Die „Konfrontative Pädagogik“ (KP) lässt sich gleichzeitig als ein (sozial)pädagogischer Handlungsstil und eine Interventionsmethode beschreiben (vgl. Kilb 2010: 38).
Sie verfolgt unterschiedliche Ziele. Durch konfrontative Maßnahmen soll eine „[…] Einstellungs- und Verhaltensänderung beim Betroffenen.“ (Weidner 2010: 23) gegenüber sich selbst und anderen Personen erzielt werden. Er soll also lernen Verantwortung für seine Taten zu übernehmen und mit Aggressionen konstruktiv umzugehen, um ein gewaltfreies Leben führen zu können. Dafür sollen u.a. Rechtfertigungsmechanismen aufgebrochen, Schuldgefühle geweckt und Handlungsalternativen eingeübt werden.
Außerdem sollen unterschiedliche Handlungskompetenzen gefördert werden, bei denen die Mehrfachauffälligen Nachholbedarf aufweisen: „[…]Empathie, Frustrationstoleranz, Ambiguitäts- oder Ambivalenztoleranz sowie Rollendistanz.“ (Weidner 2010: 24). Zusätzlich soll prosoziales Verhalten gefördert und die Fähigkeit des moralischen Urteilens entwickelt werden (vgl. Walkenhorst 2010: 93).
Ein weiteres Ziel ist „[…] die Anpassung an gesellschaftlich erwünschtes bzw. erwartetes Verhalten […].“ (Kilb 2010: 54), um sich auf dieser Basis selbstständig weiterentwickeln zu können.
Konfrontative Arbeit ist grundsätzlich mit allen Zielgruppen möglich. Sie kann in unterschiedlichen Bereichen wie stationären Einrichtungen (z.B. JVA), in Schulen, Gruppenarbeit, Einzelfallarbeit und Beratungsarbeit angewendet werden (vgl. Kilb 2010: 40) und ist somit in unterschiedlichen Einsatzfeldern Sozialer Arbeit relevant. „[…] vor allem in der pädagogischen Arbeit mit aggressiven und stark auffälligen Jugendlichen und jungen Erwachsenen […].“ (Weidner/Kilb 2011: 5) ist die KP ein wichtiger Bestandteil. Daher wird sich diese Arbeit auf diese Zielgruppe beziehen.
Die KP „[…] begreift sich als sozialpädagogische ultima ratio im Umgang mit Mehrfachauffälligen.“ (Weidner 2010: 23), die eingesetzt wird, wenn andere vorausgegangene Zugänge, wie z.B. die klientenzentrierte Gesprächsführung, nicht (mehr) ausreichen.
Da männliche und weibliche Jugendliche bezüglich der Gründe und Formen ihrer Gewalttaten, ihren geschlechterspezifischen Lebenswelten, gesellschaftlichen Anforderungen und Erfahrungen sehr unterschiedlich sind, benötigt man auch in der KP einen geschlechterbezogenen Zugang (vgl. Bruhns 2010: 370). Was bei Männern wirkt, wirkt nicht zwangsläufig auch bei Frauen! Dies soll in den folgenden Kapiteln erarbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Täterinnen
3. Konfrontative Pädagogik mit Mädchen und jungen Frauen
4. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Anwendung der konfrontativen Pädagogik bei weiblichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ziel ist es, die Notwendigkeit eines geschlechterspezifischen Zugangs zur Arbeit mit delinquentem Verhalten aufzuzeigen, da bestehende Konzepte meist auf männliche Täter ausgerichtet sind.
- Grundlagen und theoretische Einordnung der konfrontativen Pädagogik
- Analyse von Ursachen und Erscheinungsformen weiblicher Delinquenz
- Besonderheiten in der Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen im Vergleich zu männlichen Tätern
- Methodische Ansätze und Rahmenbedingungen in der pädagogischen Praxis
Auszug aus dem Buch
3. Konfrontative Pädagogik mit Mädchen und jungen Frauen
Die KP mit Mädchen und jungen Frauen basiert auf den allgemeinen Aspekten konfrontativer Pädagogik, die in der Einleitung beschrieben wurden, wobei die Grundhaltung der Trainerin sehr wichtig ist. Konfrontative Maßnahmen mit weiblichen Jugendlichen und Heranwachsenden werden in der Regel von weiblichen Trainerinnen durchgeführt, die Kenntnis über die Vorkommen, Erscheinungsformen und möglichen Ursachen der Gewalttaten ihrer Klientinnen besitzen, um adäquat auf sie eingehen zu können.
Bisher wurden konfrontative Angebote hauptsächlich für männliche Jugendliche und Heranwachsende initiiert. Die Fachliteratur zur KP bezieht sich demzufolge lediglich auf die männliche Zielgruppe oder ist geschlechtsunspezifisch aufgebaut. Jedoch ist auch bei der geschlechtsunspezifischen Literatur davon auszugehen, dass sie auf die Arbeit mit männlichen Tätern abzielt, da mit diesen primär gearbeitet wird und es in der Arbeit mit Täterinnen bislang nur wenige Erfahrungen gibt. Außer wenigen Erfahrungsberichten existiert bisher keine Fachliteratur über konfrontative Vorgehensweisen mit der weiblichen Zielgruppe. Dennoch bieten immer mehr soziale Einrichtungen konfrontative Angebote, wie zum Beispiel CTs oder AATs, für Mädchen und junge Frauen an. Nach Kontakt mit einigen dieser Einrichtungen wurde erkennbar, dass diese zwar Beschreibungen und Konzepte für ihre Angebote erstellt haben, es aber für ihr Handeln keine fachlich fundierte Basis gibt, was eine fachliche Legitimation ihres Vorgehens in Frage stellt. Diese fundierte Basis wäre von Nöten, da es, wie in dieser Arbeit bereits beschrieben wurde, unterschiedliche Verhaltensmuster und Ursachen gewalttätigen Handelns zwischen den Geschlechtern gibt und folglich Fachwissen und die Konzepte über KP mit männlichen Jugendlichen und Heranwachsende nur begrenzt für die Arbeit mit weiblichen Jugendlichen und Heranwachsenden übernommen werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die Grundlagen der konfrontativen Pädagogik ein, erläutert die theoretischen Bezüge und definiert die notwendige Grundhaltung der Fachkraft sowie die Ziele des Ansatzes.
2. Täterinnen: Es erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen weiblicher Delinquenz, wobei Ursachen, Risikofaktoren und geschlechterspezifische Hintergründe analysiert werden.
3. Konfrontative Pädagogik mit Mädchen und jungen Frauen: Dieses Kapitel beschreibt die spezifische Anwendung konfrontativer Maßnahmen bei Mädchen und jungen Frauen, grenzt sie von der Arbeit mit männlichen Tätern ab und diskutiert methodische Anpassungsbedarfe.
4. Schlussbemerkungen: Hier werden die zentralen Erkenntnisse zusammengeführt und die Notwendigkeit einer fachlich fundierten, geschlechterspezifischen Weiterentwicklung der konfrontativen Pädagogik für diese Zielgruppe betont.
Schlüsselwörter
Konfrontative Pädagogik, Täterinnen, Mädchenarbeit, Delinquenz, Gewaltprävention, Anti-Aggressivitäts-Training, Geschlechterspezifischer Zugang, Sozialpädagogik, Jugendliche, Heranwachsende, Handlungskompetenzen, Rollenbild, Risikofaktoren, Lebensweltorientierung, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Anwendung konfrontativer Pädagogik im Kontext der Arbeit mit gewalttätigen oder straffälligen Mädchen und jungen Frauen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentral sind die Analyse weiblicher Delinquenz, die Reflexion bestehender pädagogischer Ansätze und die Herausarbeitung von geschlechterspezifischen Besonderheiten bei Interventionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum ein reiner Transfer männlich-orientierter Konzepte auf die weibliche Zielgruppe unzureichend ist und wie ein geschlechterspezifisch angepasster Zugang gestaltet sein sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller Fachliteratur sowie der Auswertung von Erfahrungsberichten und statistischen Daten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Lebenswelt und Ursachen weiblicher Delinquenz sowie eine detaillierte Beschreibung der praktischen Anwendung und inhaltlichen Gestaltung von Trainingsmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Konfrontative Pädagogik, Täterinnen, Delinquenz, Geschlechterspezifischer Zugang und Anti-Aggressivitäts-Training.
Welche Rolle spielt das „klassische Rollenbild“ bei den untersuchten Täterinnen?
Das Rollenbild erzeugt Ambivalenzen, da es einerseits Sicherheit bietet, andererseits Leistungsdruck ausübt; der Bruch mit diesem Bild kann als eine Form von „Protestweiblichkeit“ zu gewalttätigem Handeln führen.
Warum wird betont, dass ein „Pauschalangebot“ unzureichend ist?
Jede Klientinnengruppe ist individuell zusammengesetzt; die Arbeit muss passgenau auf die spezifischen Biografien und Bedürfnisse der betroffenen jungen Frauen zugeschnitten werden.
Was unterscheidet Mädchen und Jungen in einem Anti-Aggressivitäts-Training laut Text?
Mädchen entwickeln im Training oft schneller Empathie und Zugang zu eigenen Emotionen, neigen eher zu privatem Austausch und haben häufiger schon konkrete Lebensziele als männliche Teilnehmer.
- Arbeit zitieren
- Nina Herold (Autor:in), 2011, Konfrontative Pädagogik mit Mädchen / jungen Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191427