In der vorliegenden Bachelorarbeit, mit dem Titel „Die kunstgeschichtlichen Bezüge in den Inszenierungen von John Galliano“, geht es um die Modeinszenierungen des Designers John Galliano.
Das Ziel dieser Bachelorarbeit ist die Untersuchung der Modeschauen auf kunstgeschichtliche Bezüge. Zum Verständnis John Gallianos wird mit einer kurzen Biographie eingeleitet. Danach wird eine Einführung zur Geschichte der Modeschauen gegeben. Dem folgt die Erläuterung des Unterschiedes zwischen einer Modenschau und einer Modeinszenierung. Anschließend widmet sich der Hauptteil der Bachelorarbeit der Analyse der Modeinszenierungen.
Ziel ist es zu erörtern, welche Kulturgeschichte durch die Inszenierung rekonstruiert wird. Dabei gilt es insbesondere hinsichtlich der Zitate herauszufinden, warum er auf gewählte Künstler Bezug nimmt und welche Aussage er insgesamt mit dieser Inszenierung in der Gegenwart machen möchte.
Meine Fragestellung hat eine große Relevanz, weil die Annäherung von Kunst und Mode ein aktuelles Thema ist. Die Auseinandersetzung von Künstlern mit Mode und Modedesignern mit Kunst, ist ein viel diskutiertes Thema. Zeitschriften wie „Texte zur Kunst“ (Juni 2010) oder „Weltkunst“ (Februar 2011) setzen sich mit diesem Thema auseinander.
Zudem gab es aktuell zu diesem Dialog zwischen Kunst und Mode eine Ausstellung vom 28. April – 24. Juli 2011 in Moskau im Pushkin- Museum mit dem Titel „Inspiration Dior“ . Dort wurden 60 Kunstwerke von berühmten Malern mit Kleidern von dem Modehaus Christian Dior in Relation gestellt, um die Parallelen zwischen beiden Kulturprodukten darzulegen. In diesem Kontext scheinen kunstgeschichtliche Zitate und Anleihen für jeden Betrachter in jeder Modenschau von Galliano auf, wurden aber bisher nicht systematisch erkundet. Mit dieser Bachelorarbeit möchte ich dazu einen ersten Schritt tun.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Biografie von John Galliano
2.1 Das Kind
2.2 Der Student
2.3 Der Designer
3 Kurze Geschichte der Modeschauen
4 Modeinszenierungen
4.1 Allgemeine Definition einer Modeinszenierung
4.2 Die Bedeutung von geschichtlichen Bezügen in Modeinszenierungen
4.3 Die geschichtliche Thematik in Gallianos Inszenierungen
5 Das Frankreich Ende des 18. Jahrhunderts
5.1 Der geschichtliche Hintergrund
5.2 Der kunstgeschichtliche Hintergrund
5.3 Die Inszenierungen
5.3.1 Inszenierung John Galliano “Les Incroyables” 1984
5.3.1.1 Beschreibung
5.3.1.2 Analyse
5.3.2 Inszenierung Christian Dior Spring 2006
5.3.2.1 Beschreibung
5.3.2.2 Analyse
6 Die Beziehung Frankreich und Englands Ende des 18. Jahrhunderts
6.1 Der geschichtliche Hintergrund
6.2 Der kunstgeschichtliche Hintergrund
6.3 Inszenierung John Galliano Spring 2009
6.3.1 Beschreibung
6.3.2 Analyse
7 Die Belle Époque Ende des 19. Jh. Und die Rolle der Femme fatale
7.1 Der geschichtliche Hintergrund
7.2 Der kunstgeschichtliche Hintergrund
7.3 Der Typus der Femme fatale
7.4 Die Inszenierungen
7.4.1 Inszenierung Christian Dior Spring 2008
7.4.1.1 Beschreibung
7.4.1.2 Analyse
7.4.2 Inszenierung Christian Dior Spring 1997
7.4.2.1 Beschreibung
7.4.2.2 Analyse
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Modeschauen des Designers John Galliano im Hinblick auf deren kunstgeschichtliche Bezüge und analysiert, wie diese als Modeinszenierungen zur Rekonstruktion historischer Kulturgeschichte und zur Reflexion aktueller gesellschaftlicher Strömungen genutzt werden.
- Biografie und kreativer Werdegang von John Galliano
- Differenzierung zwischen Modenschau und Modeinszenierung
- Analyse der kunsthistorischen Einflüsse auf Gallianos Kollektionen
- Die Rolle der Epochen Frankreichs (18. und 19. Jahrhundert) in Gallianos Werk
- Untersuchung des Frauentypus der „Femme fatale“ in den Inszenierungen
Auszug aus dem Buch
5.3.1.2 Analyse
Mit dem Titel „Les Incroyables“ legt Galliano die geschichtliche Thematik auf die Epoche Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich fest. Galliano rekonstruiert in seiner Inszenierung den Zustand in Frankreich zu jener Zeit nach der Revolution.
Offensichtlich möchte Galliano die damalige Aufruhrstimmung nach der Revolution wiedergeben. Beispiele hierfür sind die überschwänglichen Bewegungen der Models. Insbesondere die Gestik der ausgestreckten Arme und die außer Acht gelassene Choreographie unterstützen diese These. Die Stöcke in den Händen der Models als Accessoires sollen die revolutionäre Stimmung betonen und an die Stürmung der Schlösser zu jener Zeit erinnern. Die rockige Musik betont in der Inszenierung die damals vorherrschende Anarchie.
Die medialen Aspekte, wie Beleuchtungstechnik und Dekoration, sind in der Inszenierung gering. Die Begründung liegt darin, dass diese Modenschau Gallianos Abschlussarbeit ist und im universitären Rahmen stattfindet. Den Bezug zu dem Frankreich im 18. Jahrhundert stellt er, neben der Gestik der Models und der lauten Musik, anhand des Designs der Kleidungsstücke her.
Zur Verwirklichung der damaligen Modetraditionen entnimmt Galliano die Schnittmuster für die Kleidungsstücke aus Gemälden und Karikaturen, die aus der Zeit jener Epoche stammen. An dem Gemälde „Madame Récamier auf einer Recamiere“ (Abb. 4) von Jacques-Louis David lässt sich sehr gut die Parallele zu Gallianos Kollektion aufzeigen. Madame Récamier trägt auf dem Gemälde ein Chemisenkleid, das der damaligen Modetradition entspricht. Definiert waren diese Kleider durch die Naht unter der Brust, die knappen Ärmel und den hauchdünnen, weißen Stoff. In der Kollektion ist ein solches Chemisenkleid (Abb. 5) vorhanden, mit dem Unterschied, dass die nackte Haut durchschimmert und das Kleid zerrissen wirkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definition des Themas und Zielsetzung der Bachelorarbeit zur Untersuchung kunstgeschichtlicher Bezüge in den Modeinszenierungen von John Galliano.
2 Die Biografie von John Galliano: Darstellung des Lebensweges von der Kindheit über das Studium bis hin zum beruflichen Erfolg als Modedesigner.
3 Kurze Geschichte der Modeschauen: Historischer Abriss der Entwicklung der Modepräsentation von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zur modernen Laufstegshow.
4 Modeinszenierungen: Theoretische Abgrenzung der Modeinszenierung von der klassischen Modenschau und Erläuterung der Bedeutung geschichtlicher Kontexte.
5 Das Frankreich Ende des 18. Jahrhunderts: Analyse der politischen und kunstgeschichtlichen Hintergründe der Französischen Revolution und deren Umsetzung in zwei spezifischen Kollektionen.
6 Die Beziehung Frankreich und Englands Ende des 18. Jahrhunderts: Untersuchung der historischen Spannungen und Versöhnungsgedanken zwischen beiden Ländern und deren Reflexion in einer Galliano-Inszenierung.
7 Die Belle Époque Ende des 19. Jh. Und die Rolle der Femme fatale: Analyse des gesellschaftlichen Wandels der Belle Époque und des Frauenbildes im Fin de Siècle sowie deren Darstellung in zwei Dior-Inszenierungen.
8 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der These, dass Galliano Kunstgeschichte nutzt, um aktuelle gesellschaftliche Themen dekonstruktivistisch zu inszenieren.
Schlüsselwörter
John Galliano, Modeinszenierung, Kunstgeschichte, Französische Revolution, Belle Époque, Femme fatale, Dekonstruktivismus, Christian Dior, Kulturgeschichte, Modetradition, Ästhetik, Inspiration, gesellschaftlicher Wandel, Epochen, Inszenierungsstil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der Modedesigner John Galliano kunstgeschichtliche und historische Ereignisse als Basis für seine aufwendigen Modeinszenierungen verwendet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Zusammenspiel von Mode und Kunst, die Rekonstruktion historischer Epochen wie der Französischen Revolution und der Belle Époque sowie die mediale Gestaltung einer Modeschau.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum Galliano systematisch Bezug auf bildende Künstler und vergangene Epochen nimmt, um seine aktuelle Mode zu kontextualisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Modeinszenierungen (mediale Elemente wie Musik, Beleuchtung, Choreografie) und vergleicht diese mit kunstgeschichtlichen Referenzen und historischem Hintergrundwissen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Epochenanalysen: das Frankreich Ende des 18. Jahrhunderts, das Verhältnis zwischen Frankreich und England Ende des 18. Jahrhunderts sowie die Belle Époque und die Rolle der Femme fatale.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Modeinszenierung, Kunstgeschichte, John Galliano, Dekonstruktivismus, Historische Bezüge und Belle Époque.
Wie unterscheidet sich eine Modeinszenierung von einer klassischen Modenschau?
Während bei einer regulären Modenschau primär die Kollektion und das Produkt im Vordergrund stehen, zeichnet sich eine Modeinszenierung durch ein mediales Gesamtkunstwerk aus, bei dem Beleuchtung, Musik und eine spezifische narrative Inszenierung die Aussage des Designers transportieren.
Welche Bedeutung hat das Konzept der „Femme fatale“ in den untersuchten Inszenierungen?
Das Konzept dient als zentraler Frauentypus, der Unabhängigkeit, Verführung und Gefahr verkörpert und den Galliano nutzt, um gesellschaftliche Rollenbilder und deren historischen Ursprung im Fin de Siècle zu reflektieren.
Welchen Einfluss hatte der Dekonstruktivismus auf Gallianos Arbeit?
Galliano nutzt dekonstruktivistische Ansätze, indem er klassische Schnittmuster aus historischen Vorlagen nimmt und diese absichtlich deformiert oder neu zusammensetzt, um sich von traditionellen Normen zu lösen.
Wie beeinflussen aktuelle politische Ereignisse Gallianos historische Inszenierungen?
Galliano nutzt die Parallelen zwischen vergangenen Unruhen (z.B. Revolutionen) und zeitgenössischen Krisen (wie soziale Unruhen im Jahr 2005), um seine Mode als Kommentar zum aktuellen Weltbild zu legitimieren.
- Arbeit zitieren
- Nihan Aydin (Autor:in), 2011, Die kunstgeschichtlichen Bezüge in den Inszenierungen von John Galliano, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187042