Analyse eines Textauszuges aus dem Roman „Soloalbum“ von Benjamin von Stuckrad-Barre im Hinblick auf den Stil der Textsorte Popliteratur


Hausarbeit, 2010
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Theoretische Grundlagen der Stilistik
1.1 Problematik des Stilbegriffs
1.2 Stiltheorien
1.3 Möglichkeiten einer Stilanalyse

2. Methodische Erfordernisse einer linguistischen Stilanalyse
2.1 Stilmittel
2.2 Stiltypen
2.3 Stilschichten

3. Textsortenbezogene stilistische Analyse
3.1 Einleitende Bemerkung
3.2 theoretische Grundlagen zum Forschungsobjekt
3.3 Textanalyse

Schlussbemerkung

Anhang

Literaturverzeichnis

Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit soll zum einen ein einführender Überblick über das sprachwissenschaftliche Teilgebiet Stilistik geschaffen und zum anderen der Stil popliterarischer Texte untersucht und beschrieben werden. Dazu wird stellvertretend ein Textauszug aus Benjamin von Stuckrad-Barres Debütroman „Soloalbum“, im Hinblick auf Stil, deskriptiv analysiert.

Laut Spillner kann „eine Stilanalyse [...] ohne fundierte stiltheoretische Kenntnisse nicht funktionieren und anders herum“[1]. Aus diesem Grund wird zunächst die Problematik um den Begriff Stil hervorgehoben, um anschließend einige Stiltheorien und Möglichkeiten der Stilanalyse vorzustellen. Da es eine Vielzahl an Stiltheorien und Stilanalysemöglichkeiten gibt, wird im Rahmen dieser Hausarbeit lediglich auf eine Auswahl derer eingegangen, die für die Textsorte Popliteratur relevant und interessant sein könnten.

In einem zweiten Schritt werden die methodischen Grundlagen einer Stilanalyse vorgestellt: die Stilmittel, die Stiltypen und die Stilschichten, die laut Sanders „theoretisch wie auch praktisch in der modernen Linguistik fundiert [...]“ und somit für eine Stilanalyse unabdingbar sind.

Neben den theoretischen Grundlagen der Stilistik und den methodischen Erfordernissen einer linguistischen Stilanalyse sind theoretische Grundlagen zur Popliteratur, den Autor Benjamin von Stuckrad-Barre und dessen Debütroman „Soloalbum“ von zentraler Bedeutung. Nachdem die Grundlagen zum Forschungsobjekt geschaffen wurden, wird anhand des ersten Kapitels, in einem letzten Schritt, eine textsortenbezogene Stilanalyse durchgeführt, die die textsortenspezifischen Merkmale der Popliteratur untermauern und eventuelle Abweichungen von der Norm hervorheben soll[2].

1. Theoretische Grundlagen der Stilistik

1.1 Problematik des Stilbegriffs

„Stil ist heute ein Allerweltswort“[3], darin liegt die Problematik um diese Begrifflichkeit. Sie findet neben der Sprachwissenschaft in fast jedem Bereich Verwendung. Egal ob es um Mode, Politik, Kunst oder das öffentliche Leben im Allgemeinen geht, der Begriff Stil ist überall vertreten, so dass es sehr schwer ist, eine allgemeine Definition dafür zu finden. Beschäftigen wir uns jedoch ausschließlich mit dem Stilbegriff in der Sprachwissenschaft, lässt sich feststellen, dass er auch hier ambivalent ist. Laut dem Lexikon der Sprachwissenschaft ist Stil:

Charakteristischer Sprachgebrauch. Das Wort ist seit dem 15. Jh. bezeugt, bürgerte sich im Deutschen aber erst im 18. Jh. ein, anfangs für die individuelle, als Ausdruck der Person geltende Schreibweise eines Autors, im Zeichen des Individualismus gegen das erstarrte Regelsystem der Rhetorik und Poetik gerichtet, dann als neutraler Begriff für die 'Art und Weise wie man schreibt' (Andelung [1785]).[4]

Seit Anbeginn der Rhetorik im 5. Jhd. v. Chr. und der Stilistik als dessen Teildisziplin, beschäftigten sich viele Wissenschaftler mit dem Stil und machten es sich zur Aufgabe, Stiltheorien zu entwickeln. Wie Spillner behauptet, erfährt die Kategorie Stil ihre exakte Definition in einer Stiltheorie.[5] Doch trotz der vielen Definitionsversuchen gibt es „Tatsächlich [...] bis heute weder eine einleuchtende Definition von Stil noch eine allgemein akzeptierte Stiltheorie“ (Spillner 1974, S. 12). Einige sind der Meinung, dass Stil sich durch das Abweichen von der Norm manifestiert oder als Ergebnis eines Wahl-Aktes. Andere glauben, dass Stil ausdrückt, welches Verhältnis der Produzent selbst zur Sprache hat oder wie, also als welche Textsorte oder Gattung ein Text gelesen werden soll. Im Folgenden wird eine Auswahl an Stiltheorien vorgestellt, die für das Thema der Arbeit interessant sein könnten.

1.2 Stiltheorien

Die Linguistische Stiltheorie befasst sich mit der Frage, wie ein Emittent in einer konkreten Situation von den Ressourcen seiner Sprache (der Grammatik) Gebrauch macht.[6]

Die Pragmatische Stiltheorie ist der Auffassung, dass Stil ein Mittel ist, sprachliche Handlungen durchzuführen. Je nach dem wie der Produzent die Sprache benutzt, also in welchem Stil er spricht oder schreibt, kann er unterschiedliches bewirken.

Die Literaturwissenschaftliche Stiltheorie befasst sich mit der spezifischen Sprachgestaltung eines Textes im Hinblick auf syntaktisch und lexikalisch-semantische Ausdrucksvarianten, die Erkenntnisse der Poetik, die literarische Strukturforschung, die Erzählforschung und die Textlinguistik. Bei der Analyse konzentriert sich die literarische Stilistik in der Regel auf die Figuren und Tropen, die mit der antiken Rhetorik identisch sind.

1.3. Möglichkeiten einer Stilanalyse

Bei der Mikrostilistische Stilanalyse wird die Vielzahl der „stilrelevanten Variationsmöglichkeiten, sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht“[7] analysiert. Die Stilanalyse orientiert sich also meist am Satzbau, an der Wortwahl und an der Suche nach Stilelementen, wie den rhetorischen Figuren. Die Mikrostilistik bezieht sich auf die morphologische und syntaktische Ebene der Sprache. Im Gegensatz dazu widmet sich die Makrostilistik und damit auch die Makrostilistische Stilanalyse eher der stilistischen Qualität ganzer Texte oder umfangreicher Textstellen. Dabei gehören nach Riesel die folgenden Kategorien zur makrostilistischen Stilanalyse, die nach Sowinski „wahrscheinlich noch durch andere erweitert werden können (Sowinski 1999. S. 88).

- Kontext
- Komposition als Zusammenwirken des inneren und äußeren Textaufbaus
- Architektonische Funktionen der sprachstilistischen Mittel
- Darstellungsarten
- Erzählperspektive
- Arten der Rededarstellung und des Sprachporträts und die
- Beschreibung von Funktionalstilen[8]

Des Weiteren kann man Stil als Abweichung von der Norm sehen, wie es in der Abweichungsstilistik der Fall ist. Hier stellt sich in der Analyse die Frage nach der Ursache für diese Abweichung (Sowinski, 1999, S. 70). Außerdem könnte man nach der Pragmatischen Stilistik Stil als bewusst gewählte Sprachhandlung sehen und die pragmatischen Funktionen beschreiben (ebd.). Schließlich gibt es noch die Methode der werkimmanenten Interpretation, die zwar bestimmten impliziten Stilauffassungen zugrunde liegt, jedoch keine stiltheoretischen und methodischen Vorüberlegungen anstellt. Aus diesem Grund wird sie meist als unsystematisch kritisiert.

Laut Sowinski kann man für Stilanalysen und -interpretationen auch mehrere Theorien und Analyseansätze verwenden, solange sich diese nicht widersprüchlich zueinander verhalten.

2. Methodische Erfordernisse einer linguistischen Stilanalyse

2.1 Stilmittel

Unter Stilmitteln versteht man alle sprachlichen Erscheinungen mit Formulierungsalternativen (Bußmann 2008, S. 684). Wir wollen im Folgenden besonders auf die Stilfiguren (Rhetorischen Figuren) eingehen, da sie „ein Musterbeispiel für die Wirkung stilistischer Prozeduren überhaupt [sind]“[10] und besonders in der Textsorte Popliteratur vermehrt vorkommen. Laut Eroms sind Stilfiguren „normierte, gesetzmäßig erlaubte 'Verstöße' gegen das Erwartete“ (Eroms 2008, S. 177) und lassen sich wie folgt untergliedern.[9]

- Figuren des Ersatzes (auch Tropen)
- Figuren der Hinzufügung
- Figuren der Auslassung
- Figuren der Anordnungsveränderung

Die Figuren des Ersatzes werden auch lexikalische Figuren bezeichnet, da sie den eigentlichen Ausdruck durch einen anderen ersetzen. Zu den bekanntesten zählen die Metapher, die Ironie und die Hyperbel. Die drei anderen Figuren gehören zu den syntaktischen Figuren. Zu den Figuren der Hinzufügung zählen Wiederholungen oder Parallelismen. Zu den Figuren der Auslassung, Ellipsen und zu den Figuren der Anpassung das Correcio.

Bei der Analyse der Stilfiguren genügt es jedoch nicht, diese lediglich zu finden und aufzuzählen. Sinn der Analyse ist es die Intention des Emittenten zu erkennen und wiederzugeben.

2.2 Stiltypen

Neben der sprachlichen Analyse des Stils durch die Stilmittel lässt sich, laut Sanders, durch die Stiltypen die sachliche Seite des Stils analysieren. Stiltypen sind normstiftend und erleichtern dem Rezipienten somit die Textanalyse. Da es eine Vielzahl an Stiltypen gibt, werde ich nur auf die Folgenden eingehen.

Der Textsortenstil: Um diesen Stiltyp definieren zu können, muss erst der Begriff Textsorte durchleuchtet werden. Textsorten führen zu einer Normierung des sprachlichen Stils, da die Merkmale einer Textsorte mit Hilfe einer Merkmalübersicht, wie beispielsweise in der Duden-Grammatik[11] erfasst sind. Viele Textsorten erkennt man jedoch auch mit Hilfe unseres Textsortenwissens. So wissen wir, dass beispielsweise ein Text, der mit „Es war einmal“ beginnt, der Textsorte Märchen zuzuordnen ist oder das es sich bei „im Namen des Volkes“ um ein Gerichtsurteil handelt. Der Textsortenstil eines Textes meint demnach die einzelnen Formulierungsmuster, die zusammen den charakteristischen Stil eines Textes ausmachen. Der Produzent ist an die „normativen Verbindlichkeiten“[12] der jeweiligen Textsorte bis zu einem bestimmten Grad gebunden. Er hat jedoch die Möglichkeit seine sprachlichen Muster unterschiedlich zu realisieren. Entweder hält er sich an die Vorgaben (Typisieren) oder weicht bewusst von ihnen ab (Unikalisieren). Besonders breite Gestaltungsmöglichkeiten hat der Produzent z. B. bei persönlichen Briefen oder literarischen Texten.

Der Funktionalstil: „Die Funktionalstilistik ordnet bestimmten Kommunikationsbereichen typische stilistische Eigenschaften zu“ (Duden-Grammatik 2006, S.1160). Des Weiteren sind die verschiedenen funktionalen Verwendungsbereiche (Funktionale Stile) wie Alltagssprache, Wissenschaftssprache, Öffentliche Kommunikation, Sprache der Medien, Sprache der Unterweisung, literarische Sprache, sakrale Sprache und Werbungssprache (Eroms 2008, S. 115) bestimmten Normen untergeordnet. Die Funktionalstilistik ist wichtig für eine linguistische Stiltheorie und ist laut Riesel dem Individualstil auf jedem beliebigen Gebiet gesellschaftlicher Tätigkeit übergeordnet[13].

Der Individualstil (auch Personalstil): Im Gegensatz zu den anderen beiden Stiltypen muss der Individualstil nicht normstiftend sein, hat also keinen „hohen Grad an normativen Verbindlichkeiten“ (Michel 2001, S. 117). Der Individualstil beschreibt die Gesamtheit der individuellen Charakteristika des Autors bei der Verwendung sprachlicher Mittel. Bereits bei Seneca und Platon war Stil die charakteristische Schreibart eines Autors. Doch man sollte laut Spillner (1974) bei der Analyse vorsichtig sein, da man sie nicht als Mittel für Aufschlüsse über die Psyche des Dichters missbrauchen solle, denn dies sei nicht linguistisch fundiert. Um einen Individualstil analysieren zu können, müssen mehrere Texte des Autors verglichen und auf die charakteristischen Merkmale analysiert werden. Dies stellt sich nicht immer als einfach heraus, da die Ausprägung der individuellen Merkmalen von Text zu Text unterschiedlich stark sein kann, so dass der autorenspezifische Stil nicht immer erkennbar ist. Des Weiteren gibt es auch Autoren, deren Stil nur in einem geringen Grade individualisiert ist, so dass sich die Frage ergibt, ob überhaupt von einem Individualstil gesprochen werden kann (Michel 2001, S. 117).

2.3 Stilschichten

Laut Sanders wird bei den Stilschichten, die persönliche Seite des Stils analysiert, da sie den jeweiligen Individualstil bestimmen. Demnach sind sie höchst variabel. Die Stilschichten gehen auf die drei Stilarten der antiken Rhetorik zurück, die wie folgt aussehen:

- genus sublime / grande (= kunstsprachlich / gehoben)
- genus medium (= normalsprachlich) und
- genus subtile (= umgangssprachlich / gesenkt)

Diese Dreiteilung der Stilschichten hat sich besonders in der Lexikographie zur Kennzeichnung stilistisch markierter Wörter eingebürgert (Bußmann 2008, S. 686)

Nach Sanders entsteht durch die drei Analyseschritte Stilmittel, Stiltypen und Stilschichten eine linguistische Stilanalyse, da sie „theoretisch wie auch praktisch in der modernen Linguistik fundiert sind“ (Sanders 1977, S.61).

3. Textsortenbezogene stilistische Analyse

3.1 Einleitende Bemerkung

Die Stilistische Analyse wird durch die historische und wissenschaftliche Beschreibung des Phänomens Popliteratur eingeleitet, um in einem nächsten Schritt den Autor und sein Werk vorzustellen. Anschließend werden die popliterarischen Merkmale im Hinblick auf den Roman vorgestellt und anhand von Beispielen belegt. Da der besondere Augenmerk auf der Sprache liegt, wird das erste Kapitel des Romans „Soloalbum“ zur Analyse herangezogen.

In diesem Zusammenhang wird zunächst das Kapitel beschrieben und in den Kontext des Romans eingeordnet. Daraufhin werden die auffallenden stilistische Merkmale und Besonderheiten mit den Textsortenspezifischen Merkmale und Besonderheiten der Popliteratur verglichen und gewisse Abweichungen hervorgehoben. Ziel der Analyse ist es, die aufgestellten Theorien zu untermauern und gegebenenfalls zu erweitern. Dabei wird der Versuch einer makrostilistischen Stilanalyse unternommen, die zugleich textsortenbezogen ist und einen Überblick über den Individualstil des Autors schafft.

3.2 Theoretische Grundlagen zum Forschungsobjekt

Historische und wissenschaftliche Betrachtung der Popliteratur

Die deutsche Popliteratur entstand, angetrieben durch den Vortrag des amerikanischen Kulturkritikers Leslie A. Fiedlers „ Cross the Boder, Close the Gab“[14], der darauf plädierte, die strenge Dichotomie zwischen elitärer und trivialer Literatur aufzubrechen und sich auch dem Alltag zuzuwenden. Dies veranlasste viele Autoren Texte zu produzieren, die zugleich populär und sinnlich-lustbetont waren. Der bekannteste Verfechter dieser Idee war Rolf Dieter Brinkmann, der 1969 zusammen mit Ralf-Rainer Rygulla die Anthologie „Acid. Neue amerikanische Szene“ im März-Verlag veröffentlichte, in der er die amerikanischen Popliteraten in Deutschland vorstellte. Die Popliteratur hatte eine große Bedeutung, da sie mit der gesellschaftlichen Entwicklung der Nachkriegszeit, den Studentenunruhen und der 68ger Bewegung in Verbindung gebracht werden konnte. Brinkmann vertrat die Idee der „Abwendung von der traditionellen Literatur und stattdessen die Hinwendung zum Pop mit seiner affirmativen Haltung den Oberflächen gegenüber“. Dies brachte ihm den Vorwurf der Oberflächlichkeit ein, doch es ging den Künstlern besonders in der Anfangszeit darum, durch die Arbeit mit der Oberfläche, unter die Oberfläche beispielsweise der gesellschaftlichen Realität zu schauen. Außerdem wollten die Literaten sich kulturell deutlich von der Elterngeneration abgrenzen. Problematisch ist und war jedoch die Kurzlebigkeit der Texte, da sie sich auf aktuelle Trends der Pop-Kultur bezogen, die sich mit der Zeit änderten. Dadurch ist es schwer, einen popliterarischen Text 10 oder 20 Jahre nach Erscheinen noch verstehen oder einordnen zu können. Des Weiteren wird das Verständnis dieser Texte erschwert, da sie meist an ein „national begrenztes, kulturelles Vorwissen gebunden [sind]“[15]

In den 1990er Jahren gab es eine Wende in der Popliteratur. Die Autoren waren nun viel jünger (der jüngste war Benjamin Lebert, der bei Erscheinen seines Romans „Crazy“ erst 15 war) und die Protagonisten ihrer Werke schienen meist der vermögenden Oberschicht zu entspringen. Dies wird besonders bei Christian Krachts „Faserland“ sehr deutlich. Der Ich-Erzähler wirft oft mit Markennamen um sich und schwärmt nicht selten von seiner Babourjacke[16]. Zu den wichtigsten Vertretern der „neuen“ Popliteratur zählen wie bereits erwähnt, Christian Kracht, Elke Nasters, Alexa Henning von Lange und Benjamin von Stuckrad-Barre. Der wichtigste internationale Vertreter ist Nick Hornby, der vor allem durch seinen Roman „About a boy“ aus dem Jahr 1998 und der Verfilmung „About a Boy oder: der Tag der toten Ente“ (Regie: Chris und Paul Weitz) in Deutschland bekannt wurde. Thema der Werke war und ist, das Alltägliche mittels Oberflächenbeschreibungen zu beschreiben und durch Spott und Ironie eine verdeckte (und teilweise unverdeckte) Gesellschaftskritik auszuüben. Dabei ist es die Aufgabe des Lesers, die Gesellschaftskritik und die politischen Dimensionen zu erkennen, da von Seiten des Autors nicht immer ein Standpunkt klar gemacht wird. Der Unterschied zwischen der 60ger und der 90ger Generation ist, dass Popliteratur ursprünglich als literarische Strömung galt, die sich gegen eine strikte Trennung zwischen Hoch- und Massenkultur einsetzt und heute eher das Lebensgefühl einer gesellschaftlichen Gruppe wiedergibt, die sich vor den Problemen des Erwachsenwerdens gestellt sieht.

Die Popliteratur wissenschaftlich zu betrachten ist sehr schwer, da es keine allgemein gültige Definition von Pop gibt[17]. Außerdem ist es schwer, die Popliteratur in das noch streng hierarchisierte Schema der deutschen Literatur einzuordnen (ebd.). Einige sind der Meinung, sie würde durch „provokante Exzentrik, Monomanie, Obszönität, Unsinnigkeit und Primitivität“[18], einen Platz zwischen „Trivial- und Eliteliteratur“ (Mehrfort 2008, S. 44) einnehmen. Andere sehen in dieser Literatur die Chance, „die schon verloren geglaubten jungen Leser zu gewinnen und etwas vom Glamour, von der Frechheit des Pop aufzusaugen“ (Seeßlen 2002, S. 6). Laut Seeßlen sind Popliteraten, wenn sie gut sind, genaue Beobachter. „Sie schreiben visuell, videografisch und sie montieren ihre Texte häufig nach dem Prinzip einer Schallplatte (kurze und lange Stücke, Tempowechsel, Ritornelle)“ (ebd.). In Deutschland wird Popliteratur „als Ausdruck und Sprachrohr der Protestbewegung wahrgenommen, was ursprünglich nicht intendiert war“[19]. Popliteratur arbeitet nach dem „Popprinzip“, steht also nicht so institutionell in der Öffentlichkeit, sondern läuft viel eher durch die Medien (ebd.). Die Popliteraten benutzen die Medien und Strategien der Popmusik um sich und ihre Texte bekannt zu machen. Beispielsweise machten Benjamin von Stuckrad-Barre und Christian Kracht Werbung für Peek und Cloppenburg. Außerdem heißen Stuckrad-Barres Lesereisen Touren und werden wie Konzerte insziniert. Es gibt Merchandising-Stände und Showeinlagen, was die Populatrität des Autors besonders bei jungen Lesern steigen lässt.

[...]


[1] Spillner, Bernd (1984): Methoden der Stilanalyse. Tübingen: Gunter Narr Verlag, S. 7.

[2] Auf die Besonderheiten und Rahmenbedingungen der textsortenbezogenen Stilanalyse wird in Kapitel 3.1 näher eingegangen.

[3] Sanders, Willy (1977): Linguistische Stilistik. Grundzüge d. Stilanalyse sprachl. Kommunikation. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht. S. 10

[4] Bußmann, Hadumond (2008): Lexikon der Sprachwissenschaft. Unter Mitarbeit von Hartmut Lauffer. 4., durchgesehene und bibliographisch ergänzte Auflage. Stuttgard: Kröner. S. 684.

[5] Spillner, Bernd (1974): Linguistik und Literaturwissenschaft. Stilforschung, Rhetorik, Textlinguistik. Stuttgart Berlin Köln Mainz: Verlag W. Kohlhammer. S. 12.

[6] Punkt 1.2 ist erstellt worden in Anlehnung an: SPILLNER, BERND (1984): Methoden der Stilanalyse. Tübingen: Gunter Narr Verlag, S. 21-29.

[7] Sowinski, Bernhard (1999): Stilistik. Stiltheorien und Stilanalysen. 2., überarb. u. Akt. Aufl. Stuttgart: Metzler. S.89.

[8] Riesel, E. / Schendels, E. (1975): Deutsche Stilistik. Moskau. S. 264ff.

[9] Kapitel 2 ist erstellt worden in Anlehnung an:

Sanders, Willy (1977): Linguistische Stilistik. S. 58-63.

[10] Eroms, Hans-Werner (2008): Stil und Stilistik. Eine Einführung. Berlin: Erich Schmidt Verlag. S. 194

[11] DUDEN – Grammatik der Deutschen Gegenwartssprache (2006): Herausgegeben von der Dudenredaktion. Nach den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung 2006 überarbeiteter Neudruck der 7., völlig neu erarbeiteten und erweiterten Auflage. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag, S. 1164-1169.

[12] Michel, Georg / Siehr, Karl-Heinz / Keßler, Christine (2001): Stilistische Textanalyse. Frankfurt am Main...: Peter Lang. S. 117.

[13] An diesem Punkt verzichte ich darauf, auf die einzelnen Funktionalstile einzugehen, da sie den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würden

[14] Vortrag im Sommer 1968 an der Universität Freiburg. Der Vortrag wurde im September 1968 überarbeitet und übersetzt und erschien zweiteilig in der Wochenzeitschrift „Christ und Welt“.

[15] Jung, Thomas (2007): Alles nur Pop?. Europäischer Verlag der Wissenschaften. S. 155.

[16] Kracht, Christian (1995): Faserland. Köln: Kiepenheuer & Witsch. S. 46-47.

[17] Mehrfort, Sandra (2008): Popliteratur. Karlsruhe: Info Verlag. S. 46.

[18] Döhl, Reinhard: Popliteratur. S. 359

[19] Schäfer, Jörgen (2003): Neue Mitteilungen aus der Wirklichkeit. Zum Verhälnis von Pop und Literatur in Deutschland seit 1968. In: Heinz Ludwig Arnold / Ders.: Popliteratur. München: Text+Kritik. Zeitschrift für Literatur. Sonderband. S. 18.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Analyse eines Textauszuges aus dem Roman „Soloalbum“ von Benjamin von Stuckrad-Barre im Hinblick auf den Stil der Textsorte Popliteratur
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V189147
ISBN (eBook)
9783656130550
ISBN (Buch)
9783656130741
Dateigröße
11487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, textauszuges, roman, soloalbum, benjamin, stuckrad-barre, hinblick, stil, textsorte, popliteratur
Arbeit zitieren
Antonella Corrado (Autor), 2010, Analyse eines Textauszuges aus dem Roman „Soloalbum“ von Benjamin von Stuckrad-Barre im Hinblick auf den Stil der Textsorte Popliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189147

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