Alternde Gesellschaft im Wandel der Personalpolitik


Hausarbeit, 2002

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbetrachtung

2. Der Alterungsprozess ist in vollem Gange
2.1 Geburtendefizit
2.2 steigende Lebenserwartung
2.3 Auswirkungen auf die Altersschichtung der Bevölkerung

3. Erwerbsbevölkerung
3.1 Alterung der Erwerbsbevölkerung
3.2 Rückgang der Erwerbsbevölkerung
3.3 Lösungsansatz Zuwanderung

4. Personalpolitik
4.1 heutige Personalpolitik
4.1.1 Alternative Frühverrentung
4.1.2 Probleme der Überalterung
4.1.3 zukünftige Personalpolitik

5. Ausblick

6. Literaturverzeichnis.

Alternde Gesellschaft im Wandel der Personalpolitik

1. Vorbetrachtung

Deutschland wird alt. Das ist eine unbestrittene Tatsache, wie es uns Demographen und ihre Statistiken seit etlichen Jahren bestätigen. Aber nicht nur, dass wir mit den sinkenden Geburtenraten die Existenz der deutschen Bevölkerung aufs Spiel setzen und uns wohl oder übel in den kommenden Jahren selbst „ausrotten“ werden.

Diese Entwicklung hat auch weitreichende Folgen für den Arbeitsmarkt und den Wirtschaftsstandort Deutschland. In dieser Hausarbeit soll es darum gehen, den tatsächlich bestehenden Alterungsprozess der deutschen Bevölkerung in bezug auf seine Auswirkungen auf die Personalpolitik von Firmen zu untersuchen. Maßgeblich wird dabei sein, die Ursachen der Überalterung darzustellen, die Prognosen für die kommenden Jahrzehnte zu untersuchen und die bestehende Personalpolitik – in Anbetracht all dieser uns bevorstehenden Tatsachen – auf mögliche zukünftige Veränderungen hin zu bewerten.

2. Der Alterungsprozess ist in vollem Gange

2.1 Geburtendefizit

Die Anzahl der Geburten ist in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. Allein in den letzten Jahren sank die Zahl der Lebendgeborenen laut Statistischem Bundesamt von 785.034 (1998) auf 766.971 (2000) ab.[1] Aber dieser Verlauf ist keine spontane Entwicklung der letzten paar Jahre oder gar ein Produkt rein natürlicher Schwankungen. Bereits seit den Siebziger Jahren beschäftigt die Demographen zunehmend das Problem des zu niedrigen Geburtenniveaus und bis heute ist ersichtlich geworden, dass es sich dabei wohl oder übel nicht nur um einen Verlauf handelt, der auf der Basis natürlicher Schwankungen beruht. Sondern wir haben es hier mit einer unumgänglichen Tatsache zu tun, die ihre Konsequenzen fordert.

Tatsache ist auch, dass, um dieser Entwicklung entgegen wirken zu können, ein Reproduktionsniveau – also die Anzahl an Geburten, die nötig ist, um die derzeitige Bevölkerung zahlenmäßig in der nächsten Generation ersetzen zu können – von 2,1 Kindern pro Frau erreicht werden muss.[2] Doch die Zahlen zeigen deutlich, das wir momentan noch nicht einmal im entferntesten diesen Wert erreichen: bis 1995 sank die Anzahl der Kinder pro Frau auf einen Wert von 1,28.[3] Zwar hat sich diese Zahl bis zum heutigen Zeitpunkt auf etwa 1,4 erhöht[4], jedoch ist dieser Wert einfach noch zu gering, um dem Verlauf Herr zu werden.

Mögliche Ursachen für diesen Geburtenrückgang lassen sich beispielsweise in der veränderten Lebenshaltung von Frauen finden. Frauen haben sich in der vergangenen Zeit einem enormen Wandel ihrer Prioritäten unterzogen. Aus gesteigertem Selbstbewusstsein heraus, oder einfach aufgrund von wirtschaftlicher Notwendigkeit stellen viele der heutigen Frauen die berufliche Karriere in den Vordergrund. Ein Kind wäre dabei nur eine unnötige Last und dafür bleibt schließlich auch noch genug Zeit, nachdem der Sprung vom Karrierebrett geglückt ist. Deutlich zu sehen ist dies vor allem in der Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeitsrate in den alten Bundesländern. Seit 1970 ist hier die Frauenquote um 12 % auf 60 % (Mitte der 90er Jahre) empor geschnellt.[5]

Daraus resultierend ist auch der Wunsch nach Eheschließung dieser Entwicklung in den letzten Jahren zum Opfer gefallen. Die Anzahl geschlossener Ehen hat sich zwar nicht dezimiert – 2000 lag ihre Zahl mit 419.505 genau 2085 Eheschließungen höher als 1998[6] – Problem ist hier eher das gestiegene Alter der, sich den Bund fürs Leben gebenden, Paare. Lag das durchschnittliche Heiratsalter 1998 bei Männern noch bei 30,6 bzw. bei Frauen bei 28,0 Jahren, erhöhten sich diese Werte in nur einem Jahr auf 31,0 bzw. 28,3 Jahre.[7] Diese Zahlen mögen aufgrund der fehlenden Angaben vorangegangener Jahre nicht besonders repräsentativ sein. Im Fall einer konstanten Entwicklung vor 1998 bzw. in den kommenden Jahren wären sie allerdings ein weiterer Erklärungsgrund für die geburtsschwachen Jahrgänge. Denn wenn die Entscheidung für ein Kind in Abhängigkeit steht mit einem bestehenden Ehe-Verhältnis der Paare, so sinkt zwar mit dem Anstieg des Heiratsalters nicht der Wunsch der Verheirateten nach einem Kind, jedoch tickt die „biologische Uhr“ mit jedem neuen Lebensjahr der Eheleute ein wenig langsamer. Kurzum, die Wahrscheinlichkeiten für ein Kind verschlechtern sich.

Eine ähnliche Entwicklung lässt sich wohl auch für die bereits erwähnten Karriere-orientierten Frauen vorhersagen. Es lässt sich nicht schwer erahnen, dass jedes zusätzliche Karrierejahr, das diese Frauen für sich beanspruchen, ein zusätzliches Jahr gegen bzw. ohne ein Kind bedeutet und die Bereitschaft für ein zweites – als Voraussetzung dafür, dem Reproduktionsniveau gerecht zu werden – ist dann wohl bei diesen Frauen, wie auch bei Paaren eher die Ausnahme.

Die Natur als auch die Gesellschaft selbst versperren hier den Weg. Waren mehrere Kinder noch vor einigen Jahrzehnten die Regel, so drückt die Gesellschaft heute kinderreichen Familien immer häufiger den Stempel „unsozial“ auf. Viel gewichtiger ist hier noch der erhebliche berufliche Nachteil erwerbstätiger Eltern, denn: Kinder kosten Geld und vor allem Zeit. Allein den beruflichen Ausfall durch Schwangerschaft und Mutter- bzw. Vaterschaftsurlaub können viele Paare nicht einfach in Kauf nehmen, wobei die Situation der Frauen diesbezüglich noch schwieriger ist, da bei ihnen im Fall des Mutterschaftsurlaubs zusätzlich zur Schwangerschaft doppelt soviel beruflicher Ausfall zu vermerken ist.

All das sind entscheidende Faktoren in der Überlegung für oder gegen ein Kind. Dazu kommt noch, dass selbst der Staat jedem Neugeborenen das Gefühl gibt, nicht erwünscht zu sein. Die Tatsache, dass beispielsweise in Bayern nur für 1,4 % der in Frage kommenden Kinder Krippenplätze bzw. für 3,8 % Hortplätze zur Verfügung stehen[8], legt dies nahe. Vermutlich aus diesen und noch vielen anderen möglichen Gründen entsagen viele Paare dem Wunsch nach einem eigenen Kind.

Es ist heutzutage gesellschaftlich und wirtschaftlich einfach zu riskant. Wobei sich hier bereits zeigt, dass der Staat selbst in diese Entwicklung eingreifen kann und muss, um auch in Zukunft nachkommenden Jahrgängen eine Perspektive zu bieten.

2.2 steigende Lebenserwartung

Zusätzlich zu den schwachen Geburtenjahrgängen ist die steigende Lebenserwartung ein weiterer Faktor, der sich in großem Maße auf die Altersstruktur der Gesellschaft auswirkt. Noch vor 100 Jahren lag die Lebenserwartung eines Neugeborenen etwa 30 Jahre niedriger als heute.[9]

Selbst innerhalb der letzten Jahre stieg die durchschnittliche Lebenserwartung bei neugeborenen Jungen von 73,6 (1995/97) auf 74,4 Jahre (1997/99) und im gleichen Zeitraum bei Mädchen von 80,0 auf 80,6 Jahre.[10]

Ursachen hierfür liegen unter anderem in der weiteren Annäherung der ostdeutschen Sterblichkeitsverhältnisse an westdeutsches Niveau. 1997/99 betrug die Lebenserwartung im früheren Bundesgebiet für neugeborene Jungen 74,8 Jahre, in den neuen Ländern 73,0 – das entspricht einer Annäherung von 0,2 Jahren im Vergleich zu den Messungen 1995/97. Bei den neugeborenen Mädchen beträgt die Anpassung im gleichen Zeitraum sogar 0,25 Jahre. So lag die durchschnittliche Lebenserwartung 1997/99 im westdeutschen Bundesgebiet bei 80,7 Jahren und in den neuen Bundesländern bei 80,0.[11]

Schätzungen zufolge wird sich die Lebenserwartung bis zum Jahr 2050 aufgrund präventiver Gesundheitspolitik und medizinischer Fortschritte um weitere 4 Jahre erhöhen (Männer 79,0 / Frauen 84,0 Jahre[12] ).

Ein zusätzlicher Grund für den Anstieg der Lebenserwartung liegt in der rückläufigen Säuglings- und Kindersterblichkeit der letzten Jahre. Seit 1997 ging die Zahl der im 1. Lebensjahr gestorbenen Kinder von 3744 auf 3353 im Jahr 2000 zurück.[13] Das entspricht einem prozentualen Rückgang von 0,5 %.

[...]


[1] Statistisches Bundesamt Deutschland. www.destatis.de/basis/d/bevoe/bevoetab1.htm

[2] Warum braucht Deutschland Zuwanderung?

[3] Rössel, Schäfer, Wahse. S.17.

[4] Warum braucht Deutschland Zuwanderung?

[5] Bäcker, Nägele. S.39f.

[6] Statistisches Bundesamt Deutschland. www.destatis.de/basis/d/bevoe/bevoetab1.htm

[7] a.a.O.

[8] Steinmeier, Dr. Frank-Walter.

[9] Warum braucht Deutschland Zuwanderung?

[10] Statistisches Bundesamt Deutschland. www.destatis.de/basis/d/bevoe/bevoetab3.htm

[11] Sozialpolitische Umschau. Ausgabe 2/2001, Nr.14.

[12] Rössel, Schäfer, Wahse. S.17.

[13] Statistisches Bundesamt Deutschland. www.destatis.de/basis/d/bevoe/bevoetab1.htm und
www.destatis.de/basis/d/bevoe/bevoetab3.htm

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Alternde Gesellschaft im Wandel der Personalpolitik
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Bevölkerungspolitik
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V18505
ISBN (eBook)
9783638228398
ISBN (Buch)
9783640864171
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Über die Auswirkungen der Überalterung der Gesellschaft auf den Arbeitsmarkt
Schlagworte
Alternde, Gesellschaft, Wandel, Personalpolitik, Bevölkerungspolitik
Arbeit zitieren
Franziska Höfer (Autor), 2002, Alternde Gesellschaft im Wandel der Personalpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18505

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