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Zur Entstehung 'nationaler' Musik im 19. Jahrhundert

Title: Zur Entstehung 'nationaler' Musik im 19. Jahrhundert

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 27 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Kay Kankowski (Author)

Musicology - Miscellaneous
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Die Entstehung ‚nationaler‘ Musik im 19. Jahrhundert ist an mehrere Voraussetzungen und Bedingungen geknüpft. Abgesehen von der Entstehung einer räsonierenden Öffentlichkeit, eines bürgerlichen Publikums, das sich ab der Mitte des 18. Jahrhunderts des Kunstdiskurses bemächtigt und diesen von da an selbst bestimmt, spielt auch das Selbstverständnis des Bürgertums als konstituierender Teil einer Nation, eines Volkes zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine gewichtige Rolle. Eine zentrale Stellung nimmt der Kulturbegriff jener Zeit insofern ein, als damit (neben der Sprache) der äußere Rahmen der ‚nationalen‘ Zugehörigkeit abgesteckt wird. Die Herdersche These vom ‚Volksgeist‘, dessen Wesen sich in der Volkskunst Ausdruck verleiht, wird zu einem nicht mehr hinterfragten Gemeinplatz und entfaltet ihre Wirkung unter anderem in einer starken Sammeltätigkeit von volksmusikalischen Zeugnissen in ganz Europa. Die im 19. Jahrhundert entstehenden Nationen sind auf der Suche nach ihrem jeweils eigenen kulturellen Erbe.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Bürgertum als Kulturträger

2.1 Nation und Nationalstaat

2.2 Nation, Volk, Musik

3 Entstehung von ‚nationaler‘ Musik

3.1 Musik und Nation

3.2 ‚Nationale Seitentäler‘

3.3 Emanzipation und ‚nationale‘ Fliehkraft

4 Nationalmusik und Universalitätsanspruch

4.1 Weltmusik als Ideal

4.2 Universalitätsanspruch und Nationalmusik als Gegensatz?

5 Volksmusikalische Substanz

6 Intonation und Rezeptionseinstellung

7 Nationalmusik und ‚Nordischer Ton‘

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Entstehung und ideologische Verankerung des Begriffs der ‚nationalen‘ Musik im 19. Jahrhundert, wobei insbesondere die Rolle des Bürgertums und das Spannungsfeld zwischen nationaler Identität und dem universalen Anspruch absoluter Instrumentalmusik analysiert wird.

  • Die Genese des Bürgertums als kulturelles Subjekt.
  • Die Rolle von Volksmusik und ‚Volksgeist‘ als identitätsstiftende Elemente.
  • Das Spannungsverhältnis zwischen dem universalen Kunstanspruch und nationaler Partikularisierung.
  • Die Funktion der Rezeption und des ‚Nordischen Tons‘ am Beispiel von Niels W. Gade.
  • Die Bedeutung von ‚Intonation‘ und Hörgewohnheiten für die Identifikation ‚nationaler‘ Musik.

Auszug aus dem Buch

3.1 Musik und Nation

So geht Schumann ganz selbstverständlich davon aus, dass Komponisten immer auch aus ihrer Verwurzelung in einer bestimmten Nationalität heraus Musik erarbeiten und schreibt etwa über Niels W. Gade, es sei „nur eines zu wünschen: daß der Künstler in seiner Nationalität nicht etwa untergehe“29. Und Hugo Riemann rekurriert auf die Existenz solcher Bezüge in der Kunstmusik des 19. Jahrhunderts, in dem er Chopin zwar als einen Vertreter spezifisch ‚nationaler‘ Musik identifiziert, jedoch einschränkt, dass „von irgendwelcher Reflexion, die ihn bestimmt hätte, sich auf das ‚Nationale‘ zu konzentrieren, [...] bei ihm gar nicht die Rede“30 sein könne. Auch Chopin schafft, nach Riemanns Ansicht, also eher aus einem National-Gefühl heraus Kompositionen, die auf dessen polnische Herkunft verweisen. Zwar gilt ihm Chopin darin als eine Einzelerscheinung, aber ‚Nationalmusik‘ als solche wird als konkrete Tatsache zur Kenntnis genommen.

Riemann spricht einer spezifisch-polnischen ‚Nationalmusik‘ nur insoweit die Existenz ab, als es „zufolge der Vernichtung der Selbstständigkeit Polens und der Zerstreuung der besseren Elemente der polnischen Gesellschaft über ganz Europa [...] nicht zu einer kräftigen Weiterentwicklung der polnisch nationalen Musik [kam].“31

Aber die Erscheinung als solche wird nicht in Frage gestellt, lediglich die Berechtigung, im konkreten Fall über Chopin hinaus von einer ‚Nationalmusik‘ Polens zu sprechen, wird bezweifelt. Denn anscheinend erfordert die Ausbildung ‚nationaler‘ Musik mehr als vereinzelte, für das ‚Heimatliche‘ hochsensibilisierte künstlerische Erscheinungen wie Chopin. Es braucht darüber hinaus einen mehr oder weniger fest umrissenen, aber erkennbaren Rahmen staatlicher Selbstständigkeit, innerhalb dessen das ‚gebildete Volk‘ als kultureller Akteur fungiert. Die Nation muss sich als solche wahrnehmen können und wollen. Im 19. Jahrhundert, das man (nicht nur) in Europa als ‚Zeitalter der Nationenwerdung‘ bezeichnen könnte, scheint, so Carl Dahlhaus, ‚Nationalmusik‘ „fast immer als Ausdruck eines politisch motivierten Bedürfnisses, das eher in Zeiten erstrebten, verweigerten oder gefährdeten als der erreichten oder gefestigten nationalen Selbstständigkeit hervortritt.“32

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie nationale Identität im 19. Jahrhundert musikalisch konstruiert wurde, ausgehend von Niels W. Gades 1. Sinfonie.

2 Das Bürgertum als Kulturträger: Es wird die gesellschaftliche Rolle des Bürgertums als Motor der Aufklärung und als Träger nationaler kultureller Identitätsvorstellungen analysiert.

3 Entstehung von ‚nationaler‘ Musik: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen und historischen Bedingungen, unter denen Musik als ‚national‘ markiert wurde, inklusive der Rolle von Beethovens Einfluss.

4 Nationalmusik und Universalitätsanspruch: Es wird untersucht, wie der universale Anspruch absoluter Musik mit der Einbindung national-folkloreistischer Elemente in Einklang gebracht wurde.

5 Volksmusikalische Substanz: Hier wird kritisch hinterfragt, ob es tatsächlich eine eindeutige ‚nationale‘ volksmusikalische Substanz gibt oder ob diese Zuschreibung ein Konstrukt ist.

6 Intonation und Rezeptionseinstellung: Dieses Kapitel befasst sich mit der Bedeutung von Hörgewohnheiten und dem ‚Intonationsfonds‘ für die Wahrnehmung von Musik als national.

7 Nationalmusik und ‚Nordischer Ton‘: Am Beispiel Gades wird verdeutlicht, wie durch Rezeptionseinstellungen und außermusikalische Zuschreibungen das Etikett ‚Nordischer Ton‘ entstand.

8 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass ‚nationale‘ Musik im 19. Jahrhundert primär ein Produkt historischer Kontexte und spezifischer Rezeptionsmechanismen ist.

Schlüsselwörter

Nationalmusik, Bürgertum, Niels W. Gade, Volksgeist, Absolute Musik, Intonation, Rezeptionseinstellung, Nordischer Ton, Universalitätsanspruch, Nationalromantik, Musikästhetik, Volkskultur, Identitätsbildung, 19. Jahrhundert, Musikgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen und historischen Prozesse, die im 19. Jahrhundert zur Entstehung und Identifizierung ‚nationaler‘ Musikströmungen in Europa führten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf dem bürgerlichen Bildungsbegriff, dem Spannungsfeld zwischen nationaler Identität und Universalität sowie der Bedeutung von Rezeptionsprozessen für die musikalische Bedeutungszuschreibung.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, wie und warum im 19. Jahrhundert das Phänomen ‚nationaler‘ Musik entstand und welche Rolle dabei kompositorische Techniken sowie gesellschaftliche Wahrnehmungsmuster spielten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine musikästhetische und kulturhistorische Analyse, wobei er sich auf musiktheoretische Schriften des 19. Jahrhunderts und moderne musikwissenschaftliche Diskurse stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, die musiktheoretische Auseinandersetzung mit dem Nationalen und die konkrete Fallanalyse zur Entstehung des Begriffs ‚Nordischer Ton‘.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die zentralen Begriffe sind Nationalmusik, Volksgeist, Rezeptionseinstellung, Universalitätsanspruch und das bürgerliche Kulturverständnis des 19. Jahrhunderts.

Warum spielt die 1. Sinfonie von Niels W. Gade eine so wichtige Rolle?

Die Sinfonie dient als zentraler Prototyp, da sie von Zeitgenossen wie Robert Schumann als erste gelungene Manifestation eines spezifisch ‚nordischen‘ Charakters in der Kunstmusik wahrgenommen wurde.

Was bedeutet die Aussage „wenig Substanz, viel Rezeption“ im Kontext der Arbeit?

Diese provokante Zusammenfassung verdeutlicht die These des Autors, dass die Kategorisierung als ‚nationale‘ Musik oft weniger auf objektiv fassbaren musikalischen Unterschieden beruht, sondern maßgeblich durch die Erwartungshaltung und Einordnung der Hörer geprägt ist.

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Details

Title
Zur Entstehung 'nationaler' Musik im 19. Jahrhundert
College
Christian-Albrechts-University of Kiel  (Musikwissenschaftliches Institut)
Course
Schlüsselwerke und -texte der musikalischen Romantik
Grade
1,0
Author
Kay Kankowski (Author)
Publication Year
2012
Pages
27
Catalog Number
V192627
ISBN (eBook)
9783656179603
ISBN (Book)
9783656180197
Language
German
Tags
Nationalromantik Nordischer Ton
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kay Kankowski (Author), 2012, Zur Entstehung 'nationaler' Musik im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192627
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