Die Entstehung ‚nationaler‘ Musik im 19. Jahrhundert ist an mehrere Voraussetzungen und Bedingungen geknüpft. Abgesehen von der Entstehung einer räsonierenden Öffentlichkeit, eines bürgerlichen Publikums, das sich ab der Mitte des 18. Jahrhunderts des Kunstdiskurses bemächtigt und diesen von da an selbst bestimmt, spielt auch das Selbstverständnis des Bürgertums als konstituierender Teil einer Nation, eines Volkes zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine gewichtige Rolle. Eine zentrale Stellung nimmt der Kulturbegriff jener Zeit insofern ein, als damit (neben der Sprache) der äußere Rahmen der ‚nationalen‘ Zugehörigkeit abgesteckt wird. Die Herdersche These vom ‚Volksgeist‘, dessen Wesen sich in der Volkskunst Ausdruck verleiht, wird zu einem nicht mehr hinterfragten Gemeinplatz und entfaltet ihre Wirkung unter anderem in einer starken Sammeltätigkeit von volksmusikalischen Zeugnissen in ganz Europa. Die im 19. Jahrhundert entstehenden Nationen sind auf der Suche nach ihrem jeweils eigenen kulturellen Erbe.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das Bürgertum als Kulturträger
- Nation und Nationalstaat
- Nation, Volk, Musik
- Entstehung von „nationaler Musik“
- Musik und Nation
- „Nationale Seitentäler“
- Emanzipation und „nationale Fliehkraft“
- Nationalmusik und Universalitätsanspruch
- Weltmusik als Ideal
- Universalitätsanspruch und Nationalmusik als Gegensatz?
- Volksmusikalische Substanz
- Intonation und Rezeptionseinstellung
- Nationalmusik und „Nordischer Ton“
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Entstehung von „nationaler Musik“ im 19. Jahrhundert, wobei die 1. Sinfonie von Niels Wilhelm Gade als Ausgangspunkt dient. Es werden die historisch-politischen Rahmenbedingungen untersucht, die zum Aufkommen dieses Phänomens führten, und die künstlerisch-ästhetischen Voraussetzungen für „nationale“ Musik analysiert.
- Das Bürgertum als Kulturträger und seine Rolle in der Entwicklung von Nationalismus und Nationalstaatlichkeit
- Die Bedeutung von Sprache und Kultur für das Verständnis von Nationalität
- Die Entstehung von „nationaler Musik“ als Ausdruck von Emanzipation und „nationaler Fliehkraft“
- Die Verbindung von Nationalmusik mit dem Universalitätsanspruch der Kunst
- Die Rolle von Volksmusik und „Nordischer Ton“ in der Definition von nationaler Musik
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel analysiert die 1. Sinfonie von Niels Wilhelm Gade als Beispiel für die Entstehung von „nationaler Musik“ und führt in die zentralen Themen der Arbeit ein. Das zweite Kapitel beleuchtet das Bürgertum als Kulturträger, seine Bedeutung in der Entstehung des Nationalstaates und den Einfluss auf die Entwicklung von „nationaler Musik“. Das dritte Kapitel geht näher auf die Entstehung von „nationaler Musik“ im 19. Jahrhundert ein und untersucht die Verbindung von Musik und Nation, sowie die Rolle von „nationalen Seitentälern“ und „nationaler Fliehkraft“. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem Universalitätsanspruch der Musik und der Frage, wie Nationalmusik mit diesem Ideal in Beziehung steht.
Schlüsselwörter
Nationalmusik, Bürgertum, Nationalstaat, Nation, Volk, Sprache, Kultur, Universalitätsanspruch, Weltmusik, Volksmusik, Nordischer Ton, Emanzipation, „nationale Fliehkraft“, 1. Sinfonie von Niels Wilhelm Gade.
Häufig gestellte Fragen
Wie entstand „nationale Musik“ im 19. Jahrhundert?
Die Entstehung war eng verknüpft mit dem Aufstieg des Bürgertums als Kulturträger und dessen Selbstverständnis als Teil einer Nation, oft ausgedrückt durch die Nutzung von Volkskunst.
Was besagt die Herdersche These vom „Volksgeist“?
Herder vertrat die Ansicht, dass sich das Wesen eines Volkes in seiner Volkskunst und Sprache ausdrückt, was im 19. Jahrhundert zu einer intensiven Sammlung von Volksmusik führte.
Wer war Niels Wilhelm Gade und warum ist er wichtig?
Gades 1. Sinfonie dient in dieser Arbeit als Beispiel für die künstlerische Umsetzung eines „nordischen Tons“ und die Emanzipation nationaler Musikstile.
Schließen sich Nationalmusik und Universalität gegenseitig aus?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Ideal einer „Weltmusik“ (Universalitätsanspruch) und der Suche nach einem spezifisch nationalen kulturellen Erbe.
Welche Rolle spielten Sprache und Kultur für den Nationalstaat?
Sprache und Kultur bildeten den äußeren Rahmen für die nationale Zugehörigkeit und waren essenziell für die Identitätsbildung der im 19. Jahrhundert entstehenden Nationen.
- Citation du texte
- Kay Kankowski (Auteur), 2012, Zur Entstehung 'nationaler' Musik im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192627