Autonomie, Privatheit und Selbstbestimmung


Seminararbeit, 2006

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Liberal-demokratisches Betrachtungsfeld

3. Verhältnis von privat und öffentlich

4. Privatheit

5. Autonomie
5.1. Autonomie als real gelebte Freiheit
5.2. Zusammenhang zur Authentizität
5.3. Einschränkungen

6. Zusammenhang Privatheit & Autonomie
6.1. Informationelle Privatheit
6.2. Dezisionale Privatheit
6.3. Lokale Privatheit
6.4. Zusammenfassung

7. Schluss

8. Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

In Bezug auf das in dem von mir besuchten Proseminar behandelten Thema der informationellen Selbstbestimmung beschäftige ich mich in meiner Arbeit zunächst mit den im Zentrum stehenden Begriffen Autonomie, Selbstbestimmung und Privatheit. Auf Grundlage ihrer Definitionen werde ich sie im Folgenden in Zusammenhang setzen und ihre Bedeutung für das gesellschaftliche Zusammenleben aufzeigen. Ziel meiner Arbeit ist es, zentrale Fragestellungen des Themas zu klären: Warum sind Autonomie, Selbstbestimmung und Privatheit unerlässliche Pfeiler einer liberal-demokratischen Grundordnung und Gesellschaft? Was ist privat und was ist öffentlich? Wann handelt man autonom und welche Bedeutung wird dabei der Authentizität einer Person beigemessen? Warum ist „Privatheit oder das Recht auf informationelle Selbstbestimmung […] ein Grundbedürfnis des Menschen“?1

2. Liberal-demokratisches Betrachtungsfeld

Bevor man sich mit der Theorie der Autonomie, Privatheit und

Selbstbestimmung beschäftige, sollte das Betrachtungsfeld eingegrenzt werden. Der Blick richtet sich auf eine liberale und demokratische Grundordnung.

Der Begriff des Liberalismus stammt aus dem Lateinische (liber: frei, liberalis: die Freiheit betreffend, freiheitlich). Die liberale Theorie wird grundlegend von vier Säulen gestützt: Freiheit, Gleichheit, Demokratie und ein neutraler Staat. Jedem Individuum einer liberalen Gesellschaft werden Grundrechte in Form von individuellen Freiheitsrechten zugesprochen, beispielsweise allgemeine Handlungsfreiheit, Religions-, Meinungs-, Versammlungs-, Vereinigungs- oder Berufsfreiheit. Die Eigentumsgarantie, das Recht auf privates Eigentum, gewährleistet die Freiheit des Einzelnen. Die Betrachtung aller Individuen unter Gleichheit garantiert eine gleiche Behandlung und gleiche Freiheitsrechte aller. Indem sich der Staat, welcher einer Demokratie entstammt, neutral gegenüber seinen Bürgern verhält, schützt er ihre Freiheitsrechte. Neutralität sollte hierbei nicht mit Indifferenz verwechselt werden, sondern als Zulassung und Garantierung der Freiheitsrechte verstanden werden. Alle Gesellschaftsmitglieder sollen frei wählen können, welche Form des Leben sie für gut und erstrebenswert erachten und ihre Entscheidungen ohne Einflüsse des Staates fällen dürfen.

3. Verhältnis von privat und öffentlich

Bevor der Blick auf den Begriff der Privatheit gelenkt wird, ist es sinnvoll zu klären, welche Bereiche des Lebens unter privat und welche unter öffentlich fallen. Der quasi-natürliche Begriff des Privaten versteht unter ‚privat’ das Gefühl, Heim und Herd und setzt die Frau symbolisch dafür ein. Unter ‚öffentlich’ wird dahingegen der Verstand, Intellekt, das berufliche Leben angeführt und durch den Mann symbolisiert, was eine deutlich geschlechtsspezifische Darstellung hervorhebt. Die moderne Abgrenzung von Privatheit und Öffentlichkeit lässt uns das Verhältnis mittels zweier Modelle beschreiben.

Das so genannte Zwiebelmodell2 grenzt die Sphären des Privaten und Öffentlichen räumlich gegeneinander ab. Der innerste Bereich der ‚Zwiebel’ ist persönliche und körperliche Intimität und Privatheit, z. B. private Tagebucheinträge, welchem gegenüber alles andere öffentlich ist. Die nächste Stufe wird durch den klassischen Privatheitsbegriff, Familie und andere intime Beziehungen und Freundschaften abgegrenzt. Demgegenüber öffentlich ist wiederum die nächste Stufe des Modells, der gesellschaftliche Bereich und die staatliche Organisation.

Im zweiten Modell der Unterscheidung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit versteht man das Private als gesicherte und schützendwerte Handlungs- und Verantwortungssphäre, wodurch unabhängiges Agieren der Individuen ohne Beeinflussung durch die Öffentlichkeit, u. a. Staat und Gesellschaft, möglich wird.

Mithilfe des Zwiebelmodells wird die Abgrenzung von privat und öffentlich räumlich und konventionell definiert vorgenommen. Das zweite Modell beschreibt sie mittels Handlungssphären. Um einen homogenen Begriff der Privatheit zu definieren, ist es nötig beide Modelle zugrunde zulegen und sie zu vermischen, was im Folgenden bei der Definition von Privatheit dargestellt wird.

4. Privatheit

Um nun beiden Modellen der Abgrenzung vom Privaten gegenüber dem Öffentlich gerecht zu werden, kann man der Privatheit laut B. Rössler drei Grundtypen zuordnen. Privat ist nun eine Handlungs- und Verhaltensweise eine Person, beispielsweise welche Kleidung sie trägt oder ob und welche Religion sie ausübt. Privat ist ebenfalls bestimmtes Wissen über und von einem Individuum, z. B. private Informationen wie medizinische Daten, was man über seine Mitmenschen denkt oder mit wem man zusammenlebt. Weiterhin gelten ganz klassisch Räume, Wohnungen und Zimmer, als privat. Betrachtet man diese drei Grundtypen stellt man fest, dass sie nicht überschneidungsfrei definiert werden können, was jedoch eine allgemein gültige Definition von Privatheit nicht ausschließt.

Man kann definieren, dass etwas dann „[…] als privat gilt […], wenn man selbst den Zugang zu diesem >>etwas<< kontrollieren kann“.3 ‚Kann’ wird hierbei „im Sinn von >>kann und/oder sollte und/oder darf<<“4 und der Zutritt als Wissenszugang, z.B. Eingriffsmöglichkeit oder Mitspracherecht, verstanden. Privat ist etwas also dann, wenn eine Person berechtigt und in der Lage dazu ist den Zugang zu einem ‚Etwas’ zu kontrollieren. Beispielsweise befindet sich ein gestohlenes Tagebuch zwar im Besitz des Diebes, welcher den Zugang zu ihm kontrollieren kann, dennoch ist er es nicht als privat betrachten, da er der Zugangskontrolle nicht berechtigt ist. Der Schutz von Privatheit steht demnach in direktem Zusammenhang mit dem Schutz vor unerwünschtem Zutritt anderer.

Anhand der drei genannten Grundtypen und Formen des Zutritts zu Handlungs- und Verhaltensweisen, Wissen und Räumen können nun drei verschiedene Dimensionen der Privatheit unterschieden werden.5

Ein Zimmer oder eine Wohnung ist dann privat wenn man den Zugang kontrollieren kann und den Anspruch anderen gegenüber hat, in diesen Räumen und Bereichen geschützt zu sein, indem man sich der Beobachtung Dritter entziehen kann. Die Verletzung dieser Form des privaten Raumes eines Individuums besteht im unbefugten Zutritt, Beobachtung oder Störung. Diese Dimension des Privaten, welche der Form des Zutritts konkret physische Bedeutung beimisst, wird als lokale Dimension der Privatheit definiert.

Des Weiteren kann man die Form des Zutritts metaphorisch betrachten. So sind Daten und Informationen dann privat, wenn eine Person Kontrolle darüber hat, wer welchen Wissensstand über sie hat und wer welche relevanten Daten über sie weiß. Sie hat demnach Anspruch, vor nicht gewolltem Zugang, im Sinne von Eingriff durch andere in ihre persönlichen Daten, geschützt zu werden. Somit benötigt jede legitime Verbreitung von Informationen über eine bestimmte Person deren Zustimmung, ansonsten würde die Privatheit verletzt. Betrifft die Form des Zutritts also Informationen oder Wissen, nennt man dies die Dimension informationeller Privatheit einer Person.

Eine weitere Form der als metaphorisch betrachteten Möglichkeit des Zutritts zu einer Sache, ist der Eingriff in Verhaltens- und Handlungsweisen. Handlungen, Verhalten oder Lebensweisen sind dann privat, wenn eine Person den Anspruch hat, vor ungewünschtem Zutritt, im Sinne von nicht gewollten Einsprüchen, Fremdbestimmen oder unerwünschtem Hineinreden ihre Entscheidungen, Handlungen oder Lebensweisen, geschützt zu sein. Die deshalb als dezisionale Privatheit bezeichnete Dimension der Privatheit ermöglicht einer Person die Kontrolle des Zugangs anderer zu sich selbst. Verletzungen bestehen hierbei in unerwünschten Äußerungen negativer sowie positiver Art zum Verhalten oder Handeln eines Individuums.

[...]


1 Müller, Eymann, Kreutzer: Privatheit, Auszug aus Telematik- und Kommunikationssysteme in der vernetzten Wirtschaft, 2002, 1.

2 Siehe Abb. 1, S. 16. Darstellung der Abgrenzung von privat und öffentlich mittels Zwiebelmodell.

3 Rössler, Der Wert des Privaten, 2001, 23.

4 Rössler, Der Wert des Privaten, 2001, 24.

5 Die folgende Darstellung der drei Dimensionen der Privatheit stützt sich auf Rössler, Der Wert des Privaten, 2001.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Autonomie, Privatheit und Selbstbestimmung
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Informatik)
Veranstaltung
Informationelle Selbstbestimmung
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V192519
ISBN (eBook)
9783656175742
ISBN (Buch)
9783656175971
Dateigröße
1297 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Autonomie, Privatheit, Selbstbestimmung, Informationelle Selbstbestimmung
Arbeit zitieren
Peggy Werner (Autor), 2006, Autonomie, Privatheit und Selbstbestimmung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192519

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