Ausgehend von den naturgemäß relativ schnell aufeinander folgenden Lebensphasen, die Kinder und Jugendliche bis zur Stufe des jungen Erwachsenen durchlaufen, wird an den aus der römischen Antike tradierten vier Stufen gezeigt, wie sich Kindheit im Mittelalter
in wesentlichen Aspekten darstellt. Dabei zeigt sich ein durchaus heterogenes Bild in Abhängigkeit von den Quellentypen, wie Dichtung, Heiligenviten oder Erziehungsabhandlungen, die aus unterschiedlicher Sicht und unterschiedlichen Zielsetzungen Kindheit in ihrer
Zeit behandeln. Den Quellentypen muss daher im Hinblick darauf, ein möglichst authentisches Bild von Kindheit im Mittelalter zu erhalten, differenzierte Gewichtung zukommen, wie dies an verschiedenen Beispielen dargestellt wurde.
Ebenso heterogen und mit signifikanten Qualitätsunterschieden erweisen sich das Herangehen heutiger Autoren an das Thema und ihre Schlussfolgerungen, die sie aus den Primärquellen ziehen. Die Methoden der Texterschließung, seien sie sozial-, mentalitäts- oder literaturgeschichtlich, oder aus Sicht von Gender Studies oder New Historicism entwickelt, kommen zu zum Teil sehr unterschiedlichen, ja divergierenden Schlussfolgerungen, die es zu hinterfragen und zu bewerten gilt. Dies wurde in einigen Fällen ebenfalls versucht, - durchaus im Bewusstsein, dass fundierte Bewertung gediegene Kenntnisse der verschiedenen wissenschaftlichen Ansätze voraussetzt.
Schließlich wurden Beispiele aus dichterischen Texten, die in der Regel stärker im Fokus des Studierenden stehen als andere Primärquellen, verglichen mit den erarbeiteten Aspekten von Kindheit im Mittelalter, um unter anderem an ihnen aufzuzeigen, dass sie eine eher mit Vorsicht zu genießende Quellenbasis für die erörterte Fragestellung bieten.
Inhaltsverzeichnis
1. Thema und thematische Eingrenzung
1.1 Thematische Eingrenzung und Motivation
1.2 Weltliche und geistliche Quellen, sowie Bemerkungen zu einigen Sekundärquellen
2. Lebensphasen des Kindes und seine rechtliche Einbettung
2.1 Allgemeines
2.2 Neuere Studien zu den Lebensaltern
2.2.1 Zeugung und Askese
2.2.2 Infantia
2.2.3 Pueritia
2.2.4 Adolescentia
2.3 Rechtliche Stellung des Kindesund die Eltern-Kind-Beziehung
2.3.1 Position der Eltern
2.3.2 Eltern-Kinder Beziehung
2.3.3 Legitimation des Kindes
2.3.4 Waisenkinder, Kindesaussetzungund Kindesmord
2.3.5 Strafmündigkeit von Kindern
3. Erziehung, Unterricht und Ausbildung
3.1 Zwei Religiöse Vorbilder
3.1.1 Die Heilige Familie
3.1.2 Der Heilige Nikolaus
3.2 Erziehung und Konflikte im Adel
3.3 Erziehung in der Stadt
3.4 Erziehung auf dem Lande
4. Literaturbeispiele
4.1 Gregorius im Kindesalter
4.2 Tristans und Parzivals Kindheit
4.3 Die Meierstochter im Armen Heinrich
5. Resümee
6. Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
In welche Phasen wurde die Kindheit im Mittelalter unterteilt?
Orientiert an der Antike unterschied man meist vier Stufen: Infantia (frühe Kindheit), Pueritia (Knabenalter), Adolescentia (Jugend) und schließlich das junge Erwachsenenalter.
Wie war die rechtliche Stellung von Kindern im Mittelalter?
Die Stellung war stark von der Legitimation und dem sozialen Stand abhängig. Es gab klare Regeln zur Strafmündigkeit und zur Vormundschaft durch die Eltern.
Wie unterschied sich die Erziehung zwischen Adel und Landvolk?
Adlige Kinder wurden oft auf den Ritterdienst oder geistliche Ämter vorbereitet, während Kinder auf dem Land früh in die bäuerliche Arbeit integriert wurden.
Welche Rolle spielten religiöse Vorbilder bei der Erziehung?
Die Heilige Familie und Heilige wie der Heilige Nikolaus dienten als zentrale moralische und erzieherische Leitbilder für Kinder im Mittelalter.
Sind literarische Texte wie "Parzival" gute historische Quellen für Kindheit?
Dichtung sollte mit Vorsicht genossen werden, da sie oft idealisierte oder fiktive Bilder entwirft. Sie muss stets mit geistlichen Quellen oder Erziehungsabhandlungen abgeglichen werden.
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- Dipl. Ing. Karl Bellenberg (Autor:in), 2011, Kindheit im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191765