Migration und psychische Gesundheit

Betrachtung der transkulturellen Psychiatrie


Studienarbeit, 2012

18 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 Migration
2.2 Kultur
2.3 Seelische Krankheit & Gesundheit
2.4 Psychische Erkrankungen (Auswahl)
2.4.1 Psychogene Störungen
2.4.2 Oligophrenien
2.4.3 Alkoholpsychose
2.4.4 Substanzabusus

3. Beispiel an Migranten aus den GUS
3.1 Psychische Verfassung
3.2 Beweggründe für die Migration nach Deutschland

4. Transkulturelle Psychiatrie
4.1 Interkulturelle Kernkompetenzen
4.2 Fallbeispiel

5. Rolle der Sozialarbeit

6. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Migration stellt Menschen vor schwerwiegende Probleme. Sie verlassen ihre angestammte Umgebung, lassen damit meist die Menschen zurück die ebengleiche Sprache sprechen wie sie und die die Kultur teilen mit denen sie aufgewachsen sind. Familien werden auseinander gerissen und es fällt allen beteiligten schwer damit zu leben. Dennoch wagen viele Menschen diesen entschiedenen Schritt oder sind aufgrund ökonomischer Gegebenheiten dazu gezwungen, meist in der Hoffnung ein besseres Leben führen zu können. Oder es sind Gründe ethnischer oder religiöser Natur die man hier als Exempel anführen könnte. Auch wenn die Gründe mannigfaltig, oft unergründbar oder offensichtlich sind, hat der Mensch schon immer dieses Wagnis eingegangen - auch unter dem Akzeptieren der Konsequenzen. Ohne in der Einleitung wissenschaftliche Studien anführen zu wollen, scheint es vielen Gelehrten als gesichert, dass der unterschiedliche Phänotyp der Menschen dadurch begründet liegt. Der Körper passte sich genetisch an die neue Umgebung an, über Jahrmillionen der Evolution. Doch der Mensch hat nicht so viel Zeit und muss sich veränderten Bedingungen - wie hier eine fremde Kultur - schneller anpassen zw. Sich möglichst sozialkonform adaptieren, ohne sich komplett zu assimilieren. Diese Arbeit will dem Phänomen der Migration unter Betrachtung der mit ihr auftretenden psychischen Erkrankungen eingehen. In den seltensten Fällen verläuft dies nämlich reibungslos in der ersten Generation der Migrierten. Zu Beginn ist es die Intention des Autors wichtige Begrifflichkeiten zu definieren - sich berufend auf einschlägige Fachliteratur. Es folgt daraufhin ein Beispiel von Migranten aus der ‚Gemeinschaft unabhängiger Staaten‘ - im weiteren Verlauf dieser Abhandlung GUS genannt - die hauptsächlich zur ehemaligen ‚Sowjetunion‘ (UdSSR) gehörten. Dieses Beispiel soll gegebenenfalls der expliziteren Erklärung dienen und Anschaulichkeit üben. Dann soll der Zusammenhang zwischen Migration und psychischer Erkrankung hergestellt werden. Besonderen Augenmerk soll dann - und im Zusammenhang - auf die transkulturelle Psychiatrie gerichtet werden. Ihre Relevanz soll deutlich werden. Ausgehend hiervon wird in dieser Arbeit besonderen Wert auf ‚Kulturelle Aspekte‘ der Diagnostik gelegt. Der Autor möchte nicht zwingend Missstände aufdecken, doch scheint eine Betrachtung der Komplikationen wichtig. Auch ist dem Autor - als letztem Punkt - die Rolle der Sozialen Arbeit ein wichtiges Anliegen dieser Arbeit.

2. Definitionen

Für den Beginn dieser Arbeit erscheint es dem Autor bedeutend, Definitionen wichtiger Begrifflichkeiten mit auf den Weg zu geben, den diese Abhandlung beschreiten will. Es erleichtert den weiteren Leseprozess sich diese Definitionen im Hinterkopf zu behalten und schafft ein größeres Fundament für das Verständnis und damit für ein besseres ebensolches im weiteren Leseprozess.

2.1 Migration

Vom Lateinischen kommend (migrare - wandern, umziehen) bedeutet Migration folglich Auswanderung. Wie der Begriff also vermuten lässt, handelt es sich hierbei um ein „… Kriterium der Dauerhaftigkeit…“ (Kampen, 2005, S. 2), denn ein Umzug ist etwas Dauerhaftes, so die persönliche Erfahrung des Autors; wenngleich dieser temporal begrenzt sein kann in Bezug auf die ins gesamte Dauer. Auch die Soziologie betrachtet dies als ausschlaggebenden Faktor für eine zumindest zeitlich verlagerten „… Lebensmittelpunkt…“ (Meinhardt, 2011, S.11). Es liegt in seiner Natur räumlich zu sein, da ein Punkt im dreidimensionalen Raum durch Verschiebung eben ein geänderter Punkt in benanntem Bereich ist. Betrachtet man dies nicht nur unter zeitlich relevantem Gesichtspunkt, sondern unter der Dualität von Zeit und Raum so ist die Logik schließend. Um diesen oft nicht leicht nachzuvollziehenden Gedanken auf ein Zitat zu bringen sei an dieser Stelle P. Han (2004, S. 7) nach Kampen (2005, S. 2) zitiert:

„In den Sozialwissenschaften werden unter dem Begriff der Migration allgemein solche Bewegungen von Personen und Personengruppen im Raum (spartial movement) verstanden, die einen dauerhaften Wohnortwechsel (permanent change of residence) bedingen.“ (Han, 2004, S. 7 nach Kampen, 2005, S. 2).

Han verbindet also elegant den räumlichen mit dem zeitlichen Aspekt. Beides zusammen ist eine vorzügliche Erklärung, die den Begriff der Migration hinreichend für diese Arbeit beschreibt und auch den soziologischen Ansprüchen - im Hinblick auf die Soziale Arbeit - genüge tut.

2.2 Kultur

Kultur entstammt, ebenfalls aus dem Lateinischen kommend, cultura „Bearbeitung, Pflege, Ackerbau“, von colere „wohnen, pflegen, verehren, den Acker bestellen“ zitiert nach Wikipedia (2012, siehe Anhang) und den bescheidenen Lateinkenntnissen des Autors dieser Abhandlung. Die erste Bedeutung zeigt unmissverständlich auf etwas vom Menschen zu Pflegendes, zu Bearbeitendes. An dieser Stelle ist es nachvollziehbar, dass alle Kulturelle Leistung dessen bedarf, um Erhalten zu bleiben. Ebenso wie der Ackerbau dessen bedarf, damit der Ertrag des Bodens für den Menschen nutzbar gemacht wird. Zudem ist der zweite Wortstamm aus dem Lateinischen damit deckungsgleich. Es scheint dem Autor wichtig die Übersetzung ‚wohnen‘ und ‚verehren‘ herauszustellen, da im Hinblick auf in den Medien viel diskutierte Migrationstendenzen der Aspekt verschiedener Religionen immer wieder pointiert wird. Wohnen wäre in diesem identisch mit dem vorher erwähnten und zitierten Lebensmittelpunkt - der in einer Wohnung oder einem Wohnverhältnis seine Manifestation findet. So die eigene Einschätzung und Meinung des Autors.

An dieser Stelle scheint eine Definition angebracht, wenngleich es unzählige zu geben scheint (vgl. Fellermeier, 2010, S. 4). In dieser Arbeit ist folgende Definition vom Autor als am besten zutreffend ausgewählt worden:

„A[n] historically transmitted pattern of meanings embodied in symbols, a system of inherited conceptions expressed in a symbolic form by means of which men communicate, perpetuate and develop their knowledge about attitudes towards life.“ (Geertz, 1975, S. 89 nach Roche, 2001, S. 10)

Geertz wird vornehmlich im englischsprachigen Raum favorisiert (vgl. ebd., 2002, S. 10), jedoch in dieser Arbeit genannt, da es dem Autor am besten geeignet erscheint. Es werden nicht nur historisch übermittelte Bedeutungen von Symbolen, eine Systematik von vererbten symbolischen Vorstellungen wie Menschen miteinander kommunizieren bzw. zu kommunizieren haben, sondern eben auch wie sie ihr Wissen aufrechterhalten, weitergeben und entwickeln ebenso wie die Einstellung zum Leben an sich.

2.3 Seelische Krankheit & Gesundheit

Die Definition dieses Dualismus fällt nicht leicht, da ‚Normalität‘ ein nicht fassbarer Begriff ist und daher eine Definition unmöglich erscheint. Jedoch kann sich den Begriffen Krankheit und Gesundheit indirekt genähert werden. Dazu ist ein Spliting - eine Aufteilung - von Krankheit und Gesundheit. Im Laufe dieses Kapitels soll auf den psychischen Aspekt dieser dichotomen Begriffe eingegangen werden. Die Welt- Gesundheitsorganisation (World Health Organisation - WHO) definiert Gesundheit wie folgend:

„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheiten und Gebrechen.“

(WHO, 1946, siehe Anhang zitiert nach Vetter, 2001, S. 8).

Krankheit ist im Umkehrschluss, das Vorhandensein solcher Krankheiten oder Gebrechen, wenngleich auch das Abhanden sein von physischem, psychischem oder sozialem Wohlbefinden ein ‚Kranksein‘ bedingen kann, wobei nach Einschätzung des Autors dieser Arbeit auch nur ein Gesichtspunkt ausreichen würde, um einen solchen Zustand zu bewirken. Erkrankung - besonders im psychischen Bereich - sind nach der eigenen Erfahrung des Autoren dieser Studienarbeit Problematiken die sich aus mehreren Aspekten zusammensetzen können und die eine gewisses Potential brauchen - welches über einen kurzen oder langen Zeitraum - aufgebaut wird. Es kommt dann gleichsam zu einer Dekompensation und der Betroffene steckt gleichsam in einem Teufelskreis fest. Dies entspricht wie erwähnt der eigenen Erfahrung des Autors an sich selbst und aus der fünf jährigen Berufserfahrung im gesundheitlichen Bereich. Es handelt sich somit nicht um wissenschaftliche Erkenntnis und somit bleibt der Autor an dieser Stelle einen Literaturverweis schuldig.

2.4 Psychische Erkrankungen (Auswahl)

In dieser Arbeit werden einige psychische Erkrankungen genannt werden, denen in Ihrer Bedeutung vorweg genommen werden soll, um ein Verständnis der Begriffe zu gewährleiten. Ein Glossar würde gegen die Auffassung des Autors verstoßen die Begrifflichkeiten nur unzureichend zu erklären, sondern es besteht immer Anspruch und Aufforderung zur Erklärung. Auch wenn diese zusammenfassende Erklärungen sollen nicht ein medizinisches Wörterbuch ersetzen, sondern vielmehr ein entspanntes Lesen ermöglichen. Fachkompetenz soll von den Erklärungen nicht erwartet werden, dennoch beruft sich der Autor auf Fachliteratur.

2.4.1 Psychogene Störungen

Bei einer psychogenen Störung handelt es sich um die „… Manifestation eines Konfliktes in Form einer psychogenen Erkrankung…“ (Studt et. al., 1999, S. 30). Die Definition aus Studt und Petzold lautet wie folgt und Sie trifft den Begriff genau:

Psychogene Erkrankungen sind reaktive Anpassungsstörungen von klinischer Relevanz. Sie sind Ausdruck einer konflikthaft situationsbezogenen und

persönlichkeitsspezifischen Erlebnisverarbeitung und manifestieren sich bezogen auf die psychosoziale Biographie des betroffenen Individuums.

(Studt et Petzold, 1999, S. 30)

2.4.2 Oligophrenien

Aus dem griechischen kommend bedeutet oligo wenig und phren Verstand, Zwerchfell. Es handelt sich hierbei um eine veraltete Bezeichnung für geistige Behinderung (vgl. Pschyrembel, 1998, S. 1153). Geistige Behinderung ist nur schwer zu beschreiben bzw. es liegt immer am - meist subjektiven - Urteil der Umgebung oder von Ärzten etc. Gemessen wird diese ‚Behinderung‘, ob nun organbedingt oder nicht, an der Leistungsfähigkeit meist intellektueller Natur. Dennoch gibt es auch hier Ausnahmen. Die exakte Definition ist also denkbar schwer möglich (vgl. Niedecken, 2003, S. 31). Dennoch soll eine allgemeine Beschreibung nach ICD-10 (International Classification of Diseases) hier nachgelegt werden:

ICD-10 differenziert eine leichte Intelligenzminderung mit einem IQ-Bereich von 50 bis 69 (F70), mittelgradige Intelligenzminderung mit IQ von 35 bis 49 (F71), schwere Intelligenzminderung mit IQ zwischen 20 und 34 (F72) und schwerste Intelligenzminderung (IQ von unter 20 - F73).

(ICD-10 zitiert nach Huber, 2005, S. 580)

2.4.3 Alkoholpsychose

Alkoholismus gehört auch bei uns in der Bundesrepublik Deutschland zu den häufigsten Suchterkrankungen. Er ist leicht verfügbar und preisgünstig. Um sich der Definition zu nähern, beruft sich der Autor auf Singer und Teyssen die in ihrem Buch ‚Alkohol und Alkoholfolgekrankheiten‘ (2005) auf genau dieses Thema eingehen. Zuerst ist es sehr interessant zu bemerken, dass in dem genannten Buch Alkoholismus und Morbus Alzheimer in einem Kapitel zusammen genannt werden, wobei sich beide Erkrankungen nicht bedingen, aber grundsätzlich Alkoholgabe Morbus Alzheimer verschlimmern kann und sich das „… Wernicke-Korsakow-Syndrom…“ (Singer et al., 2005, S. 507) mit seinem Gedächtnisausfällen sehr stark von der Symptomatik an Morbus Alzheimer anlehnt (vgl. ebd., 2005, S. 507). Eine Alkoholpsychose wird von den genannten Autoren wie folgt beschrieben:

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Migration und psychische Gesundheit
Untertitel
Betrachtung der transkulturellen Psychiatrie
Hochschule
SRH Hochschule Heidelberg
Veranstaltung
Integration und Interkulturalität
Note
2,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V193665
ISBN (eBook)
9783656254928
ISBN (Buch)
9783656256007
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Interkulturalität, Migration, transkulturelle, Psychiatrie, Integration, Sozialpädagogik, Einwanderung, psychische, Probleme, Migranten
Arbeit zitieren
Jan-Sebastian Müller-Wonnenberg (Autor), 2012, Migration und psychische Gesundheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193665

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