Sport an sich scheint sinnlos zu sein und ist nur verstehbar durch die aktiven bzw. externen Akteure, die Relevanz herstellen (Heinemann, 2007). Trotzdessen wollen Städte, nicht selten aufgrund von wahrscheinlichen Imagezugewinnen, die Bürger zu mehr körperlicher Aktivität bewegen. Die Absicht dieser Studie ist es den Sport aus zwei Perspektiven zu erkennen. Erstens werden die individuellen sportbezogenen Interessen (z.B. Gesundheit, Abenteuer, Integration) und Bedingungen beziehungsweise Restriktionen (biologisch/demographisch und sozio-ökonomisch) auf der mikrosoziologischen Ebene in der Stadt Magdeburg betrachtet. Zweitens wird der Raum mit seinen Möglichkeiten, aber auch Barrieren in Hinblick auf die Nutzerinteressen untersucht. Das Ziel der Studie ist zu evaluieren, ob der Raum die Interessen der Nutzer befriedigt und zu mehr sportlicher Aktivität animiert. Um dies zu erreichen wird ein semiotisches Modell genutzt, das aus fünf Dimensionen besteht: Raumgestalt, Raumgehalt, Umgangsweise im Raum, Raumimpuls und Rauminszenierung (Girmes, 2008). Die Untersuchung zielt ausschließlich auf den individuell erlebten Sportraum. Die modellgestützte Umfrage besteht dabei aus drei Fragekategorien: 1. Wie charakterisiert sich der Bürger auch im Bezug zum sportlichen Engagement? 2. Wie wird die Sportumgebung in Magdeburg empfunden? 3. Inwieweit stellt der Sportraum Magdeburg angemessene Settings her, die sportliche Entfaltung ermöglichen? Das genutzte Raummodell wurde für den Sportbereich angepasst und dann den Bürgern Magdeburgs für einen Zeitraum von vier Wochen zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse enthüllen potentielle Aufgaben für die Stadt und seine Industrie.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
I Theoretischer Teil
1 Was kann unter Sport verstanden werden?
2 Die individuelle Perspektive des Sportverhaltens
2.1 Die Nutzerinteressen der sportlichen Akteure
2.1.1 Gesundheit und Fitness
2.1.2 Ausdruck, Ästhetik und Gestaltung
2.1.3 Leistung, Wettkampf und Prestige
2.1.4 Spannung, Dramatik und Abenteuer
2.1.5 Miteinander, Geselligkeit, Gemeinschaft und Integration
2.1.6 Spaß und Freude
2.2 Bedingungen der Sportteilnahme
2.2.1 Die biologisch-demographischen Determinanten der Sportteilnahme
2.2.1.1 Das Alter
2.2.1.2 Das Geschlecht
2.2.1.3 Der anthropometrische bzw. konstitutionelle Status
2.2.1.4 Der motorische Zustand
2.2.2 Die sozio-ökonomische Dimension der Sportteilnahme
2.2.2.1 Bildung
2.2.2.2 (Sport-) Sozialisation durch das Umfeld
2.2.2.3 Finanzielle Mittel für Freizeitaktivitäten
3 Der (städtische) Raum und Sport
3.1 Was ist Raum?
3.1.1 Das anthropologische Raumkonzept (Bollnow, 1994) & seine Implikationen für den individuell erlebten Sportraum
3.1.2 Die Soziologie des Raumes nach Löw (2001) & ihre Implikationen für den individuell erlebten Sportraum
3.2 Der Stadtraum als Ermöglichungsraum der sportlichen Aktivität
3.2.1 Die Lesbarmachung des Stadtraumes mit Hilfe des semiotischen 5-Dimensionen Modells (Girmes, 2008)
3.2.2 Das 5-dimensionale Raummodell und der Sportraum
3.2.3 Fragestellungen der Arbeit
II Experimenteller Teil
4 Methodisches Vorgehen
4.1 Die Vorab-Befragung
4.1.1 Das Narrative Einzelinterview
4.1.2 Der offene Fragebogen
4.1.3 Die Itemgenerierung
4.2 Die Hauptbefragung
4.2.1 Vorüberlegungen zur Nutzung des online-Tools
4.2.2 Das Entfalter-Tool
4.2.2.1 Erfassung der Raumnutzerattribute
4.2.2.2 Erhebung der Sportentfaltungspotentiale der Stadt Magdeburg
4.2.2.3 Auswertungsmöglichkeiten des Tools
5 Befragungsergebnisse
6 Zusammenfassung und Interpretation
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht den städtischen Raum in Magdeburg hinsichtlich seiner Eignung als sportlicher Entfaltungsraum. Ziel ist es, aus einer mikrosoziologischen Perspektive heraus zu evaluieren, inwieweit die Stadt Magdeburg mit ihrem Raumangebot die spezifischen Nutzerinteressen und Bedürfnisse ihrer Bürger im Hinblick auf sportliche Aktivitäten befriedigt und zu mehr körperlicher Bewegung animiert.
- Analyse individueller sportbezogener Nutzerinteressen und deren Bedingungen
- Untersuchung des städtischen Raums mittels des semiotischen 5-Dimensionen-Modells
- Entwicklung und Einsatz eines explorativen online-Fragebogentools ("Entfalter-Tool")
- Ermittlung von sportlichen Entfaltungspotenzialen im Magdeburger Stadtraum
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für die Stadtplanung und Sportentwicklung
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Die Lesbarmachung des Stadtraumes mit Hilfe des semiotischen 5-Dimensionen Modells (Girmes, 2008)
Wie in den vorherigen Ausführungen klar geworden sein sollte, ist der Raum und besonders der Stadtraum kein stummes Gebilde, sondern sprechend im Sinne seiner symbolisch-semiotischen Artikulation. Auch wenn Rooney (1974) sich zu Beginn der räumlichen Diskussion im Sportsektor eher traditionell geographisch forscht, ist auch ihm schon bewusst, dass ein „[…] symbolic impact of the spatial organization of sport“ nicht von der Hand zu weisen ist. Die Lesbarmachung des (Sport-) Stadtraumes soll hier mit einem Modell gelingen, welches die Stadt als „komplexes sozial-räumliches Gebilde“ bzw. als „Entfaltungsraum“ (Girmes, 2008) definiert. Dem 5-Dimensionen Ansatz von Girmes (2008) liegt dabei die Annahme zugrunde, dass der Raum in seiner symbolischen Besetzung den Handelnden etwas artikulieren kann sowie in ihnen bestimmte Gefühle und Empfindungen etc. hervor ruft (vgl. Bittner, 2001). In Anlehnung an die Überlegungen von Löw (2001) geht es um die Betrachtung einzelner Elemente des Raumes und deren orchestrierte Beziehung.
Die fünf Dimensionen, welche Girmes (2008) für die umfängliche Analyse von Räumen vorschlägt, sind dabei Raumgestalt, Raumgehalt, Umgangsweisen im Raum, Raumimpulse und Rauminszenierung. Die einzelnen Aspekte, welche in Abbildung 2 grafisch dargestellt sind, seien nachfolgend kurz erläutert.
Unter Raumgestalt oder –struktur soll der morphologische Aspekt des Raumes verstanden werden. Dieser korreliert stark mit der gegebenen Infrastruktur und bildet die primäre Betrachtungsquelle über das Gesicht eines Raumes (vgl. Girmes, 2008).
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Untersuchung des städtischen Raumes für Sportaktivitäten ein und beschreibt das Forschungsvorhaben im Rahmen des Projekts "otto-motion".
I Theoretischer Teil: Der theoretische Teil begründet die Untersuchung durch die Analyse sportsoziologischer Grundlagen und Konzepte zur individuellen Sportteilnahme sowie zur Wahrnehmung von Raum.
1 Was kann unter Sport verstanden werden?: Dieses Kapitel diskutiert die definitorische Problematik des Sportbegriffs und nähert sich diesem aus einer konstruktivistischen Perspektive.
2 Die individuelle Perspektive des Sportverhaltens: Hier werden die Nutzendimensionen von Sport sowie die biologischen und sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen beleuchtet, die das Sportverhalten beeinflussen.
3 Der (städtische) Raum und Sport: In diesem Kapitel werden theoretische Raumkonzepte vorgestellt, um den Stadtraum als sportlichen Ermöglichungsraum analysierbar zu machen.
II Experimenteller Teil: Dieser Teil beschreibt die praktische Durchführung der Studie, einschließlich der Vorab-Befragung zur Itemgenerierung und der Hauptbefragung.
4 Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel erläutert die methodische Konzeption der qualitativen Vorab-Befragung und der quantitativen Hauptbefragung mittels des "Entfalter-Tools".
5 Befragungsergebnisse: Die Ergebnisse der Untersuchung werden hier präsentiert, wobei die Stichprobenmerkmale und die Wahrnehmung des Sportraums durch die Magdeburger Bürger ausgewertet werden.
6 Zusammenfassung und Interpretation: Hier werden die gewonnenen Daten diskutiert, interpretiert und in den Kontext bestehender sportwissenschaftlicher Erkenntnisse eingeordnet.
7 Fazit und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und gibt wissenschaftliche sowie praktische Handlungsempfehlungen.
Schlüsselwörter
Sportpartizipation, Stadtraum, Magdeburg, Nutzerinteressen, Raumqualität, Sportverhalten, Entfaltungsraum, Mikrosoziologie, Raummodell, Bewegungsraum, Sportentwicklung, Stadtplanung, Nutzersicht, Lebenswelt, Sportgelegenheiten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der städtische Raum in Magdeburg als Sportraum von den Bürgern wahrgenommen wird und inwieweit er sportliche Entfaltungsmöglichkeiten bietet.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit verknüpft sportsoziologische Theorien zu Nutzerinteressen und Bedingungen sportlicher Teilhabe mit Konzepten der Stadt- und Raumsoziologie, um Sport im urbanen Umfeld zu analysieren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die Evaluierung der Qualität des Magdeburger Sportraums aus Sicht der Nutzer und die Identifikation von Potenzialen, um Bürger zu mehr sportlicher Aktivität zu animieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein methodisch zweistufiger Ansatz gewählt: Zunächst erfolgte eine qualitative Vorab-Befragung zur Itemgenerierung, gefolgt von einer quantitativen Hauptbefragung mittels eines eigens entwickelten Online-Tools, dem "Entfalter-Tool".
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Untersuchung?
Der Hauptteil befasst sich theoretisch mit dem Sport- und Raumbegriff, der individuellen Perspektive des Sportverhaltens sowie dem semiotischen 5-Dimensionen-Raummodell nach Girmes, das die Grundlage für die empirische Analyse bildet.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sportpartizipation, urbaner Sportraum, Raumqualität, Nutzerinteressen und sportliche Entfaltungspotenziale im Kontext von Magdeburg.
Was ist das sogenannte "Entfalter-Tool"?
Das Entfalter-Tool ist ein online-basiertes Befragungsinstrument, das auf dem Informationsstrukturierungssystem "odyssee's end" basiert und dazu diente, die individuellen Wahrnehmungen der Magdeburger zum Sportraum strukturiert zu erfassen.
Welche Bedeutung haben die fünf Raumdimensionen für die Studie?
Die fünf Dimensionen – Raumgestalt, Raumgehalt, Umgangsweisen im Raum, Raumimpulse und Rauminszenierung – ermöglichen eine detaillierte, semiotische Analyse des Stadtraums hinsichtlich seiner Qualität für sportliche Bedürfnisse.
- Citar trabajo
- Master of Arts André Matthias Müller (Autor), 2011, Der städtische Raum als sportlicher Entfaltungsraum?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191993