Die kritische Sicht des Plinius Secundus zur römischen Religion in der naturalis historia


Hausarbeit, 2011

12 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die kritische Sicht des Plinius Secundus zur römischen Religion in der historia naturalis
2.1 Religion in Rom
2.2 Das Leben des Plinius Secundus und seine historia naturalis
2.3 Die Kritik des Plinius Secundus in der historia naturalis an der römischen Religion
2.3.1 Die Existenz von Gott und die Pluralität der römischen Götter
2.3.2 Gott sein, Kaiservergötterung und die Frage nach übergeordneten Mächten
2.3.3 Der Vorteil der Pluralität der Götter

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis
4.1 Quellenverzeichnis
4.2 Verzeichnis der Sekundärliteratur

1. Einleitung

„religione… omnis gentis nationesque superavimus“1

In diesem Zitat von Cicero kann man deutlich erkennen was die Römer von sich selbst bezüglich der Religion halten: sie überragen durch Religiosität alle Völker und Stämme. Die Römer hielten sich für unübertrefflich auf diesem kultischen Gebiet und waren von sich selbst als frommes Volk überzeugt. Vergil legt hierzu sogar noch eines drauf: „ genus… supra homines supra ire deos pietate videbis…“2 Er lässt in seinem Werk „Aeneis“ Jupiter sagen, dass die Römer eines Tages alle Menschen und Götter an Frömmigkeit übertreffen werden. Diese Art der Frömmigkeit drückte sich ihnen in der Religion(religio) aus und die bestand größten Teils aus kultischer Verehrung der Götter (cultus deorum). Die Verehrung wurde durch Gebete und Riten für die Götter praktiziert und brachte somit einen religiösen und zugleich gesellschaftlichen Aspekt in die Religion ein. Doch könnte man die Sache mit der Religion nicht auch mal anders betrachten? Dies tat Plinius Secundus. Er blickte ihr kritisch entgegen und sagte in seiner naturalis historia genau was er von der Religion der Römer und im Allgemeinen hielt. Plinius behandelt dort ein paar Dinge sehr detailliert und hebt die römische Religion nicht in den Himmel.

Er betrachtet in seinem Werk die Religion mit stoischer Ansicht nach der die Mutter aller Lebewesen die Natur ist. Plinius Secundus hält nicht viel von Respektlosigkeit ihr gegenüber und von unsinnigem Luxus, der nur der Ausbeutung der Erde dient.

Im folgenden Text wird kurz auf die römische Religion eingegangen und danach genau der Ausschnitt des zweiten Buches 15-27 analysiert, wobei allerdings unwichtige Teile, die für die römische Religion nicht zu gebrauchen sind, weggelassen werden.

Es ist sinnvoll die unwichtigen Dinge wegzulassen, da sich diese Hausarbeit auf das Thema Religion beschränkt und Abschweifungen auf Grund der Kürze eher unangebracht sind. Es wird im nachfolgenden Text auch versucht darauf einzugehen, warum Plinius Secundus anders bezüglich der römischen Religion denkt und wie seine Meinung begründet ist. Dies kann man vor allem durch sein Leben rausfinden und analysieren.

2. Die kritische Sicht des Plinius Secundus zur römischen Religion in der historia naturalis

2.1 Religion in Rom

In Rom wurde Religion groß geschrieben, wie bereits oben beschrieben. Diese hohe Selbsteinschätzung vor allem und Herabsetzung der anderen Religionen war und ist in jeder Religionsgemeinschaft nötig um die Grundvoraussetzung dieser zu erfüllen. Trotzdem zeugt die sehr hohe Einschätzung der Frömmigkeit (pietas) und Religiosität (religio) von einem sehr außergewöhnlich starken nationalen Selbstbewusstsein. Die pietas stand eigentlich für die Ehrerbietung und die Achtung der Kinder gegenüber ihren Eltern. Besonders aber sollte die Beziehung des Sohnes und des verstorbenen Vaters aufrechterhalten werden und allgemein von den Lebenden zu den Toten.3 Die religio war vor allem wichtig, wenn die Römer ein Land eroberten und mit ihrer Hilfe beziehungsweise durch die Einhaltung des Kultes konnte man immer Erfolg haben. Sie meint aber im eigentlichen Sinne die vorschrifts- und traditionsmäßige Einhaltung des Handelns und Umgang mit den Göttern.

Die Römer verehrten jedoch nicht nur einen Gott sondern mehrere Götter und brachten ihnen Opfer und Gebete dar. In einer Weise waren sie ein Vorbild für die Religion. Vor allem aber wurden die religiösen Bauwerke, zu Ehren eines Gottes aufgestellt, nachgeahmt. Als bestes Beispiel hierzu könnte man das Forum Augustus mit dem Marstempel nennen. Es wurde natürlich von Augustus erbaut.

Es war das erste Monument in Rom, das als einzigen Zweck Repräsentation hatte. Augustus schuf hiermit ein neues Zentrum der Religion in der Hauptstadt. Das Forum hatte im Mittelpunkt einen riesigen Tempel, der Mars geweiht war.4 Mars ist der Gott des Krieges und so wie es einen Gott für Krieg gibt, gab es fast für jeden Bereich des römischen Lebens eine Gottheit. Doch Jupiter war der Höchste und Mächtigste von allen. Merkur war der Gott der Diebe, überbrachte Boten des Jupiters, Diana war die Göttin der Jagd und Apollon war der Gott der Künste, nur um eine kleine Auswahl zu nennen.

Es gab aber auch die Möglichkeit als Mensch zu einer Gottheit erhoben zu werden. Dies fiel allerdings in den Zuständigkeitsbereich, der sogenannten Kulteinführung, des Senats.5 Er konnte somit also auch eine Kaiserkonsekration durchführen. Durch einen Beschluss des Senats wurde dann eine Person zu einem der Staatsgötter. Der Vergöttlichte galt als eine richtige Gottheit und bekam einen altrömischen nachgebildeten Gottesnamen.6 Normalerweise war es aber eigentlich nur möglich divinisiert zu werden, wenn man bereits tot war, da alles andere religiös nicht vertretbar gewesen wäre.7 Doch passierte es dann doch, da Caesar der erste Mensch war, der lebendig als Staatsgott in der Öffentlichkeit anerkannt wurde.8

Jeder Gott oder jede Gottheit hatte auch einen passenden Schutzgeist. Juno hieß der Schutzgeist der weiblichen und Genius der der männlichen Gottheiten. Bei den kaiserlichen Gottheiten war es meistens der Fall, dass der Schutzgeist und der Kaisergott identisch waren.9 Es war damit dann aber die Kraft und das Gewicht der Gottheit gemeint. Man brachte dem Schutzgeist in Rom ein besonderes Opfer dar, nämlich einen Stier. Normalerweise opferte man unblutige Dinge zum Dank, wie zum Beispiel Weihrauch und Wein.

2.2 Das Leben des Plinius Secundus und seine historia naturalis

Die historia naturalis ist das einzig erhaltene Werk von Plinius Secundus und besteht aus 37 Büchern in denen er Themen wie Geographie, Zoologie, Botanik, Heilmittel aus Pflanzen- und Tierreich, Metallurgie und Mineralogie beschreibt und bespricht. Im zweiten Buch, der Kosmologie, behandelt er unter anderem auch die Religion und stellt sie argumentativ in Frage, deshalb eignet sie sich gut für die kritische Betrachtung der römischen Religion. Mit diesem Werk wollte er eine Art Lexikon des Wissens über die Natur schaffen, das seine Zeitgenossen als Nachschlagewerk und Wissensquelle nutzen können sollten. Wenn man bedenkt wie viele Bücher die historia naturalis hat, könnte man denken Plinius Secundus wäre den ganzen Tag nur zu Hause gesessen und hätte gelesen und studiert. In der Tat war dem nicht so, da er viel Zeit seines Lebens nicht im Haus verbracht hat. Natürlich hat ihn nur seine Einstellung „vita vigilia est“10 - „Leben heißt Wachsein“ so weit gebracht, dass er die historia naturalis verfassen konnte.

[...]


1 Cic., har. 9, 19

2 Verg., Aen. 12, 838-839

3 F. Müller; Götter- Gaben- Rituale, Religion in der Frühgeschichte Europas, Mainz 2002; S.13

4 F. Müller; Götter- Gaben- Rituale; S.38-41

5 A. Wlosok; Römischer Kaiserkult, Darmstadt 1978; S.82- 83

6 A. Wlosok; Römischer Kaiserkult; S.83

7 A. Wlosok; Römischer Kaiserkult; S.83

8 M. Clauss; Kaiser und Gott, Herrscherkult im römischen Reich; Stuttgart und Leipzig 1999; S.223

9 M. Clauss; Kaiser und Gott; S.222

10 Plin. nat., 1,19

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die kritische Sicht des Plinius Secundus zur römischen Religion in der naturalis historia
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historicum)
Veranstaltung
Proseminar Alltagsleben im antiken Rom
Note
3,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V190430
ISBN (eBook)
9783656148661
ISBN (Buch)
9783656148906
Dateigröße
666 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Plinius Secundus, römische Religion, naturalis historia
Arbeit zitieren
Melanie Köppl (Autor), 2011, Die kritische Sicht des Plinius Secundus zur römischen Religion in der naturalis historia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190430

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die kritische Sicht des Plinius Secundus zur römischen Religion in der naturalis historia



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden