Die Zeit der Weimarer Republik ist ein Kapitel der Geschichte Deutschlands, das - nicht nur aufgrund ihres scheinbar schicksalhaften Endes - die Forschung stets beschäftigte. Dennoch ist scheinbar gerade die letzte Phase der Republik besonders interessant, weil damit vermutlich beinahe unweigerlich die danach folgende Katastrophe der Diktatur und des fatalen Krieges verbunden wird. Die Frage nach den Ursachen des Scheiterns war und ist noch immer der Kern des wissenschaftlichen Interesses. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf den Übergang zu den Präsidialkabinetten ab März 1930 und den Aufstieg der Nationalsozialisten zur Massenbewegung gelegt.1 Auch diese Hausarbeit wird sich mit den Präsidialregimen und der Desintegration des politischen Systems im Hinblick auf den Fall der ersten deutschen Demokratie beschäftigen. Besonders werden hier auch die Präsidialkabinette und deren Auswirkungen auf das demokratische System sowie die Rolle Paul von Hindenburgs als Reichspräsident beleuchtet werden. Vor allem das Kapitel, das auf Hindenburg ausgerichtet sein wird soll einen ganz neuen Aspekt in der Weimarforschung beleuchten. Hier möchte ich die Hindenburg-Biographie Wolfram Pytas2 besonders hervorstellen, da diese eine andere und neue Sichtweise auf die bisherige Forschungslage zu Hindenburg und dem Untergang der Republik bietet. Des Weiteren stütze ich mich in meiner Argumentation vorwiegend auf die Gesamtdarstellungen Andreas Wirschings3 und Eberhard Kolbs sowie auf den Aufsatz Andreas Rödders. Die zeitlichen Grenzen dieses Themas sind jedoch nicht exakt zu bestimmen; die Historiker sind uneins über die Datierung der Endphase und vor allem über die Bestimmung des eigentlichen Endes. Einige Wissenschaftler bezeichnen keineswegs den Machtantritt Hitlers am 30. Januar 1933 als Ende der Republik; sie setzen schon weit früher an. Arthur Rosenberg beispielsweise erklärte den Zeitpunkt nach der Septemberwahl 1930 zur „Todesstunde der Weimarer Republik.“ [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Der Weg zur Machtübergabe? Die Präsidialkabinette
Die Ära Brüning: Anfang vom Ende oder letzte Chance?
Praxis der Einsetzung der Artikel 48 und 25 der WRV
SPD-Tolerierungspolitik
Die Kabinette der Barone
Franz von Papen
Kurt von Schleicher
Paul von Hindenburg: Lage und Handlungsspielräume des Reichspräsidenten
Zusammenfassung: Der 30. Januar 1933- eine unvermeidbare Konsequenz?
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Präsidialkabinette und des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg bei der Desintegration des politischen Systems der Weimarer Republik, mit dem Ziel zu klären, ob die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler eine unvermeidbare Konsequenz der damaligen politischen Entscheidungen darstellte.
- Analyse des Übergangs zu den Präsidialkabinetten ab März 1930
- Untersuchung der Funktionsweise der Artikel 48 und 25 der Weimarer Reichsverfassung
- Bewertung der Rolle und Handlungsspielräume von Reichspräsident Paul von Hindenburg
- Kritische Auseinandersetzung mit der Machtübergabe an Adolf Hitler am 30. Januar 1933
Auszug aus dem Buch
Die Kabinette der Barone
Nicht umsonst wurde dieses Kabinett auch Kabinett der Barone genannt. Unter Papens Regierung, die am 1. Juni 1932 eingesetzt wurde, wurde Konstantin Freiherr von Neurath Außenminister, Innenminister wurde Wilhelm Freiherr von Gayl und Finanzminister war Lutz Graf Schwerin von Krosigk. Der „neue starke Mann des Kabinetts“ war Schleicher. Er hatte diese Regierung vorbereitet und wurde nun selbst Chef des Reichswehrministeriums. Laut der These E. Kolbs war auch er derjenige, der hinter Papen- v.a. bezüglich der Einbindung der NSDAP die Fäden zog und alles steuerte. Für Hindenburg war dies natürlich eine ideale Besetzung; adelig und konservativ. Doch sehr viel entscheidender war hier der Faktor Volk; denn in der Masse hatte- laut Andreas Wirsching- dieses Kabinett eine kaum nennenswerte Basis. Seiner These nach ist von Papens Regierungszeit durch drei Aspekte wesentlich bestimmt worden: erstens der antiparlamentarische Kurs der Regierung bzw. die Politik der Reichstagsauflösung, zweitens die vergeblichen Versuche die NSDAP davon zu überzeugen eine Tolerierung der Regierung zu betreiben und drittens durch die weiter fortschreitende Zerstörung des Verfassungssystems u. a. mit dem Preußenschlag.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Scheiterns der Weimarer Republik ein und legt den Fokus auf die Phase der Präsidialkabinette ab 1930 sowie die zentrale Rolle Hindenburgs.
Der Weg zur Machtübergabe? Die Präsidialkabinette: Dieses Kapitel erläutert den chronologischen Verlauf der drei Präsidialregime unter Brüning, Papen und Schleicher und deren Beitrag zur Aushöhlung der parlamentarischen Demokratie.
Die Ära Brüning: Anfang vom Ende oder letzte Chance?: Es wird untersucht, wie Brüning durch die exzessive Nutzung der Notverordnungen und die Schwächung des Reichstages den Weg in die autoritäre Regierungsform ebnete.
Praxis der Einsetzung der Artikel 48 und 25 der WRV: Dieser Abschnitt analysiert die verfassungsrechtliche Problematik der Notverordnungspraxis und deren destabilisierende Wirkung auf das parlamentarische System.
SPD-Tolerierungspolitik: Hier wird die Rolle der SPD beleuchtet, die durch ihren Tolerierungskurs versuchte, eine Zuspitzung der politischen Lage zu verhindern, während sie gleichzeitig unter internem Druck stand.
Die Kabinette der Barone: Das Kapitel beschreibt die Regierungsphasen von Papen und Schleicher, die durch mangelnde parlamentarische Basis und eine stetige Vertiefung der Regierungskrise geprägt waren.
Franz von Papen: Im Fokus steht die konservative Ausrichtung des Kabinetts Papen und dessen gescheiterte Versuche, die NSDAP in das System einzubinden.
Kurt von Schleicher: Die Analyse konzentriert sich auf die Intrigen Schleichers und seine Unfähigkeit, durch ein breites Bündnis Stabilität zu gewinnen.
Paul von Hindenburg: Lage und Handlungsspielräume des Reichspräsidenten: Dieses Kapitel arbeitet heraus, dass Hindenburg als zentraler Akteur eigenständig handelte und trotz politischer Sackgassen die Entscheidung zur Ernennung Hitlers aktiv traf.
Zusammenfassung: Der 30. Januar 1933- eine unvermeidbare Konsequenz?: Die Zusammenfassung resümiert, dass die Machtübernahme keine naturgesetzliche Notwendigkeit war, sondern eine bewusste, wenn auch in einer Krisensituation getroffene Entscheidung Hindenburgs.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, Präsidialkabinette, Paul von Hindenburg, Heinrich Brüning, Franz von Papen, Kurt von Schleicher, NSDAP, Notverordnungen, Artikel 48, Machtübergabe, 30. Januar 1933, Parlamentarismus, Desintegration, Verfassung, Diktatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Prozess der Desintegration des politischen Systems der Weimarer Republik in der Endphase von 1930 bis 1933.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Regierungszeit der Präsidialkabinette, die Rolle von Reichspräsident Hindenburg und der Aufstieg der Nationalsozialisten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage lautet, inwieweit die Präsidialkabinette zur Systemdestabilisierung beitrugen und ob die Ernennung Hitlers als logische Konsequenz oder vermeidbare Entscheidung zu werten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine historisch-analytische Methode unter Berücksichtigung aktueller Forschungspositionen, insbesondere der Hindenburg-Biographie von Wolfram Pyta.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der drei Präsidialkabinette (Brüning, Papen, Schleicher) und eine tiefgehende Untersuchung der Handlungsspielräume des Reichspräsidenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Präsidialregime, Artikel 48, Weimarer Republik, Hindenburg und Machtübergabe.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Artikel 48 und 25?
Die Autorin sieht in der kombinierten Anwendung dieser Artikel ein zentrales Instrument der Präsidialregime zur systematischen Ausschaltung des Parlaments.
Welche neue Perspektive bietet die Arbeit bezüglich Hindenburg?
Im Gegensatz zur älteren Forschung, die Hindenburg als bloßen Spielball seiner Berater sah, stellt die Arbeit ihn als handelndes Subjekt mit machtvollem Selbstverständnis dar.
Wird die Ernennung Hitlers als unvermeidbar dargestellt?
Nein, die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Ernennung keine logische Zwangsläufigkeit war, sondern eine Entscheidung, die Hindenburg frei traf, auch wenn die Alternativen zu diesem Zeitpunkt stark dezimiert waren.
Wie schätzt die Autorin die Bedeutung der "Kabinette der Barone" ein?
Diese Kabinette werden als Phasen der inhaltlichen und parlamentarischen Isolierung beschrieben, die den Spielraum des Reichspräsidenten einengten und den Druck zur Ernennung Hitlers erhöhten.
- Quote paper
- Katharina Weiß (Author), 2008, Die Desintegration des politischen Systems - Die Präsidialregime und die Machtübergabe am 30. Januar 1933 , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190845