Die „Kreuzzüge“ sind der Begriff, unter welchem das Phänomen des Einfalls europäischer Länder in christlicher Mission in damalige islamische Gebiete zusammen gefasst wird. Die (Hinter)Gründe für die Kreuzzüge differieren zeitlich und individuell, und auch Kreuzzüge selbst können differenziert werden. Diese Reflexion möchte einen kurzen Überblick über die Hintergründe der besagten Geschehnisse zwischen 1000 und 1300 bieten. Außerdem wird aufgezeigt, wie die Kreuzzüge heutzutage europaweit im Geschichtsunterricht behandelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Begriffsbestimmungen
2 Voraussetzungen: Die Situation Europas im zehnten Jahrhundert
3 Das Konzil von Clermont und seine Folgen
4 Die Kreuzzüge im europäischen / arabischen Geschichtsunterricht
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die historischen Hintergründe der Kreuzzüge im Zeitraum zwischen 1000 und 1300 und analysiert zudem, wie diese Ereignisse gegenwärtig im Geschichtsunterricht in verschiedenen europäischen und arabischen Ländern thematisiert werden.
- Definition und Differenzierung der verschiedenen Kreuzzugsbegriffe
- Sozioökonomische und religiöse Voraussetzungen in Europa im 11. Jahrhundert
- Die Rolle des Konzils von Clermont als Auslöser der Kreuzzugsbewegung
- Vergleichende Analyse der Darstellung der Kreuzzüge in internationalen Schulbüchern
- Didaktische Herausforderungen und Ansätze im modernen Geschichtsunterricht
Auszug aus dem Buch
1.1 Begriffsbestimmungen
In der Literatur wird zwischen verschiedenen Kreuzzugsbegriffen differenziert, meist zwischen einem „weiten“ und einem „engen“. Dem Brockhaus zu Folge ist ein Kreuzzug allgemein ein „von der Kirche im Mittelalter geförderter Kriegszug gegen „Ungläubige“[...] und Ketzer[...] zur Ausbreitung bzw. Wiederherstellung des katholischen Glaubens; i.e.S. die kriegerischen Unternehmungen der abendländischen Christenheit zur Rückeroberung des Heiligen Landes […] vom Ende des elften bis zum Ende des 13. Jahrhunderts“1. Als Kreuzzüge im engeren Sinne werden die Wallfahrten der Pilger in die Heilige Stadt Jerusalem bzw. die „Befreiung“ derselben aus den Händen des Islams bezeichnet; neu, im Gegensatz zu den schon seit Jahrhunderten durchgeführten Wallfahrten nach Jerusalem, war hier lediglich die Bewaffnung. Wichtig anzumerken ist auch, dass der Begriff „Kreuzzug“ erst im dreizehnten Jahrhundert aufkam, und auch dann nur selten genutzt wurde.
Häufiger anzutreffen waren die Begrifflichkeiten expeditio (Unternehmung [gegen den Feind]), iter in terram sanctam (Reise ins Heilige Land) oder peregrinatio (Fachausdruck für die Wallfahrt). Mayer unterscheidet zwischen Heiligen Kriegen (Kreuzzügen im weiteren Sinne) und den Kreuzzügen (Kreuzzüge im engeren Sinne).2 Er macht die Definition davon abhängig, ob eine aktive Teilnahme des Papsttums am Krieg vorlag oder nicht, was aber so nicht vollständig haltbar ist (siehe Argumentation Scharnofske3). Mit Kreuzzügen im engeren Sinne sind also diejenigen Heiligen Kriege des elften bis dreizehnten Jahrhunderts zur Befreiung Jerusalems gemeint, welche vom Papst autorisiert worden waren. Diese wurden im späteren Verlauf jedoch auch auf die Bekämpfung der Ungläubigen in Europa ausgedehnt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung definiert das Phänomen der Kreuzzüge und skizziert den Aufbau der Reflexion, die sowohl historische Hintergründe als auch die didaktische Aufarbeitung im heutigen Geschichtsunterricht umfasst.
1.1 Begriffsbestimmungen: Dieser Abschnitt differenziert anhand der Fachliteratur zwischen Kreuzzügen im weiten und engen Sinne und erläutert zeitgenössische Bezeichnungen für die kriegerischen Unternehmungen.
2 Voraussetzungen: Die Situation Europas im zehnten Jahrhundert: Das Kapitel beleuchtet die gesellschaftlichen, religiösen und ökonomischen Rahmenbedingungen des 11. Jahrhunderts, die den Boden für die Kreuzzugsbewegung bereiteten.
3 Das Konzil von Clermont und seine Folgen: Hier wird der Aufruf Papst Urban II. und die daraus resultierende Begeisterungswelle sowie die organisatorische Formierung der ersten Kreuzzüge beschrieben.
4 Die Kreuzzüge im europäischen / arabischen Geschichtsunterricht: Der letzte Teil analysiert die unterschiedliche Darstellung der Kreuzzüge in modernen Schulbüchern verschiedener Länder und diskutiert didaktische Ansätze sowie Probleme der Multiperspektivität.
Schlüsselwörter
Kreuzzüge, Mittelalter, Papst Urban II., Konzil von Clermont, Geschichtsunterricht, Multiperspektivität, Res Publica Cristiana, Heiliges Land, Schulbuchanalyse, Pilgerwesen, Islam, Identitätsfindung, Kulturkontakt, Expeditio, Religionsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert die historischen Ursprünge der Kreuzzüge und untersucht, wie dieses komplexe Thema in gegenwärtigen europäischen und arabischen Schulbüchern vermittelt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Kreuzzügen, die Analyse der mittelalterlichen Lebensrealität und Motivationen sowie eine vergleichende Geschichtsdidaktik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Ursachen der Kreuzzüge zu schaffen und aufzuzeigen, wie unterschiedliche kulturelle Perspektiven die heutige Wahrnehmung und Vermittlung dieses historischen Ereignisses prägen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine Literaturanalyse, um historische Begrifflichkeiten zu klären, sowie eine komparative Analyse von fachdidaktischen Tagungsergebnissen und Schulbuchinhalten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die sozioökonomischen Voraussetzungen in Europa, den Verlauf des Konzils von Clermont sowie eine detaillierte Auswertung internationaler Unterrichtskonzepte zu den Kreuzzügen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Kreuzzüge, Multiperspektivität, Geschichtsdidaktik, Pilgerwesen, Kulturkontakt und Schulbuchanalyse.
Wie verändert sich die Darstellung von Richard Löwenherz und Saladin in den Schulbüchern?
Während in britischen Schulbüchern Saladin oft positiv als "Saladin the Great" rezipiert wird, zeigen andere nationale Perspektiven ein deutlich differenzierteres, teils ideologisch geprägtes Bild der Akteure.
Warum ist das Thema der "Multiperspektivität" für den Geschichtsunterricht so wichtig?
Multiperspektivität ermöglicht es Schülern, das Thema nicht nur aus der eurozentrischen Sicht zu betrachten, sondern die Sichtweisen der verschiedenen beteiligten Kulturen zu verstehen und somit die "Chance zur Diversität" zu nutzen.
- Arbeit zitieren
- Svenja Strohmeier (Autor:in), 2012, Die Hintergründe der Kreuzzüge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188452