Immer wieder wird die deutschen Metal-/Industrialband Rammstein mit Rechtsrock vorwürfen konfrontiert, in eine Ecke gedrängt und stigmatisiert. Doch die Mitglieder der wohl erfolgreichsten aktiven deutschen Band selbst wehren sich immer wieder gegen solche Vorwürfe und verweise auf ihre Herkunft und Sozialisation in der DDR.
Wie ernst kann man diese Beteuerungen nehmen? Und wie sehr beeinflusste der "real exestierende Sozialismus" die Band wirklich. Diese Fragen sollen in der Hausarbeiten geklärt werden.
Gliederung
1. Die DDR-Kulturpolitik
1.1 Kulturdiktatur zu Gunsten eines Kunstbegriffes
1.2 Rock in der DDR – zwischen Widerstand und Anbiederung
1.2.1 staatliche Musikförderung und Vereinnahmung der Künstler
1.2.2 Zensur, Subversivität und Grüne Elefanten
2. Rammstein und die DDR
2.1 DDR-Bands späterer Rammsteinmusiker
2.2 Sozialisation der Musiker Rammsteins und ästhetische Prägung durch den DDR-Totalitarismus
3. Rammsteins Spiel mit dem Feuer
3.1 Rhythmische, klangliche und textliche Gestaltung der Lieder
3.2 „Let me se you stripped“ – Rammstein und Frau Riefenstahl
3.3 Links 2, 3, 4, spiel mit mir!
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Rammstein im Kontext ihrer DDR-Sozialisation, um zu klären, ob ihre martialische Ästhetik eine logische Folge der ostdeutschen Kulturpolitik darstellt und inwieweit der Vorwurf einer rechtsextremen Gesinnung durch eine tiefgehende Analyse von Musik, Texten und historischem Hintergrund entkräftet werden kann.
- Analyse der DDR-Kulturpolitik und deren Einfluss auf die Rockmusik
- Biografische Prägung der Rammstein-Musiker durch das sozialistische System
- Kritische Untersuchung der Vorwürfe hinsichtlich einer NS-Nähe
- Dekonstruktion des martialischen Stils anhand ausgewählter Songtexte und Musikvideos
- Einordnung von Rammsteins künstlerischem Wirken im Spektrum zwischen Provokation und politischer Distanzierung
Auszug aus dem Buch
1.1 Kulturdiktatur zu Gunsten eines Kunstbegriffes
„Daß Rockmusik die Spuren ihrer westlichen Herkunft unauslöschbar in sich trug, egal von wem, wie und wo sie gespielt wurde, hat dieser eine enorme Symbolwirkung gegeben.“ (Müller 1996: 12)
Dies mag einer der Gründe gewesen sein, weshalb die Rockmusik in der DDR ständigen Repressionen, Restriktionen und Verboten unterworfen war. Diese Musik, welche Jugendliche auf der ganzen Welt, im sogenannten kapitalistisch-imperialistischen Westen genauso wie im kommunistischen Osten zum Tanzen brachte, ihre Köpfe schütteln ließ und sie einfach nur zu begeistern vermochte, war auf Grund der Gefährlichkeit, welche die DDR-Kulturpolitiker in ihr sahen, immer ein Reizpunkt. Wilde Bürokratien wurden errichtet, um sie zu bekämpfen, zu lenken und zu vereinnahmen, dabei wurde gern vergessen, dass es sich doch nur um Musik handelte. Seinen Ursprung nahm der Bürokratie-Wahnsinn in der Kulturdiktatur zu Gunsten eines beschlossenen Kulturbegriffes (Vgl. Müller 1996).
Peter Wicke, als kritischer Musikwissenschaftler aus der ehemaligen DDR, verdeutlicht die Sichtweise des Kultur-Apparates wie folgt: „Für den Apparat blieb Kultur gleich Kunst, wobei zwischen dieser und Literatur in der amtlichen Formulierung von »Kunst und Literatur« noch einmal feinsinnig unterschieden wurde. Die zu schaffende »einheitliche sozialistische Nationalkultur« war nach den Maßstäben eines durch und durch bürgerlichen Kunstbegriffs gedacht und verstand sich im wesentlichen als aufwendig betriebene Konservierung und Demokratisierung von Hochkultur. Jenseits von Kunst gab es die »kulturelle Massenarbeit«, die in den fünfziger Jahren hauptsächlich Alfred Kurella, der damalige Leiter der Kommission für Fragen der Kultur beim Politbüro, nach sowjetischem Vorbild als politisch-ideologische Erziehungsaufgabe konzipiert hatte und die die diversen Freizeitbetätigungen, vom Töpfern bis zum Kleingärtnern, erfaßte. Ansonsten ließ das Selbstverständnis des Apparates kulturelle Erscheinungen nur in den Begriffen »Kunst« zu, sei es »Volkskunst« oder eben »Unterhaltungskunst«.“ (Müller 1996: 18)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die DDR-Kulturpolitik: Das Kapitel erläutert die restriktive Struktur des DDR-Kultursystems und wie staatliche Kontrolle sowie Zensur die musikalische Landschaft und die Handlungsspielräume von Künstlern maßgeblich beeinflussten.
2. Rammstein und die DDR: Hier wird die biografische Sozialisation der Bandmitglieder in der DDR beleuchtet und die These aufgestellt, dass ihre ästhetische Prägung in engem Zusammenhang mit den totalitären Strukturen des Staates steht.
3. Rammsteins Spiel mit dem Feuer: Dieser Abschnitt analysiert die gezielte Provokation der Band durch martialische Ästhetik und Tabuthemen und setzt diese in Kontrast zu einer ideologischen Distanzierung vom Rechtsextremismus.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Rammstein trotz ihrer kontroversen Außendarstellung keine rechte Band ist, sondern ihre Ästhetik als ein künstlerisches Produkt zu verstehen ist, das sich bewusst von faschistischem Gedankengut abgrenzt.
Schlüsselwörter
Rammstein, DDR-Kulturpolitik, Neue Deutsche Härte, Totalitarismus, Musikwissenschaft, Sozialisation, Rechtsextremismusvorwürfe, martialische Ästhetik, Zensur, künstlerische Provokation, DDR, Ideologie, subversive Kunst, Rockmusik, Bandgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob die Band Rammstein aufgrund ihrer martialischen Ästhetik und ihres Auftretens als rechtsextrem eingestuft werden kann oder ob dieses Bild das Ergebnis einer Fehlinterpretation ihrer künstlerischen Wurzeln in der DDR ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der DDR-Kulturpolitik, der biografischen Sozialisation der Musiker in einem totalitären System und der Analyse der Band-Ästhetik im Kontext von Provokation und politischer Distanzierung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu belegen, dass Rammstein keine rechtsextreme Band ist, sondern dass ihr Auftreten eine logische Konsequenz ihrer Prägung durch die restriktive DDR-Kulturpolitik darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es werden Primärquellen wie Songtexte, Musikvideos und Interviews mit sekundären Quellen wie musikwissenschaftlichen Analysen zur DDR-Kulturpolitik kombiniert, um eine fundierte kontextuelle Einordnung vorzunehmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des DDR-Kulturbetriebs, die persönliche Entwicklung der Rammstein-Musiker vor der Bandgründung sowie eine spezifische Dekonstruktion ihrer Songs und Videos hinsichtlich politischer Hintergründe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zu den zentralen Begriffen zählen Rammstein, DDR-Kulturpolitik, Neue Deutsche Härte, Totalitarismus, Sozialisation sowie das Spannungsfeld zwischen künstlerischer Provokation und politischer Ideologie.
Wie erklärt der Autor die Verwendung von Elementen aus NS-Propagandafilmen im Musikvideo zu „Stripped“?
Der Autor argumentiert, dass dies kein Ausdruck von Faschismus ist, sondern eine bewusste, wenn auch kontroverse ästhetische Entscheidung darstellt, die oft als „Berufsprovokation“ der Band missverstanden wurde.
Welchen Einfluss hatte das Musiksystem der DDR auf die heutige Ästhetik von Rammstein?
Die Musiker wurden durch die martialische Ausdrucksform der DDR, die sich in gewissen militärischen Zügen widerspiegelte, geprägt, was den heute sichtbaren Stil der Band in ihrem Kontext erklärbar macht.
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- Marcel Weigel (Author), 2011, General Stalin lässt grüßen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190396