Progressive Pietism Worship

Lobpreis und Anbetung in einer pietistisch-evangelikalen Freikirche – Entwicklung, Problemfelder und Potential


Seminararbeit, 2011

24 Seiten, Note: 1-


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entwicklung der Gemeinde
2.1 Kurzer geschichtlicher Abriss
2.2 Chrischona Stammheim heute
2.3 Besucherstruktur

3 Vorhandene Arbeitshilfen/Tools
3.1 Gemeindevision 2011+
3.2 Gottesdienstkonzept 2011+
3.3 NGE Gemeindeprofil
3.4 Tabellarische Zusammenfassung

4 Lobpreis in der Gemeinde
4.1 Musik in der Gemeinde bis 2005
4.2 Organisationsstruktur bis 2010
4.3 Konzept „Ecclesia semper reformanda“

5 Problemfelder und Potential
5.1 Umfrage zum Thema Lobpreis
5.2 Problemfeld 1: Liedgut
5.3 Potential: Generationenübergreifendes Projekt Anbetung
5.4 Problemfeld 2: Liedersingen oder Anbetungszeit
5.5 Potential: Verständnis schaffen
5.6 Weiteres Vorgehen

6 Fazit
6.1 Persönlicher Nutzen

7 Bibliographie
7.1 Materialien aus der Chrischona Gemeinde Stammheim
7.2 Internet
7.3 Abbildung

1 Einleitung

Das Loben Gottes gehört sowohl in evangelischen wie auch in evangelikalen und pfingstlichen Gemeinden seit je her zum Gottesdienst dazu. Während grundsätzlich darüber Einigkeit besteht, dass Gott unser Lob verdient, so scheiden sich die Geister, wenn über Art und Form dieses Lobes diskutiert wird: „Anbetung ja – aber nicht so: Was im Gottesdienst über die Bühne geht, gibt viel zu reden. Manche Gläubige stossen sich am Lobpreis ihrer Gemeinde, dem Liedgut, dem Auftritt, dem Sound…“[1].

In den meisten Gemeinden wurde die Orgel durch eine moderne Bandbesetzung, das Harmonium durch ein Mischpult und die Liederbücher durch einen Beamer ersetzt. War vor Zeiten der Organist als Einzelner für die gesamte musikalische Umrahmung des Gottesdienstes besorgt, so sind durch diese heutigen Neuerungen viele verschiedene Gemeindeglieder in den Dienst des Lobpreises eingebunden und stellen ihre Fähigkeiten zur Verfügung. Diese Neuerungen, welche in der postmodernen Zeit immer schneller vonstattengehen, führen in den Gemeinden oft zu Konflikten, insbesondere zwischen jüngeren und älteren Gemeindegliedern. Die Jungen hätten gerne Musik en vogue, die Älteren fühlen sich übergangen und mit dem neuen Musikstil oft überfordert oder vermissen das altvertraute Liedgut.

Dem Verfasser dieser Arbeit ist es ein ehrliches Anliegen, dass die Gemeinde sich als Ganzes, Alt und Jung zusammen, auf den Weg machen kann, um Gott zu loben und dabei bruchstückhaft mehr von seinem unfassbaren Wesen zu erkennen. Dazu hat er im September 2010 bei der Gemeindeleitung ein schriftliches Konzept zur Neugestaltung des Bereiches „Lobpreis“ eingereicht und die Leitung des Bereiches im Mai 2011 übernommen. Ziel der vorliegenden Konzeption soll es sein, diesen Bereich im Gesamtkontext der Gemeinde kritisch zu beleuchten und daraus sich ergebende Schlüsse in diesem Bereich wo möglich umzusetzen. Dazu wurde nebst persönlichen Gesprächen mit Gemeindemitgliedern auch eine breit gestreute Umfrage innerhalb der Chrischona Stammheim[2] durchgeführt, deren Ergebnisse Eingang in diese Arbeit finden.[3]

2 Entwicklung der Gemeinde

Um einen Gesamtüberblick zur Gemeindesituation zu erhalten, ist es unumgänglich, den Blick zuerst auf die Prägung und Geschichte der Gemeinde zu lenken. Dies schafft auch ein Verständnis für allfällig vorhandene Problematiken.

Die Chrischona Gemeinde Stammheim ist eine von rund 100 Chrischona Gemeinden in der Schweiz.[4] Die evangelikalen[5] Freikirchen in pietistischer Tradition[6] sind als Verein organisiert und ihrerseits dem Verein „Chrischona Gemeinden Schweiz“ angegliedert. Die ersten Chrischona Gemeinden entstanden bereits im Jahr 1869, als zwei Absolventen des Theologischen Seminars St. Chrischona in Basel, in den Kantonen Thurgau und Graubünden evangelistisch tätig wurden.[7] 70 Jahre später standen bereits 61 Prediger im Einsatz. Heute sind rund 150 Männer und Frauen im voll- oder teilzeitlichen Dienst einer Chrischona Gemeinde angestellt, wobei die meisten ihr theologisches Studium auf St. Chrischona absolviert haben. Nachdem sich die Chrischona Gemeinden zuerst als Gemeinschaften neben den Landeskirchen und als Ergänzung zu ihr verstanden, so sind sie heute als eigenständige Freikirchen anerkannt und Mitglied der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA.

2.1 Kurzer geschichtlicher Abriss

Bereits 1870, nur ein Jahr nach dem ersten Wirken der beiden evangelikalen Pioniere und ehemaligen Studenten auf St. Chrischona, wurden die Dörfchen Ober- und Unterstammheim von Marthalen, Frauenfeld und Stein am Rhein aus seelsorgerisch bedient. Dies geschah unter Anderem durch niemand geringeren als C.H. Rappard, welcher bald darauf der Nachfolger von C.F. Spittler, Begründer der Pilgermission, wurde. Der Boden für diese Tätigkeit wurde bereits früher gelegt, wenn in der „Geschichte von Stammheim“ zu lesen ist, dass sich im Dorf ein Bedürfnis nach bibeltreuer Auslegung der Bibel regte.[8] Die Gründerfamilien vermissten die bibeltreue Schriftauslegung durch den damaligen liberalen Pfarrer Farner und schlossen sich zusammen, um wenigstens einmal monatlich durch einen bibeltreuen Prediger die rechte Lehre zu empfangen.[9] Die Versammlungen fanden anfänglich im Haus einer der Gründerfamilien statt und waren sehr unkompliziert: „Bruder Graf von Wagenhausen brachte jeweils den Seelsorger per Fuhrwerk oder Schlitten nach Stammheim.“[10] Mit der Zeit spaltete sich diese Versammlung vollständig von der Landeskirche ab, weil die Versammlungsteilnehmer nicht mehr hinter der verkündigten Lehre in der Kirche Stammheim stehen konnten.[11]

1898 konnte in Stammheim das erste eigene Lokal, die „Kapelle“ eingeweiht werden.[12] Die Gemeinde Stammheim wurde jedoch weiterhin von Stein am Rhein aus betreut. Erst 1969 wurde das Arbeitsfeld aufgeteilt und Stammheim erhielt zusammen mit dem nahegelegenen Diessenhofen einen eigenen Prediger. Nach diversen Umbauten und Renovationen der „Kapelle“ konnte schliesslich 1992, bald 100 Jahre nach dem Bezug des ersten Gebäudes, das neue Objekt in Oberstammheim, in welchem sich auch eine Predigerwohnung befindet, bezogen werden. Kurze Zeit davor erhielt die Gemeinde Stammheim einen eigenen Prediger und war nun in toto eigenständig.

2.2 Chrischona Stammheim heute

Die Chrischona Gemeinde Stammheim liegt im sogenannten „Stammertal“, welches sich aus drei politischen Gemeinden mit insgesamt rund 2700 Einwohnern zusammensetzt.[13] Das Einzugsgebiet der Chrischona ist jedoch weit grösser und erreicht einen Radius von rund zehn Kilometern. Die Gegend ist von der Landwirtschaft geprägt, wobei insbesondere der Weinbau eine herausragende Stellung einnimmt.

Die Einwohner von Stammheim und Waltalingen vertreten allgemein eher konservative Werte, was sich unter anderem in den Abstimmungsresultaten kantonaler und nationaler Wahlen deutlich zeigt.[14] Die Bevölkerung gibt sich bodenständig, viele Leute arbeiten im örtlichen Kleingewerbe.

In Unterstammheim gibt es eine evangelische Landeskirche. Zu dieser wird seit der Abspaltung der Chrischona alles in allem ein guter Kontakt gepflegt. Schon 1970 wurden Allianzwochen durchgeführt. Auch gemeinsame Bibelstunden fanden statt und im Jahre 1973 bildete eine Evangelisation im Kollektiv mit der Landeskirche wohl den Höhepunkt der Zusammenarbeit.[15] Heute finden jährlich drei gemeinsame Gottesdienste zusammen mit der Landeskirche und der in Oberstammheim ansässigen katholischen Kirche statt. Andere Freikirchen sind im Einzugsgebiet der Chrischona Stammheim keine bekannt.

2.3 Besucherstruktur

Der Verein der Chrischona Stammheim zählt zurzeit 76 Mitglieder. Im Jahr 2007 waren durchschnittlich 87 erwachsene Gottesdienstbesucher anwesend. Diese Zahl nahm bis ins Jahr 2010 mit 83 Frequentanten leicht ab.[16] Gemäss Daten der Umfrage[17] verteilt sich diese Zahl auf rund 43% Besucher und 57% Besucherinnen. Die zahlenmässig stärkste Altersgruppe liegt im Alter zwischen 40-59 Jahren (45%). Die 20 bis 39 Jährigen stellen 30% aller Besucher. 63% der 14-29 Jährigen besuchen den Gottesdienst schon länger als zehn Jahre. Dabei handelt es sich wohl meist um Personen, deren Eltern schon die Chrischona Stammheim besucht haben und demzufolge in der Gemeinde aufgewachsen sind.

Der Gottesdienst wird sehr regelmässig besucht. Mehr als zwei Drittel besuchen den Gottesdienst wöchentlich, rund ein Drittel kommt mindestens zweimal monatlich in den Gottesdienst.

3 Vorhandene Arbeitshilfen/Tools

Wird in einer Gemeinde ein Bereich restrukturiert und durch bestimmte Massnahmen neu gestaltet, ist es eine grosse Hilfe, wenn Arbeitspapiere vorhanden sind, an denen man sich orientieren kann. Diese Tools werden während dem Prozess immer unter der Fragestellung gelesen, wie sich der zu verändernde Bereich, hier der Bereich „Lobpreis“, in diese Grundlagenpapiere einfügt. Werden gewisse Vorgaben gemacht, welche durch die Gemeindeleitung bereits beschlossen wurden und denen man sich unterzuordnen hat? Werden Ziele verfolgt, welche die Gemeinde als Ganzes auch anstrebt, oder würde der neue Arbeitsbereich völlig abseits stehen? Dazu werden im Folgenden drei Tools kurz vorgestellt.

3.1 Gemeindevision 2011+

Im Frühjahr 2011 entwarf die erweiterte Gemeindeleitung[18] der Chrischona Stammheim eine Gemeindevision.[19] Die Vision wurde bewusst kurz gehalten, um trotzdem viel Spielraum für die Gemeindearbeit zu haben. Unter dem Aspekt vorliegender Arbeit werden einige Punkte herausgegriffen.

Gemäss dieser Vision sollen die Angebote der Gemeinde ansprechend, zeitgemäss und alltagsrelevant sein und deshalb auf Nachfrage stossen. Die Angebote sollen weiter gästefreundlich sein. Als Auftrag wird unter anderem festgehalten, dass „… glaubende Menschen in eine wachsende und leidenschaftliche

Beziehung mit Gott (geführt werden), damit sie ihm von ganzem Herzen dienen.“[20] Weiter wird auf das Verbinden der Generationen grossen Wert gelegt.

3.2 Gottesdienstkonzept 2011+

Das Gottesdienstkonzept 2011+ entstand ebenfalls anfangs 2011 und befasst sich mit dem Rahmen, dem Ablauf, den Verantwortlichkeiten und Zielsetzungen im Gottesdienst. Über allem steht der Wunsch, „… dass Gott in unseren Gottesdiensten wirklich zu uns sprechen kann, wir ihn hören und verstehen können und dass wir dank den Gottesdiensten Veränderung erleben.“[21] Als Vision werden inspirierende Gottesdienste gesehen, mit Inhalten von guter Qualität und in zeitgemässem Stil. Dabei wird der Ausdruck „zeitgemäss“ im Anhang näher definiert als

„… Gestaltungsweise, welche uns von mehrheitsfähigen Radio- und Fernsehprogrammen bekannt ist und gelegentlich auch Mainstream genannt wird. … Wir spielen zeitgemässe, gelegentlich auch traditionelle Musik und singen Lieder mit gutem Text, vorzugsweise auf Deutsch.“[22]

Das Zielpublikum der Gottesdienste soll im Alter von 25-50 Jahren liegen. Dies wird aber nicht ausschliesslich, sondern lediglich als Richtlinie gesehen.[23] Der Bereich der Anbetung wird in einem separaten Punkt angesprochen. Der Sinn der Anbetung wird gesehen im Ehren Gottes. Weiter soll dem Besucher ermöglicht werden, Zeit vor Gott zu verbringen. Die Dauer wird bei 15-20 Minuten angesetzt.[24] Das Gottesdienstkonzept enthält schliesslich auch eine kurze Aufgabenbeschreibung des Musikleiters.

3.3 NGE Gemeindeprofil

Im Dezember 2009 wurde in der Chrischona Gemeinde ein NGE-Gemeindeprofil erstellt.[25] Durch gezielte Fragen, welche in Form von Fragebögen unter den Gottesdienstbesuchern verteilt wurden, sollte herausgefunden werden, welches der schwächste Faktor in der Gemeindearbeit ist, da die Gemeinde gemäss dem Begründer des Programms, Christian A. Schwarz, nur soweit wachsen kann, bis der sogenannte „Minimumfaktor“ erreicht ist.

Die Bereiche Leitung, Mitarbeiterschaft, Strukturen und Gottesdienst wurden hoch und damit positiv eingestuft. Als Minimumfaktor wurde die „Leidenschaftliche Spiritualität“ erkannt. Christian Schwarz schreibt zu diesem Faktor: „In einer Gemeinde, in der es an dieser Stelle hapert, wird die beste Methode der Welt versagen. Was nützt auch der modernste Motor, wenn der Benzintank leer ist, wenn die Energie fehlt?“[26] Die „Leidenschaftliche Spiritualität“ zeichnet sich aus durch einen Glauben in Hingabe, ein Feuer, einer Begeisterung für das, woran man glaubt. Die besten Strategien und Konzepte versagen, wenn das Feuer im Glauben nur noch glimmt oder bereits erloschen ist.[27]

3.4 Tabellarische Zusammenfassung

Die folgende Tabelle greift nochmals die für den Bereich der Musik relevanten Punkte aus den vorgestellten Konzepten heraus und stellt sie im Zusammenhang dar. Aus der Tabelle wird ersichtlich, dass Gemeindevision und Gottesdienstkonzept von ihren Inhalten her übereinstimmen und einige relevante Faktoren im Bereich Lobpreis sehr gut aufgegriffen werden können. Dabei soll immer auch das Zwischenziel der Förderung des Bereiches „Leidenschaftliche Spiritualität“ im Fokus stehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4 Lobpreis in der Gemeinde

Auf die theologische Bedeutung vom Lobpreis Gottes in Form von Musik kann an dieser Stelle aus Platzgründen nicht eingegangen werden.[28] Die Musik hat in der Geschichte der Chrischona Gemeinden und der Chrischona Stammheim im Speziellen jedoch schon immer eine Rolle gespielt. Stand früher die Orgelmusik mit Gesang vor allem als Hinführung zur Predigt im Vordergrund und wurde die Verkündigung des Wortes somit im Zentrum gesehen,[29] so entwickelte sich der Lobpreis über das Singen unkomplizierter Chorusse bis hin zur zeitgemässen Musik in Form von einfacher Popmusik und soll die Gemeinde in die Anbetung Gottes führen.

Rick Warren sieht den Bereich Lobpreis und Anbetung denn auch als einen der fünf Basiswerte im Gemeindebau und schreibt: „Gemeinden werden stärker durch Anbetung.“[30] Warren definiert die Anbetung Gottes mit der gesamten Gemeinde als „… feiern (von) Gottes Gegenwart im Lobpreis.“[31] Die Anbetungszeit steht somit als eigener Bestandteil des Gottesdienstes neben der Verkündigung und Bedarf ergo keiner Rechtfertigung oder Begründung im Sinne einer Hinführung zum Kerygma, da es schlussendlich darum geht, dass der Mensch als Geschöpf seinem Schöpfer Komplimente macht.[32] Denselben Gedanken, mit anderen Worten zusammengefasst, drückt der langjährige Pastor Jack Taylor aus. Gemäss ihm gibt es „… mindestens vier Grunddienste für den Leib Christi im allgemeinen (sic) und den Gläubigen im einzelnen (sic), nämlich die Dienste der ANBETUNG, des WORTES, des ZEUGNISSES und der ARBEIT.“[33]

4.1 Musik in der Gemeinde bis 2005

In der Chronik der Chrischona Gemeinde Stammheim findet sich eine erste Erwähnung gottesdienstlicher Musik bereits im Jahre 1896: „Erstes Zusammentreten von ‚Jünglingen und Jungfrauen‘ zu einem gemischten Chor.“[34] 1897 erhält der Chor seine Statuten und besteht aus sieben Sängern und zehn Sängerinnen. Dieses Vokalensemble wies schliesslich eine beinahe 100-jährige Tradition auf und bestand aus Mitgliedern der Gemeinden Stammheim und Diessenhofen. Der Chor wurde 1992 wegen Mitgliedermangel aufgelöst.

Im Vorwort des Gesangbuches „Volles Heil“, welches von der Pilgermission Chrischona 1957 speziell für die Jugend verlegt wurde, wird unter anderem die musikalische und geistliche Ausrichtung gottesdienstlicher Musik zur Mitte des letzten Jahrhunderts erkennbar wenn geschrieben steht:

„Als Gottes Aufgebot braucht sie (die Jugend, Anm. d. Verf.) für den missionarischen Einsatz in dieser Welt Lieder im Siegeston. … Übt euch bewusst und ernsthaft darin, die Texte der Lieder, also das Mark, innerlich zu erfassen, zu verarbeiten und auszuleben, d.h. nicht gedankenlos zu singen!“[35]

Daneben bestand ein Posaunenchor der Stammheimer Freikirche, welcher 1941 aufgrund von Nachwuchsproblemen (Absenzen durch Aktivdienst) aufgelöst werden musste.[36] Auch die Blasmusik hat in den Chrischona Gemeinden eine lange Tradition. In der Umgebung von Stammheim bestehen noch immer Posaunenchöre, welche bei festlichen Akten oder speziellen Gottesdiensten mitwirken.

Seit die Gottesdienste 1898 in der „Kapelle“ in Stammheim gefeiert werden konnten, war eine Orgel vorhanden. Diese wurde 1980 durch eine neue Orgel ersetzt. Auch beim Neubau, welcher 1992 bezogen wurde, schaffte man eine Orgel an, welche bis heute im Gemeindesaal steht. Noch im Jahre 1965 gehörten die vier Fächer „Musiktheorie“, „Chorleitung“, „Chorsingen“ und „Klavier/Harmonium“ zu den Pflichtfächern der Predigerausbildung auf St. Chrischona und nahmen einen grossen Teil der Ausbildung für sich in Anspruch.[37]

[...]


[1] Peter Schmid, „Himmel auf Erden“, publiziert unter http://www.livenet.ch/themen/kirche_und_co/christliches_

gemeindeleben/musik_und_lobpreis/186752-himmel_auf_erden.html vom 20.06.2011.

[2] Die persönlichen Gespräche erfolgten mit dem Ziel einer qualitativen Umfrage, die breiter gestreute schriftliche Umfrage, dagegen als quantitative Umfrage. Da der Bereich Lobpreis und Anbetung in der Chrischona Stammheim beschrieben werden soll, wurde das Teilnehmerfeld für die Umfrage bewusst auf diese Gemeinde eingeschränkt. Eine grossangelegte Umfrage zu diesem Thema, mit gut 4000 Teilnehmern aus dem deutschsprachigen Raum, wurde im Jahr 2010 durchgeführt. Siehe dazu: Clemens Mudrich, Umfrage zum Thema Lobpreis: Eine Empirische Studie über die persönlichen Vorlieben im Lobpreis, (Erzhausen: Theologisches Seminar Beröa, 2010).

[3] Die Veröffentlichung dieser Arbeit enthält aufgrund des Umfanges keine der erwähnten Anhänge. Diese können bei Bedarf beim Verfasser angefordert werden.

[4] Vgl. dazu und den folgenden Informationen in diesem Absatz: http://www.chrischona.ch/cms/Schweiz/de/cgch

/ma/portrait/1,100030,1212.-html vom 20.06.2011. Weltweit gibt es rund 190 Chrischona Gemeinden (DE, FR, Afrika). Siehe hierzu: Verfasser unbekannt, „Pietismus heute: Wenn alles komplizierter wird“, idea-Spektrum 26 (2011): 26.

[5] Der Begriff „Evangelikal“ wird in vorliegender Arbeit als Frömmigkeitsbewegung verstanden, in Abgrenzung zu pfingstkirchlich geprägten oder zu den, landläufig „charismatisch“ genannten Gemeinden. Dies schliesst mit ein, dass z.B. den Geistesgaben nach 1Kor 12 oder der Zungenrede nach 1Kor 14 grundsätzlich ein nicht sehr hoher Stellenwert beigemessen wird. Obwohl diese Gaben nicht ausgeschlossen werden, so werden sie zumindest auch nicht explizit gefördert. Siehe dazu die beiden Grundsatzpapiere der Chrischona Gemeinden Schweiz: Edgar Schmid, Frucht und Gaben des Heiligen Geistes: Fragen um das Wirken des Heiligen Geistes heute, (Basel: St. Chrischona, 1983) und: Leitungsgremien FEG, St. Chrischona und VFMG, Leitlinien für den Umgang mit dem neuen Fragen nach dem Heiligen Geist, (Basel: St. Chrischona, 1994). Natürlich gibt es in einzelnen Gemeinden immer auch abweichende Ansichten. Hier kommt es stark auf die Prägung und Frömmigkeit des Pastors an. Der Schwerpunkt evangelikaler Gemeinden liegt in der Mission, der persönlichen Evangelisation und dem diakonischen Engagement. Vgl. dazu: R. Hille, „Evangelikal“, LThG, Bd. 1, 561.

[6] „Die Pilgermission gehört zum breiten Strom des Pietismus, der vor allem durch das Wirken Philipp Jakob Speners um 1670 in Erscheinung trat und sich in Mitteleuropa ausbreitete.“ (Martin Liedholz und Thomas Richner [Hg.], Wenn Gottes Liebe Kreise zieht: 150 Jahre Pilgermission St. Chrischona 1840-1990, [Giessen: Brunnen Verlag, 1990], 6.). Und Hans Staub, ehemaliger Direktor der Pilgermission von 1947 bis 1967, schrieb 1965: „Und schliesslich wollte der Pietismus und damit auch die Führer der Gemeinschaftsbewegung und unseres Werkes es halten mit dem Wort des Apostels Paulus vom ‚Glauben, der durch die Liebe tätig ist‘. Darum sind denn auch aus dem Wurzelgrund des Pietismus eine Fülle von missionarischen und diakonischen Werken entsprossen.“ (Hans Staub [Hg.], Wir sind sein Werk: 125 Jahre Pilgermission St. Chrischona bei Basel, [Giessen: Brunnen Verlag, 1965], 13.). Der Evangelikalismus wurzelt denn auch im Pietismus des 17. Jh., wobei die Pilgermission St. Chrischona als grösstes pietistisches Werk im deutschsprachigen Raum bezeichnet wird und zugleich als ältestes Werk dieser Glaubensrichtung. Siehe dazu: idea-Spektrum, a.a.O., 26.

[7] 1840 begründete C.F. Spittler in der ehemaligen Wallfahrtskirche mit dem Namen „St. Chrischona“ auf dem Hausberg von Basel die Pilgermission St. Chrischona, indem er dort junge Handwerker theologisch ausbildete und als Missionare in die Welt schickte. Heute umfasst die Pilgermission sieben Arbeitsbereiche. U.a. den Brunnen Verlag Basel mit den Verkaufsgeschäften „Bibel-Panorama“, die Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel (amzi), die Schwesternschaft des Diakonissen-Mutterhauses St. Chrischona und als grössten Zweig das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc). Ein weiterer Bereich stellt der Verein Chrischona Gemeinden Schweiz dar, zu dem sich wiederum die einzelnen Ortsgemeinden zählen. Siehe dazu: Pilgermission St. Chrischona, Jahresbericht 2010, (Basel: Pilgermission St. Chrischona, 2011), 3. Zur Organisation der Pilgermission vgl. auch: http://www.chrischona.org/cms/org/de/pm/ma/verband/1,100000,89.html vom 20.06.2011.

[8] Chronik der Chrischona Gemeinde Stammheim “, (Stammheim: Chrischona, 1992), 1.

[9] Diese Angaben entstammen einem Gespräch vom 21.06.2011 mit einem Nachkommen der dritten Generation einer der Gründerfamilien. Der Name ist dem Verfasser bekannt.

[10] „Die Geschichte unserer 75-Jahre-alten Kapelle Stammheim“, Ort, Jahr und Verfasser unbekannt, 1.

[11] Gemäss einem Gespräch mit Peter Zeller, Ältestenrat der Chrischona Gemeinde Stammheim, zeichnet sich diese definitive und bewusste Abspaltung von der Kirche zum Teil bis heute ab, wenn die Mitglieder der Chrischona Gemeinde durch die anderen Dorfbewohner als eher für sich lebend gesehen werden. Dies wirkt sich wiederum aus auf evangelistische Aktivitäten. Das Gespräch fand am 21.06.2011 statt. Eine ähnliche Ansicht kommt auch in folgender Frage an Dr. Markus Müller, Direktor der Pilgermission Chrischona, anlässlich eines Interviews zum Ausdruck: „Es heisst, Chrischona Gemeinden fehle es häufig an Ausstrahlungskraft, um von den Bürgern eines Ortes überhaupt wahrgenommen zu werden. Was sollte sich hier ändern?“ Siehe dazu: idea-Spektrum, a.a.O., 28.

[12] Die gesamten Baukosten beliefen sich inklusive Landkauf auf Fr. 18‘050.-. Vgl.: „Die Geschichte unserer 75-Jahre-alten Kapelle Stammheim“, a.a.O., 1.

[13] Vgl. dazu die Homepages der einzelnen Gemeinden: www.oberstammheim.ch, www.unterstammheim.ch, www.waltalingen.ch.

[14] Vgl. dazu: http://www.statistik.zh.ch/internet/justiz_inneres/statistik/de/wahlen_abstimmungen/archiv/abstimmungen

archiv.html vom 20.06.2011. Die drei Gemeinden vertreten bei Abstimmungen meist zu zwei Dritteln die konservative, zu einem Drittel die progressive Seite.

[15] Vgl. dazu „Chrischona-Chronik“, Ort, Jahr und Verfasser unbekannt. 5f.

[16] Die Zahlen sind einem E-Mail vom 15.06.2011 des Pastors Samuel Schmid entnommen.

[17] Siehe dazu und zu folgenden Angaben in diesem Abschnitt im Anhang ‎7.4.4 Umfrageauswertung/Resultate.

[18] Die Gemeindeleitung ist in zwei Ebenen aufgeteilt. Der Ältestenrat, bestehend aus momentan drei Mitgliedern, darunter der Pastor, ist für die geistliche Leitung der Gemeinde verantwortlich. Auf zweiter Ebene steht der Mitarbeiterrat, welcher für die organisatorischen Belange zuständig ist. Siehe dazu im Anhang: I. Organigramm Chrischona Stammheim.

[19] Auch: Gemeindeprofil, Gemeindekonzeption. Siehe dazu im Anhang: VI. Gemeindevision (Entwurf) 2011+.

[20] „Gemeindevision 2011+“ Chrischona Gemeinde Stammheim. Hervorhebung durch den Verfasser.

[21] „Gottesdienst-Konzept 2011+“ Chrischona Gemeinde Stammheim, 2.

[22] Ebd. 6.

[23] Hier liegt ein Unterschied vor zwischen einer „Zielgruppen- Orientierung “, wie sie durch das Gottesdienstkonzept zum Ausdruck kommen will und einer „Zielgruppen- Fixierung “, wie sie in manchen neu entstandenen Gemeinden für junge Leute zu beobachten ist.

[24] Ebd. 4.

[25] NGE steht für „Natürliche Gemeindeentwicklung“. Die Gemeindearbeit wird in acht Qualitätsmerkmale aufgeteilt. Der Prozess soll das Wachstum der Gemeinde fördern. Dies aber nicht nur im numerischen Bereich, vor allem soll das theologische Grundverständnis der Gemeinde, ja sogar das richtige Gottesbild, gefördert werden. Vgl. dazu: Christian A. Schwarz, Die dritte Reformation: Paradigmenwechsel in der Kirche, (Emmelsbüll: C&P Verlag, 1993), 11. Weiter auch: Ders. Das 1x1 der Gemeindentwicklung, (Rothrist: Institut Koinonia, 1997).

[26] Christian A. Schwarz, Gemeindentwicklung, a.a.O., 15.

[27] Durch die Gemeindeleitung wurden in der Zwischenzeit diverse Bemühungen unternommen, um die „Leidenschaftliche Spiritualität“ zu fördern. Nun steht nach bald zwei Jahren eine nächste Umfrage an, um zu überprüfen, inwiefern sich der Minimumfaktor eventuell verändert hat.

[28] Ein kurzer Abriss zur Bedeutung von Lobpreis und Anbetung im Alten und im Neuen Testament findet sich im Anhang: II. Konzept Lobpreis „Ecclesia semper reformanda“. Weiter wird auf das Buch von Arne Kopfermann verwiesen, welches im deutschsprachigen Raum wohl als Standardwerk bezeichnet werden kann: Arne Kopfermann, Das Geheimnis von Lobpreis und Anbetung, (Glashütten: C&P Verlag, 2009). Dann auch: Holger Petri, Anbetung und Lobpreis: Grundlagen, 2. Aufl., (Bad Gandersheim: Glaubenszentrum, 2004).

[29] Diese Einstellung findet sich auch heute noch ganz klar bei einzelnen älteren Gemeindegliedern. Nach einem Gespräch über die Musik in der Gemeinde mit einem Gemeindeglied, Jahrgang 1931, welcher als Nachkomme einer der Gründerfamilien noch stark pietistisch geprägt ist, verabschiedete er mich mit den Worten: „Bei aller Liebe zur Musik, achte darauf, dass das Wort und die Verkündigung im Zentrum bleibt!“. Das Gespräch fand am 21.06.2011 statt. Der Name ist dem Verfasser bekannt).

[30] Rick Warren , Kirche mit Vision: Gemeinde, die den Auftrag Gottes lebt, Übersetzung: Claudia Uhlenberg, 2. Aufl. (Asslar: Gerth Medien, 2004), 51. Hervorhebung im Original. Weitere Basiswerte nach Warren sind: Gemeinschaft, Jüngerschaft, Dienst, Evangelisation. In diesem Zusammenhang sei insbesondere auf Kapitel 15 „Die Musikauswahl“ verwiesen.

[31] Rick Warren, a.a.O., 105.

[32] Auch Arne Kopfermann sieht die Anbetung vor allem als Möglichkeit, „Gott Komplimente zu machen“. Siehe dazu: Arne Kopfermann, „Skript zum Kurs Identität des Lobpreismusikers,“ Lehrveranstaltung an der Worship-Academy, Altensteig, 2011.

[33] Jack R. Taylor, Der Halleluja-Faktor: Biblischer Lobpreis in Theorie und Praxis, Übersetzung: Dorothea Appel, (Lüdenscheid: ASAPH Verlag, 1995), 13. Hervorhebungen im Original. Die drei Bereiche Wort, Zeugnis und Arbeit sind in evangelikalen Gemeinden im Allgemeinen meist stark vertreten, während der vierte Bereich der Anbetung eher noch ausbaufähig ist.

[34] „Chrischona-Chronik“, a,a.O., 2.

[35] Pilgermission St. Chrischona (Hg.), Volles Heil: Ein Liederbuch für die Jugend, 2. Aufl. (Basel: Brunnen Verlag, 1957), 1f. Hervorhebung im Original.

[36] „Chrischona-Chronik“, a.a.O., 4.

[37] Vgl. dazu: Hans Staub, a.a.O., 55.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Progressive Pietism Worship
Untertitel
Lobpreis und Anbetung in einer pietistisch-evangelikalen Freikirche – Entwicklung, Problemfelder und Potential
Hochschule
Werkstatt für Gemeindeaufbau gGmbH
Note
1-
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V187302
ISBN (eBook)
9783656106296
ISBN (Buch)
9783656106074
Dateigröße
857 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lobpreis;, Anbetung, evangelikal, evangelisch, worship, chrischona, singen, musik, entwicklung, potential, problemfeld, New Covenant International University Florida, Akademie für Leiterschaft
Arbeit zitieren
David Jäggi (Autor), 2011, Progressive Pietism Worship , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187302

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