Die Rolle von referenzieller Unterspezifikation bei der Erzeugung von Komik am Beispiel von zwei Witzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Zur Objektauswahl, Methodologie und Aufbau
2. Unterspezifikation
2.1 Unterspezifikation in den Beispielwitzen
3. Weltwissen und Textweltmodell
3.1 Kontext und Sinn für Humor
4. Ironie – eine Interpretation
5. Fazit
5.1 Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Rolle der referenziellen Unterspezifikation als zentrales sprachliches Mittel bei der Erzeugung von Komik. Ausgehend von der linguistischen Analyse zweier Witzbeispiele wird erforscht, wie die bewusste Ausnutzung von Mehrdeutigkeiten und Inferenzprozessen dazu dient, Erwartungsbrüche zu erzeugen, die für die Pointe des Witzes essentiell sind.
- Analyse der referenziellen Unterspezifikation als kommunikative Strategie
- Die Bedeutung von Weltwissen und Textweltmodellen beim Witzverstehen
- Untersuchung von Inkongruenz als notwendiges Merkmal komischer Pointen
- Die Funktion von Ironie bei der Interpretation von Witzfiguren
- Zusammenhang zwischen Kommunikationseffizienz und Witzmechanismen
Auszug aus dem Buch
2.1 Unterspezifikation in den Beispielwitzen
Hier das Witzbeispiel 1 aus Schwarz (2000:94): Das Tierheim ruft bei Frau Bummel an: „Ihr Mann ist mit dem Hund da und bittet uns, ihn hier zu behalten. Ist das denn auch in Ordnung?“ „Klar, und den Hund können sie raussetzen, er findet den Heimweg.“
In diesem Beispiel haben wir einen Fall von Unterspezifikation, der zum einem anscheinenden Missverständnis, also zu einer Inkongruenz und zur Pointe des Witzes geführt hat. Im ersten Satz des Tierheimangestellten sind zwei männliche Referenten – Mann und Hund. Einer von beiden wird später nochmals vom Angestellten mit dem anaphorischen Personalpronomen ihn aufgegriffen, aber welcher? In diesem Punkt entscheidet sich jeder Rezipient für eine möglichst plausible Lesart. In der plausibelsten Lesart hatte der Tierheimangestellte gemeint, der Mann von Frau Bummel bittet, nicht sich selbst, sondern den Hund im Tierheim zu behalten. Auch wenn diese Lesart für Durschnittsrezipienten selbstverständlich klingen mag, entsteht sie, wie wir sehen werden, nicht allein aus den im Text vorhandenen Elementen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein und begründet die Wahl von Witzen als Untersuchungsobjekt sowie die methodische Herangehensweise anhand geschriebener Daten.
2. Unterspezifikation: Dieses Kapitel erläutert das Phänomen der Unterspezifikation als ökonomisches Prinzip der Kommunikation und zeigt dessen Anwendung in den analysierten Witzbeispielen auf.
3. Weltwissen und Textweltmodell: Es wird dargestellt, wie Rezipienten ihr Weltwissen nutzen, um Textweltmodelle zu erstellen, deren gezielte Störung durch Erwartungsbrüche die Pointe erst ermöglicht.
4. Ironie – eine Interpretation: Hier wird untersucht, wie die ironische Intention der Witzfiguren dazu beiträgt, Inkongruenzen aufzulösen und das humoristische Potenzial der Unterspezifikation freizusetzen.
5. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und die strategische Bedeutung der Unterspezifikation in der Scherzkommunikation bestätigt, gefolgt von einem Ausblick auf weiterführende Forschung.
Schlüsselwörter
Referenzielle Unterspezifikation, Komik, Witz, Inkongruenz, Textweltmodell, Weltwissen, Pointe, Ironie, Scherzkommunikation, Inferenz, Linguistik, Pragmatik, Sprachanalyse, Humor, Kommunikationseffizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der referenziellen Unterspezifikation bei der Entstehung von Komik, speziell anhand der Analyse von Witzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Sprachpragmatik, die Theorie der Inferenz, die Bildung von Textweltmodellen und die Analyse humoristischer Kommunikationsmechanismen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu zeigen, dass Unterspezifikation im Kontext von Witzen nicht nur ein unvermeidliches Phänomen ist, sondern ein gezieltes sprachliches Werkzeug, um Pointen durch bewusste Erwartungsbrüche zu erzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine linguistische Analyse der referenziellen Struktur und der Kohärenzherstellung in ausgewählten Witzbeispielen unter Heranziehung existierender Theorien zur Pragmatik angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des Witzverstehens, die Rolle des Weltwissens sowie die Funktion von Ironie und Inkongruenz bei der Interpretation komischer Texte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Unterspezifikation, Witzmechanismus, Pointe, Inferenz, Kohärenz und Textweltmodell charakterisiert.
Warum spielt das Weltwissen des Rezipienten eine so entscheidende Rolle für den Witz?
Der Witz funktioniert nur, weil der Rezipient aufgrund seines Weltwissens zunächst eine plausible, prototypische Lesart annimmt, welche dann in der Pointe gezielt gebrochen wird.
Welche Bedeutung kommt der Ironie bei der Interpretation der untersuchten Witze zu?
Ironie dient in der Arbeit als Interpretationsmuster, das hilft, die zunächst inkongruent erscheinenden Äußerungen der Witzfiguren als bewusst höhnisch oder intentional komisch zu verstehen.
- Arbeit zitieren
- Rafael Humberto Silveira (Autor:in), 2011, Ein Sinn für Humor - Unterspezifikation als Mittel zur Komik am Beispiel von zwei kurzen Witzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189981