Steigende Kosten im Gesundheitswesen bedingen die Evidenzbasierung der verschiedensten Therapien der medizinischen Berufe. Auch Physiotherapeuten sind im Zuge der Akademisierung angehalten, ihre Therapien hinsichtlich der Wirksamkeit zu überprüfen.
Die Arbeit verfolgt das Ziel, internationale Forschungsliteratur hinsichtlich der Wirksamkeit der Manuellen Therapie exemplarisch am Beschwerdebild des Low Back Pain zu identifizieren, evaluieren und synthetisieren. Des Weiteren soll durch diese Arbeit die recherchierte Forschungsliteratur interpretiert und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen als Anregungen bzw. Empfehlungen für die Aus- und Weiterbildung von Physiotherapeuten formuliert werden.
Zur Beantwortung der wissenschaftlichen Fragestellung wurde eine breit angelegte internationale Literaturstudie nach randomisierten kontrollierten Studien (RCT) sowie klinisch kontrollierten Studien (CCT) zwischen Juli und September 2011 durchgeführt. Dazu wurden naturwissenschaftliche und medizinische Datenbanken sowie Monographien genutzt. Die festgelegten Einschlusskriterien mussten erfüllt sein.
Die Auswertung der 20 eingeschlossenen Studien weist heterogene Resultate auf.
Zwölf Studien berichten von einer signifikant besseren Wirkung der Manuellen Therapie im Vergleich zu anderen Therapieformen hinsichtlich Schmerzlinderung, Funktionsverbesserung, Lebensqualität sowie der Reduzierung von Arbeitsunfähigkeitstagen. Eine Studie berichtet, dass sofortiger Behandlungsbeginn mittels Manueller Therapie signifikant bessere Ergebnisse aufweist, als zu einem späteren Zeitpunkt. Weitere sieben Studien belegen, dass die Verwendung von Manueller Therapie im Vergleich zu anderen Therapieformen keine signifikanten Verbesserungen der Beschwerden für den Patienten bringt.
Die Mehrheit der in dieser Arbeit eingeschlossenen Studien kommt zu dem Ergebnis, dass Manuelle Therapie, besonders wenn sie nach dem Kaltenborn-Evjenth® Konzept durchgeführt wird, effektive Wirkungen in der Behandlung bei Low Back Pain erzielt. Jedoch gibt es eine Vielzahl von Faktoren, welche das Studienergebnis beeinflussen können.
Mehr als die Hälfte der eingeschlossenen Studien mit signifikant besserer Wirkung der Manuellen Therapie gegenüber anderen Therapien nutzte sowohl Mobilisationstechniken als auch Manipulationstechniken. Die Gesetzgeber sollten aus diesem Grund darüber nachdenken, ob es den Physiotherapeuten in ... .
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zielstellung der Arbeit
3 Begriffsklärung
3.1 Physiotherapie
3.2 Manuelle Therapie aus Sicht der Physiotherapeuten
3.2.1 Manuelle Therapie im physiotherapeutischem Kontext
3.2.2 Entwicklung der Manuellen Therapie
3.2.3 Cyriax
3.2.4 Kaltenborn und Evjenth
3.2.5 Maitland
3.2.6 Sell und Wolff
3.2.7 McKenzie
3.3 Manuelle Medizin aus Sicht der Ärzte
3.4 Manuelle Therapie aus Sicht weiterer Berufsgruppen
3.4.1 Osteopathen
3.4.2 Heilpraktiker
3.4.3 Ergotherapeuten
3.5 Zusammenfassung
4 Methodik
4.1 Suche und Selektion von Studien
4.1.1 DIMDI
4.1.2 PubMed
4.1.3 PEDro
4.1.4 Cochrane Collaboration Review
4.1.5 Monographien
4.2 Ausgeschlossene Studien
5 Ergebnisdarstellung
5.1 Beurteilung der eingeschlossenen Studien
5.2 Studien mit signifikant besserer Wirkung der Manuellen Therapie
5.3 Studien mit ähnlicher Wirkung der Manuellen Therapie gegenüber anderen Therapien
5.4 Studienvergleich
6 Diskussion der Ergebnisse und Schlussfolgerungen
7 Ausblick
8 Zusammenfassung
9 Quellen- und Literaturverzeichnis
10 Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wirksamkeit manualtherapeutischer Interventionen bei Patienten mit Low Back Pain (Rückenschmerzen) durch eine internationale Literaturrecherche. Ziel ist es, den aktuellen Forschungsstand zu evaluieren und daraus Empfehlungen für die physiotherapeutische Ausbildung und Praxis abzuleiten.
- Evidenzbasierung manualtherapeutischer Methoden
- Differenzierung manualtherapeutischer Konzepte und Berufsgruppen
- Analyse internationaler Wirksamkeitsstudien
- Kritische Bewertung von Studiendesigns und Interventionseffekten
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Manuelle Therapie im physiotherapeutischem Kontext
Manuelle Therapie – eine Therapie mit „heilenden Händen“.
Manuell stammt aus dem Lateinischen, manus die Hand. Therapie stammt aus dem Griechischen. θεραπεία (therapeía) bedeutet das Dienen, therapeúein bedeutet dienen, heilen, pflegen. Physiotherapeuten arbeiten mit ihren Händen, erspüren Veränderungen und versuchen diese mit ihren Händen zu lindern bzw. zu beseitigen, dies wird auch in der Manuellen Therapie genutzt. Es gibt verschiedene Konzepte bzw. Vertreter der Manuellen Therapie, wobei aber alle ein gemeinsames Ziel verfolgen. Durch spezielle Handgriffe versuchen Physiotherapeuten auf den Halte- und Bewegungsapparat des Patienten/Klienten einzuwirken und die arthromuskuläre Gelenkbeweglichkeit wiederherzustellen (Hildebrandt et al. 2005, S. 374).
Nach Aussage des gemeinsamen Bundesausschusses (2011) dient die Manuelle Therapie zur Behandlung von reversiblen funktionellen Einschränkungen der Gelenke und ihrer reflektorisch muskulären Abwehrspannung. Die Behandlung erfolgt gezielt durch eine impulslose Mobilisation oder durch die Anwendung von Weichteiltechniken.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende ökonomische Bedeutung von Rückenschmerzen und die wachsende Notwendigkeit einer Evidenzbasierung physiotherapeutischer Maßnahmen wie der Manuellen Therapie.
2 Zielstellung der Arbeit: Das Kapitel definiert das Ziel, die Wirksamkeit der Manuellen Therapie bei Low Back Pain international zu recherchieren, zu bewerten und didaktische Konsequenzen für die Physiotherapie abzuleiten.
3 Begriffsklärung: Hier werden zentrale Begriffe definiert und die Manuelle Therapie aus der Perspektive verschiedener Berufsgruppen (Physiotherapeuten, Ärzte, Osteopathen, Heilpraktiker, Ergotherapeuten) beleuchtet.
4 Methodik: Der Abschnitt beschreibt das systematische Vorgehen der Literaturrecherche in medizinischen Datenbanken sowie die Kriterien für die Auswahl und den Ausschluss von Studien.
5 Ergebnisdarstellung: Die Ergebnisse der recherchierten 20 Studien werden präsentiert, kategorisiert nach ihrer Wirksamkeit und hinsichtlich ihrer methodischen Qualität mittels der PEDro-Skala bewertet.
6 Diskussion der Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Dieses Kapitel interpretiert die Ergebnisse kritisch, diskutiert methodische Limitationen der Studien und formuliert Empfehlungen für die physiotherapeutische Ausbildung.
7 Ausblick: Der Autor identifiziert Potenziale für zukünftige Forschungen, insbesondere die Notwendigkeit kontrollierter Studien in Deutschland und eine stärkere Integration manualtherapeutischer Inhalte in Lehrpläne.
8 Zusammenfassung: Abschließend werden die wichtigsten Erkenntnisse zur Evidenzlage und die Notwendigkeit rechtlicher Klarstellungen bezüglich der Manipulationstechniken für Physiotherapeuten zusammengefasst.
Schlüsselwörter
Manuelle Therapie, Low Back Pain, Rückenschmerz, Physiotherapie, Evidenzbasierung, Wirksamkeit, Mobilisation, Manipulation, Literaturrecherche, Studienergebnisse, Manuelle Medizin, Rehabilitation, Schmerzlinderung, OMT, Bewegungsapparat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Diplomarbeit untersucht die Evidenzbasierung manualtherapeutischer Maßnahmen durch Physiotherapeuten bei Patienten mit unspezifischen Rückenschmerzen (Low Back Pain).
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Definition manualtherapeutischer Konzepte, die berufsspezifische Abgrenzung zwischen Ärzten und Physiotherapeuten sowie die Auswertung internationaler Studien zur Wirksamkeit der Therapie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel besteht darin, internationale wissenschaftliche Literatur zur Wirksamkeit der Manuellen Therapie bei Low Back Pain zu synthetisieren und Empfehlungen für die Ausbildung von Physiotherapeuten zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin führte eine systematische, internationale Literaturrecherche in medizinischen Datenbanken (u.a. DIMDI, PubMed, PEDro) durch und bewertete die eingeschlossenen Studien (hauptsächlich RCTs) mithilfe der PEDro-Skala.
Was ist Inhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil umfasst eine detaillierte Begriffsklärung, die methodische Dokumentation der Recherche sowie eine umfangreiche Darstellung und vergleichende Analyse der 20 eingeschlossenen klinischen Studien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Manuelle Therapie, Low Back Pain, Evidenzbasierung, Mobilisation, Manipulation, Physiotherapie und methodische Studienbewertung.
Wie unterscheiden sich die Sichtweisen von Physiotherapeuten und Ärzten?
Während Physiotherapeuten ihren Fokus auf Mobilisation und Weichteiltechniken legen, ist die Gelenk-Manipulation aufgrund der deutschen Rechtslage spezialisierten Ärzten vorbehalten, was zu einer "Grauzone" für spezialisierte Manualtherapeuten führt.
Welches Konzept schnitt in den Studien am besten ab?
Die Analyse deutet darauf hin, dass die Manuelle Therapie nach dem Kaltenborn-Evjenth-Konzept in den betrachteten Studien teilweise signifikant bessere Resultate erzielte als andere Ansätze.
Welchen Einfluss haben zusätzliche Interventionen?
Die Autorin kritisiert, dass viele Studien zusätzliche Maßnahmen (wie Medikamente oder Rückenschulen) parallel einsetzten, was die isolierte Wirksamkeitsprüfung der Manuellen Therapie erschwert und kritisch reflektiert werden muss.
- Quote paper
- Jasmin Heiden (Author), 2011, Evidenzbasierung manualtherapeutischer Interventionen durch Physiotherapeuten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192159