Facharbeit zum Thema: Geschichten erfinden mit Kindern

Die Reise in andere Welten


Facharbeit (Schule), 2010

16 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Die Theorie

Die Praxis

Fazit

Quellen

Vorwort

Warum dieses Thema?

Warum wählte ich gerade dieses Thema für meine Facharbeit im Fach musisch, kreatives Gestalten?

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich gar nicht besonders lange überlegen musste, als mir die Aufgabe gestellt wurde. Eigentlich kam ich sofort auf das Thema Geschichten erzählen. Dies hatte erst einmal den Grund, dass ich mit meiner Tochter seit längerer Zeit immer wieder solche Geschichten um eine geheimnisvolle Märchen-, oder Zauberwelt erfinde, bzw. erzähle und mir das Thema alleine schon aus diesem Grund sehr am Herzen lag. In den Gesprächen mit ihr, wenn wir unsere gemeinsam erdachten Geschichten um unsere Helden und Antihelden weiter sponnen, erkannte ich schon früh, ohne dass ich mich weiter damit beschäftigt hatte, dass ein gewaltiges Potential in diesen Prozessen liegt. Auf jeden Fall schien mir dies genauerer Nachforschungen würdig und wichtig. Das wir gerade zu diesem Zeitpunkt, als ich mit meiner Tochter gerade einen Höhepunkt unserer Erzählungen erreichte, die Aufgabe zu einer Ausarbeitung bekamen, kam mir eigentlich sehr gelegen, da ich ansonsten aufgrund der vielen anderen Aufgaben vermutlich die nächsten Jahre nie den inneren Schweinehund überwunden und mich genauer mit dem Thema befasst hätte.

Insgesamt kann man also sagen, dass ich mir dieses Thema nicht ganz ohne Eigennutz ausgewählt habe.

Bei meinen Recherchen war ich immer wieder erstaunt, wie viel von dem was ich mit meiner Tochter erlebte, ich in der Fachliteratur wieder fand. Anderes probierte ich aufgrund dieser Literatur überhaupt erst aus, da ich manches auch aus einem anderen Blickwinkel sah.

Herausgekommen ist eine wie ich finde recht gute, wenn auch noch lange nicht abgeschlossene Zusammenfassung über die Theorie, aber noch viel mehr über die Praxis.

Inzwischen ist die Fantasiewelt, die meine Tochter und ich uns erdacht haben schon recht komplex geworden und ich kann nachvollziehen, wie z.B. Welten wie Mittelerde, oder Nimmerland, die übrigens auf ganz ähnliche Art und Weise Gestalt annahmen, entstehen konnten.

Die Theorie

Was bringt es uns, dass wir uns die Mühe machen mit Kindern Geschichten zu erfinden?

Zunächst einmal soll hier angemerkt sein, dass es nicht nur den Kindern etwas bringt. Auch ein Erwachsener kann davon profitieren sich einmal aus seiner grauen, von Regeln eingeengten Alltagswelt zu entfliehen und in ein Land zu flüchten wo alles das erlaubt und möglich ist was bei uns vielleicht verboten, oder aufgrund von Naturgesetzen schlicht unmöglich erscheint.

Ich will mich in dieser Ausarbeitung jedoch auf die Kinder beschränken, denn die Erwachsenen sind eine ganz andere Geschichte.

Also noch mal was hat ein Kind davon, das es Geschichten erzählt, erfindet, oder zumindest mal eine vorgelesen bekommt?

Als erstes vielen mir zu dieser Frage natürlich die nahe liegenden Dinge ein, wie z.B. die Steigerung des eigenen Wortschatzes, was sicherlich ein großer Punkt ist, oder die Förderung der Phantasie. Aber was heißt das eigentlich, die Förderung der Phantasie? Um diese Frage beantworten zu können suchte ich mir zunächst einmal die Definition des Begriffes Phantasie aus einem Wörterbuch, bzw. Lexikon heraus. Dort konnte ich Beschreibungen wie: [...] Fähigkeit, sich etwas in Gedanken auszumalen; Vorstellungs-, Einbildungskraft [...], finden.

Also bedeutet Phantasie = Vorstellungskraft. Jetzt stellte sich für mich gleich die nächste Frage. Kann ich als Erwachsener einem Kind helfen seine Phantasie zu steigern? Ich, der sich schon anstrengen muss sich überhaupt auf solch einen Prozess einzulassen? Oder ist es nicht viel mehr so, dass ich dem Kind höchstens einen Anstoß geben kann, damit es seine Phantasie wieder frei entfalten kann, bzw. dem Kind einen Freiraum zu schaffen, in dem es ungestört seine Phantasie spielen lassen kann und wo es damit auch ernst genommen wird. Viel zu oft fiel mir auf, dass die schönsten Phantasien der Kinder von den Eltern als Spinnerei abgetan, oder überhört wurden. Dies zeigte sich z.B. in Situationen, wenn gestresste Eltern ihre Kinder vom Kindergarten abholen. Die Kinder wollen ihnen etwas berichten, oder ihnen ein Bild erklären, welches sie mit Hilfe ihrer Phantasie auf Papier brachten und werden mit Worten wie: „ Jetzt beeil dich, wir müssen zum Sport „, oder „dafür haben wir jetzt keine Zeit, wir sind eh schon viel zu spät“, abgetan.

Natürlich kenne auch ich als Vater diese Situationen und erwische mich viel zu oft bei ähnlichen Aussagen. Aber inzwischen bekomme ich meist die Kurve, wenn ich mir Vorstelle, wie ich es finden würde, wenn ich meine gesamte geistige Energie, alles Können was ich zur Zeit aufzubieten habe in ein Projekt stecke, sehr stolz darauf bin, es der Person zeigen möchte die mir mit am wichtigsten ist und von dieser Bezugsperson dann, ohne dass sie sich mein Werk überhaupt angesehen hat mit solchen Worten abgewürgt werde, weil ich mich beeilen soll.

Wenn so etwas öfter vor kommt würde ich dann nicht auch irgendwann denken, dass meine Phantasie gar nicht so wichtig ist, da sie von mir wichtigen Personen nicht einmal war genommen wird?

Wie wichtig die Phantasie für Kinder ist wurde mir auch erst im vollen Ausmaß bewusst, als ich mich genauer damit beschäftigte. Einen Punkt, den ich zunächst einmal gar nicht beachtet hatte ist, dass sich die Phantasie durch die gesamte Menschheitsgeschichte zieht. Seit je her erklären sich die Menschen etwas, dass sie nicht erklären können mit Hilfe der Phantasie. Man denke hier z.B. an die Erklärungsversuche der Menschen, woher das Donnergeräusch stammen könne. Oft wurden und werden solche Naturerscheinungen Göttern zugeschrieben. Dies passiert allerdings nur so lange, bis irgendein Wissenschaftler herausfindet wie ein solches Phänomen tatsächlich zustande kommt. Nach einer kurzen Toleranzzeit werden dann alle, die weiterhin an die alte, erdachte Erklärung glauben als altmodisch, Phantasten, oder sogar Spinner abgetan. Dies zeigt mir, dass die Phantasie ein elementar wichtiger Punkt in uns Menschen ist. Er hilft uns mit Urängsten umzugehen, bzw. mit ihnen fertig zu werden.

Wenn Kinder sich also Dinge mit Hilfe ihrer Phantasie erklären, tun sie nur dass was die Menschheit seit Anbeginn ihrer Existenz tut. Und dies ist ganz wichtig, denn stelle man sich vor ein Kind würde sich für nichts was es sieht, oder hört interessieren. Es würde alles einfach so hinnehmen und nie versuchen sich etwas selber zu erklären. Und man stelle sich vor eine ganze Generation würde auf diese Weise aufwachsen und später zu Erwachsenen heranwachsen. Ich denke man kann sich gut ausmalen wie unsere Welt aussehen würde, wenn dies der Fall wäre. Stillstand wäre die unausweichliche Folge.

Wir haben also herausgefunden, dass Phantasie wichtig für Kinder ist. Aber was passiert, wenn Kinder ihre Phantasie nicht richtig ausleben können, weil z.B. im Elternhaus auf Widerstände treffen?

Wie oft wird Kindern verboten zu spielen, weil sie zu laut sind? Allerdings wird dabei nicht bedacht, dass Kinder spielen müssen. Kinder spielen u.a. deswegen, weil sie ihre Umwelt nachahmen wollen und Dinge verarbeiten müssen. Je mehr Phantasie ein Kind daher in sein Spiel stecken kann, desto besser kann es demnach spielen und desto besser kann es Dinge verarbeiten. Unterbindet man dieses können daraus später z.B. Konzentrationsschwäche und Unruhe resultieren. Dinge, die in der Schule und im späteren Leben eines Kindes entscheidende Nachteile bergen.

Fassen wir also in Bezug auf das Thema Geschichten erzählen zusammen, dass ein ganz wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Aspekt, die Förderung der Phantasie eines Kindes ist.

Ein weiterer Punkt ist, dass man einem Kind, indem man mit ihm eine Geschichte erfindet, bzw. erzählt, helfen kann erlebtes zu verarbeiten, oder mit Problemen besser klar zu kommen. So habe ich z.B. festgestellt, dass die Geschichten, die ich mit meiner Tochter erfunden habe, nach einem Familiären Problem (Scheidung der Großeltern) einen ganz anderen Charakter bekamen und von ihr ganz andere Themen gewünscht waren, als es noch zuvor der Fall war. Über Phantasiefiguren, in die man sich hineinversetzen kann fällt es eben leichter über Probleme und eigene Gefühle und Ängste zu sprechen, als wenn man von sich selber spricht. Typisch dafür finde ich auch die Gespräche, die so beginnen: „Ich habe da einen guten Freund, der hat folgendes Problem...“ .

Natürlich möchte ich auch die Sprachförderung nicht zu kurz kommen lassen. Dies ist sicherlich ein Punkt, der mir als erstes in den Sinn kam, als ich mich mit dem Thema näher befasste. Natürlich gehört dazu, dass die Kinder im Umgang mit der eigenen Sprache sicherer werden, da sie bekannte Wörter wiederholen und in einem neuen Kontext einsetzen können. Natürlich lernen sie auch neue Wörter kennen. Sie haben hierbei aber auch die Chance ganz neue Wörter zu erfinden. Dies kann sich z.B. in Namen von einigen Personen, oder fremden Wesen äußern. Ich konnte beobachten, dass hier oft bekannte Wörter zu einem neuen zusammengesetzt werden. Als ein Beispiel, das mich persönlich sehr beeindruckt hat kann ich hier einen Namen nennen, den meine Tochter einem solchem Wesen, von sich aus, ohne irgendein Zutun meinerseits, gegeben hat. Sie nannte einen Drachen, der in einer Wüste lebt „Mondscheindrachen“ und die dazugehörige Wüste „Mondscheinwüste“. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir keinen Namen vorstellen, der besser beschreibt, was ich mir vorgestellt habe.

Ein weiterer Aspekt ist, dass man eventuellen Sprachstörungen hierbei sehr gut durch ein korrigierendes Feedback entgegenwirken kann.

Natürlich steigert das Geschichtenerzählen auch ungemein die Konzentrationsfähigkeit eines Kindes. Man glaubt kaum wie lange sich ein Kind ruhig auf eine Sache konzentrieren kann, wenn es Spaß dabei hat.

Als einen sehr wichtigen Punkt empfinde ich auch die Tatsache, dass die Beziehung zwischen dem Erzieher, oder Elternteil und dem entsprechenden Kind deutlich besser werden kann. Ein Kind, das in seinen Bedürfnissen ernst genommen und sogar unterstützt wird ist begeistert bei der Sache und es baut sich ein Vertrauen auf, dass man sonst nur schwer erreichen kann. Dies hat sicherlich auch damit zu tun, dass die beiden Beteiligten durch die Phantasiewelten, in die sie immer wieder reisen, so ihre Geheimnisse haben, die keinen anderen etwas angehen.

Weiter wird auch die Kreativität eines Kindes gefördert. Hierzu muss gesagt werden, dass sicherlich nicht jedes Kind gerne Geschichten erfindet. Viele lassen sich lieber Geschichten vorlesen und lassen die Bilder in ihrem Kopf zum Leben erwecken, andere Kinder malen Phantasiewelten lieber auf ein Blatt Papier. Es ist aber sicherlich trotzdem sehr interessant einem solchen Kind auch diese Erfahrung einmal anzubieten. Man soll ja nicht immer nur das fördern, was ein Kind schon gut kann, sondern soll ihm auch andere Wege aufzeigen, die es vielleicht von selbst noch gar nicht entdeckt, oder ausprobiert hat.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Facharbeit zum Thema: Geschichten erfinden mit Kindern
Untertitel
Die Reise in andere Welten
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V188069
ISBN (eBook)
9783656117902
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Förderung der Phantasie, Beziehungsaufbau, Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, Förderung der Kreativität, Wissen vermitteln
Arbeit zitieren
Benjamin Arbatschat (Autor:in), 2010, Facharbeit zum Thema: Geschichten erfinden mit Kindern , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188069

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