uns ihn oder sie eigentlich vor? Egal, aus welchen sozialen Verhältnissen jemand kommt und ob er oder sie eine religiöse Erziehung genossen hat, irgendein Bild wer oder was ,,Gott" sein könnte, hat jeder. Aber selbst unter jenen Menschen, die einen gemeinsamen Glauben teilen, gibt es Unterschiede. Zu allem, was wir mit einem Namen benennen, möchten wir ein Bild vor Augen haben. Ein mehr oder weniger konkretes Bild, das zu einem nicht unwesentlichen Teil davon abhängt, wie es uns unsere Eltern während unserer Kindheit im Rahmen der Erziehung vermittelt haben.
Es ist für Religionslehrerinnen und Religionslehrer daher sehr wichtig zu wissen, wie Kinder über Gott denken und welche Vorstellungen sie von ihm haben. Denn erst wenn dies bekannt ist, können wir unseren Schülerinnen und Schülern die christliche Botschaft vermitteln.
In meiner Hausarbeit zum Thema „Wie entstehen Gottesbilder bei Kindern und Jugendlichen?“ möchte ich zunächst auf die allgemeine Bildung eines Gottesbildes eingehen. Es sollen Geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen, sowie der mögliche Einfluss der Eltern oder Erzieher bei der Bildung eines Gottesbildes überprüft werden. In einem anderen Kapitel meiner Arbeit werde ich auf den Wandel der Gottesvorstellungen eingehen und dabei die Bereiche Kindheit und Jugend voneinander abgrenzen. Auch die Vermittlung von Gottesbildern und die daraus resultierenden didaktischen Konsequenzen für den Unterricht, werden am Ende der Arbeit berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition
3. Entstehung von Gottesbildern
3.1 Geschlechtsspezifische Gottesbilder
3.2 Der Einfluss von Eltern und Erziehern auf das kindliche Gottesbild
3.3 Dunkle oder gefährliche Gottesbilder
4. Der Wandel der Gottesvorstellung
4.1 Gottesvorstellungen in der Kindheit
4.2 Gottesvorstellungen im Jugendalter
5. Arten der Vermittlung von Gottesbildern
5.1 Didaktische Konsequenzen
6. Zusammenfassung / Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung von Gottesvorstellungen bei Kindern und Jugendlichen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse geschlechtsspezifischer Unterschiede, dem Einfluss primärer Bezugspersonen sowie der Identifikation problematischer Gottesbilder. Ziel ist es, religionspädagogische Handlungsmöglichkeiten für einen reflektierten Unterricht aufzuzeigen.
- Psychologische und religiöse Genese von Gottesbildern
- Einflussfaktoren durch Erziehung und Sozialisation
- Psychopathologische Auswirkungen "dunkler" Gottesbilder
- Wandel der Gottesvorstellung im Entwicklungsverlauf
- Methodik der Vermittlung im Religionsunterricht
Auszug aus dem Buch
3.3 Dunkle oder gefährliche Gottesbilder
Gottesbilder können krank machen, als Machtmittel missbraucht werden oder dazu führen, dass die Gottesbeziehung durch die Gottesvorstellung abgetrennt wird. Religiöse Erziehung kann somit gefährlich sein und vor allem älteren Menschen Angst machen. Diese Angst rührt von Gottesbildern her, die ihnen von ihren Eltern ausgemalt wurden. Die Bibel selbst liefert die Grundlage für dunkle Gottesbilder. Im Alten Testament wird Gott häufig durch Zorn und Zerstörung geschildert. Doch auch im Neuen Testament ist die Rede vom Zorn Gottes, wenn vom jüngsten Gericht gesprochen wird. Solche Bilder von Gott nehmen Einfluss auf die sensiblen Seelen von Kindern und es ist mit großer Verantwortung zu überlegen, welche Gottesbilder ihnen vermittelt werden dürfen. Die Bibel selbst lehrt uns, über Gott und mit Gott so zu sprechen, dass er als der Freund der Kinder aufscheint. Als der, der die Kinder in seine Arme nimmt und sie segnet. Die Angst vor einem strafenden Gott versetzt Kinder in Schuldkonflikte und kann sie krank machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Auseinandersetzung mit kindlichen Gottesvorstellungen für Religionslehrkräfte und umreißt den Aufbau der Untersuchung.
2. Definition: Dieses Kapitel klärt das Verständnis von Gottesbildern als Symbole, die in enger Wechselwirkung zur persönlichen Gottesbeziehung stehen.
3. Entstehung von Gottesbildern: Hier werden die Grundlagen der Entstehung beleuchtet, wobei geschlechtsspezifische Unterschiede sowie der Einfluss von Bezugspersonen und potenziell belastende Gottesbilder im Vordergrund stehen.
4. Der Wandel der Gottesvorstellung: Das Kapitel beschreibt die Dynamik religiöser Entwicklungsprozesse von der frühen Kindheit bis hin zum Jugendalter und thematisiert das Phänomen des "Sinn-Schaffens".
5. Arten der Vermittlung von Gottesbildern: Es werden didaktische Methoden wie Gebet, Rituale, künstlerische Gestaltung und das Erzählen biblischer Geschichten zur Unterstützung religiöser Reifung vorgestellt.
6. Zusammenfassung / Fazit: Das Fazit resümiert, dass Pädagogen eher als Impulsgeber denn als Erzeuger von Gottesbildern fungieren sollten, um eine individuelle religiöse Mündigkeit zu fördern.
Schlüsselwörter
Gottesbild, Religiöse Erziehung, Kindheit, Jugendalter, Religionspädagogik, Gottesbeziehung, Sozialisation, Religiöse Entwicklung, Didaktik, Biblische Texte, Leistungs-Gott, Richter-Gott, Sinn-Schaffen, Glaube, Religiöse Mündigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Kinder und Jugendliche zu ihren persönlichen Vorstellungen von Gott gelangen und welche Rolle pädagogische Kontexte dabei spielen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Genese von Gottesbildern, der Einfluss von Geschlecht und Erziehung, der entwicklungspsychologische Wandel der Religiosität sowie didaktische Methoden der Vermittlung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Sensibilisierung für die Entstehung von Gottesbildern, um Religionspädagogen dabei zu unterstützen, die Entwicklung einer eigenständigen und gesunden Gottesbeziehung bei Lernenden zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Arbeit, die auf fachwissenschaftlicher Literatur und religionspädagogischen Diskursen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die entwicklungsbedingte Veränderung des Gottesbildes und einen praktischen Teil zur didaktischen Vermittlung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Gottesbild, Religiöse Sozialisation, Entwicklungspsychologie, Religionspädagogik und Didaktik beschreiben.
Warum können Gottesbilder eine Gefahr darstellen?
Wie im Abschnitt über "dunkle Gottesbilder" erläutert, können starre, strafende oder leistungsbezogene Gottesbilder Ängste auslösen, psychische Belastungen fördern oder sogar zu einer Abwendung von der Religion führen.
Wie verändert sich das Gottesbild vom Kindes- zum Jugendalter?
Während in der Kindheit oft ein elternanaloges oder mythologisch-geprägtes Gottesbild vorherrscht, ist die Jugend durch kritische Hinterfragung und den Prozess der Entfremdung geprägt, bei dem Gott oft aus dem räumlichen "Himmel" in die eigene Seelenebene wandert.
- Arbeit zitieren
- Jana Speh (Autor:in), 2010, Gottesbilder bei Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184703