Das Judentum in Richard Wagners "Ring des Nibelungen": Eine kritische Diskussionsgeschichte


Examensarbeit, 2011
84 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Begründung des Themas
1.2 Fragestellung und Methode
1.3 Leitlinien und Probleme der Forschung

2. Der Antisemitismus Richard Wagners um 1850
2.1 Ursachen für Wagners Antisemitismus
a) Die zwei Väter.
b) Der dritte Vater - Meyerbeer.
2.2 Richard Wagners Das Judentum in der Musik.
a) Äußere Erscheinung
b) Sprache,
c) Musik
d) Geld
e) Mendelssohn und Meyerbeer
2.3 Das Judentum und die Nibelungen

3. Ausgewählte Ring-Deutungen bis 1945
3.1 Romantik und Germanentum,
3.2 Gustav Mahler
3.3 George Bernard Shaw
3.4 Alfred Einstein
3.5 Theodor W. Adorno
3.6 Dichter und Denker
3.7 Anmerkung zum Ring des Nibelungen in der NS-Zeit

4. Die Diskussion zwischen Verdrängung und Schuld
4.1 Hier gilt’s der Kunst - Die 50er Jahre
4.2 Der Kampf Zelinskys - Wie politisch darf ein Künstler sein 36

5. Die Wagnerkritik der 90er Jahre
5.1 Der Börsenjude Alberich
5.2 Über musikalische Codes,
5.3 Der Zwergen Gang - des Teufels Fuß
5.4 Die Sprache von Mime und Alberich
5.5 Hagen - der degenerierte Jude
5.6 Über musikalische Stereotypen

6. Die aktuelle Diskussion,
6.1 Das Symposion Richard Wagner und die Juden
6.2 Die Tagung Richard Wagner im Dritten Reichmmm
6.3 Opernsplitter

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Begründung des Themas

Der deutsch-russische Musiker Joseph Rubinstein suchte im Februar 1872 per Brief den Zugang zu Richard Wagner. Der Brief, in dem er „dringende Hilfe“ und „Erlö­sung durch Mittätigkeit an der Aufführung der Nibelungen“ erbat, begann mit folgen­den Worten: „Ich bin Jude. Hiemit [sic!] ist für Sie alles gesagt.“[1] Rubinstein, der sich kurz nach Wagners Tod das Leben nahm, gehörte ebenso wie der Dirigent des Parsi­fal Hermann Levi und der Pianist Carl Tausig[2] zu jenen jüdischen Musikern um Wagner, die in der Debatte um Wagners Antisemitismus, einem für viele Wagner­Freunde peinlichen Thema,[3] oft als Alibi zu dessen Relativierung herhalten mussten. Von der Wagnerforschung erst wenig beachtet, dann als gelegentliche und mensch­lich nachvollziehbare Entgleisung heruntergespielt, ist der Antisemitismus in den meisten Publikationen der letzten Jahrzehnte zu Wagners Leben und Werk ein mehr oder weniger unterschwelliges Thema, auch wenn sich die Veröffentlichungen vor­dergründig nicht mit Wagners politischem Denken auseinandersetzen.

Der Ausgangspunkt aller Diskussionen zum Thema ist der 1850 veröffentlichte und in einer zweiten Fassung aus dem Jahr 1869 erweiterte, verschärfte und mit ei­nem offenen Brief versehene Aufsatz Das Judentum in der Musik[4]. Dieses Pamphlet, das Jakob Katz ein „antijüdisches Traktat, das mit Recht zu den antisemitischen Klas­sikern gezählt wird“[[5] ], genannt hat, hatte nachhaltige Wirkungen auf die deutsche Kul­tur und Politik. Keine andere Schrift Wagners wurde von der historischen Forschung so kontrovers und ausgiebig diskutiert[[6] ]. In der Geschichte des Antisemitismus ist sie von zentraler Bedeutung. Umso erstaunlicher ist der Umstand, dass das Pamphlet von der musikwissenschaftlichen Seite und von Autoren anderer Disziplinen, die sich eher mit dem musikdramatischen Werk Richard Wagners beschäftigen, wenig ernst ge­nommen wurde, obwohl Wagner und seine Werke - die schriftstellerischen ebenso wie die musikalischen - durchaus als politisch gelten dürfen.[7]

Die Erforschung von Wagners Antisemitismus wird besonders durch den Um­stand beeinflusst, dass auch Adolf Hitler ein glühender Verehrer des Komponisten war.[8] Rückblickend sagte er 30 Jahre nach einem Besuch der Wagner-Oper Rienzi: „In jener Stunde begann es!“[9] - und meinte damit die Idee des Nationalsozialismus. Für einige Forscher ist unverkennbar, dass zwischen Wagner und Hitler eine direkte Verbindungslinie besteht,[10] während andere den Bayreuther Meister durch die Natio­nalsozialisten als missverstanden und missbraucht sehen.

Die deutsche Öffentlichkeit scheint diese Verbindung zwiespältig zu sehen. Ei­nerseits wird der Verdacht einer direkten Verbindung von Wagners und Hitlers politi­schem Denken u. a. dadurch genährt, dass in nahezu jeder filmischen Aufbereitung des Nationalsozialismus die Musik Wagners zu hören ist. Andererseits strömt die politische und gesellschaftliche Elite unserer Zeit jedes Jahr rege nach Bayreuth und neue Wagner-Inszenierungen sind immer wieder Thema von ausführlichen Bespre­chungen in den Medien: Wagner ist en vogue. Heute genauso wie im Kaiserreich, in der Weimarer Republik, dem „Dritten Reich“, der DDR und der Bundesrepublik, stets wurde Wagner auch für die Repräsentation der Politik und ihrer Macher genutzt.

Seit Mitte der 70er Jahre machte der Literaturwissenschaftler Hartmut Zelinsky konsequent auf die Beziehung von Wagner, seinen Nachlassverwaltern in Bayreuth und dem Nationalsozialismus aufmerksam. Ihm schlossen sich weitere Autoren an und es ist der „Hartnäckigkeit und den Kenntnissen dieser Interpreten zu verdanken, die gleichsam als ständiger Stachel der Wagner-Forschung gewirkt haben“[11, dass die Wagner-Hitler-Debatte heute als offener Schlagabtausch geführt werden kann.

Die „schwierigste aller Fragen“[12] und zugleich der Kern dieser Debatte ist die nach einem antisemitischen Gehalt in Wagners Musikdramen. Wären antisemitische Tendenzen nur in seinem publizistischen Werk existent[13], könnte man sich Thomas Mann anschließen, der 1933 in seinem berühmten Essay Leiden und Größe Richard Wagners dessen theoretische Schriften leichthin abtat und als Verirrung bezeichnete, die sowieso niemand ernst nehmen könne.[14] Doch ist die Frage nach antisemitischen Spuren im musikdramatischen Werk Wagners bis heute nicht eindeutig beantwortet, auch angesichts des erschwerenden Umstandes, dass sich die Figuren eines Bühnen­werks, „einmal gesetzt, von ihren Autoren, erst recht von deren Intentionen lösen“[15]. Dabei ist die musikwissenschaftliche Diskussion, die bemerkenswerterweise weit weniger von Musikwissenschaftlern als vielmehr von Forschern anderer Disziplinen geführt wird, bei weitem kontroverser als die historische Betrachtung. Schwierig ist das Thema deswegen, weil, wie viele Wagner-Verteidiger immer wieder betonen, Wagner seine Bühnenfiguren nie offen als jüdisch oder als Judenkarikaturen heraus­gestellt hat. Doch es ist wie Fischer sagt „ganz unwahrscheinlich, dass eine so zentrale, lebensbegleitende Obsession im Werk des Künstlers Richard Wagner ohne Wirkung geblieben sein soll. Diese Wir­kung ist aber nicht so eindeutig [...] sondern sie taucht nur gelegentlich auf, ist au­ßerdem camoufliert, in einen Subtext eingewoben, dem zeitgenössischen Publikum gewissermaßen mit einem Augenzwinkern dargeboten.“[16]

Warum Wagner seine unbestreitbare antisemitische Neigung zumindest nicht unverschlüsselt in seine Opern aufnahm, ob aus Klugheit oder Feigheit, wie Herbert Rosendorfer vermutet,[17] oder weil er sich dazu viel zu sehr als Künstler fühlte, wird wohl nur spekulativ beantwortet werden können. Jedenfalls kann die Frage nach Ju­denfiguren, Judenkarikaturen oder antisemitischen Zerrbildern nur im rezeptionsge­schichtlichen Kontext beantwortet werden, berührt sie doch wesentliche Punkte des Wesens von Musik im Allgemeinen. Ist Musik überhaupt in der Lage, negative Ideo­logien zu verbreiten und kann Musik eigentlich antisemitisch sein, wie Scholz zu Recht fragt.[18] Für den „Fall Wagner“ greifen diese Fragen, die ausschließlich auf die Musik abzielen, zu kurz, denn Wagner verfasste die Libretti zu seinen Opern selbst und nur die Betrachtung des Gesamtkunstwerks, was das Libretto, die Musik, die Regieanweisungen und die erklärenden Schriften einschließt, kann eine Antwort auf die Frage finden, ob Wagners Bühnenwerke antisemitische Tendenzen enthalten.

Der Wagner hörende Liebhaber ist geneigt, die teilweise abscheulichen politi­schen Ansichten des Künstlers, wie er sie in Das Judentum in der Musik äußert, als Marotte abzutun, doch gelingt dies nach 1945 nur schwer. In nahezu allen Publikatio­nen über Wagner spielt seine Bedeutung für das Dritte Reich eine mehr oder weniger wichtige Rolle - ausgesprochen oder unausgesprochen. Eine unbefangene Herange­hensweise an das Phänomen Wagner scheint kaum möglich.

1.2 Fragestellung und Methode

Richard Wagner polarisierte schon zu seinen Lebzeiten. Die Frontenbildung in Wag­nerianer und Antiwagnerianer,[19]die bis heute Bestand hat und bei keinem anderen Komponisten zu beobachten ist, ist in der Forschung insbesondere bei Arbeiten zu finden, die sich mit dem Themenkomplex Wagner und das Dritte Reich auseinander­setzen. Die einen ordnen sein Werk in die direkte Vorgeschichte des Dritten Reichs ein und sehen die Barbarei dieser Zeit in diesem durchscheinen und dies besonders in ihrer folgenschwersten Spielart, dem Antisemitismus. Für sie spielt die Qualität von Wagners Musik nur eine untergeordnete Rolle, sodass man sagen könnte, ihr Hass auf die Person Wagners und dessen verhängnisvolle Wirkungsgeschichte mache sie taub für die Schönheit seiner Musik. Andere, blind vor Liebe zu ihrem „Meister“, können, obgleich sie Wagners fatale Wirkung nicht leugnen können, keinen Zusammenhang zwischen dem Judenhass Wagners und seinem künstlerischen Werk entdecken und meinen, die nationalsozialistische Vereinnahmung des Wagnerschen Werks tue des­sen ästhetischer Qualität keinen Abbruch. Außerordentlich emotional reagieren auch heute noch Gelehrte, Musiker und Liebhaber, wenn es um die Frage geht, ob Wagners Musikdramen eine prä-nationalsozialistische Ideologie innewohnt. Dabei hat sich die Diskussion der letzten Jahrzehnte zunehmend auf den Antisemitismus verengt, wohl auch, weil man auf diesem Feld vermeintlich genügend Zeugnisse zur Verfügung hat, umjener Frage nachgehen zu können.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Diskussion über antisemitische Zerr­bilder in Wagners Der Ring des Nibelungen vorzustellen und zu moderieren. Dabei ist die Ring-Tetralogie, die zusammenhängend erstmals 1876 zur Eröffnung des Bay- reuther Festspielhauses aufgeführt wurde, nicht das einzige Werk Wagners, das in Antisemitismusverdacht geraten ist. Auch Die Meistersinger von Nürnberg und Par­sifal haben mit Beckmesser und Kundry Figuren an Bord, bei denen eine antisemiti­sche Lesart zumindest plausibel ist und von etlichen Forschern auch gesehen wird.[20]

Die vorliegende Untersuchung beschränkt sich jedoch auf Diskussionsbeiträge die sich aufFiguren des Ring des Nibelungen oder dessen Kontext beziehen.[21]

Da es sich bei diesem Thema um ein bisher ungelöstes und möglicherweise auch unlösbares Problem der Musikästhetik handelt, ist einmal die Frage nach den Trieb­kräften zu stellen, die die Vertreter der verschiedensten Fachrichtungen hier bewegen, sich an der Diskussion zu beteiligen und welche Rolle deren eigene Identität und Herkunft dabei spielt. Geht es in der Diskussion wirklich immer nur um ein besseres Verständnis von Wagners Werken oder findet außerhalb des vordergründigen Diskus­sionsgegenstandes auf einer Metaebene noch eine ganz andere Debatte statt? Wie ordnen die einzelnen Diskutanten die große Kunst Wagners in eine Ideologie ein, die für Zivilisationsbruch und Barbarei steht? Wird Politik als etwas der Musik genuin Fremdes angesehen, das von außen mit außermusikalischen Mitteln in den musikwis­senschaftlichen Diskurs hereingetragen wird oder wird ein musikalisches Kunstwerk an sich auch als politische Aussage eines Komponisten verstanden?

Interessant zu beobachten sind auch die Ambivalenz und die methodischen Un­terschiede, mit denen die Diskussion geführt wird. Handelt es sich hier wirklich um einen Dialog, bei dem die Argumente des einen vom anderen aufgegriffen und verar­beitet werden oder geht die Diskussion vielmehr aneinander vorbei, da einzelne nur das Ziel haben, ihr bisheriges Bild von Wagner und dessen künstlerischem Werk un­beschadet beizubehalten und die deshalb Offensichtliches einfach ausblenden? Wie steht es folglich um die Kompromissbereitschaft, also um den erkennbaren Willen, in dieser kontrovers geführten Debatte eine Annäherung oder gar einen Konsens zu er­reichen und welche Grenzen sind dieser Diskussion gesetzt? Bauen die Argumentati­onslinien auf einer guten Grundlagenforschung auf und arbeiten die verschiedenen fachwissenschaftlichen Disziplinen überzeugend miteinander, um historische und musikästhetische, aber auch politische und psychologische Gesichtspunkte aufeinan­der zu beziehen und miteinander zu verknüpfen. Auch die Einordnung der textuellen und der musikalischen Ebene ist in diesem Kontext zu berücksichtigen und mit wel­chen Argumenten insbesondere musikwissenschaftliche Untersuchungen zu der Dis­kussion etwas beitragen können. Letztlich ist die Diskussion auch dahingehend zu untersuchen, welche Bedeutung die Erkenntnisse aus der Debatte für die Musikwis­senschaft, den Musikbetrieb, das Regietheater und die Interpreten haben.

Da es die Diskussion über antisemitische Zerrbilder in Wagners Opern ohne des­sen Pamphlet Das Judentum in der Musik höchstwahrscheinlich nicht gäbe, ist es sinnvoll, zunächst die Entstehung und den Inhalt dieser Schrift zu beleuchten. Dabei soll geklärt werden, warum Wagner solch einen obsessiven Judenhass entwickelte und wie er diesen äußerte. Ferner soll die Darstellung ausgewählter Themenbereiche der Schrift auf die Argumente der Diskussion grundlegend hindeuten.

Da die vorliegende Untersuchung vorrangig das Ziel hat, die Diskussion über an­tisemitische Zerrbilder im Ring des Nibelungen zu erörtern und nicht selbst einen Beitrag zu dieser leisten möchte, ist es unumgänglich, nicht nur die jüngere Ausei­nandersetzung zu beleuchten, sondern die Debatte in ihrer historischen Gesamtheit darzustellen, also seit den ersten Aufführungen des Ring, denn schließlich beginnt diese nicht erst nach dem Holocaust: Wagners Judenhass und die Spuren davon in seinem Werk waren schon vor Hitler ein Thema, wenn auch die Diskussion an Schär­fe nach 1945 natürlich zugenommen hat. Auch um Fragen an die Diskussion hinsicht­lich ihres Wesens und ihrer Psyche zu klären, muss gezeigt werden, wie sich die De­batte und die ihr immanenten Argumente im Lauf der Zeit entwickelt, verändert und präzisiert haben und welche Argumentationslinien in den einzelnen Phasenjeweils zu erkennen sind. Dabei erscheint es wenig sinnvoll, auch aufgrund verschiedener inhalt­licher Ausrichtung, die Diskussion thematisch darzustellen. Aus diesem Grunde wird die Debatte chronologisch beleuchtet und bewertet werden und der chronologische Rahmen soll nur dann verlassen werden, wenn sich Diskussionsbeiträge verschiede­ner zeitlicher Abschnitte inhaltlich aufeinander beziehen.

Die Moderation einer Diskussion bewegt sich zwangsläufig im Spannungsfeld zwischen einer detaillierten Darlegung einzelner Argumentationslinien der Protago- nisten und der Illustration ihrer Gesamtheit. Daher ist es zu rechtfertigen, wenn ein­zelne Kombattanten ausführlicher als andere dargestellt und kommentiert werden. Es ist bemerkenswert, dass die wagnerkritische Seite wesentlich mehr sowie differen­ziertere Argumente aufweist als die apologetische Seite. Diesem Umstand ist es ge­schuldet, dass die Vertreter der erstgenannten Richtung im Verlauf der vorliegenden Untersuchung stärker und detaillierter zu Wort kommen als die der Gegenseite. Vor allem Marc Weiners Studie Antisemitische Fantasien. Die Musikdramen Richard Wagners[22] soll im Rahmen dieser Arbeit ausführlich analysiert werden, da hier mit musikwissenschaftlicher Methodik versucht wird, antisemitische Tendenzen in den Opern Wagners auszumachen. Dies soll keinen tendenziösen Eindruck vermitteln, ist aber dem argumentativ unausgewogenem Material geschuldet, das der Diskussion zugrundeliegt.

Bei der Untersuchung eines so umfangreichen und vielseitig beleuchteten The­mas stellt sich natürlich auch die Frage, welche Teilkomplexe ausgeblendet werden müssen, um eine hinreichende Darstellung der wesentlichen Kontexte zu ermögli­chen. So soll im Rahmen dieser Arbeit nicht auf die Diskussion um die Verstrickung von Wagners Erben und des Bayreuther Kreises mit dem Nationalsozialismus einge­gangen werden. Auch auf die Beleuchtung verschiedener Inszenierungen soll bis auf eine Ausnahme im Rahmen dieser Untersuchung verzichtet werden sowie auf eine Darstellung der Biographie Wagners und eine Zusammenfassung des Ring des Nibe­lungen, die in jedem Opernführer nachgelesen werden können. Des Weiteren soll die Diskussion allein an den Bühnenfiguren dargestellt werden, die verdächtig sind, in Wirklichkeit eine Judenkarikatur zu sein. Eine nähere Betrachtung von Alberichs Gegenspieler Wotan sowie von Sieglinde, Siegmund und Siegfried, die man als „ari­schen“ Gegenpart zu Mime und Alberich interpretieren könnte, muss aus Platzgrün­den ebenfalls ausgespart werden.

Schließlich bildet die vorliegende Untersuchung neben der Erhellung verschie­dener ideologiekritischer Zugänge zum Werk Wagners auch einen Beitrag zur musik­ästhetisch-historischen Mentalitätsgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Weiner, Marc A.: Antisemitische Fantasien. Die Musikdramen Richard Wagners. Berlin 2000.

1.3 Leitlinien und Probleme der Forschung

Im Rahmen der Darstellung der Diskussion um antisemitische Zerrbilder im Ring des Nibelungen werden auch Forschungstendenzen detailliert aufgezeigt. Deswegen soll der folgende Überblick des Forschungsstandes lediglich allgemeine Probleme der Wagner-Forschung aufzeigen und grobe Leitlinien im ideologiekritischen Umgang mit Wagners Werk vorstellen.

Der Umfang der Sekundärliteratur über Werk und Person Richard Wagners ist Legion. Schätzungen zufolge dürfte er auf Platz zwei nach jeglicher Literatur zu Christus liegen.[23] Die große Fülle an Werken bringt Schwierigkeiten mit sich und so ist denn eine umfassende thematische Bibliographie wohl auch in näherer Zukunft nicht zu erwarten.[24]

Auch gibt es bis heute keine kritische Gesamtausgabe der Schriften Wagners.[25] Die Forschung basiert überwiegend auf den Gesammelten Schriften und Dichtungen, die von Wagner selbst 1871-1873 (sowie posthum 1883) herausgegeben worden sind.[26] Wagner wählte dabei eine chronologische Anordnung, sodass unterschiedliche Textarten wie Briefe, Erzählungen, programmatische Erläuterungen, ästhetische und politische Schriften etc. oftmals nebeneinander stehen, ohne einen logischen Zusam­menhang zu bilden. Auch wurden einige Schriften vom Autor neu arrangiert, was den zeitlichen Zusammenhang verfälscht und die Einordnung erschwert.[27] Das Prinzip der Chronologie wurde auch in den Sämtlichen Schriften und Dichtungen beibehalten, die nach Wagners Tod herausgegeben worden sind[28] und die Carl Dahlhaus im Rahmen des Symposiums Wagnerliteratur - Wagnerforschung als eine „eklektische Mischung von Chronologie, Systematik und Zufall“[29] bewertet. Auch wurden einige der frühen Texte an politisch und weltanschaulich brisanten Stellen ohne Kennzeichnung um­formuliert, was auch die im Rahmen dieser Arbeit dargestellte Diskussion beeinträch­tigt, da dies die Einordnung der politischen und ästhetischen Gedanken Wagners in denjeweiligen Kontext behindert.

Selbstverständlich existieren auch eine Vielzahl von biographischen Arbeiten über Richard Wagner, von denen einige auch für unsere Debatte aufschlussreich sind. Zunächst die Autobiographie Wagners[30], die Wagner seiner Frau Cosima diktierte und welche natürlich auch all die für viele Autobiographien typischen Beschönigun­gen enthält[31]. Ebenso bieten die Biographien des Wagner-Schwiegersohns und Vor­reiters des Nationalsozialismus Houston Stewart Chamberlain[32] sowie die Biographie des Wagner-Freundes Carl Friedrich Glasenapp[33] zwar einen verfälschten Blick auf Wagner, können aber Hinweise auf die ideologische Entwicklung des Bayreuther Umfeldes geben. Neben diversen wissenschaftlichen Biographien neuerer Zeit sind es vor allem Wagner-kritische Biographien aus dem angelsächsischen Raum, die Argu­mente für die hier behandelte Debatte liefern können.

Von Seiten der Musikwissenschaft hat vor allem Carl Dahlhaus die Wagnerfor­schung beflügelt. Die Untersuchung von Oper und Drama steht dabei im Zentrum seiner zahlreichen Schriften zu Wagners Kunsttheorie.[34] Auch mit dem erweiterten Textcorpus der Zürcher Kunstschriften beschäftigt sich Dahlhaus‘ Werk Wagners Konzeption des musikalischen Dramas. Im Kontext des Ring werden Wagners poli­tisch-ästhetische Ansichten im Rahmen der kompositorischen Arbeit erfasst und be­wertet. Dabei geht die Analyse aber kaum über musikästhetische Aspekte hinaus. Im Rahmen einer Einführung zu Wagner[35] verortet Dahlhaus Wagners Denken im Linkshegelianismus und im deutschen Vormärz.[36]

Auch Rainer Franke thematisiert die Zürcher Kunstschriften und stellt sie in den Zusammenhang mit der Entstehung des Ring?[[37] ] Die Schrift Das Judentum in der Mu­sik wird dabei, wie auch schon von Dahlhaus, ausgeklammert.[38] Ebenso wie Dahlhaus ordnet er Wagners geschichts-, kunst- und sozialtheoretische Weltsicht dem Linkshe­gelianismus zu und betont dabei den großen Einfluss Ludwig Feuerbachs aufWagner.

Über die Betrachtung der Zürcher Kunstschriften hinaus gibt es keine weitere musikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit anderen ideengeschichtlichen Pha­sen im Leben Wagners. Die weltanschaulichen Schriften des Komponisten werden bei der musikwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit seinem Werk weitgehend ausgeklammert. Lediglich im Rahmen von Symposien werden mitunter Fragen erör­tert, die als Inhalt den Anteil von Wagners Musik bei der Herausbildung des deut­schen Nationalismus zur Grundlage haben.[39]

In Bezug auf Wagners Antisemitismus hält sich die musikwissenschaftliche For­schung sehr bedeckt, was nicht zuletzt dem Bemühen geschuldet ist, Wagners Werk von zweifelhaften Tendenzen freizuhalten.[40] Dabei ist die Neigung zu beobachten, dass Wagners schriftstellerisches Werk von seinem musikalischen getrennt wird. Doch nach wie vor ist die Frage offen, ob sich antisemitische Tendenzen mit musik­wissenschaftlicher Methodik in der Konzeption von Wagners Bühnenfiguren oder gar in der Musik an sich überhaupt feststellen lassen. Von führenden deutschen Musik­wissenschaftlern wird diese Frage verneint[41] und Versuche von Forschern anderer Disziplinen, den Antisemitismus direkt in der Musik nachzuweisen,[42] stoßen auf überwiegende Ablehnung.[43] Dabei wird die Aufforderung, sich diesem Problem zu widmen und ein ideologiekritisches musikwissenschaftliches Instrumentarium zu entwickeln, deutlich an die Musikwissenschaft herangetragen[44]. Das wichtigste dabei wäre die Aufhebung der Trennung von Wagners theoretischen Schriften und seinen Kunstwerken.

Genau gegenteilig verhält sich die politikwissenschaftliche Wagner-Forschung, deren bedeutsamste Studien Udo Bermbach publiziert hat. Er untersucht Wagners Kunsttheorie in politischen Kategorien.[45] Zwar beleuchtet er durchaus auch Wagners Musikdramen, klammert dabei aber die Musik aus. Wie Dahlhaus und Franke veror- ten er und Dieter Borchmeyer, der Wagners Theorie aus germanistisch-philologischer Sicht beleuchtet, das politisch-ästhetische Denken des Komponisten im linksliberalen Spektrum und belegen dies in erster Linie mit den Schriften Wagners aus dem Um­feld der 1848er Revolution. Für Stefanie Hein, die Wagners Kunstprogramm im nati­onalkulturellen Kontext untersucht, ist diese Verkürzung ungeeignet, da sie nicht aus­reiche, um alle Schaffensphasen des Künstlers zu beleuchten.[46]

Eine Beziehung zwischen dem Antisemitismus Wagners und seinen ästhetischen sowie gesellschaftskritischen Aussagen wurde von den Autoren um Borchmeyer und Bermbach[47] lange negiert. Lediglich Bermbach rückt in jüngster Zeit davon etwas ab und erklärt die antisemitischen Ansichten Wagners als das Produkt seiner linken re­volutionären Weltanschauung[48] und rückt Das Judentum in der Musik näher in einen unmittelbaren Zusammenhang zu den im gleichen Zeitraum entstandenen Zürcher Kunstschriften.

Seit den wegweisenden Arbeiten des Germanisten Hartmut Zelinsky[49], der erst­mals eine direkte Linie zwischen Wagners und Hitlers Ideologie zog[50], erschienen einige Studien, die sich durch eine starke ideologiekritische Ausrichtung von der rest­lichen deutschen Wagnerforschung abheben. Andrea Mork stuft in ihrer politikwis­senschaftlichen Dissertation[51] Wagners Denken als aufklärungsfeindlich ein und ar­beitet die Aspekte in Wagners Schriften heraus, die den Nationalsozialisten als An­knüpfungspunkte für ihre Ideologie dienten. Wirkungsgeschichtlich orientiert ist auch die Dissertation von Annette Hein[52], die die Bayreuther Blätter auf ihren Antisemi­tismus und ihre völkische Ideologie hin untersucht hat. Sie kommt zu dem Schluss, dass die antisemitisch-nationalistische Ausrichtung der Zeitschrift auch in den Jahren bis 1938 im Sinne Wagners gewesen wäre, eine These, die heftigen Widerspruch u. a. von Bermbach provoziert hat.[53]

Wagners Antisemitismus als Kemthema haben neben der erwähnten Studie von Marc Weiner die Arbeiten von Jakob Katz[54], Paul Lawrence Rose[55], Jens Malte Fi­scher[56] und Ulrich Drüner[57]. Für Katz, einen israelischen Historiker, ist Wagner zwar ein Wegbereiter des modernen Antisemitismus, kann aber nicht für die Entwicklung zum Holocaust verantwortlich gemacht werden. Der amerikanische Historiker Rose sieht Wagner als Hauptvertreter eines typisch deutschen „revolutionären Antisemi­tismus“, den er als entscheidend prägend für die gesamte deutsche Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts einstuft und deutet alles von Wagner jemals Geschriebene und Geäußerte in diesem Sinne. Er arbeitet die Kontinuität von Wagners antisemitischem Denken heraus und stellt die Revolutionsideen von 1848 in eben diesen Zusammen­hang. Wagners Musikdramen sieht er einzig als Transportvehikel für antisemitische Ideen, eine These, die er nicht wirklich belegen kann.[58] Grundlegend ist die Analyse und Dokumentation von Wagners Schrift Das Judentum in der Musik des Theaterwis­senschaftlers Fischer, eine Arbeit, die parteiübergreifend Anerkennung - und Verein- nahmung - erfährt. Drüners Buch knüpft an Weiners Antisemitische Fantasien an und stellt dessen Ergebnisse wieder in einen stärkeren Zusammenhang zu Wagners Schrif­ten und sonstigen Überlieferungen. Die Monographie des Archivars ist die letzte gro­ße Arbeit zum Antisemitismus Wagners.

Als Extreme müssen die Arbeiten von Joachim Köhler und Dieter David Scholz gelten. Während Köhler, seines Zeichens Philosoph, in mehreren Publikationen[59] Wagner zum eigentlichen Urheber des Nationalsozialismus stilisiert und das Phäno­men Hitler einzig aus der Person Wagners heraus erklärt, versucht die apologetische Dissertation[60] des Journalisten Scholz durchweg, den Antisemitismus Wagners zu relativieren mit dem Ziel, die Inanspruchnahme Wagners durch die Nationalsozialis­ten als Missbrauch darzustellen.

2. Der Antisemitismus Richard Wagners um 1850

„Wer war es nun, der zuerst die Stirn hatte, in den Sphären der Bildungswelt offen und geradezu anzusprechen, er empfinde eine Idiosynkrasie gegen die Juden? Wer war es, der den Juden das Recht und die Fähigkeit in einem bestimmten Kunstgebiete sich schaffend zu erweisen absprach? Es war Richard Wagner! Er begann den kühnen Frevel an der Bildung und Humanität“[61]

Der Ausgangspunkt für Diskussionen über antisemitische Spuren im künstlerischen Werk Richard Wagners ist seine Schrift Das Judentum in der Musik. Da es für das Verständnis, die Einordnung und die Beurteilung sowohl von Wagners Antisemitis­mus als auch für die Diskussion um antisemitische Zerrbilder im Ring des Nibelungen grundlegend ist, soll im Folgenden zunächst dieses Essay erläutert werden. Im Vor­dergrund dieser Erläuterung stehen auch biographisch-psychologische Ursachen für die Herausbildung des Wagnerschen Antisemitismus, die zeit- und musikhistorische Einbettung des Aufsatzes sowie sein Inhalt und die Publikationsgeschichte. Außer­dem soll auf Parallelen zur Arbeit am Ring-Zyklus, die etwa zeitgleich beginnt, hin­gewiesen werden.

2.1 Ursachen für Wagners Antisemitismus

a) Die zwei Väter

Gründe für die Entwicklung des Antisemitismus bei Wagner mag es viele geben, je­doch werden meist zwei Punkte genannt, die für diese Ausprägung als hauptverant­wortlich gelten können. Der erste Punkt ist die angebliche, lebenslange Identitätskrise Wagners, die mit der ungeklärten Frage nach seinem leiblichen Vater zu begründen ist. Es war der von Wagner abgekehrte Friedrich Nietzsche, der 1888 erstmalig mit einem Wortspiel auf diese Ängste anspielte: Ein „Geyer“ sei fast ein „Adler“, meinte er in seinem Essay Der Fall Wagner [62] und spielte damit auf Wagners Stiefvater Lud­wig Geyer an, den Wagners Mutter nach dem Tod ihres ersten Mannes Carl Friedrich Wilhelm Wagner geheiratet hatte. Richard Wagner war zu diesem Zeitpunkt ein Jahr alt und trug Geyers Namen, bis er 14 Jahre alt war. Er änderte ihn nur, weil er wegen dieses jüdisch klingenden Namens, der angeblich jüdisch krummen Nase und seines Wohnsitzes im jüdischen Pelzhändlerviertel in Leipzig trotz seiner lutherisch­protestantischen Herkunft verspottet wurde. Letztlich kann die Frage, ob Geyer, mit dem Wagners Mutter schon vorher ein Verhältnis hatte, sein Vater war und ob dieser jüdische Wurzeln hatte, nur Hypothese bleiben und ihre Beantwortung hätte auch wenig Bedeutung. Entscheidend ist nämlich die „psychische Wahrheit“, wie es Leon Poliakov nennt.[63] Dass für Wagner ein ungeklärtes Vater-Verhältnis ein psycholo­gisch wichtiges Problem ist, wird in seinen Musikdramen deutlich. In diesen haben die männlichen Hauptfiguren meist ein ambivalentes Verhältnis zu ihren jeweiligem Vater, entweder kennen sie ihn nicht (Siegfried, Tristan, Parsifal), er ist früh verstor­ben (Walther von Stolzing) oder seine Herkunft bleibt für die Hauptfiguren ungeklärt (Siegfried und Siegmund kennen nicht einmal die Namen ihrer Väter). Als mögliche Erklärung für Wagners psychische Identität ist diese Hypothese also im Hinterkopf zu behalten.

b) Der dritte Vater - Meyerbeer

Der zweite Punkt, wichtiger noch als die Hinweise und Gerüchte aus der Kindheit, ist die Tatsache, wie sehr der junge Wagner künstlerisch von einem Komponisten jüdi­scher Herkunft beeinflusst wurde. Die Beziehung zu Giacomo Meyerbeer, die das Missverhältnis, welches Wagner zwischen sich und seiner musikalischen Mitwelt empfand, bestimmt, muss auch als entscheidend für die Ausbildung von Wagners Antisemitismus bewertet werden. Giacomo Meyerbeer blieb für Wagner ein lebens­langer Schatten[64] und einige Autoren nennen den Umgang Wagners mit Meyerbeer gar einen antisemitischen „Vatermord“.[65]

Die beiden begegneten sich erstmals 1839 in Paris nach Wagners abenteuerlicher Flucht aus Riga vor seinen Gläubigern.[66] Paris dominierte in jener Zeit die europäi­sche Musikwelt und Meyerbeer war der gefeierte Opernstar seiner Zeit. Dem jungen Wagner, der ihn um Förderung ersuchte, war er sehr zugetan. Wagner wiederum be­dankte sich bei Meyerbeer mit einschmeichelnden und unterwürfigen Briefen, die von einer solchen Schwärmerei geprägt sind, dass sie, so Peter Gay, heutigen Historikern beim Lesen peinlich sind.[67] Das ist angesichts der späteren, tiefen Abneigung gegen Meyerbeer bemerkenswert. Ebenso erstaunt, dass Wagner Meyerbeer in seinem ers- ten Brief an ihn als den „idealen deutschen Komponisten“[68] bezeichnet. Auf kritische Bemerkungen Schumanns Meyerbeer gegenüber erwidert Wagner: „Lassen sie doch Meyerbeer nicht mehr so herunterreißen; dem Manne verdank[4] ich Alles u. zumal meine sehr baldige Berühmtheit.“[69] Allerdings fing Wagner bald an, den Komponis­ten Meyerbeer wegen seiner oberflächlichen Kompositionsweise zu attackieren, so in einem Brief an Hanslick von 1847, in dem er Meyerbeers Musik als trivial, innerlich zerfahren und äußerst mühsam bezeichnet.[70] Bald darauf beginnt Wagner, sich Meyerbeer ästhetisch und politisch zur „Beute“ zu machen[71] und ihn hinsichtlich sei­ner Kunst zu diffamieren.

Als Ursache dieses Gesinnungswechsels wird meist der Neid Wagners auf den erfolgreichen und beliebten Opernstar angeführt.[72] Während Meyerbeer, der vermö­gende jüdische Komponist, eine glänzende Karriere gemacht hatte, die Wagner auch für sich erträumte, trifft der ehrgeizige und finanziell mittellose junge Komponist mit seinen musikalischen Werken nicht den Publikumsgeschmack. Wagner sucht nun nach Erklärungen, die vorrangig ihn selbst entlasten und Selbstzweifel nicht zulassen. Indem Wagner an eine Verschwörung gegen seine Person glaube, kann er sich „nun­mehr als Opfer einer schreienden Ungerechtigkeit fühlen“.[73] Jeden Misserfolg schiebt Wagner auf Meyerbeer sowie auf die einflussreichen, meist jüdischen Musikkritiker und „entwickelte dadurch einen ungeheuren Hass auf die Macht, die Meyerbeer in der Opernszene und die Juden in der Presse besaßen.“[74] Dass Meyerbeers Erfolg nicht seinen musikalischen Fähigkeiten, sondern einzig seiner Zugehörigkeit zum Juden­tum zuzuschreiben sei, lag für Wagner demnach auf der Hand.

Peter Gay verweist auf einen psychoanalytischen Umkehrmechanismus, nach welchem Wagner, der keineswegs einem Juden alles verdanken wollte, als „sein ei­gener Herr“ all das widerrief, was er zuvor in absolut übertriebener Schmeichelei gesagt und - wahrscheinlich - auch gedacht hatte. Indem er, so Gay, den Kampf ge­gen Meyerbeer zum welthistorischen Kampf zwischen deutscher Kultur und ausländi­schen Invasoren hochstilisiert, gestaltet er seine eigene Vergangenheit angenehm und für sich selbst passend aus und dies mit derselben Intensität, die er zuvor an den Tag gelegt hatte, um Meyerbeer zu schmeicheln. Wagners Hass dem zuvor Angebeteten gegenüber gipfelte in seinem Aufsatz Das Judentum in der Musik.

2.2 Richard Wagners Das Judentum in der Musik Die Schrift[[75] ] Das Judentum in der Musik, die im zeitlichen Umfeld von Das Kunst­werk der Zukunft und Oper und Drama entstand, erschien erstmals 1850 unter dem Pseudonym ,,K. Freigedank“ in der von Robert Schumann gegründeten Neuen Zeit­schrift für Musik[[76] ]. Die Wahl eines Pseudonyms war durchaus berechtigt, denn ein Jahr nach der gescheiterten Revolution war es keineswegs günstig, offen antijüdische Äußerungen zu tätigen, zumal in der kulturtragenden linksliberalen Schicht, in der Wagner sich bewegte. Obwohl sich die antijüdische Stimmung in Deutschland nach den berüchtigten ,,Hep-Hep“-Ausschreitungen von 1819 deutlich beruhigt hatte[[77] ], erscheint der Aufsatz dennoch nicht aus dem Nichts, sondern Wagner schaltet sich, wie er eingangs auch bemerkt, in eine bestehende musikwissenschaftliche Debatte ein.[[78] ] Die von Theodor Uhlig angestoßene Diskussion um einen „hebräischen Kunst­geschmack“[[79] ] nimmt Wagner zum Anlass, sich selbst als Opfer der „Musikjuden“ darzustellen. Nach dem Beklagen des derzeitigen Kunstgeschmacks, geht Wagner auf den ersten Seiten der Schrift entschieden auf Distanz zu der weiteren Emanzipation der Juden, wie sie besonders nach 1848 vermehrt gefordert worden war.[80] Er annul­liert diejüdische Emanzipation mit folgenden Worten:

„Wie all unser Liberalismus ein nicht sehr hellsehendes Geistesspiel war, in dem wir für die Freiheit des Volkes uns ergingen, ohne Kenntnis dieses Volkes, ja mit Abneigung gegen jede wirkliche Berührung mit ihm, so entsprang auch unser Ei­fer für die Gleichberechtigung der Juden viel mehr aus der Anregung eines allge­meinen Gedankens als aus einer realen Sympathie.“[81]

Unhaltbar wird nun folgende Rückblende zur Stützung seiner These zur Weltge­schichte:

„Der Jude ist nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge dieser Welt wirklich be­reits mehr als emanzipiert; er herrscht und wird so lange herrschen, als das Geld die Macht bleibt vor der all unser Tun und Treiben seine Kraft verliert.“[82]

Dabei sieht er die Juden weder religiös noch politisch als „hassenswürdige Feinde“[83], auf dem Gebiet der Religion wegen der Aufklärung nicht und in der Politik nicht, weil die Juden keine eigene politische Einheit bilden würden. Ihm geht es einzig, ge­wissermaßen als tagespolitisches Anliegen, darum, die „volkstümliche Abneigung auch unserer Zeit gegen jüdisches Wesen [...] in Bezug auf die Kunst, und namentlich die Musik“[84] aufzuzeigen.

Wagner schneidet in seiner Schrift zahlreiche Themenbereiche an, die zwar durchaus mit dem Judendiskurs des 19. Jahrhunderts in Verbindung standen, jedoch eher als eine Aneinanderreihung anti-jüdischer Argumente mit einer deutlich ver­leumderischen Polemik erscheinen. Angereichert ist die Schrift mit vielen zum Teil unverständlichen Gedankengängen, deren Motive im Dunkeln bleiben. Sie kommen aus den Themen Religion, Sprache und Aussehen, Emanzipation, Wirtschaft, Gesell­schaft, Fortschritt, Musik und Literatur. Im Folgenden werden einige für die Zielset­zung dieser Arbeit und für die Argumentation der Diskutanten relevante Themenbe­reiche näher betrachtet, da sich die meisten Diskussionsbeiträge mehr oder weniger deutlich auf Aussagen Wagners in Das Judentum in der Musik berufen.

[...]


1 Cosima Wagner, Die Tagebücher, Bd. 1, S. 497, Eintragung vom 7. März 1872.

2 Tausigs Tod wird mit der Kränkung durch die Wiederveröffentlichung von Das Judentum in der Musik (1869) in Verbindung gebracht. Vgl. Jütte, Mendele Lohengrin, S. 117.

3 Vgl. Hinrichsen, Musikbankiers, S. 72.

4 Beide Fassungen liegen in einer von Jens Malte Fischer besorgten, ausführlich kommentierten Editi­on vor, erweitert um eine umfangreiche Dokumentation zeitgenössischer Reaktionen: Fischer, Jens Malte: Richard Wagners ,Das Judentum in der Musik“. Eine kritische Dokumentation als Beitrag zur Geschichte des Antisemitismus. Frankfurt a. M. u. Leipzig 2000.

5 Katz, Vorbote des Antisemitismus, S. 40.

6 Vgl. Dahm, Topos der Juden, S. 143. Dahm thematisiert den Antisemitismus im deutschen Musik­schrifttum. Wagners Judentum-Aufsatz - für Dahm der zentrale Text des 19. Jahrhunderts - steht dabei in seinem Vokabular und seinen Argumentationsmustern in Diskussionszusammenhängen, die sich ihrerseits auf konstante Stereotypen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beziehen.

7 So erläutert Bermbach beispielsweise die politischen Aussagen im Ring des Nibelungen in: Berm­bach, Udo: Die Destruktion der Institutionen. Zum politischen Gehalt des ,Ring‘. In: Bermbach [Hg.], In den Trümmern der eignen Welt, S. 111-144.

8 Der Hitlerbiograph Joachim Fest bezeichnet Wagner sogar als die ideologische Schlüsselfigur Hit­lers. Vgl. Fest, Hitler, S. 77.

9 Kubizek, Adolf Hitler, S.140.

10 Am deutlichsten wird dies in Joachim Köhlers Buchtitel: Wagners Hitler. Der Prophet und sein Vollstrecker.

11 Breuer, Richard Wagners Antisemitismus, S. 90.

12 Fischer, Richard Wagners ,Das Judentum in der Musik‘, S. 14.

13 Neben dem bereits erwähnten Judentum-Aufsatz (1850) und seiner erweiterten Fassung (1869) fin­den sich eindeutig antijüdische Tendenzen auch in den Schriften Modern, Was ist deutsch, Erkenne dich selbst, um nur die prägnantesten zu nennen, sowie in etlichen Briefen Wagners und den Tagebü­chern seiner Frau Cosima, die minutiös fast jede Äußerung ihres Mannes für die Nachwelt dokumen­tiert hat, sowie in weiteren Überlieferungen.

14 Vgl. Mann, Leiden und Größe Richard Wagners, S. 73.

15 Rienäcker, Richard Wagner. Nachdenken über sein Gewebe, S.13.

16 Fischer, Richard Wagners Judentum in der Musik, S. 15. (Hervorhebung M.G.)

17 Vgl. Rosendorfer, Richard Wagner für Fortgeschrittene, S.31.

18 Vgl. Scholz, Richard Wagners Antisemitismus, S. 85.

19 Zu beachten ist der Bedeutungswandel der Begriffe Wagnerianer und Antiwagnerianer, die früher die Liebhaber bzw. Gegner der Musik Wagners bezeichneten. Der heutige Gebrauch der Begriffe be­zeichnet die unterschiedliche Sicht auf den politischen Wagner.

20 Zur der ähnlich gelagerten Diskussion um Die Meistersinger von Nürnberg vgl. u. a.: Metzger, Reinhard: Eine geheime Botschaft in Die Meistersinger von Nürnberg und Parsifal: Jüdisches, Christ­liches und Antisemitisches in zwei Werken von Richard Wagner. In: The German Quarterly. Bd. 80, Nr. 1, 2007, S. 20-41; Münkler, Herfried: Kunst und Kultur als Stifter politischer Identität. Webers Freischütz und Wagners Meistersinger. In: Danuser, Hermann u. Münkler, Herfried [Hgg]: Deutsche Meister - böse Geister? Nationale Selbstfindung in der Musik. Schliengen 2001, S. 45-60; Vaget, Hans Rudolf: Wehvolles Erbe. Zur „Metapolitik“ der Meistersinger von Nürnberg. In: Kiem, Eckehard u. Holtmeier, Ludwig [Hgg.]: Richard Wagner und seine Zeit. Laaber 2003, S. 271-290; ZAENKER, Karl A.: The Bedeviled Beckmesser: Another Look at Anti-Semitic Stereotypes in ,Die Meistersinger von Nürnberg ‘. In: German Studies Review, Vol. 22, Nr. 1 (Feb. 1999), S. 1-20; Grey, Thomas S.: Selbst­behauptung oder Fremdmissbrauch? Zur Rezeptionsgeschichte von Wagners ,Meistersingern‘. In: DANUSER, Hermann u. MÜNKLER, Herfried [Hgg] : Deutsche Meister - böse Geister? Nationale Selbst­findung in der Musik. Schliengen 2001, S. 303-325; Levin, David J.: Reading Beckmesser Reading. Antisemitism and Aesthetic Practice in ‘The Mastersingers of Nuremberg‘. In: New German Critique (Herbst 1996), S. 127-146.

Auch zum Parsifal gibt es etliche Beiträge, die sich mit dem teils behaupteten und teils geleugneten antisemitischen Gehalt beschäftigen. Dies sind vor allem: Bermbach, Udo: Liturgietransfer. Über einen Aspekt des Zusammenhangs von Richard Wagner mit Hitler und dem Dritten Reich. In: Fried­länder, Saul u. Rüsen, Jörn [Hgg.]: Richard Wagner im Dritten Reich. Ein Schloss Elmau-Symposion. München 2000, S. 40-65; Dahlhaus, Carl: Erlösung dem Erlöser. Warum Richard Wagners ,Parsifal‘ nicht Mittel zum Zweck der Ideologie ist. In: Csampai, Attila u. Holland, Dietmar [Hgg.]: Parsifal. Texte, Materialien, Kommentare. Reinbek b. Hamburg 1984, S. 262-269; Halbach, Frank: Ahasvers Erlösung. Der Mythos vom Ewigen Juden im Opernlibretto des 19. Jahrhunderts. München 2009; Mösch, Stephan: Weihe, Werkstatt, Wirklichkeit. Parsifal in Bayreuth 1882-1933. Kassel 2009; Zelins­ky, Hartmut: Sieg oder Untergang: Sieg und Untergang. Kaiser Wilhelm II., die Werk-Idee Richard Wagners und der ,Weltkampf‘. München 1990.

21 Natürlich werden Aussagen, die sich generell auf Wagners Musikdramen beziehen und solche, die zwar in Verbindung zu einer anderen Oper getätigt wurden, aber auf den Ring des Nibelungen über­tragbar sind, mit in die Untersuchung einbezogen, wenn dies in dem jeweiligen Kontext sinnvoll ist.

22 Weiner, Marc A.: Antisemitische Fantasien. Die Musikdramen Richard Wagners. Berlin 2000.

23 Vgl. Umbach, Ein deutsches Ärgernis, S. 12. Diese Schätzung kann seriös natürlich nicht bestätigt werden. Sie versinnbildlicht aber den ausufernden Umfang der Publikationen, die sich mit Wagner und seinem Werk beschäftigen.

24 Die Probleme und Vorschläge einer Bibliographieerstellung zu Wagners Werken erörtert: Limberg, Eva-Maria: Richard Wagner-Bibliographie. Problemanalyse und Vorstudien zu einer neu zu erstellen­den Personalbiographie (= Arbeiten und Bibliographien zum Buch- und Bibliothekswesen, Bd. 7). Frankfurta. M. 1989.

25 Zu den Ursachen für diesen editorischen Mangel vgl. Borchmeyer, Dieter: Wagner-Literatur - Eine deutsche Misere. Neue Ansichten zum ,Fall Wagner“. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur, 3. Sonderheft, Forschungsreferate, 2. Folge, Tübingen 1993, S. 1-62. Außer­dem bietet Borchmeyer hier einen kleinen Überblick über die jüngere deutsche Wagner-Literatur.

26 Wagner, Richard: Gesammelte Schriften und Dichtungen, 10 Bde., Leipzig 1871-1883, 1883. Im Folgenden abgekürzt als GSD.

27 So bemerkte erst Jens Malte Fischer, dass der für diese Arbeit wesentliche Aufsatz Das Judentum in der Musik in den Gesammelten Schriften und Dichtungen zwar als von 1850 stammend gekennzeichnet wurde, in Wirklichkeit aber die verschärfte Fassung von 1869 ist. Vgl. Fischer, Das Judentum in der Musik, S.16.

28 Wagner, Richard: Sämtliche Schriften und Dichtungen in 10 Bänden, hg. von Wolfgang Golther, Leipzig o. J. [1911-1916]. Im Folgenden abgekürzt als SSD.

29 Dahlhaus, Chronologie oder Systematik, S. 128.

30 Wagner, Richard: Mein Leben. München 1963.

31 Vgl. Wagner-Egelhaaf, Martina: Autobiographie. Stuttgart2005, S. 17.

32 Chamberlain, Houston Stewart: Richard Wagner. München 1896.

33 Glasenapp, Carl Friedrich: Das Leben Richard Wagners. 6 Bde., Leipzig 1911.

34 Dahlhaus, Carl: Wagners Konzeption des musikalischen Dramas. München 1971.

35 Dahlhaus, Carlu. Deathridge, John: Wagner. Stuttgartu. Weimar 1994.

36 Vgl. ebd., S. 85.

37 Franke, Rainer: Richard Wagners Zürcher Kunstschriften. Politische und ästhetische Entwürfe auf seinem Weg zum Ring des Nibelungen. Hamburg 1983.

38 Der Direktor des Wagner-Museums Bayreuth Sven Friedrich sieht dies 2004 noch so. Ein engerer systematischer oder thematischer Zusammenhang des Judentum -Traktats zu den Zürcher Kunstschrif­ten sei nicht auszumachen, denn Wagners „Vision einer ästhetischen Weltordnung als Telos des Ge­samtkunstwerks“ habe keinerlei antisemitische Bezüge. Vgl. Friedrich, Deutung und Wirkung, S. 165.

39 Vgl. das Symposium „ Was deutsch und echt...“. Mythos, Utopie, Perversion. Die Beiträge zu dieser Tagung erschienen unter: Danuser, Hermann u. Münkler, Herfried [Hgg]: Deutsche Meister - böse Geister? Nationale Selbstfindung in der Musik. Schliengen 2001.

40 Vgl. Hein, Richard Wagners Kunstprogramm, S. 16.

41 Vgl. z. B. Brinkmann, Lohengrin, Sachs und Mime; Hinrichsen, Musikbankiers; Danuser, Universa­lität oder Partikularität?.

42 Vgl. in erster Linie die Studie von Weiner, Marc A.: Antisemitische Fantasien. Die Musikdramen Richard Wagners. (Original: Richard Wagner and the Anti-Semitic Imagination, Lincoln 1995.) Berlin 2000. Aber auch Scheit und Drüner arbeiten teilweise mit musikwissenschaftlicher Methodik.

43 Vgl. Anm. 41.

44 Vgl. z. B. Fischer, Richard Wagners ,Das Judentum in der Musik‘, S. 15; Friedländer, Hitler und Wagner, S. 170f.

45 Vgl. v. a. Bermbach, Udo: Der Wahn des Gesamtkunstwerks. Richard Wagners politisch-ästhetische Utopie. 2. überarbeitete und erweiterte Aufl., Stuttgart, Weimar 2004; ders.: Blühendes Leid. Politik und Gesellschaft in Richard Wagners Musikdramen. Stuttgart, Weimar 2003.

46 Vgl. Hein, Richard Wagners Kunstprogramm, S. 20.

47 Im Umkreis dieser beiden führenden Wagnerforscher sind u. a. Sven Friedrich, Peter Wapnewski, Ulrich Müller und Stefan Breuer zu nennen.

48 Vgl. Bermbach, Blühendes Leid, S. 319ff.

49 Vgl. v.a.: Zelinsky, Hartmut: Richard Wagner - ein deutsches Thema. Eine Dokumentation zur Wir­kungsgeschichte Richard Wagners 1876-1976. Frankfurt a. M. 1976; ders.: Die ’Feuerkur ‘ des Richard Wagner oder die ’neue Religion ‘ der ’Erlösung ‘ durch ’Vernichtung‘. In: Metzger, Heinz-Klaus u. Riehn, Rainer [Hgg.]: Richard Wagner. Wie antisemitisch darf ein Künstler sein? (= Musikkonzepte. Die Reihe über Komponisten, Heft 5). München 1978, S. 79-112; ders.: Die deutsche Losung Siegfried oder die ,innere Notwendigkeit‘ des Juden-Fluches im Werk Richard Wagners. In: Bermbach, Udo [Hg.]: In den Trümmern der eigenen Welt. Richard Wagner ,Der Ring des Nibelungen‘. Hamburg 1989, S. 201-251.

50 SieheKap. 4.2, S.37.

51 Mork, Andrea: Richard Wagner als politischer Schriftsteller. Weltanschauung und Wirkungsge­schichte. Frankfurta. M. 1990.

52 Hein, Annette: „Es ist viel ,Hitler’ in Wagner ". Rassismus und antisemitische Deutschtumsideologie in den Bayreuther Blättern’ (1878-1938). Tübingen 1996.

53 Vgl. BERMBACH, Udo: Über den Zwang, Richard Wagner immer wieder zu nazfizieren. In: Musik und Ästhetik 3 (1997), S. 82-90. (Schon der Titel der Rezension zu Heins Dissertation zeigt die abweh­rende Haltung und den gereizten Tonfall gegenüber wagnerkritischer Forschung.)

54 Katz, Jakob: Richard Wagner. Vorbote des Antisemitismus. Königstein Taunus 1985.

55 Rose, Paul Lawrence: Richard Wagner und der Antisemitismus. (Original: Wagner: Race and Revo­lution. London 1992.) Zürich 1999.

56 Fischer, Jens Malte: Richard Wagners ,Das Judentum in der Musik'. Eine kritische Dokumentation als Beitrag zur Geschichte des Antisemitismus. Frankfurt a. M. u. Leipzig 2000.

57 Drüner, Ulrich: Schöpfer und Zerstörer. Richard Wagner als Künstler. Köln u.a. 2003.

58 Vaget bemängelt in seiner umfangreichen Rezension zu Roses Buch, dass sich nur zehn Prozent des Buches mit Wagners Musikdramen beschäftigen würden. Dabei seien diese doch „die einzigen Mani­festationen seiner [Wagners] Kreativität, die wirklich zählen.“ Vaget, Wagner, Anti-Semitism, and Mr. Rose, S. 233.

59 Vgl. v. a. Köhler, Joachim: Wagners Hitler. Der Prophet und sein Vollstrecker. München 1999; ders.: Der Letzte der Titanen. Richard Wagners Leben und Werk. Berlin 2001.

60 Scholz, Dieter David: Richard Wagners Antisemitismus. Jahrhundertgenie im Zwielicht. Eine Kor­rektur. Berlin 2000.

61 Auerbach, Richard Wagner, S. 353.

62 Nietzsche, Der Fall Wagner, S. 116. Der Familienname Adler galt damals als typisch jüdisch.

63 Poliakov, Geschichte des Antisemitismus, Bd. 6, S. 237.

64 Zum Verhältnis Wagner - Meyerbeer vgl. neben Katz, Vorbote des Antisemitismus, S. 80ff. auch Oberzaucher-Schüller [Hg], Meyerbeer - Wagner, bes. S .71ff.

65 So etwa Fischer, Richard Wagners ,Das Judentum in der Musik‘, S. 77 und Hein, Richard Wagners Kunstprogramm, S. 50.

66 Für ein besseres Verständnis der Beziehung Wagners zu Meyerbeer und ihrer prägenden Folgen ist es hilfreich, die Zeit, die Wagners Aufenthalt in Paris vorausging, zu beleuchten. Das würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Für eine sehr gute Analyse zu Wagners Zeit als Kapellmeister in Riga siehe: Spohr, Mathias: Der adlige Komödiant und der Aufsteiger. Karl von Holtei und Richard Wagner in Riga. In: Oberzaucher-Schüller [Hg], Meyerbeer - Wagner, S. 52-70.

67 Vgl. Gay, Wagner aus psychoanalytischer Sicht, S. 257.

68 Wagner an Meyerbeer, 4. Februar 1837. Abgedruckt in: Oberzaucher-Schüller [Hg], Meyerbeer - Wagner, S. 142-145. In der Tat hatte der in Berlin als Jakob Beer geborene Meyerbeer eine erstaunli­che europäische Karriere beschritten.

69 Wagner an Schumann, 29. Dezember 1840. Abgedruckt in: Ebd.,, S. 179.

70 Wagner an Eduard Hanslick, 1. Januar 1847. Abgedruckt in: Ebd., S. 223.

71 Wessling, Meyerbeer. Wagners Beute - Heines Geisel, S.5.

72 Vgl. z. B. Mahler-Bungers, Die Rolle von Neid und Neidabwehr im Antisemitismus, S. 71f. und Jahrmärker, Wagners Aufsatz „Das Judenthum in der Musik, S. 138f.

73 Haubl, Neidisch sind immer die anderen, S. 88.

74 Mahler-Bungers, Die Rolle von Neid und Neidabwehr im Antisemitismus, S. 72.

75 In der Forschung sind auch die Bezeichnungen wie Pamphlet, Traktat, Hetz- und Schmähschrift gebräuchlich, um die Haltung der jeweiligen Autoren zu diesem Aufsatz von vornherein zu charakteri­sieren.

76 Die Neue Zeitschrift für Musik war das Zentralorgan einer jungen neuen, im weitesten Sinne „ro­mantischen“ Musikauffassung. Nach Dahlhaus liegen diesem Programm drei Wurzeln zugrunde: Die Wertschätzung des Alten, wie es sich besonders an Bachs Musik festmacht; die Ablehnung der unmit­telbaren Gegenwart, die für äußerlich und unkünstlerisch gehalten wurde und die Erwartung einer besseren Zukunft, für die man als Komponist und/oder Publizist eintreten wolle. Vgl. Dahlhaus, Carl: Klassizität, Romantik, Modernität. Zur Philosophiegeschichte im 19. Jahrhundert. In: Wiora, Walter (Hg.): Die Ausbreitung des Historismus über die Musik. Regensburg 1969, S. 261-276,hierS. 263f.

77 Zur Zeitstimmung und zum deutsch-jüdischen Verhältnis in der ersten Hälfte des 19. Jh. vgl. Katz, Vorbote des Antisemitismus, S. 15-39; Pfahl-Traughber, Antisemitismus in der deutschen Geschichte. S. 39ff.; Poliakov, Geschichte des Antisemitismus, 6. Bd., S. 155ff.

78 Eine Darstellung und Analyse dieser musikästhetischen Diskussion findet sich bei: Dahm, Topos der Juden, S. 143ff.

79 Wagner, Das Judentum in der Musik, S. 143. (Im Folgenden werden sämtliche Belegstellen aus Wagners Judentum-Aufsatz aus dem Abdruck in Fischers Dokumentation zitiert: Wagner, Richard: Das Judentum in der Musik. In: Fischer, Jens Malte: Richard Wagners ,Das Judentum in der Musik“. Eine kritische Dokumentation als Beitrag zur Geschichte des Antisemitismus. Frankfurt a. M. u. Leip­zig 2000, S. 139-196.)

Der Musiker Theodor Uhlig (1822-1853), ein enger Freund Wagners, hatte von April bis Juli 1850 in einer Artikelserie die Oper Le Prophète von Meyerbeer unter Zuhilfenahme sämtlicher abwertender Schlagwörter der Meyerbeer-Rezeption der 1830er und 1840er Jahre verrissen. Für sehr gute Analysen und die Einordnung der Diskussion vgl. Dahm, Topos der Juden, S.148-160 sowie Fischer, Richard Wagners Judentum in der Musik, S. 24-28.

80 Um 1850 war das Formulieren von Argumenten gegen die aufklärerischen Ideale von Emanzipation und allgemeiner Menschlichkeit in der kulturtragenden bürgerlichen und linksliberalen Schicht, zu der Wagner zählte und die Adressat seiner Schriften war, schwierig. Nach Mahler-Bungers ist Wagners Schrift gerade hierin ein Wendepunkt vom klassischen zum modernen Antisemitismus. Das Ringen Wagners um neue Argumentations- und Begründungszusammenhänge ziele darauf ab, „uralte und tradierte Judenbilder mit „modernen“ Denkschemata in Einklang zu bringen“. Vgl. Mahler-Bungers, Die Rolle von Neid und Neidabwehr im Antisemitismus, S. 67.

81 Wagner, Das Judentum in der Musik, S. 144.

82 Ebd., S. 146.

83 Ebd., S. 144.

84 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 84 Seiten

Details

Titel
Das Judentum in Richard Wagners "Ring des Nibelungen": Eine kritische Diskussionsgeschichte
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Musik und Musikpädagogik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
84
Katalognummer
V193213
ISBN (eBook)
9783656182870
ISBN (Buch)
9783656183525
Dateigröße
898 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ring des Nibelungen, Antisemitismus, Judentum, Richard Wagner, Alberich, Mime
Arbeit zitieren
Michael Günther (Autor), 2011, Das Judentum in Richard Wagners "Ring des Nibelungen": Eine kritische Diskussionsgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193213

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