Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit der innenpolitischen Situation
während des Reaktionsjahrzehnts in Preußen. Dabei soll zunächst auf die folgenden
Fragen eingegangen werden: Wie reagierte Preußen auf die deutsche Revolution von
1848/49? Was prägte das Jahrzehnt der Reaktion in Preußen? und Wie konnte es dazu
kommen, dass Wilhelm I., König von Preußen mehrmals abdanken wollte, um schließlich
Bismarck, einen Mann von dem sein Bruder Friedrich Wilhelm IV. schon 1848 sagte:
„Richt nach Blut! Nur zu gebrauchen, wenn das Bajonett schrankenlos waltet!“1, zum
Ministerpräsidenten zu ernennen und damit die Weichen für seine spätere Krönung zum
deutschen Kaiser gestellt zu haben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Revolution und Gegenrevolution in Preußen
1.1. Die Revolution von 1848
1.2. Die Gegenrevolution
2. Das Reaktionsjahrzehnt in Preußen
2.1. Die preußische Verfassung
2.2. Die Ära Manteuffel
3. Preußens Innenpolitik bis zum Machtantritt Bismarcks
3.1. Die neue Ära und der Konflikt um die Heeresreform
3.2. Verfassungskonflikt und der Machtantritt Bismarcks
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Seminararbeit analysiert die innenpolitische Entwicklung Preußens während des Reaktionsjahrzehnts von der Revolution 1848 bis zur Ernennung Otto von Bismarcks zum Ministerpräsidenten im Jahr 1862. Die zentrale Fragestellung untersucht, wie Preußen auf die revolutionären Ereignisse reagierte, welche Mechanismen zur Aufrechterhaltung der konservativen Staatsordnung eingesetzt wurden und welche Faktoren schließlich zum Machtantritt Bismarcks führten.
- Die Auswirkungen der Revolution von 1848 auf Preußen
- Die Etablierung des Reaktionsjahrzehnts unter Manteuffel
- Der Wandel in der preußischen Verfassungspolitik
- Der Konflikt zwischen Krone und Parlament um die Heeresreform
- Die Eskalation zum Verfassungskonflikt und dessen politische Folgen
Auszug aus dem Buch
1.1. Die Revolution von 1848
Die Nachricht von der Verbrennung des Throns König Louis Philippe von Frankreich am 24. Februar 1848 auf dem Bastilleplatz war der Funke der die angespannte Situation in den deutschen Landen zum entzünden brachte. Trotz der Hungerrevolten von 1847 und Revolutionsangst der Konservativen, kam die Revolution für die deutschen Fürsten und Könige unerwartet. In den ersten Märzwochen brachte ein Sturm von Versammlungen, Straßenkundgebungen und Delegationen, gestützt und vorwärtsgetrieben durch das Bürgertum, sowie Bauern, Handwerker und Arbeiter die Führer der Liberalen Opposition in mehreren deutschen Einzelstaaten an die Spitze der Regierungen. Die Revolution verbreitete sich wie eine Kettenreaktion im dritten Deutschland. In ganz Deutschland wurden die gleichen Forderungen, allgemein als „Märzforderungen“ bezeichnet, laut. Überall forderte man die Freiheit der Presse und der Versammlungen, das Ende des Waffenmonopols der monarchischen Armeen, also die Bewaffnung des Volkes. Gleichfalls sollten Reformen im Wahlrecht und die Demokratisierung der Justiz, es wurden Geschworenengerichte gefordert, durchgesetzt werden. Auch forderten die aufgebrachten Mengen ihre Regierungen zur Mitarbeit am Aufbau eines deutschen Bundesstaates auf und forderten ein deutsches Nationalparlament.
Fast widerstandslos konnte sich die revolutionäre Bewegung in den meisten deutschen Staaten durchsetzen. Während der Märzrevolution wurden die alten Gewalten nicht, wie in Frankreich, vertrieben, sondern gaben nur ihre Positionen preis und ließen Liberale in die Spitzen ihrer Regierungen treten. Schließlich griff die Revolution auch auf die beiden deutschen Großmächte über. Während die Ereignisse im Vielvölkerstaat Österreich sich nur mittelbar auf Gesamtdeutschland auswirkten, so bestimmte der Verlauf der Revolution in Preußen direkt den Gang der deutschen Revolution. Obwohl sich der Revolutionsgedanke in Preußen von West nach Ost langsam vorarbeitete, kam es in den ersten Märztagen bis zum Abtreten Metternichs in Österreich, in Preußen zu keinen ernsthafteren Unruhen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung steckt den zeitlichen Rahmen von 1848 bis 1862 ab und führt in die Thematik der preußischen Verfassungs- und Innenpolitik unter dem Einfluss von Reaktion und liberalen Spannungen ein.
1. Revolution und Gegenrevolution in Preußen: Dieses Kapitel beschreibt den Verlauf der Märzrevolution 1848 in Preußen und analysiert den anschließenden Prozess der Gegenrevolution, der in der Oktroyierung einer neuen Verfassung mündete.
2. Das Reaktionsjahrzehnt in Preußen: Der Fokus liegt hier auf den verfassungsrechtlichen Änderungen sowie der Ära Manteuffel, in der versucht wurde, die Staatsautorität durch bürokratische Mittel und Wahlbeeinflussung gegen liberale Tendenzen zu sichern.
3. Preußens Innenpolitik bis zum Machtantritt Bismarcks: Dieses Kapitel thematisiert das Ende der Reaktionsjahre, den Konflikt um die Heeresreform und die daraus resultierende Eskalation in einen Verfassungskonflikt, der in der Berufung Bismarcks gipfelte.
4. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, wie das Spannungsfeld zwischen monarchischem Prinzip und bürgerlichem Partizipationsdrang Preußen letztlich in eine Staatskrise führte, die den Weg für Bismarck ebnete.
Schlüsselwörter
Preußen, Revolution 1848, Gegenrevolution, Reaktionsjahrzehnt, Manteuffel, Verfassung, Liberalismus, Heeresreform, Verfassungskonflikt, Bismarck, Wilhelm I., Dreiklassenwahlrecht, Monarchie, Obrigkeitsstaat, Innenpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der innenpolitischen Entwicklung Preußens in der Zeit zwischen der Revolution 1848 und dem Machtantritt Otto von Bismarcks im Jahr 1862.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Auswirkungen der Revolution, die preußische Gegenrevolution, das Reaktionsjahrzehnt unter Manteuffel sowie die eskalierenden Konflikte um die Heeresreform und die Verfassung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Ursachen und den Verlauf des innenpolitischen Wandels in Preußen zu beleuchten und zu verstehen, warum Wilhelm I. letztlich Bismarck zum Ministerpräsidenten ernannte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Seminararbeit, die auf der Analyse zeitgenössischer Quellen und einschlägiger historiographischer Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Revolution und Gegenrevolution, die Ära Manteuffel sowie den langwierigen Verfassungskonflikt, der aus der Heeresreform resultierte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Schlüsselwörter sind Preußen, Reaktionsjahrzehnt, Revolution 1848, Heeresreform, Verfassungskonflikt und Bismarck.
Welche Rolle spielte die "Ära Manteuffel" in diesem Prozess?
Die Ära Manteuffel war geprägt durch den Versuch, die Staatsautorität zu festigen und liberale Einflüsse mittels bürokratischer Mittel und Wahlmanipulationen innerhalb eines Scheinkonstitutionalismus zu unterdrücken.
Wie beeinflusste der Konflikt um die Heeresreform die innenpolitische Lage?
Die Heeresreform führte zu einer tiefgreifenden Blockade zwischen dem liberal dominierten Parlament und der Krone, die sich zu einem ernsten Verfassungskonflikt ausweitete und die Monarchie in eine Existenzkrise stürzte.
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- Raik Dowedeit (Author), 2008, Das Jahrzehnt der Reaktion in Preußen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190638