1. Vorgehensweise
Will man das Verständnis Platons von Freundschaft betrachten, so eröffnen sich meines Erachtens zwei Wege, die sowohl getrennt als auch gemeinsam begangen werden können. Der erste Weg ist die Auseinandersetzung mit dem Dialog Platons über die Freundschaft selbst, namens Lysis. Hier werden von Platon einige Thematiken über Freundschaftsverhältnisse vorgestellt und diskutiert, ohne jedoch am Schluss des Dialoges einen definitiven Begriff von Freundschaft anzuzeigen.
Der zweite Weg besteht in der Integrierung einer Freundschaftstheorie in Platons Ideenlehre und dem Gedanken eines Aufstieges zum Guten, wie dieser z.B. im Gastmahl vorgestellt wird.
Aber um eine Integrierung von Freundschaft in Platons Ideenlehre vornehmen zu können, muss die Freundschaft erst einmal definiert werden. Daher werde ich beide Wege zu gehen mich bemühen, indem ich zuerst Platons Definition von Freundschaft ermitteln werde und diese daraufhin versuche, in die Ideenlehre einzufügen.
Es kann sowohl die traditionell klassische Sicht der Griechen in Bezug auf Freundschaft als auch die speziell platonische erörtert werden. Inwieweit Platon sich von der Tradition abhebt oder ihr nahe steht, soll im Folgenden ersichtlich werden.
Ich gehe davon aus, dass die Freundschaft für Platon eine Ausgangsposition darstellt, mithilfe derer der Aufstieg zum Guten erleichtert werden kann. Insofern ist die Freundschaft Mittel zum Zweck. Das muss nun aber für Platons Freundschaftsverständnis (genauer gesagt mein Verständnis von Platons Freundschaftsverständnis) nicht diskreditierend sein, wollte man denn eine solche Freundschaft als utilitaristisch betiteln. Nein, denn nicht das Ziel heiligt die Mittel, sondern die angewandten Mittel sagen etwas über das Ziel aus. Ist nun das Mittel, in unserem Fall die Freundschaft, ein tugendhaftes Handeln, so kann das Ziel eben kein verwerfliches sein.
Inhaltsverzeichnis
- Vorgehensweise
- Etymologie von philia
- ΦΙΛΙΑ bei Platon
- Platons Lysis
- Seelenflug
- Freundschaft und Tugend
- Platons Gastmahl und Freundschaft
- Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit Platons Verständnis von Freundschaft und untersucht die Bedeutung von ΦΙΛΙΑ in seinem philosophischen Werk. Der Fokus liegt auf der Analyse von Platons Dialog Lysis, der sich mit verschiedenen Aspekten der Freundschaft auseinandersetzt. Darüber hinaus werden die Verbindung von Freundschaft zur Ideenlehre und der Aufstieg zum Guten, wie er im Gastmahl dargestellt wird, beleuchtet.
- Platons Freundschaftsbegriff
- Der Aufstieg zum Guten durch Freundschaft
- Die Rolle von ΦΙΛΙΑ in Platons Philosophie
- Die Bedeutung von Freundschaft für die Tugendentwicklung
- Die etymologische Entwicklung des Begriffs „philia“
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel erläutert die Vorgehensweise der Untersuchung, wobei zwei zentrale Ansätze vorgestellt werden: die Analyse von Platons Dialog Lysis und die Integration von Freundschaft in Platons Ideenlehre. Kapitel zwei beschäftigt sich mit der etymologischen Herleitung des Wortes „philia“ und beleuchtet die Bedeutung von Zugehörigkeit, Eigentum und Blutsverwandtschaft in der antiken griechischen Kultur. Im dritten Kapitel werden Platons Lysis und seine Darstellung von Freundschaft als Dialektik von Affinität und Differenz betrachtet. Insbesondere wird die Rolle von edler Abstammung und Tugend in der Freundschaft hervorgehoben.
Schlüsselwörter
ΦΙΛΙΑ, Platon, Freundschaft, Lysis, Gastmahl, Ideenlehre, Tugend, Aufstieg zum Guten, Etymologie, griechische Ethik, Exklusivität, Utilitarismus.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptthema von Platons Dialog „Lysis“?
Der Dialog Lysis ist Platons zentrales Werk über die Freundschaft, in dem verschiedene Definitionen diskutiert werden, ohne zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen.
Wie hängen Freundschaft und Platons Ideenlehre zusammen?
Freundschaft wird als Mittel zum Zweck gesehen, um den „Aufstieg zum Guten“ zu erleichtern. Sie dient als Ausgangsposition für die geistige Entwicklung.
Was bedeutet der griechische Begriff „Philia“?
Etymologisch umfasst Philia nicht nur Freundschaft, sondern auch Konzepte von Zugehörigkeit, Eigentum und Blutsverwandtschaft in der antiken Kultur.
Ist Platons Freundschaftsverständnis utilitaristisch?
Obwohl Freundschaft als „Mittel zum Zweck“ für den Aufstieg zum Guten betrachtet werden kann, ist sie durch tugendhaftes Handeln geprägt und verfolgt somit ein ethisch hohes Ziel.
Welche Rolle spielt das „Gastmahl“ für die Freundschaftstheorie?
Im Gastmahl wird die Idee des Aufstiegs zum Schönen und Guten vertieft, wobei zwischenmenschliche Beziehungen als Stufen in diesem Prozess fungieren.
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- Magister Artium Abe Jarron (Author), 2008, Freundschaft bei Platon, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188660