Bossing. Was tun wenn der Chef mobbt?


Hausarbeit, 2011
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Bisheriger Kenntnisstand
1.2 Ziele meiner Arbeit
1.3 Angewandte Methoden
1.4 Begriffsbestimmungen
1.4.1 Mobbing
1.4.2 Bossing

2 Bossing in der modernen Industriegesellschaft des 21. Jahrhunderts
2.1 Bossing – die höhere Gewalt des Mobbing
2.2 Entstehung von Bossing
2.3 Folgen von Bossing

3 Wie erkennt man, dass man „Gebosst“ wird?
3.1 Direkt erkennbare Zeichen
3.2 Indirekt spürbare Signale

4 Verhalten in einer erkannten Bossingsituation
4.1 Wer schreibt, der bleibt!?
4.2 Rückendeckung – aber wie?
4.2.1 Familie/Freunde
4.2.2 Hilfe von Innen
4.2.3 Hilfe von außen
4.2.4 Hilft dir niemand – so hilf dir selbst!

5 Strategien gegen Bossing

6 Schlussfolgerung

7 Ausblick

8 Quellen & Literaturverzeichnis

9 Anlagen

1. Einleitung

1.1 Bisheriger Kenntnisstand

Was tun wenn der Chef mobbt? Dieses Thema hat in den Medien und in der Literatur bisher keine große Anzahl von Liebhabern gefunden. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Eine der Hauptursachen könnte man durchaus darin sehen, dass jegliches Mobbing in irgendeiner Weise doch mit den Führungskräften in Zusammenhang steht. So kennt man das Sprichwort aus dem Volksmund: Der Fisch fängt zuerst am Kopf zu stinken an!

In der Literatur des gesamten deutschsprachigen Raumes – egal ob es nun Bücher, Publikationen in Zeitschriften oder im Internet bzw. wissenschaftliche Arbeiten betrifft – kennt man bis zum heutigen Tage kaum Autoren, die sich umfassend dieser Thematik stellen.

Bestätigt wird dieses auch in einem der wenigen auf dem Markt existierende Bücher der Autoren Helmut Fuchs und Andreas Huber (vgl. Fuchs / Huber 2009, S. 9). Die Autoren stellen ebenfalls fest, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit jeder zweite dokumentierte Mobbingfall in Wahrheit ein durch Führungskräfte begünstigter bzw. ausgeführter Tatbestand ist. Hierbei berufen sie sich auf den Ver.di – Mobbingreport aus dem Jahre 2006 (vgl. Fuchs/Huber 2009, S. 8).

Eine statistische Arbeitsauswertung des Vereins Anti-Mobbing e. V. Münster im Rahmen eines ABM – Projektes (Betrieb einer Mobbing - Beratungsstelle mit Sorgentelefon) weist diesen Anteil bezogen auf „Mobbing von oben“ schon im Jahre 1999 aus. (vgl. http://www.muenster.org/antimobbing/studie.html - Anlage 1)

1.2 Ziele meiner Arbeit

Durch die Bearbeitung des Themas möchte ich inhaltliche Dinge klären und vor allem Möglichkeiten aufzeigen, die Betroffenen oder Interessierten helfen können, Wege aus dieser Situation zu finden.

1.3 Angewandte Methoden

Für die Bearbeitung des Themas nutzte ich die mir möglichen, zur Verfügung stehenden Medien wie Fachliteratur, Internetbeiträge usw. Darüber hinaus fließen in diese Abschlussarbeit auch persönliche Erfahrungen von Betroffenen mit ein, die ich im Laufe meines Lebens begleiten durfte sowie eigene Sichtweisen und Lösungsansätze.

1.4 Begriffsbestimmungen

Recherchiert man zu Definitionen der Begriffe Bossing und Mobbing stellt man sehr schnell fest, dass keine einheitliche Beschreibung existiert – egal ob es Inhaltsbestimmungen von Wissenschaftlern oder Gremien bzw. Gerichten betrifft.

Dem entsprechend sind auch die nachstehend aufgeführten Umschreibungen nicht die Einzig existierenden. Voranstellen möchte ich, dass allen Auslegungen ein Umstand zu Grunde liegt: die Zeitdauer. Diese wird einheitlich mit „länger andauernd“ umschrieben.

1.4.1 Mobbing

„Unter Mobbing ist zu verstehen, dass jemand am Arbeitsplatz häufig über einen längeren Zeitraum schikaniert, drangsaliert oder benachteiligt und ausgegrenzt wird.“ (Fuchs/Huber 2009, S. 23). Die Autoren belegen für diese Definition die Repräsentativstudie von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aus dem Jahre 2002 (vgl. Fuchs/Huber 2009, S. 22)

1.4.2 Bossing

„Als Unterbegriff des Mobbings hat sich der Begriff des „Bossing“ entwickelt, wenn die Handlungen von einem Vorgesetzten ausgehen. Als Bossing werden unfaire Angriffe von oben ("Boss") nach unten bezeichnet. Es handelt sich hierbei um alle Arten unfairer Attacken von Vorgesetzten, die einen systematischen Charakter entwickeln, also nicht um einmalige Unfreundlichkeiten, Anmache oder Schikanen.“ (http://www.alenfelder.de/024cc19ce40f81c01/024cc19ce4101270a/index.html)

Herr Prof. Dr. Klaus Michael Alenfelder, von dem diese sehr treffende Umschreibung stammt, ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht der insbesondere Mobbingopfer vor Gericht vertritt. Er engagiert sich für die Umsetzung eines konsequenten Diskriminierungsschutzes, ist hier auch Mitglied in verschiedenen Gremien.

2. Bossing in der modernen Industriegesellschaft des 21. Jahrhunderts

Unser tägliches Leben wird von unterschiedlichen Einflüssen und Entwicklungen geprägt. Insgesamt betrachtet, hat man in den letzten 10 bis 20 Jahren das Gefühl, dass man teilweise sich selbst überholt. Viele Dinge, die damals noch galten, sind heute kaum noch existent bzw. spielen keine Rolle mehr im Alltag.

Eindringlichstes Beispiel ist das Schreiben von persönlichen Briefen – vor allem mit der Hand. Automatisiert und schnell gelingt es uns heute – per e-Mail, per sms oder als Serienbrief. Schnelligkeit und Multifunktionalität haben oberste Priorität.

Es scheint, als ob alles, wofür der gute alte persönliche Brief stand: sich Zeit für eine bestimmte Person zu nehmen, Gefühle mit der eigenen Handschrift zu verdeutlichen und warten zu können, bis der Brief ankommt bzw. nach einer gewissen Zeit beantwortet wird - heute keine Relevanz mehr hat.

Auch der Mensch im Arbeitsleben des 21. Jahrhunderts muss schnell und multifunktional agieren können. Fast stündlich kommen in den Medien neue Geschehnisse zur Sprache, werden neue Dinge entwickelt – werden einfach höhere Anforderungen gestellt. Also ist es notwendig, dass der Arbeitnehmer gut funktioniert und damit das gelingt, ist der jeweilige Vorgesetzte dafür verantwortlich.

Die Vorgehensweisen bezüglich der Durchsetzung von unternehmensbezogenen Zielen sind hierbei für viele Chefetagen zweitrangig. Sieger ist, wer am schnellsten die Realisierung vermeldet. Wer kennt nicht die Bezeichnung „Ellenbogengesellschaft“ wenn über die heutige Marktwirtschaft gesprochen wird. Wer nicht Schritt halten kann, wird sehr schnell „aussortiert“: gekündigt, in den Krankenstand oder die Frühverrentung getrieben bzw. auf Posten verschoben, die nicht dem eigentlichen Qualifikationsgrad entsprechen.

Dass auf diese Weise unschätzbares Wissen und wertvolle Arbeitskraft verloren geht, haben erst sehr wenige Führungskräfte und Unternehmensinhaber begriffen.

Ein Mitarbeiter, der übermäßigem Leistungsdruck, permanenten Maßregelungen bzw. anhaltende Diskriminierungen ausgesetzt ist, kann sich kaum noch entfalten und mit Freude und Kreativität seine Arbeitsaufgaben erledigen.

„Experten schätzen das volkswirtschaftliche Minus durch Fehlzeiten, Krankheit und Behandlungskosten, Produktionsausfälle und Frühpension in Deutschland auf mindestens 15 Milliarden Euro pro Jahr. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nennt 25 Milliarden, andere Analytiker 50 Milliarden.“ (Fuchs/Huber 2009, S. 13)

2.1 Bossing – die höhere Gewalt des Mobbing

Die inhaltliche Bedeutung des Begriffs Mobbing ist heutzutage fast allgemein bekannt. Dies führt ab und an sogar schon dazu, dass vielleicht zu schnell Vorgänge als Mobbing bezeichnet werden, die es bei genauerer Betrachtung überhaupt nicht sind. Meist werden Ausgrenzungen und Schikanen von Mitarbeitern untereinander allgemein hin als Mobbing bezeichnet.

So geben auch verschiedenste Informationsblätter viele Ratschläge zu Hilfestellungen in diesen Situationen. Sie beginnen in der Regel damit, dass man sich an den Vorgesetzten bzw. die Firmenführung bezüglich der Klärung bestimmter Vorgänge in dieser Richtung wenden soll. Guter Tipp, aber wird man sich an den direkten Vorgesetzten bzw. die Firmenführung wenden wenn diese selbst der Auslöser für die Diskriminierung am Arbeitsplatz ist?

Daher ist Bossing also durchaus als ein Fall von höherer Gewalt zu bezeichnen.

Höhere Gewalt wird in der Rechtsprechung u.a. wie folgt beschrieben: „Ein von außen kommendes, unvorhersehbares und außergewöhnliches Ereignis, das auch durch äußerste Sorgfalt nicht verhütet werden kann ...“ (http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/3386/hoehere-gewalt-v5.html).

Das Erkennen dieser Sachlage ist der beste Schutz vor Schuldzuweisungen an die eigene Person. Bossing kann nicht vermieden werden! Wer einmal „zum Abschuss“ freigegeben ist, kann kaum seinem Schicksal entrinnen. Selbst wenn es gelingt, sind Vertrauensverhältnisse vernichtet und die Betroffenen bleiben ausgegrenzt.

2.2 Entstehung von Bossing

Auch ein Vorgesetzter – egal ob Angestellter oder Unternehmensinhaber - ist nur ein Mensch mit all seinen Schwächen und Stärken. So sind auch die Ursachen für die Entstehung von Bossing so facettenreich wie das menschliche Empfinden selbst. Schlagworte wie Personalabbau, Kostenreduzierung, Neustrukturierung, menschliche Antipathie, Fehlverhalten, persönliche Diskrepanzen usw. seien hier stellvertretend für mögliche Ursachen aufgeführt. Eine Studie des IFAK – Institutes aus dem Jahr 2008 erfasst beispielhaft die wesentlichsten Mobbingmethoden in Bezug auf die Häufigkeit ihres Auftretens (vgl. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1834/umfrage/ persoenlich-erlebtes-mobbing/ - Anlage 2)

Laut dem Ver.di-Mobbingreport aus dem Jahre 2002 ist der typische Mobber ein männlicher Vorgesetzter zwischen 35 und 54 Jahren, der schon sehr lange in einer Firma angestellt ist (vgl. Fuchs/Huber 2009, S. 8). Bei weiterem Studium der Literatur ist zu lesen, dass vorwiegend Frauen zur Zielscheibe von Bossing-Attacken werden.

Das kann aus eigener Erfahrung bestätigt und mit dem Zusatz „insbesondere mit Familie und Kindern“ versehen werden. Ist die Frau ein Leistungsträger, der durch die Berufstätigkeit zwingend zum Familieneinkommen beitragen muss, sind gerade mit diesem Hintergrund die sozialen Ängste im Falle eines Arbeitsplatzverlustes am Höchsten. Einem bossenden Chef kommt dieser Umstand geradezu entgegen…

Reduziert man alle Erscheinungsformen auf das kleinste gemeinsame Vielfache bleibt eine Unfähigkeit bzw. ein Unwillen zur Kommunikation übrig. Das aus dem lateinischen stammende Wort communicar e bedeutet: „teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen“. In dieser ursprünglichen Bedeutung ist eine Sozialhandlung gemeint, in die mehrere Menschen… einbezogen sind. … Kommunikation als Sozialhandlung ist immer situationsbezogen… dient der Problemlösung: Durch Kommunikation werden Hindernisse überwunden, die sich allein nicht bewältigen lassen.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunikation)

Hauptsächliche Gründe für die Entstehung für Bossing kann man auch mit den nachstehenden 3 Erscheinungsformen beschreiben:

a) Konflikteskalation führt zu Bossing.
b) Bossing entsteht weil Aggressionen und/oder Niederträchtigkeit von Vorgesetzten an den ihnen unterstellten Mitarbeitern ausgelebt werden, ohne dass unmittelbar ein direkter Konflikt vorausgegangen ist.
c) Dem Bosser ist sein eigens verursachter Psychoterror nicht bewusst, da es ihm an Selbstreflexion mangelt.

(vgl. Fuchs/Huber 2009, S. 46)

2.3 Folgen von Bossing

Was macht den Menschen zu dem was er ist? Seine Fähigkeit zu denken und sich dadurch zu entwickeln. Einem Mensch, der ständigen Angriffen seiner Vorgesetzten ausgesetzt ist, werden der Einsatz seiner Denkfähigkeit und die Möglichkeiten der Entwicklung stark beschnitten bzw. genommen.

Im Rahmen der Erarbeitung des Mobbingreportes der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aus dem Jahre 2002 wurden in diesem Zusammenhang auch statistisch die Auswirkungen von Mobbing / Bossing erhoben. In der Auswertung dieser Erfassung stellte sich heraus, dass lediglich bei 1,3 % der Befragten keinerlei Auswirkungen auf das Arbeits- und Leistungsverhalten zu verzeichnen waren. (vgl. www.alenfelder.de/downloads/zad12010.pdf - S.40 – Anlage 3)

Ist ein Mensch über einen längeren Zeitraum diesen Einwirkungen ausgesetzt, sind die Folgen nicht mehr zu übersehen: Die psychische und physiologische Gesundheit nimmt zusehends ab und damit auch die notwendige Leistungsfähigkeit. Man ist den Anforderungen einfach nicht mehr gewachsen.

Typische Symptome können sein:

- Leistungs – und Denkblockaden,
- Konzentrationsschwächen,

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Bossing. Was tun wenn der Chef mobbt?
Hochschule
Impulse e.V. - Schule für freie Gesundheitsberufe  (Impulse e.V.)
Veranstaltung
Lehrgang Psychologischer Berater
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
25
Katalognummer
V190272
ISBN (eBook)
9783656150558
ISBN (Buch)
9783656150114
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Frau Annett Weiße hat eine systematische Darstellung...geliefert. Thematischer Schwerpunkt der Arbeit ist das Bossing und die Fragestellung des Umgangs mit Bossing. Frau Weiße versteht es jederzeit, Grundbegriffe leicht verständlich zu erläutern und fachliche Zusammenhänge eingängig zu formulieren. Stil und Vorgehen erreichen in weiten Teilen wissenschaftliches Niveau. Besonders gelungen ist in diesem Zusammenhang die Bündelung der Handlungsstrategien von Bossing-Betroffenen...die Arbeit erweist sich zusammenfassend als sehr gute Analyse und zeugt von einer überdurchschnittlichen Fachkompetenz
Schlagworte
Mitarbeiter, Depression, Burnout, Bossing, Mobbing, Chef, Boss, Berater, Coach, Lebenshilfe, Ausweg, Resilenz, Mobbing-Tagebuch
Arbeit zitieren
Annett Weiße (Autor), 2011, Bossing. Was tun wenn der Chef mobbt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190272

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