Martin E. P. Seligman und die Positive Psychologie


Studienarbeit, 2010
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Biographie

2 Erlernte Hilflosigkeit
2.1 Triadischer Versuchsplan und Kontrollverlust
2.1.1 Aufbau des Experiments
2.1.2 Erkenntnisse aus dem Experiment
2.2 Drei Komponenten der Erlernten Hilflosigkeit

3 Positive Psychologie
3.1 Drei Säulen der Positiven Psychologie
3.1.1 Positive Emotionen
3.1.2 Positiver Charakter
3.1.3 Positive Strukturen
3.2 Zusammenfassung - Drei Wege zum Glück
3.3 Positive Psychologie in der Praxis

4 Fazit und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

1 Biographie

Der US-amerikanische Psychologe Martin E. P. Seligman ist vor allem durch seine Arbeiten an der Idee der „Erlernten Hilflosigkeit” und als Pionier auf dem Gebiet der „Positiven Psychologie“ bekannt geworden. Bis heute hat er über 20 Bücher und rund 200 wissenschaftliche Artikel über Motivation und Persönlichkeit publiziert. Hierbei sind seine Bücher weltweit in mehr als 20 Sprachen übersetzt und vereinzelt auch zum Best-Seller ernannt worden. Mit seiner Ehefrau Mandy McCarthy hat der heute 68- Jährige sieben Kinder (Amanda, David, Lara, Nicole, Darryl, Carly und Jenny) (Shah, 2010). Während seiner Laufbahn erhält Seligman unzählige Auszeichnungen für seine wissenschaftlichen Erkenntnisse1. Zu nennen sind beispielsweise „Distinguished Practitioner, 1995”; „Lifetime Achievement Award, 2002”; „Ph.D., Honoris Causa, Uppsala University, Sweden, 1989”; „Doctor of Humane Letters, Honoris Causa, Massachusetts College of Professional Psychology, 1997”; „Ph.D., Honoris Causa, Complutense University, Madrid, 2004”; „Ph.D., Honoris Causa, University of East London, 2006”. Seine Forschungsarbeiten werden bis heute von vielen Institutionen unterstützt. Unter anderem durch das „National Institute of Mental Health“ (seit 1969), das „International Institute of Aging“, die „National Science Foundation“, das „Department of Education”, die „Guggenheim Foundation” und die „MacArthur Foundation” (University of Pennsylvania, 2010a).

Martin E. P. Seligman wird am 12. August 1942, als Sohn zweier Beamten in Albany im Bundesstaat New York geboren. Trotz der finanziellen schwierigen Lebenssituation ermöglichen seine Eltern ihm den Besuch der Privatschule „Albany Adademy for Boys“, deren Schulgeld ca. 600 Dollar pro Monat beträgt (Seligman, 2010). Ähnlich wie viele andere Lernpsychologen beginnt auch Seligman seine wissenschaftliche Laufbahn mit dem Studium der Philosophie an der Princeton Universität, welches er im Alter von 22 Jahren mit „Summa Cum Laude“ absolviert. Im Anschluss hieran entscheidet sich Seligman für das Studium der Psychologie und studiert von 1964 bis 1966 als Stipendiat der National Science Foundation am Psychologischen Institut der University of Pennsylvania. In dieser Zeit lenken laut Seligman (1999) vor allem Richard L. Solomon und J. Bruce Overmier das erste Mal sein Interesse auf das Phänomen der Hilflosigkeit. Im Jahre 1964 führt J. Bruce Overmier zusammen mit Russel Leaf Experimente auf diesem Gebiet durch und arbeitet anschließend im Jahre 1964 mit Seligman zusammen.2 Noch im selben Jahr startet Seligman ebenfalls mit Steven F. Maier ein dreijähriges Forschungsprogramm über Hilflosigkeit, in dem beide erste Ansätze zur Theorie der Erlernten Hilflosigkeit formulieren. Seligman erforscht diese Theorie - „a learned pessimistic attitute“, die ihn zu wertvollen Ansätzen zur Behandlung und Prävention von Depressionen führt. Im Jahre 1967 schießt er das Studium der Psychologie an der University of Pennsylvania ab und promoviert auf dem Gebiet der Hilflosigkeit unter der Leitung von Richard Solomon.

Von 1967 bis 1969 lehrt Seligman als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Cornell Universität in Ithaca (New York) und führt neben seiner Lehrtätigkeit weitere Experimente zur Hilflosigkeit durch. Hierbei nennt Seligman vor allem seine damaligen Studenten als wichtigste Mitarbeiter und Anreger. So haben diese ihn davon überzeugt, dass Experimente für klinische Probleme und vor allem für Depressionen und Ängste, von sehr großer Bedeutung sind. Offenbar ist das auch der Hauptgrund, warum Seligman sich im Jahr 1970 von der Cornell Universität beurlauben lässt, um an der psychiatrischen Abteilung der University of Pennsylvania weiter zu forschen (Seligman, 1986). Daraufhin wechselt der US-amerikanische Psychologe 1971 zum Psychologischen Institut der University of Pennsylvania. Dort befasst sich Seligman mit psychopathologischen Störungen und beginnt mit seinem Werk „Helplessness. On Depression. Development and Death“, welches 1975 veröffentlicht wird. Im Jahr 1976 wird Seligman an der University of Pennsylvania Professor für Psychologie. Sein Engagement für die Universität werden drei Jahre später ebenso gewürdigt, indem er zum „Director of clinical training program“ durch das Psychologische Institut ernannt wird. Diese Stelle behält Seligman 14 Jahre lang.

In den Jahren von 1982 bis 1993 folgen weitere Veröffentlichungen wie die Bücher „Abnormal Psychology“ (Seligman & Rosenhan, 1982), „Learned Optimism“ (Seligman, 1990), „What You Can Change & What You Can‘t“ (Seligman, 1993) und „Learned Helplessness“ (Seligman, Maier & Peterson, 1993) (University of Pennsylvania, 2010b).

Von dem Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere bis zum jetzigen Zeitpunkt beschäftigt sich Seligman schwerpunktmäßig mit negativen Forschungsthemen wie Depression, Angst, Kontrollverlust und Pessimismus (Seligman, 2010). Hierzu reflektiert Seligman in seinem Buch „Der Glücksfaktor“ (2010) über seinen bisherigen Lebensabschnitt und kommt zu dem Fazit: „Ich bin eben kein pflichtvergessener Optimist, sondern ein in der Wolle gefärbter Pessimist“ (Seligman, 2010, S. 53).

Desweiteren ist Seligman auch durch seine Tätigkeiten bei der American Psychological Association bekannt geworden. Hier ist er zunächst als Leiter der Abteilung für Klinische Psychologie tätig und kandidiert 1995 für die Wahl zum Präsidenten. Seligman´s pessimistische Einstellung zeigt sich auch während der Wahlzeit, in der er davon ausgeht diese zu verlieren. Im Jahr 1996 gewinnt Seligman jedoch die Wahl mit der größten Mehrheit der Geschichte (Seligman, 2010).

Durch seine Präsidentschaft hat er die Möglichkeit ein Forschungsthema auszuwählen. Seine Aufgabe besteht nun darin in kürzester Zeit ein Hauptthema zu präsentieren und engagierte Menschen zu finden, mit denen er dieses umsetzen kann. Zu dieser Zeit interessiert sich Seligman vor allem für das Thema der Prävention und beschäftigt sich mit der Forschungsfrage, ob es bereits in der Jugend psychologische Interventionen gibt, die immun machen gegen Depressionen, Schizophrenie und Drogenabhängigkeit im Erwachsenenalter (Seligman, 2010). Seligman (2010) kritisiert in seinem Buch „Der Glücksfaktor“: „Es war wieder das `Krankheitsmodell´, neu aufgewärmt und proaktiv angewandt“ (Seligman, 2010, S. 57). Der Psychologe will sich jedoch nicht mit den bisherigen Erkenntnissen zufrieden geben und sucht nach einem neuen Anreiz, der sich nicht ausschließlich auf die Schwächen und Krankheiten der Menschen fokussiert. Dass Seligman zum Vater der Positiven Psychologie geworden ist, hat er offenbar seiner damaligen fünfjährigen Tochter Nicole zu verdanken, die ihm „diesen Anreiz“ gegeben hat: Während der Gartenarbeit tanzt Nicole fröhlich im Rosengarten herum, satt Unkraut zu jäten. Seligman, als geborener Pessimist, der für seine ungeduldige Art bekannt ist, schreit Nicole an. Seine Tochter rennt weg und kommt wieder, weil sie mit ihrem Vater reden möchte. Sie erklärt ihm, dass sie seit Jahren wegen jeder Kleinigkeit geweint hat und dass sie an ihrem fünften Geburtstag beschlossen hat keine Heulsuse mehr zu sein. Für Nicole ist es das Schwierigste gewesen, was sie je gemacht hat und behauptet, dass somit auch ihr Vater fähig sein muss mit dem Schreien und Schimpfen aufzuhören (Seligman, 2010; Seligman & Csíkszentmihályi, 2000).

„Heule nicht, handle“, das inspiriert Seligman (Schiessl, 2009). In jenem Moment beschließt Seligman sein Verhalten zu ändern: „Ich war ein Miesepeter. Ich hatte 50 Jahre lang zumeist Regenwetter in meiner Seele ausgehalten, und die letzten zehn Jahre war ich die wandelnde dunkle Regenwolke in einem Haus voll Sonnenschein“ (Seligman, 2010, S. 59).

Seligman´s Wandel und die Theorie der Positiven Psychologie findet ihren Ursprung durch Nikkis Worte (Schiessl, 2009). Das Erlebnis mit seiner Tochter führte ihn zu neuen Erkenntnissen: „Sollte es den Menschen möglich sein aus deren vermeintlicher Vorbestimmung auszubrechen?“, „Ist Glück erlernbar?“, „Was ist guter Charakter?“ (Schiessl, 2009, S. 1). Seine Forschungen über Depressionen und Pessimismus wandelt er um in neue Ideen zu „Optimismus“, was für seine weiteren Arbeiten eine entscheidende Rolle spielt, denn Optimismus ist laut Seligman „effective in immunizing against depression“ (Shah, 2010).

Seligman stellt fest, dass die Erziehung seiner Kinder nichts damit zu tun hat ihre Schwächen und Fehler zu erkennen, sondern ihre Stärken zu fördern. Mit dieser Erkenntnis veröffentlicht er 1997 sein Werk „The Optimistic Child“, das er seinen Kindern widmet. Seine Tochter Nicole hat ihn dazu inspiriert eine Positive Psychologie zu erschaffen.

Laut Seligman (2010) ist das Konzept der Positiven Psychologie in der ersten Januarwoche des Jahres 1998 in Yucatán durch drei Menschen (Mihaly Csíkszentmihályi, Ray Fowler, Martin Seligman) zu einer wissenschaftlichen Bewegung erwacht. Die drei Freunde diskutieren tagelang über die neue Fachrichtung Positive Psychologie, spielen zur Abwechslung mit ihren Kindern und am Ende dieser Woche stehen Methode, Inhalt und Infrastruktur fest (Seligman, 2010). Das Konzept der Positiven Psychologie beruht auf drei Säulen:

1) Die Erforschung der positiven Emotionen
2) Die Erforschung des positiven Charakters
3) Die Erforschung der positiven Strukturen (Seligman, 2010, S. 14).

Bei der Antrittsrede im Jahre 1998 schlägt Seligman eine Umorientierung der Psychologie vor -„Das Konzept der Positiven Psychologie“. Der Präsident der American Psychological Association hat einen neuen Zweig der Psychologie ins Leben gerufen, der sich auf die positiven Eigenschaften der Menschen konzentriert, anstatt auf ihre Fehler und Schwächen. Auf einem Kongress im Jahre 1999 hält der damals bekannte Depressionsforscher Martin Seligman einen aufsehenerregenden Vortrag über das Konzept der Positiven Psychologie. Die Idee, sich nicht nur mit Krankheiten, sondern auch mit der „freudigen Seite“ der menschlichen Psyche zu befassen, hat großes Interesse geweckt. In Kürze erhält Seligman 30 Millionen Dollar für weitere Forschungen (Schiessl, 2009).

Im Jahre 2001 veröffentlicht Seligman das Buch „Pessimisten küßt man nicht“, das die Grundannahme vertritt, dass Optimismus erlernbar ist. Ein Jahr später folgt sein Werk „Authentic Happiness“ in Yucatán, welches zum Bestseller in mehreren Ländern wird. Außerdem erscheint im Jahr 2004 das Buch „Character Strenghts and Virtues“, das er zusammen mit Peterson publiziert. Auf die hier genannten Werke wird im dritten Kapitel eingegangen (Shah, 2010).

Im Jahre 2003 gestaltet der Autor das Masterprogramm „Master of Applied Positive Psychology“ an der University of Pennsylvania, welches der erste Master dieser Art ist. Zudem ist er seit 2009 „Zellerbach Family Professor of Psychology“ der University of Pennsylvania, eine universitätsinterne Auszeichnung, die sehr anerkannt ist (Shah, 2010).

Während dieser Zeit haben sich zahlreiche Magazine wie beispielsweise die New York Times, Time Fortune und Rider´s Digest auf Seligman´s Arbeiten fokussiert, welche die Dinge betonen, die das Leben des „ganz normalen Menschen“ besser, glücklicher, gesünder und lebenswerter machen (Wallis, 2005).

Das Feld der Positiven Psychologie hat sich weltweit verbreitet. Seligman arbeitet als Gastprofessor, hält Vorträge im Radio und gibt außerdem zahlreiche Interviews. Seine Mission ist es offenbar das Konzept der Positiven Psychologie voranzutreiben und der Welt zu zeigen. In diesem Sommer „tourte“ Seligman von Juni bis Juli 2010 durch Europa und hat in den Städten Berlin, Wien, Prag und Wroclaw zahlreiche Vorträge und Workshops zum Konzept der Positiven Psychologie gehalten (Seligman Europe - Positive Psychology, 2010).

Vom 23. bis 26. Juli 2011 ist ein zweiter Weltkongress zum Thema Positive Psychologie an der University of Pennsylvania in Philadelphia geplant. Zudem soll sein neues Werk „Flourish“ erscheinen, in dem Seligman die Theorie der Positiven Psychologie offenbar nochmals reflektieren wird (Streit, 2010).

[...]


1 Eine Aufzählung aller Preise und Auszeichnungen würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen (siehe Curriculum Vitae).

2 1946 war Seligman´s erstes und Overmiers´s letztes Forschungsjahr.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Martin E. P. Seligman und die Positive Psychologie
Hochschule
Hochschule Fresenius; Köln  (Fachbereich Wirtschaft und Medien)
Veranstaltung
Rezeption und Darstellung wissenschaftlicher Ergebnisse
Note
1,0
Autoren
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V191016
ISBN (eBook)
9783656155041
ISBN (Buch)
9783656305187
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Positive Psychologie, Glück, Erlernte Hilflosigkeit
Arbeit zitieren
Anna Nauen (Autor)Lisa Rieder (Autor), 2010, Martin E. P. Seligman und die Positive Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191016

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