Viele Autoren bzw. Forscher der empirischen Sozialwissenschaften versuchen, ihr Forschungsfeld – hier Forschungsdesigns im Forschungsprozess – zu klassifizieren. Unterschiedliche Abgrenzungskriterien werden herangezogen, um einer Einordnung annähernd gerecht zu werden. Jedoch kann keiner dieser Klassifizierungsversuche als befriedigend bewertet werden, da es in jedem Forschungsfeld Aspekte geben wird, die für den einen Forscher relevant und für den anderen zu vernachlässigen sind (Atteslander 2003:63). Forschungsdesigns lassen sich nach der Kausal- oder Zeitdimension sowie nach den Untersuchungseinheiten oder gar der Umgebung differenzieren, was in dieser Arbeit hauptsächlich versucht wird zu beschreiben: in Abschnitt 3.1 und 3.2 werden die in der Literatur am häufigsten erwähnten Designs der quantitativen und qualitativen Forschung näher erläutert. In Abschnitt 3.3 wird näher auf die Differenzierung nach den Güte- und Relevanzkriterien der Ergebnisse von REUBER und PFAFFENBACH eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsdesign: Begriffsdefinition
3. Forschungsdesigns der quantitativen und qualitativen Forschung
3.1. Quantitative Forschungsdesigns
3.1.1 Echte experimentelle Designs
3.1.2 Quasi-experimentelle Designs
3.1.3 Ex-post-facto-experimentelle Designs
3.2. Qualitative Forschungsdesigns
3.2.1 Fallstudie und Vergleichsstudie
3.2.2 Retrospektive Studie, Momentaufnahme, Längsschnittstudie
3.3. Unterschiede zwischen quantitativen und qualitativen Ansätzen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die verschiedenen Forschungsdesigns der quantitativen und qualitativen Sozialforschung zu systematisieren und gegenüberzustellen, um die methodologischen Unterschiede und Einsatzbereiche in der empirischen Forschung zu verdeutlichen.
- Klassifizierung empirischer Forschungsdesigns nach Kausal- und Zeitdimensionen
- Definition des Begriffs Forschungsdesign im Forschungsprozess
- Differenzierung zwischen experimentellen, quasi-experimentellen und ex-post-facto-Designs
- Analyse qualitativer Ansätze wie Fall- und Vergleichsstudien
- Vergleichende Gegenüberstellung quantitativer und qualitativer Methodologien
Auszug aus dem Buch
3.1 Quantitative Forschungsdesigns
Quantitative Methoden sind solche, die mit mathematisch-statistischen Analyseverfahren arbeiten. Mit ihnen versuchen Forscher, Alternativhypothesen anhand harter, objektiver Vorgehensweisen auszuschließen (Reuber/Pfaffenbach 2005:34). Durch die starke Konzentration auf die Theorie und somit der Präferenz der Methode vor dem Forschungsgegenstand wird diese Art von Forschungsansatz oft kritisiert. Standardisierung und Quantifizierung generieren häufig nur noch Scheinobjektivität (Atteslander 2003:83).
3.1.1 Echte experimentelle Designs
Die in Kapitel 2 genannten Störfaktoren können nur von echten experimentellen Designs systematisch kontrolliert werden. Auf diesem Weg lässt sich eine Vielzahl möglicher Alternativhypothesen ausschließen (Schnell et al. 2005:224).
Echte experimentelle Designs sind dann notwendig, wenn innerhalb einer Hypothese eine Veränderung des Verhaltens aufgrund einer unterschiedlichen Behandlung der Merkmalsträger vorausgesagt wird. Nur bei diesem Design wird vor der Datenerhebung von Vergleichsgruppen eine ausführliche Überprüfung der unabhängigen Variablen (Kausalfaktor) vorgenommen. Die Zuordnung der Probanden zu den Vergleichsgruppen ist zufällig (Randomisierung). Wichtig ist, dass ‚gleiche‘ Personen in eine Gruppe eingeteilt werden (Matching). Diese Vorgehensweise des Ausschlusses personenbezogener Effekte findet unter Laborbedingungen statt. Demzufolge nennt man dieses echte experimentelle Design Laborexperiment (Raithel 2006:49-50). Die Untersuchung findet unter „planmäßig vereinfachten, ‚reinen‘ Bedingungen [statt]“ (Atteslander 2003:200).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Herausforderung der Klassifizierung von Forschungsdesigns ein und skizziert das Ziel der Arbeit, quantitative und qualitative Ansätze näher zu beleuchten.
2. Forschungsdesign: Begriffsdefinition: Dieses Kapitel definiert den Begriff Forschungsdesign als zentralen Plan für die Datensammlung und Analyse sowie als Instrument zur Kontrolle von Störfaktoren.
3. Forschungsdesigns der quantitativen und qualitativen Forschung: Hier werden die verschiedenen methodischen Ausgestaltungen von Forschungsdesigns für beide Forschungsrichtungen detailliert dargestellt und verglichen.
3.1. Quantitative Forschungsdesigns: Dieser Abschnitt erläutert die mathematisch-statistischen Ansätze und unterscheidet zwischen echten, quasi- und ex-post-facto-experimentellen Designs.
3.1.1 Echte experimentelle Designs: Fokus auf Randomisierung und Laborkontrolle zur systematischen Ausschließung von Störfaktoren.
3.1.2 Quasi-experimentelle Designs: Darstellung von Feldexperimenten, bei denen eine Randomisierung der Probanden nicht möglich ist.
3.1.3 Ex-post-facto-experimentelle Designs: Erklärung von nicht-experimentellen Designs, bei denen Ursachen nach dem Eintreten eines Sachverhalts analysiert werden.
3.2. Qualitative Forschungsdesigns: Beschreibung der subjektorientierten Forschungswege, die durch Offenheit und geringe Standardisierung gekennzeichnet sind.
3.2.1 Fallstudie und Vergleichsstudie: Erläuterung der detaillierten Untersuchung einzelner Fälle sowie des Vergleichs spezifischer Ausschnitte über mehrere Fälle hinweg.
3.2.2 Retrospektive Studie, Momentaufnahme, Längsschnittstudie: Übersicht über zeitliche Dimensionen in der qualitativen Forschung, von biographischen Rekonstruktionen bis zu Prozessanalysen.
3.3. Unterschiede zwischen quantitativen und qualitativen Ansätzen: Zusammenfassender Vergleich der methodischen Unterschiede hinsichtlich Datenerhebung, Auswertung und Gütekriterien.
4. Fazit: Das Fazit resümiert die Eigenständigkeit beider Forschungsansätze und diskutiert die Möglichkeiten sowie Schwierigkeiten bei einer methodischen Integration.
Schlüsselwörter
Forschungsdesign, quantitative Forschung, qualitative Forschung, empirische Sozialforschung, Laborexperiment, Feldexperiment, Fallstudie, Vergleichsstudie, Randomisierung, Störfaktoren, Datenerhebung, Methodik, Validität, Wissenschaftstheorie, Forschungsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der systematischen Darstellung und dem Vergleich von Forschungsdesigns in der quantitativen und qualitativen empirischen Sozialforschung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition von Forschungsdesigns, die verschiedenen Ausprägungen experimenteller Designs (z.B. Labor- vs. Feldexperimente) sowie qualitative Strategien wie Fallstudien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erläuterung der häufigsten Forschungsdesigns und die Verdeutlichung der Unterschiede zwischen den quantitativen und qualitativen Herangehensweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um die existierenden Klassifikationen und Forschungsdesigns aus der Fachliteratur zusammenzutragen und zu strukturieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung quantitativer Designs (echte, quasi- und ex-post-facto-Experimente), qualitativer Designs (Fall- und Vergleichsstudien) und eine vergleichende Synopse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Forschungsdesign, quantitative Methode, qualitative Methode, empirische Sozialforschung und Kausalanalyse.
Warum sind echte experimentelle Designs so wichtig für die Kontrolle von Störfaktoren?
Sie ermöglichen durch Randomisierung und kontrollierte Laborbedingungen die systematische Ausschließung alternativer Erklärungen, was bei anderen Designs nur schwer erreichbar ist.
Was unterscheidet Fallstudien von quantitativen Vergleichsstudien?
Fallstudien fokussieren auf die Rekonstruktion und tiefe Beschreibung eines Einzelfalls, während quantitative Ansätze eher auf statistische Repräsentativität abzielen.
- Arbeit zitieren
- Isabella Melchert (Autor:in), 2010, Forschungsdesigns der quantitativen und qualitativen Forschung im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186950