Seit einigen Jahren ist in den Medien regelmäßig die Rede von Naturkatastrophen, die durch den Klimawandel verursacht werden und in immer regelmäßigeren Abständen auftreten. Es wird über Dürren, Überschwemmungen, Tsunamis und Hurrikans berichtet (vgl. bspw. Süddeutsche Zeitung 2010; Frankfurter Rundschau 2010). Doch nicht nur in den Medien sondern auch in vielen wissenschaftlichen Disziplinen wird über die Ursachen und Folgen diskutiert und geforscht. Trotz dieser hohen Präsenz ist dieses Thema nicht neu: Bereits in den 1970er und 1980er Jahren richtete sich der Fokus des öffentlichen Interesses zeitweise auf Regionen, die mit verheerenden Dürren und Hungersnöten zu kämpfen hatten. So stellte der Journalist Herbert Kaufmann bei einem Aufenthalt im Süden Mauretaniens bereits 1973 fest: „Um das Städtchen Rosso drängen sich die Zelte, weiß und braun, unabsehbar, als seien sie von einer Welle angeschwemmt worden. Wer Rosso erreichte, ist gerettet. Wer Nouakchott und Kaedi, Kiffa und Aioun – el Atros erreichte, hat zwar seine Herden verloren, aber das Leben erhalten. Niemals seit Menschengedenken hat es eine solche Katastrophe gegeben“ (FAZ vom 30.07.1973).
Neben Zeitungsberichten machten Spendenaktionen und Benefizkonzerte wie Live Aid (1985) auf die Trockenheit in der Sahelzone aufmerksam. Nachdem jedoch der Regen in dieser Region wieder einsetzte, ließ das öffentliche Interesse schnell nach.
Heute werden Sturmfluten, Wirbelstürme und Dürren eindeutig auf die klimatischen Veränderungen zurückgeführt und sind überall spürbare Realität geworden.
Der globale Klimawandel bewirkt weltweit langfristige Veränderungen wie beispielsweise den Anstieg des Meeresspiegels durch eine Temperaturerhöhung oder extreme, immer häufiger auftretende Wetterereignisse. Dies hat zur Folge, dass lebenswichtige Bereiche wie die Wasser und Nahrungsversorgung, die landwirtschaftliche Produktion, die Energieversorgung oder auch der Gesundheitssektor bereits gefährdet sind oder zukünftig bedroht sein werden. Die negativen Folgen des Klimawandels sind in verschiedenen Regionen der Welt ganz unterschiedlich zu spüren. Während einige Regionen momentan mit dem Hochwasser kämpfen (z.B. Pakistan, Brasilien, Australien), leiden andere an Wasserknappheit. Klimaforscher warnen davor, dass einige Küstenregion und Inseln in Zukunft permanent
überflutet sein werden (z.B. Malediven oder Marshall Inseln) während in anderen Gebieten Dürren häufiger und intensiver auftreten werden.
Inhaltsverzeichnis
Konzeptionelle Überlegungen
Kapitel I: Sahelzone, sozialer Wandel und Klimawandel
1. Die Sahelzone
1.1 Geographische Einordnung
1.2 Geologie und Böden
1.3 Vegetation
1.4 Klimatische Bedingungen und Wasserhaushalt
1.5 Bevölkerung
1.6 Politik und Ökonomie
2. Der Senegal als typisches Sahelland
2.1 Bevölkerung des Senegal
2.2 Ökologie des Senegal
3. Sozialer Wandel
3.1 Theorien des sozialen Wandels
3.2 Sozialer Wandel in Afrika - die Suche nach einer Theorie
4. Der Klimawandel
4.1 Grundlagen des Klimawandels
4.2 Ursachen des Klimawandels
4.3 Auswirkungen des Klimawandels
4.3.1 Bisherige Auswirkungen
4.3.2 Zukünftige Auswirkungen
4.4 Das Konzept der Vulnerabilität
Kapitel II: Methodik
1. Beschreibung der Vorgehensweise
2. Grundlegende Begriffe
2.1 Der Systembegriff
2.2 Der Modellbegriff
3. Entwicklung von Modellen des sozialen Wandels nach Smelser
4. Das Simulationstool ithink
Kapitel III: Die Dürre im Sahel der 1970er Jahre und ihre Folgen
1. Begriffsbestimmung und Abgrenzung von Dürre
2. Die „normalen“ Jahre vor der Dürre
3. Die Situation im Sahel in den 1970er und 1980er Jahren
3.1 Ursachen und Verlauf der Dürre
3.2 Folgen der Dürre für die Landwirtschaft
3.3 Sozioökonomische Folgen
3.3.1 Demographie
3.3.1.1 Populationsgröße
3.3.1.2 Geburtenrate
3.3.1.3 Kindersterblichkeit
3.3.1.4 Altersstruktur
3.3.1.5 Lebenserwartung
3.3.1.6 Urbanisation
3.3.1.7 Haushaltsstruktur
3.3.2 Ökonomie
3.3.2.1 Bruttoinlandsprodukt
3.3.2.2 Cash Crops und landwirtschaftliche Produktion
3.3.2.3 Staatsverschuldung
3.3.2.4 Wirtschaftssektoren
3.3.2.5 Informeller Sektor
3.3.3 Gesundheit
3.3.3.1 Ernährungssicherung und Energieversorgung
3.3.3.2 Erkrankungen und medizinische Versorgung
3.3.4 Migration
3.3.4.1 Binnenmigration
3.3.4.2 Internationale Migration innerhalb Afrikas
3.3.5 Konflikte
3.3.5.1 Ressourcenkonflikte um Wasser, Land und Wald
3.3.5.2 Ethnische Konflikte
3.3.5.3 Der Tuareg Konflikt in den 1990er Jahren
3.3.6 Der Klimawandel ist nicht geschlechtsneutral
4. Faktoren-Matrix: Verknüpfung der Ursachen und Folgen der Dürre
5. Zukünftige Klimaentwicklung im Sahel
Kapitel IV: Das Tragfähigkeitsmodell: Eine Simulation der Klimafolgen im Sahel
1. Zweck des Modells
2. Modellansatz
3. Aufbau und Beziehungen der Teilmodelle
3.1 Teilmodell Bevölkerung
3.2 Teilmodell Niederschlag
3.3 Teilmodell Flächenressource
3.4 Teilmodell Holzenergie
3.5 Teilmodell Getreide
3.6 Teilmodell Viehbestand
4. Verbindung der Teilmodelle zum Tragfähigkeitsmodell
5. Das Interface
6. Ergebnisfindung und -beschreibung
6.1 Modellgültigkeit
6.2 Simulationsverlauf und Ergebnisse
6.2.1 Allgemeines Modell
6.2.2 Beispielsimulation für die Region Matam
Kapitel V: Das Wandlungsmodell: Entwicklung eines Modells des sozialen Wandels für den Sahel
1. Abgrenzung der unabhängigen Variablen
2. Bestimmung der Wandlungsdeterminanten
3. Beschreibung des Wandels und Abgrenzung der abhängigen Variablen
4. Verknüpfung der unabhängigen und der abhängigen Variablen
5. Hypothesenbildung
6. Wie sich der Klimawandel auf die Gesellschaft der Sahelzone auswirkt
7. Vulnerabilität der Sahelbevölkerung
Kapitel VI: Lösungsansätze: Strategien zur Anpassung an den Klimawandel im Sahel
1. Climate Proofing
2. Kontursteinmauern
3. Die Grüne Mauer
4. Nachhaltige Waldwirtschaft und verbesserte Herde
Schlussbetrachtung
1. Zusammenfassung und Ergebnisse
2. Grenzen und Probleme
3. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesellschaft der Sahelzone und analysiert die Vulnerabilität dieser Region. Ziel ist es, durch die Entwicklung eines systemdynamischen Modells, das soziale und ökologische Faktoren verknüpft, zukünftige gesellschaftliche Wandlungsprozesse zu simulieren und daraus Anpassungsstrategien abzuleiten.
- Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Sahelzone
- Analyse sozioökonomischer Folgen der Dürreperioden
- Entwicklung eines systemdynamischen Modells (Tragfähigkeitsmodell)
- Simulation gesellschaftlicher Wandlungsprozesse
- Diskussion von Lösungsansätzen und Klimaanpassungsstrategien
Auszug aus dem Buch
3. Sozialer Wandel
Die Recherche zu diesem Abschnitt ergab eine Vielzahl von Konzepten und Theorien zu sozialem Wandel. Daher werden zunächst grundlegende Elemente und anschließend die wichtigsten Theorien des sozialen Wandels vorgestellt. Die hier dargestellten Theorien geben einen Überblick über die verschiedenen Ansätze.
Unter sozialem Wandel versteht man grundsätzlich eine Veränderung der Sozialstruktur einer Gesellschaft (vgl. Zapf 2003: 427). Durch ihre Wechselwirkungen mit Umwälzungen äußerer Bedingungen oder innerer Spannungen ändern sich Institutionen, Kulturmuster, soziale Handlungen und Bewusstseinsinhalte (vgl. Kleining 2001: 425, Zapf 2003: 427). Die sozialen Strukturen, welche in einer Gesellschaft Ordnung schaffen, wandeln sich folglich, und eine Veränderung eben dieser Ordnung wird als sozialer Wandel bezeichnet (vgl. Zapf 2003: 425). Er tritt als Modernisierung, Entwicklung, Evolution oder Transformation auf (vgl. Erbrecht 2002: 225).
Obwohl der Begriff des sozialen Wandels erstmals 1922 von William F. Ogburn eingeführt wurde, haben sich bereits klassische Autoren der Soziologie mit den Antriebsfedern des Wandels einer Gesellschaft beschäftigt. Unterschieden werden endogene, exogene, dominante und multifaktorielle Ursachen und der anschließende Verlauf ist keineswegs ausschließlich linear, sondern kann unterschiedlichste Verläufe, exponentiell oder stufenartig, aufweisen (vgl. Zapf 2003: 427 ff.). Eine Steuerung des ganzen Prozesses ist nur bedingt möglich, bleibt aber "eines der konstitutiven Projekte der Soziologie" (Zapf 2003: 429).
Im nachfolgenden Abschnitt werden zunächst die Theorien klassischer Autoren wie Marx oder Comte im Bezug auf sozialen Wandel dargestellt und anschließend sogenannte moderne Theorien behandelt. Allen Theorien gemein ist, dass ihr Realitätsbezug nicht sehr ausgeprägt ist, was sich jedoch im geschichtlichen Verlauf gezeigt hat (vgl. Kleining 2001: 233). Abschließend wird ein Blick auf die Innovationstheorie geworfen, die keine Theorie des sozialen Wandels ist, sondern vielmehr als Teil dessen zu betrachten ist. Dieses Konzept erlaubt einen anderen Blickwinkel auf die möglichen Antriebe sozialen Wandels (vgl. Zapf 2003: 431).
Zusammenfassung der Kapitel
Konzeptionelle Überlegungen: Einführung in die Thematik Klimawandel im Kontext der Sahelzone und Definition der Forschungsabsicht.
Kapitel I: Sahelzone, sozialer Wandel und Klimawandel: Detaillierte geografische, ökologische und soziologische Einordnung der Sahelzone sowie theoretische Grundlagen zum Klimawandel.
Kapitel II: Methodik: Beschreibung der wissenschaftlichen Vorgehensweise und Einführung in das Simulationsmodell und dessen mathematische Grundlagen.
Kapitel III: Die Dürre im Sahel der 1970er Jahre und ihre Folgen: Analyse historischer Dürreereignisse und deren sozioökonomische Auswirkungen auf die Sahelbevölkerung als Basis für die Modellierung.
Kapitel IV: Das Tragfähigkeitsmodell: Eine Simulation der Klimafolgen im Sahel: Vorstellung des systemdynamischen Modells, dessen Aufbau und Funktionsweise unter verschiedenen Klimaszenarien.
Kapitel V: Das Wandlungsmodell: Entwicklung eines Modells des sozialen Wandels für den Sahel: Zusammenführung der Erkenntnisse zu einem umfassenden Modell, das den sozioökonomischen Wandel im Kontext der Klimaveränderungen abbildet.
Kapitel VI: Lösungsansätze: Strategien zur Anpassung an den Klimawandel im Sahel: Präsentation praxisorientierter Strategien und technischer Lösungsansätze zur Klimaanpassung.
Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Kernergebnisse der Arbeit und Diskussion der Grenzen der entwickelten Modelle sowie ein Ausblick auf zukünftige Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Sahelzone, Klimawandel, Vulnerabilität, sozialer Wandel, Tragfähigkeitsmodell, System Dynamics, Dürre, Senegal, Anpassungsstrategien, Desertifikation, Ernährungssicherung, Migration, Ressourcenkonflikte, sozioökonomische Entwicklung, Climate Proofing.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die sozioökonomischen Auswirkungen des Klimawandels auf die Bevölkerung der Sahelzone, insbesondere am Beispiel des Senegal, und analysiert die Vulnerabilität dieser Region.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die ökologischen und sozialen Rahmenbedingungen der Sahelzone, Theorien des sozialen Wandels, die Klimaforschung, historische Dürreerfahrungen sowie die Modellierung zukünftiger Klimafolgen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das primäre Ziel ist die Entwicklung eines systemdynamischen Tragfähigkeitsmodells, das Klimadaten und soziale Faktoren verknüpft, um mögliche zukünftige Wandlungsprozesse zu simulieren und Vulnerabilitäten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen systemtheoretischen Ansatz in Kombination mit der Simulationssoftware "ithink" (System Dynamics), um komplexe Wechselwirkungen quantitativ und qualitativ abzubilden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die geographischen und sozioökonomischen Grundlagen, eine Analyse der Dürreperioden der 1970er Jahre, der Aufbau des Simulationsmodells sowie konkrete Lösungsansätze wie "Climate Proofing" und Aufforstungsprojekte diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sahelzone, Klimawandel, Vulnerabilität, systemdynamisches Modellierung, sozioökonomischer Wandel, Anpassungsstrategien und Desertifikation.
Warum wurde gerade der Senegal als Fallbeispiel gewählt?
Der Senegal wurde gewählt, da für dieses Land eine vergleichsweise bessere Datenlage vorliegt, was eine fundiertere Anwendung des Modells und die Validierung der Ergebnisse erleichtert.
Welche Rolle spielt die Faktoren-Matrix im Modell?
Die Faktoren-Matrix dient dazu, die komplexen, teilweise indirekten Zusammenhänge zwischen klimatischen Ursachen und gesellschaftlichen Folgen systematisch zu verknüpfen und die Wirkungsrichtungen der Variablen im Modell zu definieren.
Wie bewertet die Arbeit die Wirksamkeit von Anpassungsstrategien?
Die Arbeit betrachtet Maßnahmen wie Kontursteinmauern oder nachhaltige Waldwirtschaft als wichtige soziale Innovationen, betont jedoch, dass deren Erfolg stark von institutionellen Rahmenbedingungen und der sozioökonomischen Lage der Bevölkerung abhängt.
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- Bjoern Schueler (Author), Sissy Sepp (Author), 2011, Klima und Gesellschaft im Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185095