Wechselkursregime und 'Pricing to the Market'


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

22 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Diskussion um die Europäische Währungsunion

3. Das Gesetz der einheitlichen Preise
3.1 Das Gesetz der einheitlichen Preise und das Wechselkurssystem
3.2 Das Gesetz der einheitlichen Preise in empirischen Studien

4. Der Vergleich des Standard Mundell-Fleming Modells mit einem modifizierten Modell mit local-currency-pricing
4.1 Standard Mundell-Fleming Modell mit Gesetz der einheitlichen Preise
4.4.1. Langfristige Variante des Standard Mundell-Fleming Modells
4.4.2. Kurzfristige Variante des Standard Mundell-Fleming Modells

5. Local-currency-pricing und Pricing-to-market

6. Mundell-Fleming Modell mit local-currency-pricing

7. Schlussbemerkung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Regierungen können seit dem Zusammenbruch des Bretton Woods Systems 1973 frei wählen, welches Wechselkursregime – ob ein System mit fixen, flexiblen Wechselkursen oder eine Zwischenlösung mit eingeschränkter Flexibilität - sie für ihren Währungsraum für optimal halten.[1]

In der nun folgenden Arbeit wird im Zusammenhang mit der Wahl und Bewertung eines Wechselkursregimes zunächst kurz die Diskussion um die Europäische Währungsunion skizziert, um zu verdeutlichen, anhand welcher Kriterien die Bewertung eines Wechselkursregimes stattfinden kann. Hinsichtlich der Europäischen Währungsunion sehen Kritiker vor allem die Wirkungen von Nachfrageschocks als problematisch an. Deswegen wird hier anhand eines Beispiels im Rahmen der Europäischen Währungsunion dargelegt, inwiefern der Anpassungsprozess nach Nachfrageschocks die Wahl des Wechselkursregimes beeinflusst.

In diesem Zusammenhang spielt auch die Preisbildung eine Rolle. Deswegen wird das Gesetz der einheitlichen Preise und einige empirische Befunde dargelegt. Daraufhin wird auf der Grundlage des Artikels Local-currency pricing and the choice of exchange-rate regime von Engel, die Auswirkungen von Nachfrageschocks im Standard Mundell-Fleming Modell skizziert.

Zur Gegenüberstellung wird dann das Phänomen des pricing-to-market erläutert. Im Vergleich zu den Auswirkungen eines Nachfrageschocks im Standard Mundell-Fleming Modells wird dann anhand eines modifizierten Mundell-Fleming Modells mit local-currency-pricing gezeigt, inwieweit sich die Auswirkungen eines Nachfrageschocks bei veränderter Preisbildung ändern.

2. Die Diskussion um die Europäische Währungsunion

Im Hinblick auf die aktuelle Diskussion des Wechselkurssystems hat die Europäische Währungsunion einen besonderen Stellenwert. Die Betrachtung der Vor- und Nachteile einer europäischen Währungsunion aus ökonomischer Sicht wird jedoch dadurch erschwert, dass es umstritten ist, ob die europäische Währungsunion vorwiegend aus politischen oder ökonomischen Gründen beschlossen wurde.

So vertritt beispielsweise Feldstein jene Ansicht, nach welcher die europäische Währungsunion vorwiegend aus politischen Gründen und nicht aus ökonomischen beschlossen wurde. Er selbst glaubt, dass die Europäische Währungsunion die ökonomischen Kosten, die sie verursacht, nicht durch eine Wohlfahrtssteigerung kompensieren kann.

Die Wohlfahrtssteigerungen, die Befürworter einer Währungsunion sehen, basieren im allgemeinen auf potentiellen Kostensenkungen im Bereich des Handels. Zum einen werden Informations- und Transaktionskosten verringert, zum anderen entfällt bei fixierten Wechselkursen das Wechselkursrisiko und im Falle einer einheitlichen Währung entfallen zusätzlich auch noch die Umtauschkosten.[2] Durch das weggefallene Wechselkursrisiko kann somit ein grösser Handels- und Investitionsanteil innerhalb des Währungsraums entstehen.

Feldstein jedoch sieht abgesehen von den höheren Kosten die Gefahr, dass eine einheitliche Währung die nationalen Regierungen nicht nur um die Möglichkeit der nationalen Geldpolitik bringt, sondern auch die Möglichkeit, dass autonome Märkte über Zinsen und nominale Wechselkurse auf Nachfrageschocks reagieren können, nimmt.[3]

Feldstein analysiert die Europäische Währungsunion anhand der Kriterien, die Mundell 1961 bezüglich des optimalen Währungsraums formulierte, und ebenso wie Obstfeld kommt er zu dem Schluss, dass die Europäische Währungsunion kein optimaler Währungsraum ist.

Feldstein fasst seine Ergebnisse folgendermassen zusammen:

„The economic consequences of EMU (...) are also likely to be negative. Imposing a single interest rate and an inflexible exchange rate on countries that are characterized by different economic shocks, inflexible wages, low labor mobility and separate national fiscal systems without significant cross-border cyclical transfers will raise the overall level of cyclical unemployment among the EMU members.“[4]

Vor allem in bezug auf Nachfrageschocks sehen Kritiker der Europäischen Währungsunion flexible Wechselkurse als vorteilhaft an. Dies lässt sich mit Hilfe eines Beispiels verdeutlichen:

Nach der deutschen Einheit mussten laut Eichengreen und Wyplosz[5] infolge einer fiskalen Expansion die deutschen relativen Preise im Vergleich zu den Preisen anderer Mitgliedsländer der Europäischen Währungsunion steigen. Da Konsumenten anstelle der relativ teureren deutschen Güter Güter aus anderen Ländern der Europäischen Währungsunion nachfragten, führte diese Preissteigerung zu einem Leistungsbilanzdefizit.

Um das Preisverhältnis auszugleichen, müssten –um anhand des Beispiels weiter zu argumentieren- die deutschen Preise relativ zu den französischen Preisen steigen.

Allgemein gibt es zwei Möglichkeiten, durch welche sich die relativen Preise ändern können: entweder durch eine nominale Preisänderung oder durch eine Wechselkursänderung. Diese Zusammenhänge können im folgenden Abschnitt anhand eines Beispiels näher erläutert werden.

3. Das Gesetz der einheitlichen Preise

Es sei Pg der Preis des in Deutschland produzierten und verkauften Gutes. Der Preis des in Deutschland produzierten und in Frankreich verkauften Gutes sei

πg = Pg/E, wobei der Wechselkurs E = DM/Fr ist[6].

Nach der traditionellen Sichtweise des makroökonomischen Anpassungsprozesses gilt das Gesetz der einheitlichen Preise, welches besagt, dass homogene Produkte –wenn sie in Einheiten derselben Währung gemessen werden- in unterschiedlichen Ländern zu demselben Preis verkauft werden. Die Kaufkraft der beiden Währungen ist somit in beiden Ländern die gleiche.

Dieses Gesetz gilt nur unter den Voraussetzungen, dass die Unternehmen zum einen Gewinnmaximierer sind und es zum anderen weder Transportkosten noch Zölle und auch keine Weiterverteilung oder Wiederverkauf der Güter gibt.[7] Sind diese Voraussetzungen gegeben, so wird die Übereinstimmung der Preise durch Arbitrageprozesse herbeigeführt. Die Preisunterschiede werden verglichen und entsprechend werden die Güter substituiert. Steigen beispielsweise durch eine Geldmengenerhöhung die inländischen Preise, so werden die inländischen Güter durch ausländische Güter substituiert. Der Importwert erhöht sich durch diese Substitution; abhängig von der Stärke des inländischen Preisanstiegs verringert sich unter Umständen auch der Exportwert. Demzufolge steigt der nominale Wechselkurs so lange, bis der Preis der Inlandsgüter wieder dem Preis der Auslandsgüter gemessen in Inlandswährung entspricht.[8]

Wenn sich der relative Preis ändern soll, folglich πg – der Preis des in Deutschland produzierten und in Frankreich verkauften Gutes - relativ zu dem Preis des französischen Gutes πf steigen soll, muss entweder Pg steigen (oder πf fallen) oder der Wechselkurs fallen.

3.1 Das Gesetz der einheitlichen Preise und das Wechselkurssystem

Dieser Anpassungsprozess des Wechselkurses wird laut Feldstein durch flexible Wechselkurse erleichtert. Der Argumentation Feldsteins zufolge kann eine zehnprozentige Verschlechterung des realen Wechselkurses einerseits durch einen zehnprozentigen Fall des nominalen Wechselkurses oder durch einen zehnprozentigen Fall der lokalen Löhne und Preise erzielt werden.

Dadurch dass sich in einer Währungsunion nominale Wechselkurse nicht ändern können, muss eine Änderung der realen Wechselkurse durch eine Änderung des Preisniveaus herbeigeführt werden. Diese wiederum geht in der Regel einher mit steigender Unterbeschäftigung.

Im Falle der Europäischen Währungsunion sei also laut Knetter und Goldberg das System fester Wechselkurse aufgrund des Anpassungsprozesses mit niedrigerem lokalen Lohn- und Preisniveau verbunden.[9]

Im Gegensatz zu einem System fester Wechselkurse, passen sich die Wechselkurse in einem System flexibler Wechselkurse an. Dementsprechend würde sich bei einer zehnprozentigen Verschlechterung des realen Wechselkurses der nominale Wechselkurs um zehn Prozent erhöhen, so dass das nominale Preisniveau unverändert bliebe. Dieser Anpassungsprozess ist nicht mit Unterbeschäftigung verbunden ist.

Dies ist einer der Gründe, aus welchem Kritiker des festen Wechselkurssystems das System flexibler Wechselkurse vorziehen.

[...]


[1] Vgl. Peter Isard: Exchange Rate Economics, Cambridge University Press 1995, S.187

[2] vgl. Klaus Rose; Karlhans Sauernheimer: Theorie der Aussenwirtschaft, Vahlen München 1999, S.307

[3] vgl. Feldstein, S.32

[4] Feldstein, S.41

[5] Charles Engel: Local currency pricing and the choice of exchange-rate regime, in: European Economic Review 44 (2000), S.1449-1472,hier: S.1450

[6] Zur Veranschaulichung wird in dieser Arbeit in den alten Währungseinheiten argumentiert

[7] vgl. Pinelopi Koujianou Goldberg; Michael M. Knetter: Goods Prices and Exchange Rates: What Have We Learned ?, in: Journal of Economic Literature, Vol.35 (1997), S.1243-1272, hier: S.1246

[8] vgl. Rose, Sauernheimer, S.178

[9] Engel, S.1451

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Wechselkursregime und 'Pricing to the Market'
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Lehrstuhl für Allgemeine und Aussenwirtschaftstheorie)
Veranstaltung
Volkswirtschaftstheoretisches Seminar aus dem Bereich der Aussenwirtschaftstheorie
Note
2,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V18843
ISBN (eBook)
9783638231022
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wechselkursregime, Pricing, Market, Volkswirtschaftstheoretisches, Seminar, Bereich, Aussenwirtschaftstheorie
Arbeit zitieren
Katharina Schnell (Autor), 2002, Wechselkursregime und 'Pricing to the Market', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18843

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