Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion, die nach der Machtübername Hitlers deutlich abkühlten, haben im Verlauf des Jahres 1939 eine entscheidende Wende vollzogen. Angefangen mit dem deutschen Angebot eines neuen Warenkredites über 200 Millionen Reichsmark Ende 1938, bis zum Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes in der Nacht vom 23.08.1939 auf den 24.08.1939 vollzog sich ein Wandel, der vor allem mit dem Abschluss des Nichtangriffspaktes sowohl Staunen als auch Entsetzten in der Welt hervorgerufen hat. Immerhin haben sich am 23./24.08.1939 zwei Ideologien die Hand gereicht, die sich zuvor bis auf das äußerste (verbal) bekämpft haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Situation bis Ende 1938
2.1. Von wem ging die Initiative für die deutsch-sowjetische Annäherung aus?
3. Beginn der deutsch-sowjetischen Annäherung
3.1. Wirtschaftsverhandlungen Oktober 1938 bis zum 19.08.1939
3.2. Die politischen Verhandlungen bis Juli 1939
3.3. Der Weg zum Hitler-Stalin-Pakt
4. Der Hitler-Stalin-Pakt
5. Gab es Alternativen für Stalin oder Hitler?
6. Reaktionen auf den Nichtangriffspakt
7. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die diplomatischen und wirtschaftlichen Hintergründe, die zur überraschenden Annäherung zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und der Sowjetunion im Jahr 1939 führten, mit dem Ziel, die Motive und die Genese des Hitler-Stalin-Paktes zu beleuchten.
- Die Ausgangslage der deutsch-sowjetischen Beziehungen vor 1939.
- Die Bedeutung der Wirtschaftsverhandlungen für den politischen Annäherungsprozess.
- Die Rolle der deutschen Diplomatie, insbesondere von Friedrich Werner Graf von Schulenburg.
- Die strategischen Kalküle Hitlers und Stalins im Kontext der gescheiterten Kollektiven Sicherheit.
- Die Auswirkungen und weltweiten Reaktionen auf den Nichtangriffspakt.
Auszug aus dem Buch
3.1. Wirtschaftsverhandlungen Oktober 1938 bis zum 19.08.1939
Am 01.12.1938 legte der Leiter des Ost-Europa-Referates der wirtschaftspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, Dr. Karl Julius Schnurre, einen ersten Entwurf über die Eröffnung der Gespräche mit den sowjetischen Vertretern in Berlin vor. Danach sollten die Verhandlungen über die Verlängerung des deutsch-sowjetischen Wirtschaftsabkommens für das Jahr 1939 aufgenommen werden, sobald der sowjetische Handelsvertreter Dawydow aus Moskau zurück sei. Im Rahmen dieser Verhandlungen solle das Angebot eines neuen Warenkredites angesprochen werden. Einzige Bedingung für einen solchen Kredit sei ein „vermehrter Gegenwartswert“ für Deutschland, was auf erhöhte Rohstofflieferungen (besonders kriegswichtiger Rohstoffe) der Sowjetunion an Deutschland hinausliefe. Als Gegenleistung bot Deutschland der Sowjetunion einen Warenkredit über 200 Millionen Reichsmark zu äußerst günstigen Konditionen in Bezug auf Laufzeit und Zinshöhe an.
Allerdings gab Schnurre diesem Vorhaben kaum Chancen zur Realisierung. Die ersten Gespräche zur Verlängerung der Wirtschaftsverträge verliefen aber recht positiv, so dass bereits am 19.12.1938 die Verlängerung des Wirtschaftsvertrages für das Jahr 1939 unterzeichnet werden konnte. Der erste Schritt war getan. Drei Tage später, am 22.12.1938 wurde die sowjetische Handelsvertretung von einer hochrangigen deutschen Delegation im Auswärtigen Amt empfangen. Von sowjetischer Seite war aber lediglich der Stellvertretende Leiter der Handelsvertretung, Skosyrew, entsandt worden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Wende in den deutsch-sowjetischen Beziehungen von 1939 und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Motiven für die Annäherung trotz ideologischer Gegensätze.
2. Die Situation bis Ende 1938: Dieses Kapitel beschreibt die trotz politischer Abkühlung fortbestehenden Wirtschaftsbeziehungen sowie die zunehmende außenpolitische Isolation der Sowjetunion durch das Münchener Abkommen.
2.1. Von wem ging die Initiative für die deutsch-sowjetische Annäherung aus?: Hier werden vier wissenschaftliche Thesen zur Urheberschaft der Annäherung diskutiert, wobei die These der aktiven deutschen Diplomatie als plausibelste hervorgehoben wird.
3. Beginn der deutsch-sowjetischen Annäherung: Der Abschnitt erläutert die ersten diplomatischen Sondierungen unter Umgehung des Außenkommissars Litwinow zur Belebung der Beziehungen.
3.1. Wirtschaftsverhandlungen Oktober 1938 bis zum 19.08.1939: Es wird der mühsame Verlauf der Wirtschaftsverhandlungen dargelegt, die als notwendige politische Basis für den späteren Pakt dienten.
3.2. Die politischen Verhandlungen bis Juli 1939: Das Kapitel analysiert die Versuche eines politischen Ausgleichs im Kontext von Stalins Kastanienrede und der gescheiterten westlichen Bündnisoptionen.
3.3. Der Weg zum Hitler-Stalin-Pakt: Hier wird der letzte diplomatische Kraftakt bis zur Unterzeichnung des Paktes in der Nacht vom 23. auf den 24. August 1939 beschrieben.
4. Der Hitler-Stalin-Pakt: Dieser Teil fasst die Inhalte des Nichtangriffsvertrages sowie des geheimen Zusatzprotokolls zusammen.
5. Gab es Alternativen für Stalin oder Hitler?: Die Analyse hinterfragt die Handlungsspielräume beider Diktatoren und ihre strategische Entscheidung für ein zeitweiliges Bündnis.
6. Reaktionen auf den Nichtangriffspakt: Es werden die weltweiten Entsetzensreaktionen sowie die internen diplomatischen und bevölkerungsweiten Folgen des Paktes beleuchtet.
7. Zusammenfassung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Annäherung als Ergebnis einer Reihe von Überlegungen und Ereignissen, die zur Vermeidung eines Zweifrontenkrieges (Deutschland) bzw. zur Zeitgewinnung (Sowjetunion) führten.
Schlüsselwörter
Hitler-Stalin-Pakt, Sowjetunion, Deutsches Reich, Außenpolitik, Nichtangriffspakt, Diplomatie, Wirtschaftsbeziehungen, Kollektive Sicherheit, Molotow, Ribbentrop, Schulenburg, 1939, Zweifrontenkrieg, Geheimes Zusatzprotokoll, Appeasement-Politik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den Hintergründen der deutsch-sowjetischen Annäherung im Jahr 1939, die schließlich in den Hitler-Stalin-Pakt mündete.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der diplomatischen Korrespondenz, den wirtschaftlichen Verhandlungen und den strategischen Machtkalkülen, die Deutschland und die Sowjetunion zu einer Zusammenarbeit bewegten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, warum sich zwei ideologische Erzfeinde zu einem Pakt entschlossen und wer bei diesem Annäherungsprozess die treibende diplomatische Kraft war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Analyse zeitgenössischer diplomatischer Dokumente, Korrespondenzen und einschlägiger historischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch die Phasen der Annäherung, angefangen bei den wirtschaftlichen Sondierungen über die politischen Verhandlungen bis hin zur Unterzeichnung des Paktes und den anschließenden Reaktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den zentralen Begriffen gehören Hitler-Stalin-Pakt, Diplomatie, strategisches Kalkül, Außenpolitik, Rohstofflieferungen und das Geheime Zusatzprotokoll.
Welche Rolle spielte Friedrich Werner Graf von Schulenburg bei der Annäherung?
Schulenburg, der deutsche Botschafter in Moskau, wird als zentrale Figur der deutschen Diplomatie dargestellt, die trotz persönlicher Abneigung gegen das Naziregime proaktiv auf eine Normalisierung der deutsch-sowjetischen Beziehungen hinarbeitete.
Warum war das geheime Zusatzprotokoll von so großer Bedeutung?
Das Protokoll definierte die Interessensphären in Osteuropa, insbesondere in Polen und den baltischen Staaten, und legte damit die Grundlage für die territoriale Neuordnung, die den politischen Pakt erst praktikabel machte.
- Quote paper
- Michael Rolka (Author), 2003, Die Deutsch-Sowjetische Annäherung: Von den ersten Gesprächen bis zum Hitler-Stalin-Pakt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19085