„Fürst der Versöhnung“ wurde Pico della Mirandola von seinen Freunden und Zeitgenossen scherzhaft genannt. Verweist dieser Titel einerseits auf seine adlige Herkunft, so spielt er doch vor allem auf sein umfassendes philosophisches Synthesestreben an. Völlig untypisch für seine Zeit lernte er Arabisch und Hebräisch, studierte islamische Philosophen und begann als erster Christ sich intensiv mit der mystischen Tradition des Judentums - der Kabbala - auseinanderzusetzen. Sein Bestreben christliche Glaubensinhalte durch Magie und Kabbala zu beweisen brachte ihm 1487 die Exkommunikation durch Papst Innozenz VIII. ein. Seine postum veröffentlichte Rede „De hominis dignitate“ wird von Jacob Burckhardt als „eins der edelsten Vermächtnisse“ der Renaissance überhaupt gefeiert. Gleichzeitig bildete sie die Einleitung zu einer für das Jahr 1478 geplanten Disputation in Rom, bei der Pico seine 900 synkretistischen Thesen den einflussreichsten Gelehrten seiner Zeit vorstellen und sie anschließend verteidigen wollte. Dieses ehrgeizige Unterfangen und die eindrucksvolle Spannweite seiner Quellen verhalfen ihm schon zu Lebzeiten, trotz des Scheiterns der Disputation, zu dem Ruf eines Ausnahmegelehrten.
Doch wie passt dieser vielseitige Philosoph in seine Zeit? Ist er Sonderfall oder Musterbeispiel für einen Renaissance-Denker? Wie eigenständig sind seine Ideen überhaupt? Offenbaren die vielfältigen Einflüsse und Quellen des jungen Grafen nicht gleichzeitig fehlende philosophische Originalität, wie sie ihm und anderen Renaissance-Humanisten niemand geringeres als Hegel vorwarf? Mit diesen Fragen beschäftigt sich diese Hausarbeit, indem sie, ausgehend von der Biographie Picos, dessen Berührpunkte zu den geistigen Strömungen seiner Zeit aufzeigt und seine Ausführungen dann vor diesem Hintergrund beleuchtet. Hierzu beziehe ich mich auf seine Rede über die Würde des Menschen, in der Anthropologie und philosophisches Synthesestreben deutlich werden. Unter besonderer Berücksichtigung der eklektischen Vorgehensweise Picos und ihrer historischen Beurteilung soll abschließend geklärt werden, wie repräsentativ der Denker für seine Zeit ist.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Biographisches und zeitgeschichtliche Einflüsse
- Oratio de Hominis Dignitate
- Die Freiheit des Menschen
- Aufstieg zu Gott
- Synkretismus
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Giovanni Pico della Mirandola als typischer Renaissance-Denker bezeichnet werden kann. Sie analysiert seine Biographie, die Einflüsse auf seine Denkweise und untersucht seine Rede "De hominis dignitate" im Kontext seiner Zeit. Dabei werden seine anthropologischen Ansichten und sein philosophisches Synthesestreben beleuchtet.
- Das philosophische Synthesestreben Picos
- Die Bedeutung von "De hominis dignitate" für Picos Denken
- Die anthropologischen Ansichten in Picos Werk
- Die Einordnung Picos in die geistigen Strömungen der Renaissance
- Die Rezeption von Picos Werk in der Geschichte
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt Pico della Mirandola als vielseitigen Philosophen vor, dessen Schriften und Ideen den Geist der Renaissance widerspiegeln. Es werden zentrale Fragen zu seiner Einordnung in die geistigen Strömungen seiner Zeit aufgeworfen.
Das zweite Kapitel befasst sich mit Picos Biographie und den zeitgeschichtlichen Einflüssen auf sein Denken. Es werden seine Studien in Bologna, Ferrara und Padua beschrieben und seine Beziehungen zu wichtigen Persönlichkeiten der Renaissance, wie Marsilio Ficino, Ermolao Barbaro und Savonarola, beleuchtet.
Kapitel drei konzentriert sich auf Picos berühmte Rede "De hominis dignitate". Es werden die zentralen Thesen der Rede, wie die Freiheit des Menschen, den Aufstieg zu Gott und den Synkretismus, analysiert und in Bezug zu Picos Philosophie und Lebenswerk gesetzt.
Schlüsselwörter
Giovanni Pico della Mirandola, Renaissance, Humanismus, "De hominis dignitate", Anthropologie, Philosophie, Synkretismus, Platonismus, Aristoteles, Kabbala, Mystik, Theologie, Geschichte, Kultur
Häufig gestellte Fragen
Was ist das bekannteste Werk von Pico della Mirandola?
Sein berühmtestes Werk ist die Rede „De hominis dignitate“ (Über die Würde des Menschen), die als Manifest der Renaissance gilt.
Was versteht Pico unter dem „philosophischen Synthesestreben“?
Er versuchte, verschiedene Denksysteme wie Platonismus, Aristotelismus, Islamische Philosophie und die jüdische Kabbala mit dem Christentum zu versöhnen.
Warum wurde Pico della Mirandola exkommuniziert?
Aufgrund seiner 900 Thesen, in denen er versuchte, christliche Glaubensinhalte durch Magie und Kabbala zu beweisen, was Papst Innozenz VIII. ablehnte.
Welche Rolle spielt die Freiheit in Picos Anthropologie?
Pico vertrat die Ansicht, dass der Mensch kein festes Wesen hat, sondern die Freiheit besitzt, sich selbst zu dem zu machen, was er sein will.
War Pico ein typischer Denker seiner Zeit?
Die Arbeit untersucht, ob er ein Musterbeispiel für den Renaissance-Humanismus oder aufgrund seiner extremen Quellenvielfalt ein Sonderfall war.
- Arbeit zitieren
- Julius Neu (Autor:in), 2011, Pico della Mirandola, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/188937