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Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht "Die ächzende Kreatur" im Kontext des postaufklärerischen Restaurationsversuches christlicher Naturexegese

Title: Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht "Die ächzende Kreatur" im Kontext des postaufklärerischen Restaurationsversuches christlicher Naturexegese

Term Paper (Advanced seminar) , 2011 , 36 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Lukas Rieger (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Arbeit verfolgt ausführlich die Entstehungsgeschichte Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht "Die ächzende Kreatur"/"<An einem Tag, wo feucht der Wind>" nach. Sie leistet dabei eine knappe Einordnung in zeitgenössische Diskurse um den Natur-Begriff. In diesem Zusammenhang stellt sie auch die Anregung zum Gedicht durch den Freund und Förderer Schlüter, insbesondere dessen in die genannten Diskurse eingeordnete Motivation zu dieser Anregung dar. Zu diesem Zweck analysiert die Arbeit auch den exegetischen Gehalt des im Gedicht verarbeiteten Bibelpassus. Im Abgleich zu diesen Hintergründen schließlich interpretiert sie ausführlich das Gedicht und verfolgt dabei insbesondere die Frage, inwieweit sich die Droste bei der Abfassung des Gedichtes von der schlüterschen Intention entfernt hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Deutungsthesen

II. Entstehungsgeschichte

III. Einordnung in zeitgenössische Diskurse

1. Die Bedrohung des theistischen Weltbildes durch den Deismus

2. Die Bedrohung des theistischen Weltbildes durch Pantheismus und Naturalismus

3. Die Emanzipation des Natur-Begriffes: kosmologische und anthropologische Konsequenzen

IV. Zum Quelltext

1. Textanalyse unter Berücksichtigung zeitgenössischer Exegese

a) Vers 18: Themensetzung und Tenor

b) Vers 19: die problematische Denotation des „creatura“-Begriffes

c) Verse 20 & 21: Kulminationspunkt von Offenbarungs- und Problemgehalt

d) Vers 22: Leiden als notwendiger Bestandteil der Erlösung

2. Schlüters Textauffassung und sein Arbeitsauftrag an die Droste

V. Gedichtanalyse

1. Formales

2. Inhaltliches

a) Strophe 1: Psychische und somatische Ausgangslage

b) Strophe 2: Meditative Melancholie

c) Strophe 3: Melancholisch geläuterte Naturbegegnung

d) Strophe 4: Das ernüchternde Paradigma der Natur

e) Strophe 5: Das Ächzen der Kreatur als Ausdruck ihres Leidens und einer ziellosen Erlösungshoffnung

f) Strophe 6: Der Sündenfall als Quelle des ontologischen Spezifikums menschlicher Schuld

g) Strophe 7: Die allgemeine Unausweichlichkeit der vererbten Schuld

h) Strophe 8: Die Unleugbarkeit der vererbten Schuld

i) Strophe 9: Der Mord an der Natur als eigentliches Problem des Sündenfalls

j) Strophe 10 und Gesamtdeutung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht „Die ächzende Kreatur“ im Kontext des postaufklärerischen Bestrebens zur Restauration christlicher Naturexegese. Das Ziel ist es, die spezifische Thematisierung von Schuld und Erlösung innerhalb des Gedichts unter Berücksichtigung des biblischen Römerbriefs als Inspirationsquelle zu analysieren und aufzuzeigen, wie das Werk als kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Weltanschauungsdiskursen zu verstehen ist.

  • Analyse des Einflusses von Deismus, Pantheismus und Naturalismus auf das theistische Weltbild.
  • Untersuchung des intertextuellen Bezugs zwischen dem Gedicht und Römer 8,18-22.
  • Darstellung der poetischen Gestaltung von Schuldgefühlen und der menschlichen Rolle im Schöpfungsgefüge.
  • Kritische Beleuchtung von Schlüters Auftrag zur poetischen Verarbeitung biblischer Passagen.
  • Interpretation der psychologischen und somatischen Dimensionen der Naturwahrnehmung bei Droste-Hülshoff.

Auszug aus dem Buch

Die Bedrohung des theistischen Weltbildes durch den Deismus

Der Gott der Deisten ist dem Erstbeweger oder der Erstursache vergleichbar, wie ihn verschiedene Varianten des als „kosmologischer Gottesbeweis“ bekannt gewordenen Argumentes belegen zu können glauben: Der als Entität existierende Gott habe vor der Entstehung der Welt den Grund und die Beschaffenheit der Welt gelegt, habe bestimmt, welche Gesetze in ihr gelten, welche Formen in ihr angetroffen werden mögen, und aus welcher Materie sie bestehen solle. Er habe sie dann, nachdem sein Rahmen gesetzt war, weniger geschaffen, als vielmehr nach seinen Maßgaben entstehen lassen, habe ihre Wirklichwerdung bloß angestoßen; der Uhrmacher habe das Pendel der großen Standuhr Welt in Schwingung versetzt. Er habe sich dann von der Welt zurückgezogen, sie ihrer Entwicklung und seinem Plan überlassen und nie wieder lenkend – etwa vermittels des Vollbringens von Wundern, durch Beistand, Hilfe, Rettung – in das Weltgeschehen eingegriffen.

Der deistische Gotteszugang ist offensichtlich ein vermittelt empirisch-rationaler: Weil die Welt nicht seit unendlicher Zeit existieren könne, weil sie also geworden sein müsse, und weil sie dies nicht aus sich selbst habe bewerkstelligen können, sei es vernünftig, anzunehmen, dass sie eine Ursache eben gerade außerhalb ihrer selbst habe. Diese Ursache wird als außerweltliches, im Weiteren unbekanntes Wesen gedacht und erhält den Namen „Gott“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Deutungsthesen: Diese Einführung formuliert die zentrale Hypothese, dass das Gedicht eine Anthropologie des Schuldverhältnisses entwirft, welche das gefallene menschliche Wesen mit der leidenden Kreatur in eine ontologische Krise setzt.

II. Entstehungsgeschichte: Dieses Kapitel beleuchtet die Entstehung des Gedichts als letztes Werk der Dichterin und arbeitet die Diskrepanzen zwischen dem Entwurf und späteren Schücking-Editionen sowie die Rolle von Christoph Bernhard Schlüter heraus.

III. Einordnung in zeitgenössische Diskurse: Hier werden die theologischen Herausforderungen durch Deismus, Pantheismus und den aufkommenden Naturalismus analysiert, die den Hintergrund für die zeitgenössische Sorge um das christliche Weltbild bilden.

IV. Zum Quelltext: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte textkritische Analyse der im Gedicht verarbeiteten Passage aus dem Römerbrief sowie eine Untersuchung der theologischen Vorgaben, die Schlüter der Droste im Kontext seines Auftrags mitgab.

V. Gedichtanalyse: Das Hauptkapitel bietet eine umfassende formale und inhaltliche Exegese des Gedichtes, wobei jede Strophe einzeln betrachtet und auf ihren Beitrag zur Gesamtaussage über Schuld, Erlösung und das Verhältnis von Mensch und Natur hin untersucht wird.

Schlüsselwörter

Annette von Droste-Hülshoff, Die ächzende Kreatur, Römerbrief, christliche Naturexegese, Deismus, Pantheismus, Schuld, Erbsündenlehre, Erlösung, Melancholie, Naturwahrnehmung, Christoph Bernhard Schlüter, Anthropologie, Theismus, Weltanschauungsdiskurs.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Gedicht „Die ächzende Kreatur“ von Annette von Droste-Hülshoff im Kontext theologischer und weltanschaulicher Debatten des 19. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die menschliche Schuld, die Rolle des Menschen als Krone der Schöpfung, das Leiden der Kreatur und der Versuch einer christlichen Naturdeutung angesichts moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Untersuchung zielt darauf ab, die im Gedicht entfaltete Schuldmethaphysik zu plausibilisieren und zu zeigen, wie die Dichterin biblische Vorlagen in eine moderne, von Zweifel geprägte Poetik überführt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die textnahe Exegese mit geistesgeschichtlicher Einordnung und einer Untersuchung der Entstehungsgeschichte des Textes verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine eingehende Analyse des verwendeten biblischen Quelltextes und eine detaillierte Strophen-für-Strophe-Interpretation des Gedichtes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie christliche Naturexegese, Schuldverhältnis, Sündenfall, kreatürliches Leiden und postaufklärerischer Diskurs geprägt.

Wie bewertet die Arbeit das Verhältnis von Gedicht und Römerbrief?

Die Arbeit sieht in der Auseinandersetzung eine tiefgreifende Differenz: Während der Römerbrief das Leiden der Schöpfung als Zeichen künftiger Herrlichkeit deutet, bleibt das Gedicht bei einem unauflöslichen, düsteren Schuldbefund ohne Erlösungsperspektive.

Welche Rolle spielt die Figur des Christoph Bernhard Schlüter?

Schlüter fungiert als Auftraggeber, dessen konservative, restaurative Intentionen in der poetischen Umsetzung durch die Dichterin kritisch reflektiert und in ihrer Naivität entlarvt werden.

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Details

Title
Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht "Die ächzende Kreatur" im Kontext des postaufklärerischen Restaurationsversuches christlicher Naturexegese
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Course
Hauptseminar "Übungen zur Lyrik-Interpretation - Annette von Droste-Hülshoff"
Grade
1,0
Author
Lukas Rieger (Author)
Publication Year
2011
Pages
36
Catalog Number
V189343
ISBN (eBook)
9783656136262
ISBN (Book)
9783656136552
Language
German
Tags
annette droste-hülshoffs gedicht kontext restaurationsversuches naturexegese droste droste-hülshoff exegese natur römer römer-brief bibel ächzende kreatur kreatur Biedermeier Schlüter Schücking Theismus Deismus Pantheismus
Product Safety
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Quote paper
Lukas Rieger (Author), 2011, Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht "Die ächzende Kreatur" im Kontext des postaufklärerischen Restaurationsversuches christlicher Naturexegese, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189343
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