Der Surrealismus in Geschichte und Umsetzung – oder wie ich versuchte eine Surrealistin zu sein


Hausarbeit, 2010

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Eine kurze Betrachtung zur Geschichte des Surrealismus, seiner Akteure, seiner Werke

2 Zwischenbetrachtung

3 Praktischer Teil
3.1 Automatisches Schreiben – écriture automatique
Selbstversuch: Écriture Automatique
Erfahrungsbericht zur Écriture Automatique
3.2 Der Cadavre Exquise
Selbstversuch: Cadavre Exquis
Erfahrungsbericht zum Cadavre Exquis
3.3 Der Traumbericht
Selbstversuch: Traumbericht
Erfahrungsbericht zum Traumbericht
Schaufensterfotographie

Fazit

Literatur

Einleitung

„So lange wendet sich der Glaube dem Leben zu, dem Zerbrechlichsten im Leben, im realen Leben, versteht sich, bis dieser Glaube am Ende verloren geht. Der Mensch, dieser entschiedene Träumer, von Tag zu Tag unzufriedener mit seinem Los, vermag kaum alle die Dinge ganz zu begreifen, die er zu gebrauchen gelernt hat […]“[1]

So lauten die ersten Worte des Ersten Surrealistischen Manifests. André Breton, der geistige Führer der Surrealisten, schrieb mit diesem Werk nicht nur mit wissenschaftlicher Genauigkeit eine Programmschrift für die künstlerische und zunächst literarische Bewegung der Surrealisten, sondern auch einen Leitfaden für ein besseres Leben aller Menschen – ein surrealistisches Leben. Im Mittelpunkt, wie das Zitat passend illustriert, der Mensch als größtes Geheimnis.

In dieser wissenschaftlichen Hausarbeit soll die Geschichte und die mediale Produktion der Surrealistengruppe um André Breton betrachtet werden. Ihre Geschichte und Entwicklung von der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und Weiterentwicklung aus dem Dadaismus bis zur Zerstreuung der Kerngruppe durch den Zweiten Weltkrieg.

Nach welchen Ideen und Visionen kreierten die Surrealisten Literatur, bildende Kunst, Film und andere Werke? An berühmten Beispielen und ausgesuchten praktischen Versuchen zum Surrealismus will ich anschließend zeigen, welchen Regeln und Mustern, letztendlich also welcher Inspiration, surrealistisches Schaffen folgt.

Am Ende soll dann die Frage gestellt werden, wie Surrealismus heute medialisiert wird und ob die surrealistischen Ideen in unsere Zeit passen.

1 Eine kurze Betrachtung zur Geschichte des Surrealismus, seiner Akteure, seiner Werke

Die Gruppe der Surrealisten bildete sich aus der Abstoßung von ideologischen und literarischen Zielen der DADA-Gruppe heraus. Protest und Revolte gegen Kunst und bürgerliche Ideale – häufig durch Parodie, Ironie und reinen Unsinn – im Dada erwies sich für manche Mitglieder als kaum entwicklungsfähig. André Breton, zunächst Anhänger des Dadaismus und seines „freiheitlich-individuell-anarchistischen Geistes“[2], gründete die Bewegung der Surrealisten mit dem Ziel einer revolutionären Umgestaltung des menschlichen Lebens und Seins. Es handelte sich also nicht um eine reine Kunstbewegung, sondern um Kunst, die in die Lebenspraxis der Bevölkerung einfließen und wirken sollte. Hart gezeichnet kehrten die späteren Protagonisten der ersten Generation des Surrealismus Breton, Eluard, Aragon, Péret und Soupault aus den Wirren des Ersten Weltkriegs zurück. Nicht nur Gesellschaft und Politik wurden schwer in Frage gestellt, sondern auch Literatur und Kunst. Letztere Zweifel erklärt der Autor Maurice Nadeau so: „Hätte man es mitten in diesem Weltuntergang hinnehmen können, dass die Dichtung ihr altes Gesäusel fortsetzte, als ob nichts gewesen wäre, und dass Männer, die diese Hölle durchgemacht hatten, nun mit einem Mal wieder anfingen, uns von der Schönheit der Rose und der <Vase, in der die Verbene stirbt> zu singen?“[3] Aus der Frage nach dem Sinn wurde so die Frage nach der Realität. „Die Surrealisten suchten die Erleuchtung von unten, erklärten Traum, Wahn, Eingebung und die Nachtseite des menschlichen Bewusstseins als die eigentliche Wirklichkeit.“[4] Der Begriff Surrealismus wurde vor dem Krieg von dem Avantgarde-Künstler Guillaume Apollinaire geprägt. Er beschreibt damit die Rückkehr zur Natur ohne die Hilfsmittel der Fotographie. Erwähnung fand der Begriff zum ersten Mal in einem Brief von 1917, der Bezug auf das Theaterstück „Les Mamelles de Terérias “[5] nimmt. Jan Bürger stellt Apollinaires Vorstellung des Surrealismus von den Vorstellungen Bretons ab: „Apollinaire ging es ja weniger um Automatismen, als um ungewohnte Kombinationsweisen, die möglicherweise unbewusst oder versehentlich zutage treten, aber weder ohne Absicht noch ohne künstlerischen Gestaltungswillen.“[6] Das Stichwort Automatismus führt zu der ersten bedeutsamen Surrealistischen Technik – erst in Literatur, dann auch in Kunst.

Im Jahre 1919 verfassten André Breton und Philippe Soupault das erste rein surrealistisch gehandelte Werk, das sich um das Zentrum des urbanen Raums und den Alltag dreht.

„Les champs magnétique“[7] ist gleichzeitig die Initiierung der populärsten Kreativtechnik als Pfad zum Unterbewusstsein und zum Wunderbaren. Die „écriture automatique“ bzw. das Automatische Schreiben sollte das Umgehen der Kontrollfunktionen des Verstandes durch Ausschaltung des Bewusstseins und das Nutzen von Automatismen ermöglichen. Begeistert von den Möglichkeiten, die das Automatische Schreiben bietet „[…] denn es stimmt wirklich, dass in jedem Augenblick in unserem Bewusstsein ein unbekannter Satz existiert, der nur darauf wartet ausgesprochen zu werden.“[8] Typisch für diese Technik sind vor allem ihre Inspirationsquellen. Die Spiritisten des 19. Jahrhunderts nutzten das Schreiben in Trance oder Meditation zum Empfang von Diktaten aus dem Jenseits. Psychologen instrumentalisierten die Technik zur Untersuchung des verborgenen Innenlebens geistig gestörter Patienten. Mehr zum Thema „écriture automatique“ im praktischen Teil bzw. .

Zu Beginn der 20er Jahre entdeckten die Surrealisten, die nun schon zu einer größeren Gruppe von Künstlern und Intellektuellen herangewachsen waren, den Traum als Weg zur surrealistischen Wirklichkeit. Zur Periode der Schlafzustände schrieb Aragon 1922 in

„Une Vague de Rêve“ über die Entdeckung des Schlafes als Quelle zum Verborgenen: „Das geschah am Meeresstrand, wo René Crevel eine Dame traf, die ihn das Schlafen lehrte; das Schlafen in einem eigenartigen hypnotischen Zustand, der eher dem eines Schlafwandlers glich. Da begann er, über die Maße schöne Reden von sich zu geben. Und eine Schlafepidemie befiel die Surrealisten.“[9] Die Surrealisten erlebten neben der inspirativen Kraft durch Traumberichte auch einen dunklen Sog, der ihnen schnell die Gefahren der Technik offenbarte. Breton berief sich auf die Freudsche „Traumdeutung“ von 1900 und die Psychoanalyse. Freud zeigte sich jedoch nicht sehr begeistert von den surrealistischen Ideen und der Nutzung seiner Ideen. Nach Hagel ist das surrealistische Traumverständnis viel mehr vom erweiterten Ansatz Freuds durch C. G. Jung geprägt. Dieser ging von archetypischen Symbolen in Träumen aus. Diese Symbole fungierten als Mittler zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein.

1923 fand die erste surrealistische Bildausstellung in Paris statt. Die Künstler nahmen die bisherigen literarischen Experimente in ihr Schaffen auf. Die écriture automatique wurde so durch den Maler André Masson als so genannte „Blitzzeichnung“ in die Bilddarstellung transportiert.

1924 wurde die Bewegung offiziell und formell gegründet. Das „Erste Surrealistische Manifest“ von André Breton verkörpert die „dogmatische Richtungsweisung“[10] und das „Bureau central de recherches surréalistes“[11] sollte die Botschaften ins Volk tragen. Das Büro in der Rue Grenelle 15 hatte den Auftrag durch Pressearbeit und Informations- bzw. Werbematerial die Kunst ins Leben zu bringen. Stadtbekannt wurde die Karte mit der Aufschrift: „Eltern! Erzählt euren Kindern eure Träume!“[12] Das Büro gab auch die erste rein surrealistische Zeitschrift „La Révolution surrealiste“ heraus. Vorher bediente sich die Gruppe des eigentlich dadaistischen Sprachrohrs „Litterature“. Wegen geringen Erfolgs bei der Beteiligung der Pariser an den surrealistischen Ideen schloss das Büro nach einem Jahr wieder. Das Surrealistische Manifest hingegen hatte eine außerordentliche Wirkung. Dem direktiven, fordernden und kritisierenden Charakter des Manifests schloss sich eine resultierende Definition in wissenschaftlichem Duktus an:

„Surrealismus, Subst. m., Reiner psychischer Automatismus, durch den man mündlich oder schriftlich oder auf jede Weise den wirklichen Ablauf des Denkens auszudrücken sucht. Denk-Diktat ohne jede Kontrolle durch die Vernunft, jenseits jeder ästhetischen und ethischen Überlegung.“[13]

Stahl zählt zu den kritischen Belangen die Wendung gegen die zeitgenössische Kunstinterpretation (und damit auch den Kunstbetrieb) und das bürgerliche Wertesystem. Das Manifest wende sich polemisch gegen realistische Kunst und Literatur, und die Unfähigkeit dieser, sich gegen sich selbst zu wenden. Es priese Traum und Unterbewusstsein als höhere bzw. eigentliche Realität.[14] Außerdem enthalte das Surrealistische Manifest Handlungsanweisungen zum Alltagsleben, die nach Stahls Meinung nicht ganz ernst zu nehmen seien. Unter dem Titel „Geheimnisse der surrealistischen magischen Kunst“[15] finden sich Anleitungen zum Automatischen Schreiben oder Ratschläge was der gemeine Surrealist tun kann, „um sich in Gesellschaft nicht mehr zu langweilen“ oder „um eine Frau, der man auf der Straße begegnet, zu beeindrucken.“

1925 erlebte die Hauptbewegung um Breton eine starke Politisierung und Radikalisierung. Pierre Naville löste mit der Kritik am revolutionären Anspruch des Surrealismus als Geisteshaltung einen Streit aus, der über die Jahre das Personal der Bretonschen Gruppe grundsätzlich umbesetzen sollte. „Mit all ihren krakeelenden Demonstrationen brächten es die Surrealisten eben nie fertig, eine Streitmacht auf die Beine zu stellen, die der Bourgeoisie tatsächlich Schrecken einjagen könnte. Denn diese Demonstriererei trage sich wohlweislich nur im Bereich des Geistigen zu.“[16] Die Nähe zum Kommunismus und die Abspaltung von der Gruppe, der Ausschluss der „Bretonlinienabweichler“[17], sollte noch bis zum Zweiten Weltkrieg anhalten und eine tiefe Kluft zwischen Anspruch und Realität des Surrealismus treiben. Mit der steigenden Bedeutung der Politik wuchs auch die internationale Dimension des surrealen Gedankenguts. Zugleich in ironischer Weise zeigt sich das in der surrealistischen Landkarte „Die Welt zu Zeiten des Surrealismus“ (1929), vermutlich von Yves Tanguy.[18] Die Karte tilgt zum Beispiel die Vereinigten Staaten und vergrößert im Gegenzug die Osterinseln auf die Maße eines Kontinents.

Im Jahr 1926 etablierten sich Spiele und insbesondere die Wortspiele als Mittel der Schöpfung. „Le – cadavre – exquise – boire – le vin – nouveau.“[19] Dieser Satz entstand als künstlerisches Produkt durch die gezielte Vergemeinschaftung des Denkens. Mit Worten oder Bildern, die auf gefaltetem Papier verdeckt ergänzt wurden, entstanden Collagen, Aphorismen und Inspirationen für Bilder und Literatur. Der „cadavre exquise“[20], der seinen Namen von eben diesem zitierten Satz bekam, trägt auch einen Verweis auf die dadaistischen Wurzeln vieler Mitglieder. Gemeinsame Spiele und Aktionen gehörten auch zu ihrem kreativen Kollektiv. Die Magie dieses Spiels liegt in der zufälligen Begegnung eigentlich banaler Gegenstände, die so ein scheinbar geheimes Leben eingehaucht bekommen. Viel zitiert ist in diesem Zusammenhang der Satz des französischen Dichters Isidor Ducasse alias Comte de Lautréamont: „Schön wie die zufällige Begegnung eines Regenschirms und einer Nähmaschine auf einem Seziertisch.“ Dieser Satz stammt aus dem Werk „Die Gesänge des Maldoror“ von 1874, das die Surrealisten als universelle Inspiration betrachteten.[21]

1928 geht als „Jahr der Verwirklichung“[22] in die Historie der Surrealisten ein. In diesem Jahr erschienen die Surrealistischen Hauptwerke „Nadja“ von Breton; „Traité du style“ und „Paysan de Paris“ von Aragon. Die Surrealisten begingen feierlich den fünfzigsten Geburtstag der Hysterie. Bunuel und Dalí schufen mit „Le chien andalou“[23] einen Film basierend auf ihren Traumberichten und ein Stück bedeutender Filmgeschichte.

Breton pflegt in „Nadja“ einen „locker-essayistischen Stil mit autobiographischen Anekdoten.“[24] Der fiktionale Roman handelt von der Bedeutungstiefe, die in Zufällen, Begegnungen und banalen Ereignissen entdeckt werden kann. Die Geschichte endet in der Psychiatrie, wo „wahnhaftes Sprechen als magische Formel aus dem Reich der Imagination“[25] empfangen wird. Teilweise setzt Breton noch die Technik des automatischen Schreibens ein.

Aragon setzt sich in „Paysan de Paris“ mit der „Demaskierung ernst genommenen Klassikerstoffes“[26] und dem Motiv der Pariser Passagen auseinander. „Es gibt keine Handlung im herkömmlichen Sinne, weder durchlaufend noch fragmentarisch. Zwar findet sich sequenzielle Erzählung von Geschehnissen, doch dient diese ausnahmslos der Beschreibung.“[27] Um visuelle Effekte zu erzielen, binden Aragon und Breton mit Hilfe von Montagetechnik Textelemente ein - aus Zeitung, Werbung und anderen Dokumenten.

Diese beiden Beispiele wurden an dieser Stelle angerissen, um zu zeigen wie unterschiedlich Breton und Aragon zu dieser Zeit arbeiteten.

1930 erscheint das „Zweite Surrealistische Manifest“ von Breton. Die Exkommunikation und Gesinnungsüberprüfung von Mitgliedern, die andauernde Frage der revolutionären Umsetzung erforderte eine aufarbeitende Bestandsaufnahme. Das radikalste und berühmteste Zitat aus dem zweiten Manifest lautet: „Die einfachste surrealistische Handlung besteht darin, mit Revolvern in den Fäusten auf die Straße zu gehen und blindlings soviel wie möglich in die Menge zu schießen. Wer nicht wenigstens einmal im Leben Lust gehabt hat, auf diese Weise mit dem derzeit bestehenden elenden Prinzip der Erniedrigung und Verdummung aufzuräumen – der gehört eindeutig selbst in die Menge und hat den Wanst ständig in Schußhöhe.“[28] In einer Fußnote erläutert er direkt darunter, weshalb die Revolution bisher nicht gelungen sei, und was diese Feststellung seinerseits zu bedeuten habe. Die Streitigkeiten sollten noch bis zur Beilegung - wegen des Zweiten Weltkriegs - anhalten.

Der Erfolg des bildkünstlerischen Bereichs gipfelte 1938 in der „Exposition International du Surréalisme.“[29] Der teilnehmende Künstler Marcel Jean beschreibt die Gesamtinszenierung der Ausstellung: „Eine riesige gewölbte Grotte aus zwölfhundert nebeneinander aufgehängten Kohlesäcken; der sanft gewellte Boden war mit einem dicken Teppich welker Blätter bedeckt, und in einer Bodenfalte schimmerte ein Teich mit Seerosen und Schilf. Inmitten dieser unterirdischen Lichtung thronte auf einem kleinen Podest als Zeichen der Freundschaft ein Kohleofen und in den Ecken des Saales schimmerten unter golddurchwirkten Seidendecken vier prächtige, enorm breite Betten als Zeichen der Liebe.“[30] Die surrealistische Szenerie wurde ferner durch akustische Effekte, Gerüche und Schauspieler bereichert. Die Ausstellung empfing am ersten Abend 3000 Besucher und stellte 70 Künstler aus 40 Ländern aus, was ungefähr erahnen lässt, wie hoch die Popularität der surrealistischen Kunst am Ende der 30er Jahre war. Der Chronist des Surrealismus Maurice Nadeau schrieb über die Zeit nach dem „Zweiten Surrealistischen Manifest“: „Neben dieser politischen läuft die künstlerische Aktivität weiter. Zu jener Zeit dringt der Surrealismus nämlich tatsächlich über Frankreichs Grenzen hinaus, befruchtet im Ausland immer zahlreicher Gruppen von Intellektuellen, die sich im Zeichen Bretonscher Ideen und Theorien zusammenfinden.“[31] Darüber hinaus berichtet er von Geschäftsreisen, die Breton in alle Welt unternahm, um Vorträge zu halten und Kollaboration anzuregen. „Er trifft dort Leute, die über sein Wirken genau Bescheid wissen und es schätzen.“[32], schreibt Nadeau über die Begegnungen Bretons mit dem Maler Diego Riviera und dem Revolutionären Leo Trotzkij in Mexiko.

Dieser Höhepunkt wurde wenig später durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs überschattet. Die Surrealisten wurden zerstreut. Manche flüchteten ins Exil oder in den Untergrund, andere wurden streng kontrolliert oder direkt deportiert.

Der Krieg ruft die dunklen Zeiten des Ersten Weltkrieges zurück in die Köpfe der Surrealisten, wollten sie dieses Grauen doch verhindern und wenigstens nie wieder erleben. Die Machtkämpfe innerhalb der Gruppe wurden zwangsläufig beigelegt. Breton, der „malende Denker“[33] Magritte und andere Mitglieder emigrierten nach New York. In „Prolegomena zu einem Dritten Manifest des Surrrealismus oder nicht“[34] reflektiert Breton noch im Kriegsausbruch: So „neigt vielleicht jede große Idee dazu, sich entscheidend zu verändern, sobald sie in Berührung kommt mit der Masse Mensch und gezwungenermaßen getragen wird von einem Geist ganz anderer Dimension als dem, dem sie entsprang.“[35] Nadeau berichtet über Bretons Pläne, die nach dem Krieg eine Reformierung des surrealistischen Programms vorsahen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges „müsse man die Gedanken, die der Surrealismus zu bieten habe, aufs Neue durchdenken, sofern man für >die mitten im 20. Jahrhundert so verzweifelte Situation des Menschen< eine Lösung beibringen wolle.“[36] Obwohl Breton die Reanimation des Surrealismus im amerikanischen Exil und nach dem Krieg in Frankreich bemüht, versickert die Bewegung abseits des öffentlichen Interesses und 1966 stirbt ihr umstrittener geistiger Führer Breton. Das Jahr 1942 wird in der Rezeptionsgeschichte der Surrealismusgruppe um Breton als Endpunkt betrachtet. So Hanno Ehrlicher: „ Die vergleichende Literaturgeschichtsschreibung beendet ihren Bericht über die historische Avantgarde üblicherweise mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges.“[37]

Die Forderung nach einer Erweiterung des rezeptionsgeschichtlichen Bogens besteht heute vor allem in der Präsentation von internationaler surrealistischer Kunst. Dazu ein Beispiel am Ende dieser Arbeit.

[...]


[1] Breton S.11

[2] Stahl S.389

[3] Nadeau S.13

[4] Hagel S.48

[5] „Die Brüste des Teresias“

[6] Bürger S.88

[7] „Die magnetischen Felder“ veröffentlicht 1921

[8] Breton (für Seite im Surrealistischen Manifest bei Hagel Seite vergleichen)

[9] Aragon nach Hagel S.49

[10] Stahl S.393

[11] „Büro für surrealistische Forschung“

[12] Nach Hagel S.58

[13] Breton nach Stahl S.395

[14] Stahl S. 393 f.

[15] Breton S.29

[16] Nadeau S.106

[17] Hagel S.58

[18] Hack Museum S.11

[19] „Die erlesene Leiche wird trinken den neuen Wein.“

[20] Der erlesene Leichnam

[21] „Lautréamont hat mit den „Gesängen des Maldoror“ einen Ball geworfen, den alle Surrealisten gefangen haben. Der Ball ist genäht aus Glas, so dass man die Wahl hat, in sein Inneres zu blicken und die Verherrlichung des Bösen und der Niedertracht zu erkennen, oder auf seiner Oberfläche das eigene Spiegelbild. In den schwindenden Tiefen des Bösen lagern in den Archiven die Zeugnisse menschlicher Vorstellungskraft, die aufgebracht werden mussten, um dem Leben ernste Wunden beizubringen.“ Falkner S.100

[22] Vgl. Stahl, Nadeau,…

[23] „Der andalusische Hund“

[24] Stahl S.411

[25] Sahl S.412

[26] Ebd. S.408

[27] Warkus S.3

[28] Breton S.56

[29] „Internationale Ausstellung des Surrealismus“

[30] Hack Museum S.23

[31] Nadeau S. 186

[32] Nadeau S. 196

[33] Schneede S.95

[34] Breton S.113

[35] Breton S.115

[36] Nadeau S.201

[37] Ehrlicher S.445

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der Surrealismus in Geschichte und Umsetzung – oder wie ich versuchte eine Surrealistin zu sein
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V187885
ISBN (eBook)
9783656115304
ISBN (Buch)
9783656116776
Dateigröße
2183 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Surrealismus, Breton, écriture automatique, Cadavre Exquis, Traumbericht, Schaufensterfotographie, Erstes Surrealistisches Manifest, DADA, Freud, G. C. Jung, Comte de Lautréamont, Magritte, Soupault, Paris, Avantgarde, Kunst, Literatur
Arbeit zitieren
Denise Bossert (Autor), 2010, Der Surrealismus in Geschichte und Umsetzung – oder wie ich versuchte eine Surrealistin zu sein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187885

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