Charakterisierung Eduard Mörikes als Briefeschreiber am Beispiel der Brautbriefe an Luise Rau


Hausarbeit, 2011

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Biographie von Eduard Mörike

3. Der Brief

4. Die Sprache in den Briefen Eduard Mörikes

5. Charakterisierung Mörikes als Briefschreiber

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Brautbriefe Eduard Mörikes an seine Verlobte Luise Rau gelten als eine der schönsten Liebesbriefsammlungen, die es in der deutschen Literatur gibt. Die Lektüre dieser Dokumente lässt nur erahnen, wie sehr Mörike Luise Rau liebte.

Er versuchte, ihr dies mit all seinem schriftstellerischen und dichterischen Können in Worte zu fassen. Der Briefwechsel erstreckte sich über einen Zeitraum von drei Jahren, in denen Mörike Sinnkrisen und Niederlagen genauso erfuhr, wie Geborgenheit und großes Glück. Bis heute ist ungeklärt, weshalb Luise Rau nach vier Jahren die Verlobung sehr plötzlich auflöste. Es wird spekuliert, Mörike solle sie im Wald mit einem Messer bedroht haben. Glauben schenkt diesem Gerücht allerdings niemand wirklich, und, nachdem man die Korrespondenz gelesen hat, hält man es für nahezu unmöglich.

Vielmehr tun sich andere Fragen auf: Was macht den Briefschreiber Mörike besonders? Wer war Eduard Mörike? Was bedeutete ihm die Liebe und wie lebte er sie? Warum verließ ihn Luise wirklich?

Auf der Suche nach seiner Persönlichkeit lassen sich erste Hinweise in der Biographie finden, mit der sich das zweite Kapitel beschäftigen wird.

Weiterführend werde ich auf den Brief eingehen; auf die etymologische Bedeutung, die Geschichte sowie typischen Eigenschaften dieses Mediums.

Das vierte Kapitel wird sich mit der Sprache Mörikes beschäftigen. Dabei geht um Fragen, wie er seine Geliebte anspricht, ob es erkennbare Abschnitte und Gliederungen in den Briefen gibt oder welche Wörter er verwendet und weshalb.

Zuletzt möchte ich auf Mörike als Briefschreiber eingehen und auch seinen Charakter beleuchten. Anhand von Zitaten werde ich gezielt auf ganz persönliche Eigenschaften eingehen, die ihn, sowohl als Briefschreiber, als auch als Mensch kennzeichnen.

2. Biographie von Eduard Mörike

Eduard Friedrich Phillip Mörike wurde am 8. September 1804 als siebtes von dreizehn Kindern in Ludwigsburg geboren. Als Sohn eines Amtsarztes besucht er die Lateinschule. Im Jahre 1815 erlitt der Vater einen Schlaganfall, an dessen Folgen er drei Jahre später starb. Daraufhin wurden die Kinder bei Onkeln und Tanten untergebracht. Mörike selbst kam daraufhin mit 13 Jahren zu seinem Onkel Eberhard Friedrich Georgii (1757-1830), welcher ein angesehener Verwaltungsbeamter war und später Obertribunalpräsident wurde. Der intellektuelle Haushalt des Onkels wirkte sich positiv auf den Jungen aus. Er besuchte ab 1818 die Klosterschule in Urach und legte 1826 das theologische Examen ab, woraufhin er Pfarrvikar wurde. Aus Briefen von damaligen Freunden geht hervor, dass Mörike ein angenehmer, stets lustiger Mensch war, der es mochte in Gesellschaft zu sein. Wichtige Wegbegleiter wurden Wilhelm Hartlaub, der Dichter Wilhelm Waiblinger und Johannes Mährlen, mit denen ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Durch sie lernte er später auch Jean Paul und Goethe kennen.

Obwohl er von Zeit zu Zeit an seiner Zukunft als evangelischer Pfarrer zweifelte, nahm er aus finanziellen Gründen Ende Mai 1829 eine Stelle als Pfarrverweser in Plattenhardt auf den Fildern an. Dort lernt er Luise Rau kennen, deren Vater kurz zuvor verstorben war. Die Verlobung der Beiden fand am 14. August 1829 in einer Gartenlaube des Pfarrhäuschens statt. Aus bis heute nicht geklärten Gründen löste die Pfarrerstochter das Verlöbnis im Herbst 1833 auf.

Als im Jahr 1841 Mörikes Mutter starb, verschlechterte sich der Zustand seiner ohnehin labilen Gesundheit, sodass er zwei Jahre später, mit 39 Jahren, in den Ruhestand ging. Im Jahre 1851 heiratete er Margarethe Speeth. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. Das Paar trennte sich 1873.

Um sich seine Rente finanziell etwas aufzubessern, arbeitete er stundenweise am Katharinenstift in Stuttgart und als Mitarbeiter bei Zeitungen, sowie als Lektor in Cottas Verlag. 1852 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen verliehen. Am 4. Juni 1875 verstarb Eduard Mörike in Stuttgart.

3. Der Brief

1 Das Wort Brief kommt aus dem Lateinischen. Dort heißt es brevis (libellus) und bedeutet kurzes Schreiben, Schriftstück, Urkunde. Heute verstehen wir unter einem Brief eine schriftliche Nachricht, die Teil eines kommunikativen Vorgangs zwischen räumlich getrennten Personen ist. Ein Brief kann informieren (Informationen aller Art), appellieren (Wünsche Forderungen) oder manifestieren (Selbstbekundung, Selbstbetrachtung, Selbstdeutung). Man unterscheidet zwischen der eigentlichen (pragmatischen) und uneigentlichen (ästhetischen) Form des Briefes. Im Falle des Letzteren ist der Schreiber, der Anlass oder der Gegenstand des Briefes nicht real.

In Frankreich und England war der Brief bereits im 17. Jahrhundert ein ausgeprägtes literarisches Mittel. Die Deutschen sahen in ihnen ein Vorbild und strebten danach, ihre eigene Briefkultur voranzutreiben. Dies sollte im 18. Jahrhundert beginnen und bis in das 19. Jahrhundert andauern. Ursachen für diese Entwicklung waren das zunehmende Selbstbewusstsein des Bürgertums und dessen zunehmende wirtschaftliche Bedeutung. Die Menschen suchten ein Mittel, um ihrem neuen Selbstwertgefühl einen Ausdruck zu verleihen. Da es sich allerdings um intime Gedanken, Gefühle oder Familienangelegenheiten handelte, sollten diese nicht durch ein Medium vermittelt werden, das für die Öffentlichkeit bestimmt war. Man wollte Geschehnisse aus dem Leben festhalten. Am Eindrücklichsten sind die Briefe in der Zeit der Aufklärung, der Empfindsamkeit, des Sturm und Drangs, der Klassik und der Romantik. In diesen Epochen wurden zum ersten Mal Liebesbriefe in Deutschland verfasst.

Beim Brief handelt es sich um eine besondere Art von Dialog. Aus der räumlichen Trennung resultiert ein sogenannter „brieftypischer Phasenverzug“. Dieser Phasenverzug bezieht sich auf den Zeitpunkt des Schreibens und Abschickens des Verfassers, bis zum Empfang des Adressaten. Darin können Nachteile gesehen werden, wie dies C. M. Wieland tut: „Dann kann man sich in einer Viertelstunde besser gegen einander explicieren, als durch Briefe in vier Monaten; was hier Missverständnisse von etlichen Wochen macht, hebt sich dort mit zwei Worten. Schon der Blick, der Ton, die Modulation der Stimme, womit man etwas sagt, gibt dem Gesagten ganz eine andere Bestimmung.“2.

[...]


1 Vgl. Nickisch, Reinhard. Der Brief. Metzler 1991

2 Nickisch, Reinhard. Der Brief. Metzler 1991. Seite 22

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Charakterisierung Eduard Mörikes als Briefeschreiber am Beispiel der Brautbriefe an Luise Rau
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Neue deutsche Literatur)
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V184907
ISBN (eBook)
9783656930846
ISBN (Buch)
9783656930853
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eduard, mörike, brautbriefe, luise, charakterisierung, mörikes, briefeschreiber, beispiel
Arbeit zitieren
Katharina Hörth (Autor), 2011, Charakterisierung Eduard Mörikes als Briefeschreiber am Beispiel der Brautbriefe an Luise Rau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184907

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