Kein Thema trennt und verbindet Muslime und Christen mehr als die
Betrachtung der Figur Jesu Christi. Besonders im Hinblick auf den
interreligiösen Dialog ist es von daher für beide Seiten von großer Bedeutung sich mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden auseinandergesetzt zu haben. In meiner Hausarbeit werde ich mich mit der Sicht auf Jesus in der islamischen Theologie beschäftigen. Dazu betrachte ich zunächst das Vorkommen Isa (Jesus) im Koran, eingeteilt in die groben Themenbereichen Prophetentum, Geburt, Wunder und Tod. Dies macht den Hauptteil der Quellen über Jesus im Islam aus. Darauf aufbauend wird dann aber auch die Hadithliteratur näher untersucht um so noch weitere Informationen zu erhalten.
Im dritten Teil werden die herausragendsten Punkte in direkten Vergleich zu der christlichen Sichtweise gesetzt und es wird eine fokussierte Abgrenzung vollzogen. Dabei werden sich die Hauptproblemfelder bezüglich der Figur Jesu herauskristallisieren, die sich aus der Begegnung Islam – Christentum ergeben. Dies sollte idealerweise der reflektierten Kommunikation dienlich sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Jesus in der islamischen Theologie
2.1. Jesus im Koran
2.1.1. Das Prophetentum
2.1.2. Die Geburt
2.1.3. Die Wunder
2.1.4. Der Tod Jesu
2.2. Jesus in der Sunna
3. Die Stellung Jesu im Islam in Abgrenzung zum Christentum
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Bild Jesu in der islamischen Theologie und setzt dieses in einen direkten Vergleich zur christlichen Sichtweise, um zentrale theologische Differenzen und Potenziale für den interreligiösen Dialog aufzuzeigen.
- Die Darstellung von Jesus (Isa) im Koran anhand seiner Geburt, seines Prophetentums und seiner Wunder.
- Die Rolle Jesu in der Hadithliteratur und seine prophetische Bedeutung.
- Die islamische Ablehnung der christlichen Gottessohnschaft und der Trinitätslehre.
- Das islamische Verständnis von Sündenvergebung und das Fehlen der Notwendigkeit eines Kreuzestodes.
- Die Bedeutung der interreligiösen Kommunikation durch die reflektierte Auseinandersetzung mit theologischen Unterschieden.
Auszug aus dem Buch
2.1.4. Der Tod Jesu
Der Koran schließt einen Tod, wie er im Christentum definiert ist, nämlich gewaltsam am Kreuz, völlig aus. Stattdessen ist die Rede davon, dass jemand am Kreuz starb, der versehentlich für Jesus gehalten wurde. Statt ermordet zu werden, wird Jesus von Gott in den Himmel erhoben und somit aus der feindlichen Umgebung befreit. In Sure 4, 157-158 heißt es:
"und (weil sie) sagten: ""Wir haben Christus Jesus, den Sohn der Maria und Gesandten Allahs, getötet." - Aber sie haben ihn (in Wirklichkeit) nicht getötet und (auch) nicht gekreuzigt. Vielmehr erschien ihnen (ein anderer) ähnlich (so daß sie ihn mit Jesus verwechselten und töteten). Und diejenigen, die über ihn uneins sind, sind im Zweifel über ihn. Sie haben kein Wissen über ihn, gehen vielmehr Vermutungen nach. Und sie haben ihn nicht mit Gewißheit getötet. Nein, Allah hat ihn zu sich (in den Himmel) erhoben. Allah ist mächtig und weise.“
Es ist aufgrund der arabischen Wortwahl und Grammatik sehr schwierig, den „Kreuzigungsvers“ des Korans richtig zu verstehen und zwar aufgrund des im Koran nur an dieser Stelle gebrauchten arabischen Ausdrucks „shubbiha lahum“ (etwa: „es“ oder „er erschien ihnen so, als ob“ oder „es“ oder „er wurde für sie ähnlich gemacht“). Es ergeben sich mehrere Auslegungsmöglichkeiten, wobei die große Mehrheit der islamischen Gelehrten der Meinung ist, der Unterschied in der Auslegung sei nur geringfügig, da trotzallem hervorginge, dass Jesus nicht getötet und nicht gekreuzigt wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Ziel fest, das Bild Jesu im Islam zu beleuchten und eine fokussierte Abgrenzung zur christlichen Sichtweise für einen reflektierten Dialog vorzunehmen.
2. Jesus in der islamischen Theologie: Dieses Kapitel analysiert das Vorkommen von Jesus im Koran und der Sunna unter Aspekten wie seinem Prophetentum, seiner Geburt, seinen Wundern, seinem Tod und seiner zukünftigen Wiederkunft.
3. Die Stellung Jesu im Islam in Abgrenzung zum Christentum: Hier werden die zentralen dogmatischen Unterschiede, insbesondere die Ablehnung der Gottessohnschaft und des Kreuzestodes, sowie das abweichende Verständnis von Sündenvergebung thematisiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die theologischen Differenzen zusammen und plädiert dafür, diese Unterschiede als Basis und Wegweiser für einen authentischen religiösen Dialog zu nutzen.
Schlüsselwörter
Jesus, Isa, Islam, Christentum, Koran, Sunna, Prophetentum, Gottessohnschaft, Kreuzigung, Monotheismus, Dialog, Hadith, Wunder, Trinität, Sündenvergebung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theologischen Sicht auf Jesus Christus im Islam und setzt diese in den Kontext des Vergleichs mit der christlichen Theologie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die koranische Darstellung Jesu, sein Status als Prophet, die unterschiedlichen Konzepte zu seinem Tod und die grundlegende Differenz hinsichtlich der Gottessohnschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die islamische Perspektive auf Jesus darzulegen und die daraus resultierenden Spannungsfelder sowie Potenziale für den interreligiösen Dialog aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textbasierte theologische Untersuchung, die Koranverse und Hadithsammlungen analysiert und in einen komparativen Kontext zum christlichen Verständnis stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Jesus im Koran und der Sunna sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Abgrenzung gegenüber christlichen Glaubenssätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Isa, Prophetentum, Koran, Kreuzigung, Gottessohnschaft und interreligiöser Dialog.
Wie deutet der Islam das "al-Masih" im Koran?
Der Koran verwendet den Titel "al-Masih", doch der theologische Gehalt des Neuen Testaments wird nicht übernommen; stattdessen wird es als Ehrentitel oder Hinweis auf die Rolle als "der Gesegnete" verstanden.
Warum lehnt der Islam die Vorstellung der Gottessohnschaft ab?
Der Islam lehnt diese Vorstellung aufgrund eines strikten Monotheismus ab, bei dem Gott einzigartig in seinem Wesen und seinen Eigenschaften ist und keine Partner neben sich duldet.
Welche Rolle spielt die Wiederkunft Jesu im islamischen Verständnis?
Die Wiederkunft Jesu ist ein wesentliches Zeichen für das Nahen des Weltuntergangs; Jesus wird dabei als Schiedsrichter und Vertreter des Islam beschrieben, der Frieden auf die Erde bringt.
Wie erklärt die Arbeit das Ausbleiben der Kreuzigung im Koran?
Die Arbeit führt aus, dass der Koran die Durchführung der Kreuzigung Jesu verneint, da ein Gesandter Gottes aus islamischer Sicht nicht durch seine Feinde besiegt werden kann und Gott ihn stattdessen zu sich erhob.
- Arbeit zitieren
- Günes Atik (Autor:in), 2011, Jesus im Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192230