Stadt-Umland-Problematik und Städtenetze

Problemlage und mögliche Lösungsansätze


Seminararbeit, 2006

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Stadt-Umland-Problematik
2.1 Kennzeichen der Stadt-Umland-Problematik
2.2 Ursachen der Stadt-Umland-Problematik (Suburbanisierung)

3 Lösungsansätze der Stadt-Umland-Problematik
3.1 Zweck- / Mehrzweckverbände
3.2 Zwei-Stufen-Stadt
3.3 Fazit und Ausblick

4 Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main
4.1 Geschichte, Rechtsform und Aufbau des Verbandes
4.2 Aufgabenbereiche

5 Städtenetze
5.1 Was versteht man unter Städtenetzen?
5.2 Ziele von Städtenetzen am Beispiel von K.E.R.N. (Kiel, Eckernförde, Rendsburg, Neumünster)
5.3 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einführung

Der Mensch nimmt seinen Lebensraum in mehreren gestuften Größenordnungen wahr. Es beginnt mit der unmittelbaren Umgebung, der Wohnung oder dem Haus, in dem man aufwächst und den man individuell gestalten kann. Es folgen die Umgebung des Hauses, die Umgebung innerhalb des Stadtquartiers, die Landschaft um den Hof bis hinein (oder auch heraus) aus der Stadt, um zur Arbeit zu fahren, Behörden aufzusuchen oder einfach nur die eigene Freizeit zu gestalten. Je weiter sich das Individuum von seinen „eigenen vier Wänden“ entfernt, desto unüberschaubarer wird der Raum, in dem man sich befindet.1

Man überwindet Stadtgrenzen und erreicht das Umland einer Stadt oder erreicht die Stadt aus dem Umland. Die Stadt und ihr Umland sind untrennbar miteinander verbunden, was jedoch ein nicht unerhebliches Konfliktpotential hervorbringt, welches die Forschung bereits seit Jahrzehnten beschäftigt. So beanspruchen sowohl die Umlandgemeinden, als auch die Kernstädte für sich, „zugunsten des jeweils anderen im Nachteil zu sein“2. Die Stadt benötigt das Umland als Ressourcenbereitsteller, das Umland die Stadt aufgrund der vorhandenen Infrastruktur und des Arbeitsmarktes. Die Stadt-Umland- Problematik ist folglich immer noch aktuell und erfordert einen genaueren Blick auf die derzeitige Situation und mögliche Lösungsansätze.

Aus diesem Grunde werden im weiteren Verlauf dieser Ausarbeitung zunächst die Kennzeichen der Stadt-Umland-Problematik kurz dargestellt, bevor genauer auf die Ursachen eingegangen wird, die zu diesen Problemen, welche es bereits vor der Durchführung der kommunalen Gebietsreform der 1960er und 1970er Jahre gegeben hat,3 geführt haben. An dieser Stelle wird auf das Phänomen der Suburbanisierung eingegangen, bevor zwei mögliche Lösungsansätze untersucht werden.

Da eine Kooperation zwischen Kernstadt und dem sie umgebenen Umland jedoch heute nicht mehr wegzudenken ist, wird im vierten Kapitel der Planungsverband Ballungsraum Frankfurt / Rhein-Main näher betrachtet, um ein Erfolg versprechendes Konzept vorzustellen, wie die Probleme zwischen der Stadt und ihrem Umland vermindert bzw. sogar gelöst werden können. Dabei wird erst die Entstehungs- geschichte nachgezeichnet, um dann auf die Rechtsform, den Aufbau und den Aufgabenbereich des Verbandes einzugehen. Anschließend wird ein Fazit der Stadt-Umland-Problematik und der angebotenen Lösungsansätze gezogen, um sich im fünften Kapitel den so genannten „Städtenetzen“ zu widmen. Hier wird zunächst versucht, eine Definition des Begriffes zu geben, um dann am Beispiel des Städtenetzes K.E.R.N. (Kiel, Eckernförde, Rendsburg und Neumünster) in Schleswig-Holstein die Ziele und Möglichkeiten eines solchen Verbundes aufzuzeigen, um diese mit dem Zentrale- Orte- System vergleichen zu können. Abschlie- ßend erfolgt ein Fazit und Ausblick auf die zukünftigen Entwicklungen im Bereich der Städtenetze.

2 Stadt-Umland-Problematik

Aufgrund der sehr dynamisch verlaufenden Entwicklungen im Umland der großen Städte in Deutschland und dem auch zukünftig bestehenden hohen Siedlungs- Expansionsdruck in Stadtregionen4 ist davon auszugehen, dass die Stadt-Umland-Problematik weiterhin einen bestimmenden Faktor für die zukünftigen Projekte und Planungen im raumordnungspolitischen Bereich darstellen wird.

Hierbei ist zu beachten, dass die Stadt-Umland-Problematik nicht erst seit der Gebietsreform, welche auch als „(Kommunale) Neugliederung“ bezeichnet wird, entstanden ist. Vielmehr gab es diese Probleme zwischen Stadt und Umland bereits in größerem Maße vor der erwähnten Reform, was darauf hindeutet, dass die Gebietsreform als ein erster Lösungsansatz zu sehen ist.5

Man hat schon früh überlokal zusammengearbeitet, man denke nur an Städtebünde des Mittelalters oder der Neuzeit zur Verteidigung o. ä., oder die Wahrnehmung gemeinsamer Handelsinteressen, was sich am deutlichsten in der Zeit der Hanse widerspiegelt.

Überlokale Zusammenarbeit ist seit der industriellen Revolution eine unabdingbare Notwendigkeit kommunaler Politik geworden. Ab diesem Zeitpunkt dient sie aber in erster Linie der Lösung von internen Problemen, vorwiegend infrastruktureller Art. So bildeten sich industrielle Ballungsräume mit enormem Bevölkerungswachstum, was zu einer Erweiterung der benötigten Flächen führte, um neue Industrieanlagen und Arbeiterwohnungen zu bauen. In diesen Zusammenhang fallen auch die Probleme mit dem erhöhten Trinkwasserbedarf der gedeckt werden musste und natürlich auch die Abwasserproblematik.6

Im Rahmen dieser Gebietsreform wurde die Bildung größerer politischer und zugleich auch Verwaltungseinheiten auf der jeweiligen Ebene der Gemeinden, Landkreise bzw. Kreise, Stadtkreise bzw. kreisfreien Städte in Deutschland durchgeführt. Die Gemeinde- und die Kreisreform wurden entweder zeitlich getrennt oder gleichzeitig durchgeführt. Die Bürger wurden dazu nicht befragt und hatten somit auch keine Möglichkeit, darüber abzustimmen. Für die Gebietsreform der Gemein- den wurden eine Reihe von Grundsätzen entwickelt, die auf eine Vergrößerung der bestehenden Einheiten durch Eingemeindung oder Vereinigung benachbarter Gemeinden abzielte. Als Ziele wurden hierbei unter anderem Einsparungen und Effizienzsteigerung der Kommunal- verwaltung und weiterer Einrichtungen genannt.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es im Zuge der voranschreitenden Industrialisierung Eingliederungen von Gemeinden, um die benötigten Flächen für die sich immer stärker ausdehnenden Städte zu erlangen. Als Beispiel sei hier nur der rheinisch- westfälische Industrieraum (Ruhr- gebiet) genannt.

In den Jahren zwischen 1967 und 1978 reduzierten die westlichen Bundesländer die Zahl ihrer Gemeinden in erheblichem Maße, was einerseits durch Vereinbarungen zwischen Gemeinden auf freiwilliger Basis und andererseits durch Hoheitsakte geschah. Vor der Reform gab es in der Bundesrepublik etwa 24.000 Gemeinden, von denen 10.760 weniger als 500 Einwohner hatten sowie 139 kreisfreie Städte und 425 (Land-) Kreise. Nach der Reform blieben 8.505 Gemeinden, 92 kreisfreie Städte und 235 (Land-) Kreise.

[...]


1 Vgl. Albers, Gerd: Stadtplanung, 2. Auflage, Darmstadt 1992, S. 1.

2 Adam, Brigitte: Stadt-Umland-Beziehungen, in: Informationen zur Raumentwicklung, Heft 4/5. 1996.

3 Vgl. Erlenkämper, Friedrich: Die Stadt-Umland-Problematik der Flächenstaaten der Bundesrepublik Deutschland, Köln 1980, S. 98.

4 Vgl. Aring, Jürgen: Stadt-Umland-Entwicklungen als interessengeleiteter Prozeß, in: Informationen zur Raumentwicklung, Heft 4/5. 1996.

5 Vgl. Erlenkämper, Friedrich: Die Stadt-Umland-Problematik der Flächenstaaten der Bundesrepublik Deutschland, Köln 1980, S. 98.

6 Vgl. Wehling, Hans-Georg: Vorwort zu: Der Bürger im Staat: Über den Kirchturmshorizont hinaus: überlokale Zusammenarbeit, Heft 4/1998, S. 177 f.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Stadt-Umland-Problematik und Städtenetze
Untertitel
Problemlage und mögliche Lösungsansätze
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
25
Katalognummer
V190160
ISBN (eBook)
9783656147275
ISBN (Buch)
9783656147824
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Städtenetze, Zweckverbände, Mehrzweckverbände, Zwei-Stufen-Stadt, K.E.R.N., Kiel, Eckernförde, Rendsburg, Neumünster, Umland, Kommunale Neugliederung, Suburbanisierung, Segregation, Segregationsprozess, Planungsverband, Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main
Arbeit zitieren
Björn Weidner (Autor), 2006, Stadt-Umland-Problematik und Städtenetze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190160

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Titel: Stadt-Umland-Problematik und Städtenetze



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