Sowohl ein Gedicht zu Ehren Karl Liebknechts, des linksrevolutionären Anführers des Spartakusaufstandes, als auch eine faschistisch getönte germanische Weltgeschichte stammen aus der Feder Heinar Schillings, der zunächst Expressionist war und in der Zeit der Weimarer Republik einen Wandel zum Nationalsozialisten vollzog. Dieser Wandel ist schwer zu verstehen, denn beide Standpunkte scheinen verschiedener nicht sein zu können. Es soll daher Ziel dieser Hausarbeit sein, den Werdegang Schillings nachzuvollziehen und Gründe dafür vorzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schilling als Expressionist
3. Krisenjahre nach dem Krieg
4. Desillusionierung und Abwendung vom Expressionismus
5. Allgemeine Situation
6. Nationalsozialismus und Ende
7. Resümee
8. Quellenangabe
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den ideologischen Werdegang des Schriftstellers Heinar Schilling und analysiert die Gründe für seine Transformation von einem engagierten Expressionisten zu einem Anhänger des Nationalsozialismus während der Zeit der Weimarer Republik.
- Analyse der expressionistischen Aktivitäten und Ideale von Heinar Schilling.
- Untersuchung des Desillusionierungsprozesses nach dem Ersten Weltkrieg.
- Betrachtung der historischen und politischen Rahmenbedingungen der Weimarer Republik.
- Erörterung der Ambivalenz zwischen künstlerischem Anspruch und politischem Engagement.
- Kritische Reflexion der Hinwendung Schillings zum Nationalsozialismus und deren Hintergründe.
Auszug aus dem Buch
4. Desillusionierung und Abwendung vom Expressionismus
Es zeigt sich in dieser Zeit der Krisenjahre schon ansatzweise der Desillusionierungsprozess, der bei Schilling einsetzte. Er war enttäuscht vom Scheitern des Rätesystems und der Sozialistischen Anführer. Auch die eigenen Bemühungen der politisch engagierten Expressionisten hatten nichts gefruchtet, die Politik nahm ohne den Einfluss der Dichter ihren Lauf. Ihre politischen Ansichten und Bestrebungen konnten nichts bewirken, sodass eine Einheit von Wort und Tat nicht mehr gegeben war, was Schilling nicht verborgen blieb. Als er im September 1920 die Zeitschrift „Menschen“ nach einer Pause zusammen mit Walter Hasenclever wieder herausgab, gestaltete er sie seinen Ansichten gemäß um.
So ist im Prolog für den dritten Jahrgang zu lesen, dass die Zeitschrift nun unter „völliger Parteilosigkeit“ herausgegeben wird, die Herausgeber bezeichnen sich selbst als „antipolitische Anarchisten“. Da man also keine Einheit von Wort und Tat mehr garantieren konnte, da die politischen Worte nichts zu bewirken vermochten, stellte man sie ganz ein und widmete sich apolitischen Schriften und Gedichten. Die Aussichtlosigkeit politischer Bestrebungen zeigt sich ansatzweise bereits in den frühen Veröffentlichungen Schillings, wo sie aber noch mit den politischen Idealen einhergeht. Im oben erwähnten Gedicht „In Memoriam Karl Liebknecht“ erhöht Schilling den Spartakisten durch Verszeilen wie „Karl Liebknecht aber sprach: Du sollst nicht töten!“ auf eine gottähnliche Position und stellt seine Ziele als die idealen dar: „Die rote Fahne weht [...]“ und „Du bist Losung aller Menschenbrüder“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich des widersprüchlichen Werdegangs von Heinar Schilling zwischen expressionistischer Ideologie und Nationalsozialismus.
2. Schilling als Expressionist: Untersuchung von Schillings tiefem Engagement in der expressionistischen Szene, insbesondere durch seine Rolle als Herausgeber und Verfasser kriegsgegnerischer Lyrik.
3. Krisenjahre nach dem Krieg: Analyse der politischen Instabilität nach 1918 und Schillings anfänglicher Identifikation mit den radikalen Zielen der Spartakisten.
4. Desillusionierung und Abwendung vom Expressionismus: Dokumentation des Prozesses, in dem Schilling aufgrund der politischen Wirkungslosigkeit von einer politisierten Kunst Abstand nimmt.
5. Allgemeine Situation: Darstellung der sozioökonomischen und politischen Belastungen der Weimarer Republik, die zur Radikalisierung und dem Ruf nach einem „starken Mann“ führten.
6. Nationalsozialismus und Ende: Erörterung von Schillings Hinwendung zur NSDAP, seiner späteren Tätigkeit als geschichtsverherrlichender Autor und der schließlichen Distanzierung.
7. Resümee: Zusammenfassende Bewertung der persönlichen Entwicklung Schillings und der moralischen Problematik seiner Anpassung an das NS-Regime.
8. Quellenangabe: Auflistung der verwendeten Literatur und Primärquellen zur Arbeit.
Schlüsselwörter
Heinar Schilling, Expressionismus, Nationalsozialismus, Weimarer Republik, Literatur, Desillusionierung, Politik, Gesellschaft, Ideologie, Kultur, Radikalisierung, Zeitschrift Menschen, Widerstand, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den ideologischen Werdegang von Heinar Schilling und fragt, wie es zu seinem Wandel vom expressionistischen Dichter zum Nationalsozialisten kommen konnte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Rolle der Kunst im Expressionismus, die politische Zerrissenheit der Weimarer Republik und die Verführbarkeit von Intellektuellen durch totalitäre Ideologien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Beweggründe für den scheinbaren Bruch in Schillings politischer Gesinnung nachzuvollziehen und den Einfluss historischer Umstände auf sein Denken zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer biografischen und historisch-kontextuellen Analyse, die Schillings literarische Werke und öffentliche Äußerungen in Relation zur politischen Entwicklung der Zeit setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden chronologisch die Phasen von Schillings Schaffen beleuchtet – von seinen Anfängen als Mitbegründer expressionistischer Gruppen über seine Desillusionierung nach der Revolution bis hin zu seiner Hinwendung zur nationalsozialistischen Geschichtsschreibung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Expressionismus, Nationalsozialismus, politische Radikalisierung, Weimarer Republik, intellektuelles Engagement und Identitätswandel.
Warum empfand Schilling den Expressionismus rückblickend als gescheitert?
Schilling erkannte, dass die expressionistische Kunst trotz ihres Pathos und ihrer Ideale keine tatsächliche politische oder gesellschaftliche Veränderung bewirken konnte, was zu einer tiefen Enttäuschung führte.
Inwiefern nutzte Schilling den Nationalsozialismus für seine eigene Ideologie?
Schilling sah im NS-Regime zunächst die Möglichkeit zur Realisierung einer „Volksgemeinschaft“, die seine eigenen, bereits früher gehegten Wünsche nach Einheit und Erneuerung der Menschheit zu erfüllen schien.
- Quote paper
- Caroline Dorn (Author), 2003, Heinar Schilling - Werdegang vom Expressionismus zum Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19244