Die englische Sprache in deutschen Werbesendungen


Hausarbeit, 2010

30 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Werbung
2.1 Werbesprache

3. Anglizismen
3.1 Lehnwörter und Fremdwörter
3.2 Scheinentlehnungen
3.3 Mischkomposita
3.4 Lehnveränderungen
3.5 Inneres Lehngut oder Latentes Lehngut

4. Analyse
4.1 Die Analyse von Anglizismen in deutschen Werbespots
4.2 Schlussbemerkung

5. Ergebnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Werbung begegnet uns überall. Sei es morgens, beim Blick in die Zeitung, wenn wir Fern sehen oder an den Litfaßsäulen in der Stadt. Es ist so gut wie unmöglich einem Werbetext zu entgehen. Werbeslogans wie z.B. ͣBin ich schon drin? Das ist ja einfach!“ von einem erfolgreichen Internetanbieter polarisieren und brennen sich ins Gedächtnis ein. In den letzten Jahren aber treten immer mehr englischsprachige Wörter in der deutschen Fernsehwerbung auf, obwohl die englische Sprache im deutschen Wortschatz für Diskussion sorgt. Aber gibt es ein alternatives Wort für ͣTrend“1 oder ͣOutfit“2 das auch unserer Intention entspricht? Es sind mittlerweile sogar vollständige englische Werbesprüche zu finden, oder sogar ganze Werbesendungen auf Englisch. Und jeder kennt den Witz über die Werbung einer Parfümeriekette deren Werbeslogan ͣCome in and find out“ mit ͣKomm rein und finde wieder raus“ übersetz wird. ber es scheint den deutschen Konsumenten zu gefallen, sonst hätte man eine gegenteilige Entwicklung in der Fernsehwerbung erkennen können, weil unter Umständen die Kunden wegblieben.

Wir benutzen englische Wörter in der Alltagssprache, das steht außer Frage, denn niemand nennt den Laptop ͣtragbarer Rechner“. Die Hausarbeit gliedert sich in zwei Teile. Zum einen in den theoretischen Teil, in dem der Terminus Anglizismus näher beleuchtet wird und erklärt werden soll, was sich dahinter verbirgt. Zum anderen in die Korpusstudie, die einen kurzen Blick auf deutsche Werbung mit dem Gebrauch der englischen Sprache gibt und wie oft hier Anglizismen vorkommen.

Werbung soll die Kunden dazu animieren etwas zu kaufen. Wieso wird also gerade die englische weitgehend dafür eingesetzt, obwohl doch der Altersdurchschnitt der Deutschen bei ca. 43 Jahren liegt3 und ca. 48% der befragten Deutschen kein Englisch versteht4 ?

2. Werbung

Der Deutsche sitzt durchschnittlich 227 Minuten vor dem Fernseher5. Fernsehrundfunk ist also eines der effektivsten Werbemittel in Deutschland um potentielle Kunden zu werben. Werbesprache ist ein umfangreiches Thema in der Sprachwissenschaft, deshalb soll es für diese Arbeit nur kurz angeschnitten werden und die Funktion von Werbung in Kurzdefinition erwähnt werden. Gegenstand der Untersuchung sollen die Werbespots, also ͣdurchschnittlich 10 bis 30 Sekunden lange Werbebeträge in einem extra dafür vorbehaltenen Teil des Fernseh- od. Rundfunkprogramms“,6 von ausgewählten deutschen Fernsehsendern sein, die ausschließlich kommerzieller Art und für den Absatzmarkt bestimmt sind. Informationsspots wie zum Beispiel die Anti-Aids Kampagnen sollen nicht näher beleuchtet werden. Gerolf Steiner erklärt in seiner Abhandlung über die Mechanismen der Werbung zwei Funktionen. Einmal stützt Werbung das Unternehmen und will verkaufen und zum Anderen informiert sie. Eine etwas neuere Definition geben Hans-Bernd Brosius und Andreas Fahr: „(Fernseh-) Werbung ist der absichtliche Versuch der Beeinflussung durch systematische und strategische Anwendung von Gestaltungstechniken.“7 Zu Gestaltungstechniken gehört selbstverständlich die Funktion des Bildmaterials, aber auch die Sprache. Und auch hier stellt sich die Frage ob und in welcher Menge englische Sprache in deutschen Werbespots auftritt.

2.1 Werbesprache

Werbesprache ist der Kontakt zwischen Kunden und Produzenten.

Werbung soll ansprechend auf seine Zuschauer, Zuhörer oder Leser wirken. Wie in der Einleitung schon angesprochen gibt es durchaus polarisierende Werbeslogans die im Kopf bleiben. Sei es durch ihre durchaus geschickte Ausdrucksweise oder einfach nur durch Unverständnis der Rezipienten. Es muss allerdings zwischen verschiedenen Werbesprachen differenziert werden. Werbeanzeigen in Zeitungen sind anders zu behandeln als Fernsehwerbung. Werbeanzeigen werden gelesen, das Schriftbild steht also im Vordergrund. In der Fernsehwerbung ist das gesprochene Wort oftmals wichtiger als das geschriebene.

Aber wie schon erwähnt, soll Werbung in erster Linie von einem Produkt überzeugen. Des Weiteren soll sie, laut Hadumod Bußmann, durch Verwendung von Fach-, Umgangssprache oder Dialekten und verschiedener Sprachschichten bestimmte Zielgruppen ansprechen8. Es ist also eine stilistische Anpassung an die jeweilige Zielgruppe. Auch Nina Janich bestätigt den Umgang mit der Alltagssprache in der Werbesprache in ihrem Arbeitsbuch Werbesprache9. Dieses Stilmittel der Werbesprache erzielt beim Empfänger der Werbenachricht den gewünschten Effekt, die Identifikation. Obwohl die Sprache oft Umgangs- oder Alltagssprache ist, gilt sie trotzdem noch, laut Janich, als Sondersprache.

3. Anglizismen

ͣÜbertragung einer für das britische Englisch charakteristischen Erscheinung auf eine nicht englische Sprache.“10 Dies ist die aktuelle Definition von Anglizismen des Duden Fremdwörterbuchs. Unter Amerikanismus versteht man eine Entlehnung aus dem Amerikanischen ins Deutsche oder sprachliche Besonderheiten des amerikanischen Englisch11. Es gibt aber nicht nur britisches oder amerikanisches Englisch. Auch Kanada oder Australien gehören zu den englischsprachigen Nationen. Deshalb wird in dieser Arbeit die allgemeine Definition genutzt. Aus dem Englischen (also aus dem britischen-, amerikanischen, kanadischen, australischen, südafrikanischen- usw. Englisch) entlehnte Wörter, Ausdrücke und Strukturen werden Anglizismen genannt.

Diese beschäftigen die deutschen Sprachwissenschaftler immer wieder aufs Neue. Fremdsprachlicher Einfluss wird seit jeher beobachtete, seien es die lateinischen oder französischen Fremdwörter oder eben der aktuelle Gebrauch von englischen Wörtern in der deutschen Sprache in Bereichen der Kunst, Kultur, Musik, Film, Industrie, Politik, Wissenschaft, vielen mehr und natürlich Werbung, die alle diese Bereiche vereint. Der Forschungsstand der Anglizismen ist im Allgemeinen sehr weit fortgeschritten. Die Wissenschaftler kritisieren ihre Kollegen untereinander, übernehmen oder verbessern Systeme wie das von Werner Betz.

Broder Carstensen kritisiert allerdings in seiner Einführung zum Anglizismenwörterbuch12, die Forschung untersuche größtenteils Presse-, Werbesprache und Artikel in Zeitschriften und konzentriere sich nicht auf das gesprochene Wort im Alltag. Werner Betz13 unterscheidet den Anglizismus zwischen innerem Lehngut und äußerem Lehngut und Carstensen erweitert dieses System, auf das ich mich im Folgenden beziehen werde.

3.1 Lehnwörter und Fremdwörter

Lehnwörter und Fremdwörter lassen sich im Allgemeinen schwer unterscheiden. Beide bezeichnen Gegenstände, Eigenschaften, Tätigkeiten oder Begriffe für die in der Zielsprache keine passenden Worte existieren oder es diese Gegenstände,

Eigenschaften usw. nicht gibt. Es werden aber auch Fremdwörter und Lehnwörter übernommen, obwohl es genügend Alternativen gibt. Die Schreibweise und Aussprache ist bei Fremdwörtern gleichbleibend und wird meist nicht verändert.14 Lehnwörter werden an die jeweilige Sprache angepasst. Aus chic [ʃɪk]als Fremdwort wird dann schick [ʃɪk]. Hier wird das Schriftbild dem Deutschen angepasst. Aus ch wird sch und aus c wird ck.

Die Aussprache wird nicht noch einmal variiert.

3.2 Scheinentlehnungen

Oft ändert sich die Bedeutungsfunktion der entlehnten Wörter, oder sie existieren in dem Herkunftsland überhaupt nicht. Diese Anglizismen werden Scheinentlehnungen genannt15. Semantische Scheinentlehnungen nennt man Wörter, die in ihrer Originalform übernommen wurden, jedoch im Deutschen eine andere Bedeutung erhalten haben, wie z.B. das Wort City. City bedeutet im deutschen Sprachgebrauch Innenstadt, im Englischen gibt es allerdings andere Wörter für Stadtkern, wie z.B. city center oder aus dem amerikanischen Englisch downtown.

Eine weitere Entlehnung ist die lexikalische Scheinentlehnung. Hier werden Wörter mit englischem Wortmaterial zu entweder neuen Begriffen im Deutschen gebildet, die so nicht in der englischen Sprache existieren oder eine andere Bedeutung beinhalten, z.B. Showmaster im Gegensatz zum englischen quizmaster oder das Wort Teens als Alternative für das Wort teenager.

3.3 Mischkomposita

Carstensen unterscheidet drei unterschiedliche Typen von Mischkomposita16.

1. Mischkompositum mit englischem Vorbild. Hier wird nur ein Teil des Wortes in Deutsche Übersetzt, z.B. Haarspray vom englischen hairspray.
2. Ein beliebiges deutsches Wort wird mit einem englischen Wort verbunden und hat kein englisches Vorbild, z.B Teamgeist oder Managerkrankheit.
3. Ein Kompositum mit Wörtern aus zwei verschiedenen Sprachen, z.B. Nightclub (engl.) - Chef (franz.).

Gerade in der Werbung werden oft Mischkomposita benutz und kommen häufig in Form von Substantiven vor.

[...]


1 Trend, der; -s, -s <engl.> (Grundrichtung einer Entwicklung)

2 Outfit ['aut͙], das; -[s], -s <engl.> (Kleidung; Ausrüstung)

3 Quelle: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

4 Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach

5 ͣDeutsche sehen fast vier Stunden am Tag fern.“ Quelle: Spiegel Online 02.01.2007

6 Wahrig. Fremdwörterlexikon, München 2007, S. 1067, Sp. 2

7 Brosius, Fahr: Werbewirkung im Fernsehen. Aktuelle Befunde der Medienforschung. München 1996, S. 12

8 Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft, Stuttgart 1990, S. 845 - 846

9 Janich: Werbesprache. Ein Arbeitsbuch, Tübingen 1999, S. 33 - 34

10 Duden. Das Fremdwörterbuch, Mannheim 2007

11 Duden. Das Fremdwörterbuch, Mannheim 2007

12 Carstensen: Anglizismen Wörterbuch, Bd. 1, Berlin 1993, S.27 f

13 Betz: Formen der Entlehnung nach Werner Betz, 1959

14 Carstensen: Amerikanismen der deutschen Gegenwartssprache, Heidelberg 1963, S. 20

15 Carstensen: Lexikalische Scheinentlehnungen des Deutschen aus dem Englischen, in: W. Wills (Hrsg.) Kontrastive Linguistik und Übersetzungswissenschaft, München 1981, s. 175

16 Carstensen: Evidente und latente Einflüsse des Englischen auf das Deutsche, in: P. Braun (Hrsg.) Fremdwort - Disskusion, München 1979

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Die englische Sprache in deutschen Werbesendungen
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Germanistische Sprachwissenschaft)
Note
3,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
30
Katalognummer
V191138
ISBN (eBook)
9783668019362
ISBN (Buch)
9783668019379
Dateigröße
1116 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprache, werbesendungen
Arbeit zitieren
Tiffany Tabbert (Autor), 2010, Die englische Sprache in deutschen Werbesendungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191138

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die englische Sprache in deutschen Werbesendungen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden