Vergleichende Textanalyse (Methodik und Beispiel)


Hausarbeit, 2001
20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsübersicht

Vorwort

Allgemein: Unterschiede Analyse und Erörterung

Zum Hauptteil als Kernstück der Analyse:

Zur Kritik

1. Einleitung

2. Hauptteil

3. Kritik & eigene Meinung

Zur Kritik

Zur eigenen Meinung

Vorwort

Das folgende Analyseschema basiert auf der Erkenntnis, dass die Analyse historischer Texte für den Großteil der SchülerInnen[1] in der Oberstufe von Gymnasien und Gesamtschulen im wesentlichen ein methodisches Problem darstellt.

Die Ursache: Einerseits unterscheiden sich historische Textanalysen in wesentlichen Punkten von der Analyse fiktionaler Texte, u.a. im Fach Deutsch. Andererseits setzt die Analyse historischer Texte die Fähigkeiten von Schülern und Lehrern voraus, historische Sachzusammenhänge zu erkennen, sie zu vermitteln und entsprechend der Aufgabenstellung umzusetzen. Häufig scheitert die Arbeit an letzterem.

Das Ziel: Das folgende Analyseschema kann nicht die Arbeit ersparen, den historischen Kontext zu wissen und ihn einzusetzen; ohne dieses umfangreiche Wissen - und dies heißt nicht das bloße Aneinanderreihen von Daten - ist eine Analyse historischer Texte unmöglich. In solchen Fällen bleiben Bearbeitungen eindimensional und erfassen meist nicht die Problematik, die in der Aufgabenstellung verlangt wird. Grundsätzlich soll anhand einer vergleichenden (Text-)Analyse nicht nur die Fähigkeit einen Text richtig zu interpretieren, einzuordnen und zu beurteilen nachgewiesen werden. Die Methodik ist als ebenso als Arbeitsaufgabe zu verstehen. Das heißt, dass man anhand einer Textanalyse zeigen soll, ob man die Werkzeuge einsetzen kann, ob man einer historischen Problematik auf den Grund gehen und sie in kausalen Zusammenhängen darstellen kann. Das hier beschriebene Schema soll dabei helfen, Quellen methodisch richtig und immer in Abhängigkeit zur Aufgabenstellung zu bearbeiten, damit ein erfolgreiches Bearbeiten gelingt.

Die Einschränkung: Das Verstehen eines Analyseschemas und dessen Umsetzung ist zweierlei. Wer sich also der Illusion hingibt, durch bloßes ,,Auswendiglernen" der Methodik ein erfolgreiches Resultat zu erzielen, wird mit großer Sicherheit enttäuscht. Dies folgt der Erkenntnis, dass ein Oberziel nur durch die Aufteilung in (kleinere) Unterziele erreicht werden kann.

Die Ergebnisse aller Unterziele fördert somit das Oberziel. Also müssen folgende Voraussetzung gegeben sein:

1. das Verstehen der Quelle und ihrer Argumentationsstruktur;
2. der historische Hintergrund in seinen (quellenbezogenen) wichtigen Details;
3. die Fähigkeit zur kritischen Stellungnahme.

Dies ist die Methode.

Analyseschema historischer Texte

1. Einleitung
2. Hauptteil
3. Kritik & eigene Meinung

In diese drei ,,einfachen" Arbeitsschritte muss man eine Analyse aufteilen. Im nachfolgenden wird ein sukzessiver (d.h. nicht simultaner Ansatz gewählt). Sukzessiv heißt in diesem Fall, dass Textanalyse streng von der Einbindung in den historischen Kontext und der eigenen Meinung getrennt wird und zuerst Text für Text bearbeitet wird.

Allgemein: Unterschiede Analyse und Erörterung

1. Eine Analyse behandelt die Arbeit an einer oder mehreren Quellen, deren Argumentation vor dem Hintergrund historischer Ereignisse erarbeitet und erklärt werden soll. Wesentlicher Aspekt ist die eigene Meinung des Verfassers einer Analyse zum Ende, da unter anderem ausgedrückt werden soll, inwiefern der Text tatsächlich verstanden wurde und man die Quelle eigenständig beurteilen kann.
2. Eine Erörterung behandelt ebenfalls die Arbeit an einer oder mehreren Quellen, jedoch soll hier nicht die (textliche) Argumentation erarbeitet, sondern Entwicklungen im historischen Umfeld besprochen und erklärt werden. Die Quellen dienen hier lediglich als ,,Aufhänger", um historisch komplexe Zusammenhänge nach Ursache und Wirkung (vgl. Kausalität) zu besprechen und sie zu bewerten.

Der historische Kontext steht bei Erörterungen im Vordergrund und die Quellen sind nur Hilfsmittel. Analysen gehen den umgekehrten Weg: Die Texte (und deren Argumentationen) stehen im Vordergrund und sollen anhand entsprechenden Wissens über die Historie korrekt interpretiert und kritisiert werden. Beiden Arbeiten gleich ist die persönliche Stellungnahme des Verfassers, die sich am Ende auf der Grundlage des Erarbeiteten ergeben muss (Analyse: Kritik an den Texten, Erörterung: Kritik an der historischen Entwicklung).
Falsch ist, wissenschaftliches Arbeiten mit persönlicher Meinung zu vermengen, da in diesem Fall für den Leser (=Lehrer) oftmals schleierhaft bleibt, was nun wissenschaftlich erarbeitet oder was persönlich vermutet ist, ohne das Thesen eindeutig verifiziert (= bewiesen, bestätigt, hergeleitet) wurden.

Zum Hauptteil als Kernstück der Analyse:

Um das zuvor genannte Problem zu verhindern, wird

1. zuerst am Text gearbeitet und die Argumentation dargestellt. Ergebnis: These(n) erarbeitet.
2. Anschließend wird mit den anderen Texten in gleicher Art und Weise verfahren. Ergebnis: These(n) erarbeitet.
3. Nun werden die Texte (in ihrem historischen Umfeld) in Kontrast gesetzt, falls diese Quellen kontrastierende Meinung beinhalten. Ansonsten werden ihre Thesen in Analogie gesetzt. Ergebnis: Texte miteinander verbunden, Gemeinsamkeiten und Unterschiede erfasst (Pro/Contra/Übereinstimmung).
4. Im folgenden werden die die Thesen betreffenden, historisch verbürgten Geschehnisse genannt und mit den Texten in Zusammenhang gebracht. Ergebnis: Texte historisch eingebunden.
(Anm.: Im hier niedergeschriebenen Hauptteil werden die Punkte 3 und 4 bewusst kombiniert.)
5. Abschließend wird (wenn nicht bereits geschehen) ein Fazit jedes Textes gezogen, sozusagen die Essenz hergestellt. Ergebnis: Textanalyse und historischer Kontext abgeschlossen.

Zur Kritik:

Die Kritik und eigene Meinung sind deutlichst als solche zu kennzeichnen, z.B. ,,Nach Meinung des Autors ..." (Anm.: hört sich besser an als ,,Ich bin der Meinung, dass ..."). Diese persönliche Stellungnahme muss sich aus der Textanalyse ergeben, d.h. sich argumentativ daraus ableiten lassen: entweder

- belegt/widerlegt man Argumente der Texte oder
- man belegt/widerlegt Argumentationsketten oder
- man belegt/widerlegt Argumentationen anhand von Widersprüchen zum tatsächlichen historischen Geschehen oder
- man belegt/widerlegt die Dauerhaftigkeit der Argumentation anhand kurzfristiger Richtigkeit zur Historie, jedoch langfristiger Fehlerhaftigkeit anhand des historischen Geschehens.

Das wesentliche Problem ist die hierbei die Schlüssigkeit der eigenen Argumentation. Erstens muss man wissen, warum man gleicher oder verschiedener Meinung ist. Zweitens muss man einen begründbaren Aspekt nennen, warum dem so ist.

Drittens muss man darlegen/erklären, warum die Texte der eigenen Meinung nach Fehler aufweisen oder ,,richtig liegen" - und zwar entweder durch die bereits zuvor angesprochenen Textanalysen oder historischen Geschehnisse und Entwicklungen.

Die Argumentation der eigenen Meinung bleibt dem Verfasser nicht erspart, das heißt: Man muss eine eigene Meinung haben und sich erklären!

1. Einleitung

1. Titel der Quelle 1 (Was?)
2. Autor (Wer?): Name, persönliche Daten, Status/Beruf/Vita (kurz!!!)
3. Zeitpunkt (Wann?)
4. Art der Quelle: z.B. Zeitungsartikel o.ä. (Wie?)
5. Vorwegnahme der Intention des Autors und der These (Warum?)

Beispiel: Adam Smith, ,,Untersuchungen über Natur und Ursprung des Volkswohlstandes", Kluxen, Wandel der englischen Landwirtschaft in der vorindustriellen Phase und de Saint-Fond, Tagebuchaufzeichnungen einer Reise nach England

>> Im folgenden soll anhand dreier Quellen die Kausalität der Industrialisierung mit dem sogenannten ,,Volkswohlstand" in Verbindung gebracht werden. Die vorliegenden Quellen behandeln die Anfänge der Industrialisierung in ihren Ursachen und Wirkungen auf die Volkswirtschaft.

Adam Smith, britischer Ökonom im ausgehenden 18. Jahrhundert erörtert in seinem 1776 verfassten Text ,,Untersuchungen über Natur und Ursprung des Volkswohlstandes" (Braunschweig 1949) die Vorzüge der Freien Marktwirtschaft auf der Grundlage eines ,,Naturzustandes" (Zeile 2): ,,Verfolgt [der Einzelne] nämlich sein eigenes Interesse, so fördert er damit indirekt das Gesamtwohl viel nachhaltiger, als wenn die Verfolgung des Gesamtinteresses unmittelbar sein Ziel gewesen wäre." (Zeilen 17f.). Smith spricht sich für die Freie Marktwirtschaft aus und kommt zu dem Schluss, dass ,,jede künstliche [...] Maßnahme [...] die Kapitalien in [die] falsche Richtung [lenkt]" und somit nicht dem ,,natürlichen Gang der Entwicklung" folgt.

[...]


[1] Der besseren Lesbarkeit wegen wird im weiteren auf eine Verwendung von weiblichen und männlichen Begriffen verzichtet.

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Details

Titel
Vergleichende Textanalyse (Methodik und Beispiel)
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V18615
ISBN (eBook)
9783638229234
ISBN (Buch)
9783656717478
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Methodik einer vergleichenden Textanalyse: Diese vergleichende Textanalyse habe ich als Musterexemplar für einen Freund geschrieben, der methodische Probleme bei der Analyse historischer Quellen und ihrer Einbindung in den historischen Kontext hat.
Schlagworte
Vergleichende, Textanalyse, Beispiel)
Arbeit zitieren
Robin Grüe (Autor), 2001, Vergleichende Textanalyse (Methodik und Beispiel), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18615

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